Archiv für August 2010

Der Standard macht´s möglich

Um regnerische Tage wie heute zu überstehen, sollte man gar nicht erst versuchen aufzustehen und rauszugehen, sondern lieber mit Kaffee und Zeitung im Bett bleiben. Genau das hatte ich heute vor – die Werbeabteilung meiner Tageszeitung hat der morgendlichen Ruhe aber ein jähes Ende gesetzt. Als ich nämlich bis ich zum Kulturteil des Standards durchgedrungen bin, finde ich auf Seite 18, in der Rubrik „MedStandard“, eine Anzeige der „Aktion Leben Österreich“.

Der Standard ist jetzt gewiss kein revolutionäres Medium, noch unterscheidet er sich von der bürgerlichen Berichtserstattung großer, deutscher Tageszeitungen, die Werbung hat mich aber doch zutiefst erschrocken. Mir ist dabei klar (nur um jetzt eine Grundsatzdebatte um Werbung in einer kapitalistischen Gesellschaft zu verhindern) dass Werbung im Allgemeinen nichts Gutes ist und die meisten werbenden Firmen Dreck am Stecken haben.
Und vielleicht war es auch naiv zu glauben, dass „linkere“ Medien sich von den frauenfeindlichen Positionen der LebensschützerInnen fernhalten und auf ihr Geld verzichten.
Die mediale Öffentlichkeit die diesem Verein dadurch geboten wird ist aber trotz allem beunruhigend. Zumal Anzeigen wie diese Frauen bewusst zu falschen Beratungsstellen lotsen. Die Reklame mag zwar auf den ersten Blick relativ harmlos und vielleicht auch einladend wirken, ein Klick auf die Website lässt aber tiefer blicken.

Jede und jeder von uns hat als Embryo mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle begonnen.

Damit wird jede Frau die sich für einen Abbruch entscheidet und nicht gewillt ist sich einer christlichen Weltanschauung zu unterwerfen, als Mörderin diffamiert. Der Verein verzichtet zwar darauf Stimmung für ein totales Abtreibungsverbot zu machen, ergebnisoffene und sachliche Beratung können Frauen von diesen Stellen jedoch trotzdem nicht erhoffen. Zutief sitzt der Irrglaube dieser Menschen, dass nur das Leben des Fötus zu schützen sei. Dass eine Frau einfach kein Kind will , passt nicht in deren beschränktes Weltbild.

Wir wollen, dass Schwangerschaft und Geburt von allen Beteiligten positiv erlebt werden können und die Gesellschaft die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schafft.

Eine Schwangerschaft bedeutet für die Frau mitunter die größte Herausforderung ihres Lebens. Gemeinsam mit ihr wollen wir tragfähige Konzepte entwickeln, damit auch eine unerwartete oder aus anderen Gründen konfliktbeladene Schwangerschaft angenommen werden kann.

Leser_innenbriefe bzw. Beschwerden über derartige Anzeigen bitte an:

chefredaktion@derStandard.at
leserbriefe@derStandard.at

Neue Gruppe in Berlin zu queeren Elternschaften*: „Queer und Kind“

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie das eigentlich gehen soll mit dem Queer-Sein und dem Kinder-Kümmern, schaut mal auf dem Blog der neuen Gruppe „Queer und Kind“ vorbei. Die Gruppe richtet sich dabei an „Menschen mit einem linken herrschaftskritischen und queeren Hintergrund, welche elternschaftliche* Beziehungen zu jungen Menschen leben möchten“. Sie soll Raum zum Diskutieren, Planen, Reflektieren, aber auch zum Aufbau von konkreten Elternschaften* sein.

Also, keinen Bock auf bürgerliche Kleinfamilie, egal ob homo oder hetero? Das klassische Familienmodell hat Dich schon immer angesaugt, weil Du mit Deinem Beziehungsmodell nicht reinpasst? Für junge Menschen Verantwortung übernehmen, aber nicht (zwangsläufig) mit der Liebesbeziehung? Dann ab zu „Queer und Kind“!

Kein Monat ohne…

… Kristina Schröder. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man bei einem Besuch der Seite Christina Schröders schon fast lachen. Die Schlagwörter.Box hatten wir ja hier schon einmal, jetzt neu „der Politikbrief“. Schon nach der Anrede sollte mensch eigentlich aufhören diese Ministerin ernst zu nehmen.
Der Brief beginnt mit:

Liebe Abonnenten,

Ok, Frauen sollen sich ja eh nicht für Politikbriefe interessieren, sondern lieber Nachwuchs gebären, vor allem wenn sie deutsche Akademikerinnen sind, denn Frau Schröder liebt deutsche Kinder aus gutem Hause.

Wenn man dann wissen will was unsere Frau Schröder sonst so für ihr Geld tut, findet man sich sofort in der schönen Welt der Heteronormativität wieder, mit allen alten Rollenbildern inklusive.

Im Familienministerium habe ich im Juli das Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas“ ins Leben gerufen. Der Männeranteil beträgt nur 2,4 Prozent. Hinzu kommt, dass Kinder in vielen Familien zum Teil ganz ohne Vater aufwachsen oder sich der Vater kaum an der Kindererziehung beteiligt. Das führt dazu, dass männliche Rollenvorbilder fehlen. Und das wirkt sich – besonders bei Jungs – negativ auf das Bindungs-, Aggressions- und Gewaltverhalten sowie auf die Bildungschancen aus.

Mädchen hingegen brauchen keine Väter oder Männer, die sind ja eh nicht aggressiv oder gewaltbereit, sondern trainieren lieber mit der Puppe unter Arm ihre zukünftige Rolle als Mami. Liebe Welt versteh doch endlich Männer und Frauen sind anders, schon von Geburt an.

Heutzutage sind ja eher die kleinen Jungs benachteiligt. Voran das wohl liegt? Vielleicht an einem antiquitierten Männlichkeitsideal? Nein, ganz und garnicht es liegt eher an Schmetterlingen und fehlenden Ritterburgen.

Auch was die Unterrichtsmaterialien betrifft, müssen Jungen stärker berücksichtigt werden: Die meisten Eltern sagen, dass sich ihre Söhne nun mal eher für Fußball oder Ritterburgen interessieren. Ich möchte, dass Lehrkräfte auch ganz gezielt typische Jungs-Themen ansprechen. Achten sie doch mal darauf, wenn Sie demnächst an einer Kita vorbeikommen: Dort hängen meist gebastelte Schmetterlinge, Blumen und Prinzessinnen im Fenster – und eben keine Feuerwehrautos und Raketen!

Ist das wirklich ihr ernst Frau Schröder? Es sind doch genau diese Rollen, die Jungs zu frechen Buben werden lassen und die Mädchen zu strebsamen, braven Schülerinnen. Die einzige Lösung dieses Problem liegt in einer Erziehung jenseits von Geschlechterstereotypen.

Naja Frau Dr. Schröder, an Ihnen scheint wohl die kritische und emazipatorische Lehre abgeprallt zu sein, oder vielleicht haben sie auch nur die ein oder andere Vorlesung geschwänzt um in die Kirche zu gehen und ein paar „Vater Unser“ zu summen. Denn die Ziele unserer Super-Ministerin sind:

christliche Werte. Unsere Gesellschaft ist wesentlich vom Christentum geprägt. Für mich ist es ein wichtiger Anker für Werte und der christliche Glaube ein großer Schatz.

Na dann, auf eine weitere Folge „Warum mich diese Frau fertig macht!“

Kein Ende in Sicht

Zwar ist es gleichgeschlechtlichen Partner_innen endlich erlaubt in Argentinien zu heiraten, in Sachen Reproduktive Rechten scheint sich aber nichts zu bewegen. Wie Sarah Diel die auf dem Blog des European ProChoice Networks berichtet sind illegale Abtreibung immernoch die Haupttodesursache für schwangere Frauen.

In 2008, more than 20 percent of deaths resulting from obstetric emergencies were caused by unsafe abortions, according to a report issued by Human Rights Watch.

Die neue Präsidentin de Kirchner scheint vor dieser Tatsache aber konsequent die Augen zu verschließen und nimmt somit den Tod dieser Frauen in Kauf.

There had been some hope about President Fernandez de Kirchner’s position on abortion because she’s a women. But she has firmly stated on numerous occasions that she has “always been against abortion.

Die fehlende Sexualaufklärung gemischt mit dem Abtreibungsverbot wird für viele Frauen und Mädchen zu einem tödlichen Trunk.

Official figures estimate that 40 percent of pregnancies (500,000) per year end in illegal abortions. Each year about 68,000 women enter public hospitals due to complications from unsafe abortions, and about 100 of those women will die.

Beschwerden wie immer an die katholische Kirche.

The Catholic Church has enormous influence in Argentina, where 91 percent of the population is Catholic, and it opposes not only abortion but birth control and sex education, keeping the laws on the books from being enforced.

Sehr schön noch die abschließenden Worte:

I’ve often heard anti-choice mourning about the prevented birth of another Einstein or Gandhi. But what about the loss of a talented woman who dies from an illegal abortion? Or what happens to a young woman who can’t continue her education due to an unplanned pregnancy and is doomed to a life of poverty or trapped in a violent relationship because she’s economically dependent on a man? How many of these women could have been president (albeit with better politics than Fernandez), doctors, ministers of health, teachers, composers or scientists? Of course they couldn’t have been priests, but that’s another issue.
The Catholic Church, President Fernandez and anti-choice activists everywhere don’t want to hear about a woman’s life and potential. It’s only the fetus they imbue with a future.

Nicaragua: Verfahren gegen Abtreibungsaktivistinnen wird eingestellt

Wie Amnesty International berichtet wird ein Verfahren gegen neun Frauen eingestellt, welche einem neunjährigen Vergewaltigungsopfer zu einer legalen Abtreibung verholfen hatten.

Am 28. April 2010 erhielten die neun Frauenrechtsaktivistinnen Ana Maria Pizarro, Juanita Jiménez, Lorna Norori, Luisa Molina Arguello, Marta María Blandón, Martha Mungia, Mayra Sirias, Violeta Delgado and Yamileth Mejía die offizielle Benachrichtigung, dass nach zweieinhalb Jahren das Verfahren gegen sie endgültig eingestellt wurde. Sie waren angezeigt worden, weil sie 2003 einem vergewaltigten neunjährigen Mädchen zu einem legalen Schwangerschaftsabbruch verholfen hatten.

Nicaragua hat seit 2006 eines der striktesten Abtreibungsgesetze weltweit. Abtreibung sind in keinem Fall erlaubt. Zurückzuführen ist diese Menschenrechtsverletzung auf Daniel Ortega und dessen Frau Rosario Murillo, beide erhofften sich, durch die Propagierung eines Totalverbots, die Unterstützung der katholischen Kirche, in den darauffolgenden Wahlen zu erhalten. Am 26.10.2006 wurde das neue Abtreibungsgesetz schließlich, mit 28 Stimmen der sandinistischen Partei FSLN, im Parlament verabschiedet.
Wie man am Beispiel der krebskranken und schwangeren Amalia sah, der eine lebensrettende Behandlung untersagt wurde, da die Ärzte fürchteten den Fötus zu beschädigen und angezeigt zu werden, bedeutet diese Gesetz für viele Frauen ein Todesurteil.

1000 Kreuze in die Spree! 2010

Auch dieses Jahr wieder rufen christlich-fundamentalistische Gruppen zum „Marsch für das Leben“ in Berlinauf. Mit Propaganda und flaschen „Fakten“, aber auch mit prominenter Unterstützung, etwa von Eva Herman, kämpfen sie für ein kompletttes Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen und für eine Gesellschaftsordnung, die patriarchal und homophob ist. Das Bündnis „1000 Kreuze in die Spree!“ ruft auch dieses Jahr wieder zu einer Kundgebung gegen die selbsternannten Lebensschützer auf:

Abtreibungsverbote abschaffen – Gegen christlichen Fundamentalismus

Für den 18. September 2010 mobilisiert der Bun­desverband Lebensrecht zu einem „Schweigemarsch“ mit dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“. Damit wollen die selbst ernannt­en Lebensschützer für ein generelles Verbot von Abtreibungen demonstrieren.

Wir rufen dazu auf, dem Marsch der Fundamentalist_innen laut und mit vielfältigen Aktionen entgegenzutreten und fordern:

• Streichung des Paragraphen §218 aus dem Strafgesetzbuch

• Entscheidungsfreiheit für oder gegen eine Abtreibung ohne Bevormundung

• Die Verwirklichung des Rechts auf freie Familienplanung und Sexualität für alle, ohne dabei die Freiheiten anderer einzuschränken
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Ich frage mich…

…warum Österreich EU Vorletzter ist, in Frage der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau im Job?
…warum die öffentliche Frauenbewegung nach Johanna Dohnal eingeschlafen ist.
…warum es den jungen Mädchen und Frauen eigentlich egal ist und meinen es gibt die Gleichberechtigung eh schon.
…warum sich Menschen so dagegen wehren zu gendern und die Frau in der Gesellschaft unsichtbar machen.
…warum Werbungen wie die Axe- Werbung überhaupt erlaubt ist.
…warum LehrerInnen nichts-rein gar nichts- für die Gleichberechtigung tun.
…warum immer gleich das Argument kommt:“ Wenn Frauen Gleichberechtigung wollen, müssen sie auch zum Bundesheer!“ und danach kommt kein Argument mehr. Immer nur dieses eine und nach einer Zeit vergeht einem die Lust mit solchen Mensch zu diskutieren.

Ja, solche Fragen tauchen immer und immer wieder in meinem Kopf auf, wenn ich durch meinen Alltag spaziere. Ich will eine Demo machen! Um der Welt zu beweisen, dass die Frauenbewegung noch nicht eingeschlafen ist. Aber ich brauche Unterstützung! Und wenn hier irgendwer aus Österreich da ist, der meinen Blog liest, dann bitte schreib mir. :)

Peace!
Furby:)

Dirty Magazines

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Süßes Comic bei gurl.com. Das ganze Comic kann man hier.

Ärzte Mit Grenzen

Pakistan steht unter Wasser, 6 Millionen Menschen brauchen dringend Lebensmittel und Trinkwasser, 14 Millionen Menschen sind von der Flut betroffen. Im Moment befürchten die Hilfsorganisationen vor allem den Ausbruch von Epidemien, Cholera-Fälle gibt es bereits.
Pakistan wird mit dieser Situation nicht alleine fertig werden, und allein die Anzahl der betroffenen Menschen ist – für mich- fast unvorstellbar.
Ärzte ohne Grenzen ist eine der Organisationen, die die so dringend benötigte Hilfe bereitstellen. Ich zweifle allerdings gerade sehr an den ethischen Grundsätzen, mit denen die grenzenlosen Ärzte an ihre Arbeit herangehen. Der Präsident der deutschen Sektion gab am 12.08.2010, kurz vor seinem Abflug nach Pakistan, ein Interview, in dem er ziemlich haarsträubende Dinge von sich gab:

Es sei selbstverständlich, dass seine Kolleginnen dort Kopftücher trügen, um auch von der Bevölkerung akzeptiert zu werden, sagte Tankred Stöbe (41), Präsident des deutschen Zweigs der Nothilfe-Organisation, in einem epd-Gespräch am Donnerstag, kurz bevor er nach Pakistan flog.

Frauen im Katastrophengebiet würden auch nur von Ärztinnen oder Krankenschwestern behandelt, nicht von männlichen Medizinern. Der Respekt vor der Kultur gehe soweit, dass Frauen nicht behandelt würden, wenn der Ehemann das ablehne.

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Das neue Missy Magazine im neuen Design erscheint am 16.8.!

Unser aller liebstes Popkultur-für-Frauen-Hochglanz-Magazin-dass-wir-am-Kiosk-kaufen-können präsentiert sich ab der nächsten Ausgabe in einem neu konzipierten Komplettdesign. Dies ist nicht zuletzt auf dem Mist zwei neuer Köpfe im Missy-Team gewachsen: Artdirektorin Daniela Burger und Bildchefin Hedi Lusser verpassten der neuen Ausgabe den neuen Look. Auch neu im Kernteam rund um Missy ist Margarita Tsomou – es tut sich also einiges!

Zusammen mit der tollen Coverstory (ein ausführliches Interview mit M.I.A.!) sollte Euch das schon 4,90 Euro wert sein (finde ich). ;)

Missy Mag 08 2010