Abtreibungsgegner_innen & Friends

Wie auf diesem Blog schon berichtet wurde, wollen auch dieses Jahr wieder selbst ernannte Lebensschützer in Berlin marschieren. „Lebensschützer“ wenden sich gegen das Recht von Frauen, frei und selbstbestimmt über ihren Körper zu entscheiden. Sie greifen dabei auf falsche Zahlen und erfundene Krankheiten zurück: Angeblich werden pro Werktag 1000 Abtreibungen in Deutschland durchgeführt – de facto ist es etwa die Hälfte. Ebenso angeblich leiden etwa 90% aller Frauen nach einer Abtreibung am „Post Abortion Syndrom“ – einem Syndrom, dass sich wissenschaftlich nicht nachweisen lässt. Diese Propaganda dient dazu, einerseits moralischen Druck aufzubauen und sich andererseits noch als frauenfreundlich zu gerieren – die lieben „Lebensschützer“ wollen die armen, fehlinformierten Frauen ja nur vor Schlimmerem bewahren. Mal abgesehen davon, dass es zwar Frauen gibt, denen es nach einer Abtreibung nicht gut geht: „Lebensschützern“ geht es nicht um das Wohl von Frauen, sondern um die Durchsetzung eines patriarchalen Familienbildes, das Frauen auf Kinder, Küche, Kirche festlegt.
Ihre Aktivitäten beschränken sich allerdings nicht auf die manchmal durchgeknallt wirkende Inszenierung der 1000 Kreuze Märsche in Berlin, München oder Münster. Verschiedene „Lebensschützer“-Organisationen haben gute Kontakte zu hochrangigen Politiker_innen. So war Bundespräsident Wulff von 2005 bis Sommer 2010 Mitglied im Kuratorium von „pro christ“. Pro christ ist eine evangelikale Organisation, die vor allem missionarische Großevents veranstaltet. Die „Führungsfigur“ des Vereins, Ulrich Parzany, hält Homosexualität für eine Sünde, von der man aber (na, Gott sei Dank…) geheilt werden könne. Abtreibung bezeichnet er als das „Töten von Kindern“.
Auch Ursula von der Leyen hat wenig Berührungsängste mit Organisationen, die nicht nur christlich-fundamentalistisch, sondern auch rassistisch und nationalistisch sind. Ein Beispiel dafür ist der „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“. Ausführlich analysiert dies Silvio Duwe auf Telepolis. Der ACP sorgt sich vor allem um den „Niedergang Deutschlands“: es werden nämlich nicht genug Kinder geboren:

Die Großfamilie ist auch ein wichtiges Thema für den ACP, denn die christlichen Publizisten wissen: Deutschland ist ein „Volk ohne Kinder“, der „Niedergang Deutschlands“ bremse das Wirtschaftswachstum und sollte sich die Entwicklung fortsetzen, sei sogar „das Ende unseres Volkes abzusehen“. Die Lösung des Problems ist laut ACP recht einfach – beten. Denn „Wer täglich betet, hat mehr Kinder.“

Als leuchtendes Beispiel wird Ernst Albrecht, der Vater von Ursula von der Leyen, ins Feld geführt und wie folgt zitiert: „Wenn die Türken hier mal die Macht übernehmen, kann es an Albrecht nicht gelegen haben.“
Hier fügt sich ein rassistisches und nationalistisches Weltbild nahtlos zusammen mit dem Glauben an den Kapitalismus und das Humankapital – und was beim ACP offensichtlich und platt daherkommt, schlägt sich in der Politik von Frau von der Leyen als Elterngeld und Bildungsgutschein nieder, als angeblich emanzipatorisches Projekt getarnt.
Grund genug also, den Christenfundis nicht die Straße zu überlassen, sondern ihnen bunt, laut und kreativ entgegen zu treten. Aktuelle Informationen zu der Kundgebung am 18. Septmber in Berlin gibt es auf http://no218nofundis.wordpress.com/


1 Antwort auf “Abtreibungsgegner_innen & Friends”


  1. 1 asab_m 06. Oktober 2010 um 22:30 Uhr

    Am 30.Oktober geht’s in München weiter:
    http://asabm.blogsport.de/special/

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