Archiv für August 2010

I like your hair

Haarige Angelegenheit von Pop:sch, einen queeren Band aus Wien:

BRAVO und Homosexualität

Eine neu erschienene Studie von Erwin In het Panhuis über die Darstellung von Homosexualität in der BRAVO hat Martin Büsser in der Jungle World zusammengefasst. (via)

Justizdilemma Vergewaltigung

Unerwartet guter Text der FAZ (sic!) zum Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt. Passt auch ganz gut zu den aktuellen Definitionsmachtdebatten in den Kommentaren bei uns, Julia Seeliger und der taz… Justiz-Dilemma: Die einzige Zeugin

„Auf so ne sexistische Scheiße hab ich keinen Bock“

Saalschutz & Frittenbude, 2 Elektro_Pop-Bands mit Wurzeln in der Linken und Fans weit darüber hinaus haben bewunderswert klar und vehement reagiert, als bei einem gemeinsamen Gig der Masse der Geifer ran, weil eine Frau die Bühne betrat und Haut zeigte. Auf die „Ausziehen! Ausziehen“-Chöre reagierten Frittenbude mit dem Abbruch des Konzerts. Auf dem Saalschutz-Blog wird der Abend noch einmal rekapituliert, incl. Videos der Ereignisse. Ich finde die Reaktion wirklich super, gerade eben auch darum, weil sie in ihrem Posting noch einmal auch die problematischen Aspekte eines solchen Abbruchs eingehen.

Girls with Guns: Antisexistischer Ego-Shooter

In den USA ist ein Ego-Shooter auf den Markt gekommen, bei dem mensch durch eine Stadt laufend von zahlreichen Typen angequatscht wird – und entscheiden kann, ob es für ein „Nice Bounce, Baby!“ Herzchen gibt oder nicht doch eher eine Salve aus der „3′ long .80 caliber machine gun“. Das für und wieder des Spiels wägt Helga Hansen in der Jungle World ab, von mir nur so viel: Wenn dieses Spiel den Effekt hat, dass ich einem Typen weniger zwei Stunden lang meinen Alltag schildern und erklären muss, dass es nicht geil ist, wenn Einer auf dem Weg zum Bäcker drei Typen mehr als auffällig auf die Titten gucken und einem einer davon noch hinterherpfeift, und dass das keine Ausnahme, sondern Alltag ist, hat dieses Spiel seinen Zweck erfüllt. Und nach einem Tag, an dem mir besonders viele dreiste Sexisten über den Weg gelaufen sind, ein paar davon virtuell abzuknallen, war gar nicht so schlecht.

Hier noch der Jungle Artikel: (mehr…)

Christen_Fundis und die Schrecken des CSD

„Krankheiten gehören behandelt, nicht gefeiert“ – so der eher menschenverachtende als nächstenliebende Spruch betender Piusbrüder beim Stuttgarter CSD. Ein Video dazu gibts bei Spiegel TV.

Menstruella & Menstruator

Schöne Glosse von Luise Pusch rund um die Sprache des Menstruierens: „Menstruella & Menstruator

Rezension: ‚Making Sex Revisited‘ von H.-J. Voß

Die Rezension bezieht sich auf dieses Buch:
voß: making sex revisited
quelle: transcript-verlag: http://www.transcript-verlag.de/ts1329/ts1329.php (zuletzt abgerufen am 09.08.’10)

Der Klappentext von Voß’ Dissertationsschrift verspricht den ersten dezidierten und differenzierten Nachweis für die gesellschaftliche Konstruktion des biologischen Geschlechts. Es werde nachgewiesen, dass „mit prozessorientierten Betrachtungsweisen […] in biologischen Theorien viele Geschlechter denkbar (seien, A.G.) – nicht nur zwei oder drei“. Voß selbst beschreibt die Arbeit als eine interdisziplinäre Studie zur Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive [Herv.: A.G.]. Sie ist unterteilt in drei Kapitel: Im ersten und zweiten Kapitel werden verschiedene Diskursstränge biologisch-medizinischer Geschlechtertheorien von der Antike bis in die Gegenwart herausgearbeitet (Theorien der Antike, Theorien der Aufklärung und Moderne bis Mitte des 20. Jh.), um diese dann in Beziehung zu setzen und in den jeweiligen kulturellen Kontext einzubinden (vgl. 26f.)1. Im dritten Kapitel möchte Voß einen „tauglichen Ansatz“ (235) für eine geschlechtertheoretische Untersuchung auf molekularbiologischer Ebene liefern. (mehr…)

Patriarchat sabotiert Jungs

Trotz blöder Überschrift ein ziemlich differenzierter Zeit-Artikel über den Leistungsabfall der Jungen.
Schuld sind nicht (wie so oft vorgeschoben) Erzieherinnen und Lehrerinnen, die sie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligen, sondern veraltete männliche Rollenbilder und Machtansprüche. Sogar Lösungsansätze werden vorgeschlagen.

Nichts kapiert

Auf Schwarzer eindreschen ist so langsam langweilig. Gut, sie hat in vielen Punkten recht. Gut, sie redet in vielen Punkten Müll. Hatten wir alles schon. Sicher, man darf und muß sie kritisieren! Aber wie so oft passiert das leider nur auf einer Grundlage, bei der sich einem der Magen umdreht.
Jetzt fordert Julia Seeliger in der taz, daß Schwarzer als Feministin #1 abtreten solle. Gähn…
Abgesehen davon, daß dieser hierarchische Grundgedanke (wieso braucht der Feminismus denn ne Queen Bee? Sollten wir nicht alle zusammen arbeiten??) meiner Meinung nach eher kontraproduktiv ist – wer soll die Alice denn von ihrem imaginierten Thron stürzen? Julia Seeliger? Bitte nicht! Denn wer solche Aussagen tätigt:

Wenn die Frau „Ja“ sagte und „Nein“ meinte, ist das auch noch keine Vergewaltigung, so sehr Beziehungen mit ungleich verteilter Macht zu kritisieren sind.

würde ich nicht gerade als eine Nummer eins bezeichnen.
Frau Seeliger, bitte lieber erstmal über Definitionsmacht lesen statt in den Kachelmann-Klatschseiten zu wühlen.

NACHTRAG:
Ich hab mir jetzt sogar die Kommentare dazu durchgelesen – natürlich ist alles dabei, von guten und wichtigen bis hin zu absolut unterirdischen.
Was ich so schlimm finde, ist unter anderem, daß mit einer solchen Publikation in einer Zeitung, die ja vergleichsweise eher „links“ steht und von der Auflagen/Besucherzahl her auch nicht gerade ein Käseblatt ist, sich Leute wie der Kommentator „Gunter“ in ihrer absolut unerträglichen Einstellung bestätigt sehen:

Genau richtig Frau Seeliger, wenn Sie schreiben, dass die Frau „Ja“ sagte und „Nein“ meinte, ist das auch noch keine Vergewaltigung, denn erfahrene Männer wissen das natürlich. Es gehört doch zum sexuellen Spiel, wenn die Frau sich scheinbar verweigert und ihn hinhält, um zu erregen. Das ist so seit es Sex gibt, es wird jetzt nur ein Fass aufgemacht, weil es sich um einen Promi handelt, das ist alles. Mal die Kirche im Dorf lassen ist vernünftig und was im Schlafzimmer passiert zum Glück Privatsache. Wenns mal ein bißchen härter zugeht über Blümchensex hinaus, ist das auch nichts besonderes.

An solchen Kommentaren (und das ist nicht der einzige in dieser Richtung) wird deutlich, daß zu diesem Thema noch viel gesagt werden muß.
Auch wenn ich – gerade was den Bereich Sex und Sexualität angeht – Schwarzers Positionen sehr, sehr kritisch sehe: sie hat zumindest kapiert, was einvernehmlicher Sex bedeutet. Und daß „nicht einvernehmlicher Sex“ Vergewaltigung ist.