Girls with Guns: Antisexistischer Ego-Shooter

In den USA ist ein Ego-Shooter auf den Markt gekommen, bei dem mensch durch eine Stadt laufend von zahlreichen Typen angequatscht wird – und entscheiden kann, ob es für ein „Nice Bounce, Baby!“ Herzchen gibt oder nicht doch eher eine Salve aus der „3′ long .80 caliber machine gun“. Das für und wieder des Spiels wägt Helga Hansen in der Jungle World ab, von mir nur so viel: Wenn dieses Spiel den Effekt hat, dass ich einem Typen weniger zwei Stunden lang meinen Alltag schildern und erklären muss, dass es nicht geil ist, wenn Einer auf dem Weg zum Bäcker drei Typen mehr als auffällig auf die Titten gucken und einem einer davon noch hinterherpfeift, und dass das keine Ausnahme, sondern Alltag ist, hat dieses Spiel seinen Zweck erfüllt. Und nach einem Tag, an dem mir besonders viele dreiste Sexisten über den Weg gelaufen sind, ein paar davon virtuell abzuknallen, war gar nicht so schlecht.

Hier noch der Jungle Artikel:

Auf den ersten Blick könnte »Hey Baby« ein Ego-Shooter sein wie jeder andere auch. Doch hier sind die Feinde keine Zombies, die irgendwo aus den Gräbern gestiegen sind und unschuldige Menschen verfolgen, sondern Männer, die auf den Straßen einer US-amerikanischen Kleinstadt Frauen anmachen. Selbst ungeübte Computerspielerinnen und -spieler merken schon beim Besuch der Webseite heybabygame.com, dass es sich um kein normales Spiel handelt. Angaben zu Preisgestaltung, Hard- oder Softwareanforderungen fehlen völlig, außerdem kann man das Spiel nur auf der Seite online spielen oder kaufen. Wegen der hohen Nachfrage sei es derzeit allerdings nicht verfügbar.

Ist das Spiel einmal geladen, läuft man als Frau durch eine Kleinstadt. Mehr als das Maschinengewehr ist zwar von der Spielfigur nicht zu erkennen, doch die auf sie einströmenden »Komplimente« verdeutlichen das Geschlecht sehr eindringlich. Von ekligen Bemerkungen wie »Uh nice crotch« (netter Intimbereich) über zudringliche Fragen – »Excuse me, do you have a boyfriend?« (Entschuldigung, hast Du einen Freund?) – bis hin zur rassistisch konnotierten Beschwerde – »You’re beautiful, what’s the matter with you, you don’t speak Englisch?« (Du bist schön, was ist dein Problem, sprichst Du kein Englisch?) – ist alles dabei. Dreht die Frauenspielfigur sich um, wird sie verfolgt, und die Sprüche hören sich seltsam gehaucht an, ein Faktor, der zusätzliches Unwohlsein garantiert. Da es auf meinen Testrechnern leider nicht möglich ist, die Herren mit einem »Danke« in rosa Herzchen aufzulösen – das ist eine von zwei Optionen im Spiel –, bleibt als einzige Lösung, den nicht enden wollenden Munitionsvorrat aufzubrauchen und jeden Sprücheklopfer in einen Grabstein mit Blumen zu verwandeln. Die Sprüche sind dann noch einmal als Grabinschriften nachzulesen. Unbeteiligte Passanten und die Frauen der Stadt sind dabei seltsam immun gegenüber Kugeln, wie auch das übrige Inventar, abgesehen von ein paar Fässern. Beendet ist das Spiel mit dem Tod der Belästiger aber nicht. Mit jeder Runde durch die Stadt kommen die gleichen Sprüche von immer neuen Störenfrieden.

Für den Journalisten Seth Schiesel der New York Times war das Spiel ein Schlüsselerlebnis. Er habe sich zunächst verzweifelt gefragt, was er tun solle, dann dämmerte ihm, dass es unzähligen Frauen auf der Welt im realen Leben jeden Tag genauso gehe wie der Spielfigur. Deshalb, so sein Fazit, sei »Hey Baby« eher ein Spiel, das Männer spielen sollten, um ihnen »die Augen zu öffnen«. Hier der Rest …


2 Antworten auf “Girls with Guns: Antisexistischer Ego-Shooter”


  1. 1 Markus 10. August 2010 um 12:08 Uhr

    Vom Inhalt schön und gut: Die Umsätzung des Spiels ist aber nicht sonderlich interessant gemacht und eher schlecht und simpel.
    Die Homepage macht zudem einen seltsamen Anschein: Angeblich ist das Spiel ausverkauft. Ich finde dass das eher nach Fake schreit. *g*

  1. 1 Staat.de » Blog Archive » Protest gegen Videospiel "Medal of Honor" Pingback am 22. August 2010 um 12:49 Uhr

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