Archiv für Juli 2010

Some girls bleed more than once in a month

Menstruation Skateboards Käthe Ivansichs Diplomarbeit „Menstruation Skateboards“ richtet sich gegen das frauendiskriminierende Design von Skateboards und Skatewear: „Zum Teufel mit Rosa, Schmetterlingen und floralen Mustern“ schimpft sie auf ihrem Portfolio-Blog: „‚Menstruation Skateboards‘ ist ein selbstbewusstes, feministisches, polarisierendes Corporate Identity Projekt basierend auf eine Marktlücke und ist alles, bloß nicht nett.“ Spannend finde ich eben den offensiven Umgang mit dem Tabu „Menstruation“, der einst einmal eine Errungenschaft feministischer Auseinandersetzung war. Oftmals ist die Möglichkeit sich „klassisch weiblichen“ Designs zu entziehen eben jene, einfach in der „Jungsabteilung“ zu kaufen. Hier wird ein völlig anderer Weg gewählt, nämlich einer, der offensiv das zur Schau trägt, was sowohl Blümchenboards als auch Hardcore-Design auf gar keinen Fall berühren möchten: real existierende Körperlichkeit, Blut. Und das ganze ohne Frauen universalisierenden Eso-Touch (siehe Leonies Beiträge zur Menstruationshütte). Ich bin stark für eine Serienproduktion!

In Wien sind die Einzelstücke derzeit in der Secession im Rahmen der Ausstellung where do we go from here? noch bis Ende August 2010 zu sehen. Weitere Bilder: http://www.menstruationskateboards.com/

Menstruation Skateboards

Nach diversen Beiträgen bei uns (im Archiv zwischen 20. Juni und 4. Juli) gibt es jetzt ein Interview mit Judith Butler in der Jungle World das für neuen-alten Zündstoff sorgt: „In diesem Kampf gibt es keinen Platz für Rassismus“

Homonormativity

Fight heteronormativity. So what about homonormativity?
Haben wir nicht selber da ein Schubladendenken? Ich finde es gibt auch eine Norm für /und von? all denen, die queer sind/sein wollen?, anders, alternativ, nicht-hetero. Es ist doch bei den wenigsten so, dass „alles erlaubt und alles toleriert ist“, wie es immer so schön heißt. Einerseits gibt es die klischeehaften Rollenbilder der Butch, Femme, Lipstick-Lesbe etc., die garantiert nicht wertfrei formuliert sind, andererseits gewinne ich den Eindruck, dass immer mehr das männliche Rollenbild sich auch durch alle Lesben drängt- „männlich“ sein oder bitteschön mindestens androgyn- ist das einzig wahre und coole- die weiblichen Lesben erfüllen doch angeblich das heternorme Rollenbild- da wird dann statt dessen wohl besser alles gleich vom Männerbild überschattet. Bloß nicht im Rock auftauchen, bloß keine langen Haare haben. Denn das ist ja gleich „zurück sein“ oder womöglich „nicht zu seiner Sexualität stehen“. Aber ist man nicht einen Schritt weiter, wenn man sich darüber hinweg setzt das „coole Lesbenbild“ zu erfüllen? Denn tatsächlich soll es so sein, dass es Lesben gibt, die Einfach So (!) gerne Röcke tragen, ohne dabei den Männern, Schwiegereltern oder dem Chef gefallen zu wollen. Aber dafür ernten diese dann in der Szene herablassende Blicke a la „die weiß wohl noch nicht auf welcher Seite sie steht“ oder „wie verwei/ch/blicht“. Ist das Anti-heternonormativität? Ist frau nur lesbisch, wenn sie männlich ist? Ist mann nur schwul, wenn er weiblich ist?
Wirkliche Toleranz und Offenheit hinsichtlich dessen gibt es nur in wenigen Anti-hetero-Kreisen.
Aber vielleicht wird’s ja irgendwann noch was….

Nicht interessiert

Gefunden in diesem großartigen Photostream.

Nachtrag: Anscheinend sind die Photos ein Sideprojekt von The 17 magazine project, das auch ganz cool ist sowie Jamies Blog Teenagerie, der beobachtet, wie die Medien auf Teenager reagieren.

Queer BDSM/Muss Sex immer GV und Orgasmus heißen?

Audio-Mitschnitte der Veranstaltungen zu Macht in queerem BDSM und Muss Sex immer Geschlechtsverkehr + Orgasmus heissen? des [femarchiv potsdam].

Montags-Mädchenblog-Treffen Berlin

Einige Berliner Mädchenblogger_innen trafen sich letzten Freitag erstmals im Silver Future in Berlin – erstmal zum kennenlernen und austauschen. Wir kamen ziemlich schnell zu dem Schluss, dass uns ein Austausch im Real Life wichtig ist- weil viele Dinge dann schneller zu klären sind, weil so neue, gemeinsame Ideen entstehen können und wir herausfinden können, was uns gemeinsam wichtig ist, nervt oder wozu wir Unterstützung brauchen.
Außerdem sind wir neugierig: wer liest unseren Blog eigentlich? Gibt es Leute, die eigentlich gerne schreiben würden, aber sich in einer eher anonymen Struktur nicht wohl fühlen?
Darum haben wir kurzerhand beschlossen, ab jetzt einmal im Monat ein Mädchenblog-Treffen in Berlin abzuhalten: An jedem ersten Montag im Monat im Silver Future in der Weserstr. 206 in Berlin-Neukölln. Willkommen sind ausdrücklich nicht nur Autor_innen des Blogs, sondern auch Leser_innen.
Das erste Treffen findet am 02. August ab 19.00 Uhr statt. See you on the edge of a silver future …

Wanted

Laut einer neuen Studie wollen sowohl Kitabetreiber als auch -nutzer gerne mehr Männer unter den ErzieherInnen – bisher sind nur 2,4% der Fachkräfte männlich.

Schön ist, daß die Diskussion abseits vom maskulistisch-polemischen „Frauen diskriminieren automatisch kleine Jungs“-Niveau geführt wird.

Kinder sollten eine „Vielfalt von Menschen“ erleben, sagt der Pädagoge: „Und sie sollten sehen, wie Frauen und Männer gemeinsam arbeiten.“ Vor allem für Jungs seien „reale Männer“ wichtig: keine Machos und keine klischierten Supertypen, wie sie oft in den Medien vorkämen, sondern Männer mit Brüchen, die „mal traurig sind, mal wild und auch mal still“.

Klingt soweit sinnvoll! Ob auch Personen, die nicht klar als männlich oder weiblich zu identifizieren sind, in dieser gewünschten Vielfalt gern gesehen wären, ist wohl fraglich. Aber nun, ein Schritt nach dem anderen.

Der niedrige Männeranteil in diesem Beruf geht – oh Wunder – unter anderem auf die miese Bezahlung zurück. Die gibt es zwar auch in männlich konnotierten Berufen, aber in Kombination mit schlechten Aufstiegsmöglichkeiten und dem Bruch mit patriarchalen Vorstellungen dient sie nicht gerade als Anreiz.

„Die Tätigkeit in einer Kindertagesstätte ist für Männer attraktivert, wenn sie eine Kitaleitungsstelle einnehmen können“, heißt es in der Studie. Ähnliches belegen auch andere Zahlen. So gibt es während der Ausbildung noch etwa zehn Prozent Männer. Viele aber verlassen den Job schon in den ersten Jahren ihres Berufsdaseins.

Auch schön ist, daß – gerade in diesem Bereich – der Grundgedanke des Feminismus als positiv gewertet wird, er als Chance begriffen wird, anstatt daß – wie sonst so oft – gleich ein Geschlechterkrieg ausgerufen wird:

Die Ergebnisse der Studie dürften Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erfreuen. Sie tat gleich zu Beginn ihrer Amtszeit kund, dezidiert Jungen- und Männerpolitik machen zu wollen. Mit dem Feminismus konnte sie nie etwas anfangen.

Für Höyng hingegen ist der Feminismus eine „wichtige Quelle“: „Wenn es darum gehen sollte, dass Jungs am starken Mann gesunden sollen, kann ich das nicht vertreten.“ Seit Jahren beschäftigt sich der Pädagogik-Professor mit Gender Mainstreaming und Gleichstellung.

Na dann mal bitte weiter, getreu dem vulkanischen Motto „Unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen“ ;)

QueerFilmFest Rostock 29.–31.07.2010

Vom 29. bis 31. Juli findet übrigens das QueerFilmFest in Rostock statt. Wer in der Gegend ist oder es nicht zum Queerfestival in Kopenhagen schafft, kann ja mal einen Blick aufs hiesige Programm werfen.

QueerFilmFest Rostock

BHs oder Zwillingswindel?

Susanne Klingner auf der taz über das Wegsperren von Nippeln unter Watte, das Normieren des weiblichen Busens.

Über Feminismus

Feminists do not want to see men degraded.
Feminists do not have a fixed idea of men’s „proper role“ in the family or in life.
Feminists do not want to see a Senate that’s 83% women, or a corporate leadership that’s 85% female.
Feminists do not want men to be paid less than women, or receive fewer career opportunities.
Feminists do not fetishize men’s bodies while ignoring their minds.
Feminists do not condone or excuse violence against men.
Feminists do not want men to lose their access to family planning and healthcare.
Feminists do not want to erode men’s control over their own bodies and lives.
Feminists do not want to teach young boys to be submissive and passive.
Feminists do not demand men be constantly sexually appealing and available, then shame them when they are.
Feminists do not describe men as less intelligent, or more emotional, or as somehow different from humans in their thought processes.

Feminists want to give to women, not to take from men.

(Please note that the counterpoint to all these things is „sexists,“ not „men.“)

The Pervocracy: Feminism is not sexism on Opposite Day.