Frau Schröder, Sie haben da was falsch verstanden…

Antje Schrupp ueber Schroeder

… sagt Antje Schrupp auf Twitter und wir stimmen applaudierend zu. Beim Lesen des heute auf Spiegel Online erschienenen Artikels „Ministerin Schröder rechnet mit Feminismus ab“ weiß man nicht so genau, woher Frau Schröder ihre Vorstellungen von „der Frauenbewegung“ hat. Und ob sie sich überhaupt schonmal damit beschäftigt hat. Und wieso sie meint, politische Statements zu etwas treffen zu müssen, von dem sie augenscheinlich null Ahnung hat.

Schröders Statement 1: Es gibt die eine Frauenbewegung – Uh, ganz falsch. Neben First Wave, Second Wave und Third Wave merken wir fast jeden Tag im Gespräch miteinander, dass es vielleicht sogar soviele feministische Strömungen und Praxen gibt, wie es Feminist_innen gibt – von der „einen Frauenbewegung“ zu sprechen erscheint total absurd.

Schröder Statement 2: Die zweite Welle des Feminismus lehnte heterosexuellen Geschlechtsverkehr ab und wollte alle zu Lesben bekehren – Frau Schröder, reden Sie doch mal mit Feminist_innen der zweiten Welle. Alice Schwarzer ist davon nämlich nicht die einzige und die meisten haben dazu auch wirklich was zu erzählen, so richtig aus dem Nähkästchen. Da gab es nämlich auch Sex, sogar zwischen Männern* und Frauen*!

Schröder Statement 3: Wenn die Quote eingeführt werden muss, hat die Politik versagt – Welche anderen Instrumente zur Herstellung von Gleichstellung von Frauen* und Männern* sie da passender findet, sagt sie nicht. Ob der fehlenden Fundierung verwundert das an dieser Stelle dann nicht.

Schröder Statement 4: Frauen sind selber Schuld, wenn sie weniger verdienen – Wenn sie einfach lieber Germanistik studieren, tja, da kann die Industrie dann auch nichts für. Dass Frauen auch im gleichen Beruf weniger verdienen als Männer, das blendet sie gekonnt aus. Wieso sie es bestimmt für unmöglich hält, junge Frauen für technische Studiengänge zu interessieren wird dann deutlich bei…

Schröders Statement 5: Jungs interessieren sich alle für Fußballgeschichte und Mädchen für Schmetterlinge und Ponys – Ich hab in meiner Kindheit auf Ponys und Schmetterlinge verzichtet und dafür mit Transformers- und Turtles-Actionfiguren gespielt. Und was ist aus mir geworden? Naja.

Das wirklich schockierenste an diesen Aussagen ist, dass Frau Schröder unsere Familienministerin ist. Welches Bild einer „Familie“ sie hier implizit zeichnet, ist wirklich verhehrend: Mann-Frau-Sohn-Tochter als ultimatives Modell im Reihenhaus mit weißem Gartenzaun, punkt. Der Sohn studiert Elektrotechnik, das Mädchen Germanistik. Ponys und Fußball up your ass. Fragt sich nur, wie wir die ganzen Homo-Ehen, Alleinerziehenden, Ledigen, Poly-Gruppen, lesbischwule Beziehungen, glücklich Unverheiratete, glücklich kinderlosen Menschen in Frau Schröders Modell reinquetschen… Vermutlich sind die dann einfach alle selber Schuld.


54 Antworten auf “Frau Schröder, Sie haben da was falsch verstanden…”


  1. 1 side-glance 06. November 2010 um 17:29 Uhr

    Danke für diesen Beitrag. :)

    Besonders merkwürdig fand ich auch, dass im Spiegel Artikel vorkommt:

    „Nötig sei nicht nur, dass künftig mehr Männer als Erzieher und Lehrer in Kitas und Grundschulen arbeiten….“

    Also ist es nötig (wenn auch nicht nur), dass es endlich mehr Erzieher gibt. Okay… aber gehen wir dann zurück zum Statement mit der unterschiedlichen Berufswahl und den angeblich so selbstverständlichen Auswirkungen aufs Gehalt, sind doch dann aber auch die, die sich dazu entscheiden Erzieher zu werden „selbst schuld“, wenn sie wenig verdienen.

  2. 2 Basadai 06. November 2010 um 17:42 Uhr

    Das spricht mir aus dem Herzen, also – nicht Frau Schröder. Für manche Ämnter ist eben Lebenserfahrung notwenig. Oder mal ein genaues Hinschauen- oder Hinhören – in welchem Kontext, welche Aussage getroffen wurde.
    Und, ich habe mit Fischerbaukästen gespielt! Meine Puppen ausgezogen und in die Ecke gesetzt. Hatte das Einfluss auf mein Leben?

  3. 3 Magnus R. 06. November 2010 um 18:38 Uhr

    Der Feminismus (second wave) hat bezüglich Sex vor allem die Auffassung vertreten, dass die Männer sich beim Sex mehr Mühe geben sollten, mehr auf die Partnerin eingehen sollten, Sex eher so machen sollten, wie es Frauen mögen. Also einfühlsamer phantasievoller weiblicher Sex statt männlichem dumpfem Gerammel.

    Ja, wäre ja ganz toll, wenn die Frauen wirklich so gut im Bett wären. Ich habe dagegen die Erfahrung gemacht, dass die allermeisten Frauen sich beim Sex nicht die geringste Mühe geben. Sie erwarten aber vom Mann, dass er der tolle Hecht ist und sich natürlich größte Mühe gibt, der Frau alles recht zu machen. Der Feminismus fordert diese Anspruchshaltung dann öffentlich.

    Zu sagen, der Feminismus war dafür da, guten Sex zu haben, kann ich also durchaus nachvollziehen. Es ging aber wie üblich nur darum, dass die Frauen besseren Sex haben. Wie es den Männern dabei geht, ist egal. Sollen sie doch froh sein, falls wir sie mal ran lassen, und uns dann aus Dankbarkeit dafür alle Wünsche erfüllen.

  4. 4 Frank M 06. November 2010 um 19:50 Uhr

    Schräder ist eine von vielen. Die Rekrutierung des Personals ist in allen Parteien gleich. Kompetenz ist dabei kein Auswahlkriterium.

    Das Personal ist ohnehin nicht mehr in der Lage, echte demokratische Prozesse nachzuzeichnen. Die Gesellschaft und ihre bewegenden Themen sind viel zu heterogen und widersprüchlich. Politik muss hier zwangsläufig an Ansehen verlieren. Deshalb ist das Demokratieverständnis der Verfechter der repräsentativen Demokratie auch nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr braucht es dezentralisierte Entscheidungsprozesse, in denen jeder für sich verantwortlich ist – und Personen wie Schröder kein Gehör finden, weil Verantwortung das letzte ist, wonach diese Person handelt.

  5. 5 utrumque 06. November 2010 um 20:31 Uhr

    @ Magnus R.
    Spontan und zunächst eher kursorisch fällt mir dazu ein:
    Meines Erachtens ein unreflektierter, androzentristischer und damit sexistischer Kommentar.

    i) Die weibliche Sozialisation beinhaltet ja nun nicht gerade, und das seit Jahrhunderten, wie (guter) Sex so geht. Die Aufklärung von weiblich sozialisierten Cis-‘Frauen‘ besteht vor allem darin, wie eine Kinder bekommt und wie sie die Verantwortung dafür trägt, kein Kind zu bekommen, wenn sie keins haben möchte oder darf. Die Verhütungsfrage liegt noch immer primär bei den Frauen (klar, ist ja auch zunächst mal ihr problem, wenn was passiert), und es liegt primär bei den ‚Frauen‘, ‚Männern‘ zu gefallen. Weibliche heterosexuelle Sexualität ist bis heute männlich vereinnahmt, mensch schaue sich mal die Werbung und andere ‚weibliche‘ Repräsentationen in der Öffentlichkeit an.

    ii) Während eine promiskuitive Lebensweise für männlich sozialisierte Personen seit langer Zeit selbstverständlich ist, und das in vielen Ländern der Erde, werden Frauen bis heute für eine solche diskriminiert, scharf verurteilt und/oder getötet. Die weibliche Sozialisation ist nicht darauf ausgerichtet, eine Person „gut im Bett“ zu machen, während es m.E. in der männlichen, speziell der peer-Sozialisation eine große Rolle spielt ein ‚toller Hecht‘ zu sein und damit dann bestimmte Praktiken einher gehen.

    iii) M.E. müssen weiblich sozialisierte Personen sich gegenwärtig immer noch zunächst körperlich emanzipieren, um überhaupt ihre Sexualität erkennen, erleben und dann letztlich ausleben zu können. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Sex (ualität) ist androzentristisch. Männer finden jede Menge Role-Models, wenn es um Sex (ualität) geht – ja, das kann auch eine Art Repressionsapparat sein, ich weiß, whatever..
    Mir fällt keine gesellschaftliche Narration ein, die ich als eingelesene und sozialisierte Cis-‘Frau‘ als Orientierung dafür hernehmen könnte, wie Sex so „funktioniert“.

    Davon abgesehen, wies gesellschaftlich so zugeht, finde ich so einen Kommentar schon deshalb anmaßend, weil mann ja mal den Mund aufmachen könnte, wenn mann sich unwohl beim Sex fühlt, mit der betreffenden Person darüber reden und Wege finden, wies beiden Spaß macht. Schauen könnte, WARUM eine vielleicht gerade nicht über ihr sexuelles Begehren reden oder es ausleben kann, anstatt hier mysogynen Mist zu produzieren. Was ist das schon wieder für ein beknackter Umgang? Die Feministinnen sind schuld, dass ich nicht mehr so vögeln kann, wie ich will ?? Komischer Ansatz.

    Ich finde das Statement unter aller Kanone. Da drückt wieder einer auf die Tränendrüse, weil der bööööse Feminismus ihm es ja sooo schwer macht, seine gewohnte Männlichkeit (rein, rüber, runter, fertig, na, wie war ich) auszuleben.
    Es geht hier scheinbar nur um Leistung, Konkurrenz und Wettbewerb, statt um konsensualen körperlichen Spaß miteinander. Was für ein Bild ist das denn bitte von Sex?!?

  6. 6 Neo. R. 06. November 2010 um 21:30 Uhr

    „Schröder Statement 2: Die zweite Welle des Feminismus lehnte heterosexuellen Geschlechtsverkehr ab und wollte alle zu Lesben bekehren“

    Na, ganz daneben liegt sie ja nicht. Das ist aber zum Beispiel die Forderung von Schreiberin TaP hier auf dem Blog.

  7. 7 misstakenidentity 06. November 2010 um 21:41 Uhr

    sv, wenn du tatsächlich glaubst, eine Familienministerin eines bürgerlichen Staates wäre für „glücklich Unverheiratete“, „glücklich kinderlose Menschen“ zuständig (wohlmöglich noch für deren Glück?), dann hast du irgendwas an dem Job-Profil nicht verstanden. Schließlich soll die sich als Familienpolitikerin gerade damit beschäftigen, was der Staat tun muss, damit „Familien“ die von ihnen geforderte Leistung, nämlich die Aufzucht in Zukunft möglichst nützlicher Staatsbürger, unter den Bedingungen von Freiheit, Gleichheit und Lohnarbeit überhaupt irgendwie hinkriegen können.
    Anstatt dass du mal zur Kenntnis nimmst, was das überhaupt für eine Härte ist, geht’s dir nur darum ihrem „antiquierten“ Familienbild dein gequeertes Bild entgegenzusetzen: Wer mag, kann dieselbe Leistung ja auch anders erbringen (z.b. als Homo-Paar) und wenn nicht, so muss doch wenigstens gesagt sein, dass wer es nicht tut „auch was Wert“ ist. Dass diese ganzen Forderungen ein einziger Angriff auf die Leute sind, kommt bei dir gar nicht vor. Wieso auch, du empfiehlst dich ja mit deinen Vorschlägen für eine alternative Familienpolitik dafür, die nächste (rot-grüne?) Frau Bundesfamilienministerin Schröder zu werden. Ich geh‘ mal ne Runde kotzen.

  8. 8 TaP 06. November 2010 um 21:41 Uhr

    @ Neo. R.:

    Als Belegstück für die zweite Welle des Feminismus komme ich sowohl aus Alters- als auch aus anatomischen Gründen nicht so richtig in Betracht. :wink:
    Und auch von der zweiten Welle des Feminismus war nur ein Teil anti-institutionell und nur ein Teil lesbisch-separatistisch.
    Daß diese Strömung noch heute der Stein von Schröders Anstoß ist, zeigt allerdings welch – unausgeschöpftes – revolutionäres Potential darin steckte und steckt.

  9. 9 Bernd 06. November 2010 um 21:44 Uhr

    Danke, selbst als „organisierter“ „Mann“ hat mensch nicht immer lust sich mit diesem gesamt alltäglichen Krebs zu beschäftigen bzw ihn Punkt für Punkt zu zerpflücken…
    Weiter so :d :d :d

  10. 10 sv 06. November 2010 um 22:07 Uhr

    @misstakenidentity: Klar ist das ein Angriff. Ich hab nur noch nicht ganz aufgegeben, dass wir irgendwann mal sowas wie Wahlverwandtschaftskreise vom Staat offiziell als Familie anerkannt bekommen. Nach dem aktuellen Stand kann das aber noch Jahrzehnte dauern…

  11. 11 sv 06. November 2010 um 22:09 Uhr

    Oh, wow, Krautchan kommt uns besuchen! Was für eine Ehre! ^:)^

  12. 12 misstakenidentity 06. November 2010 um 22:28 Uhr

    Ich hab nur noch nicht ganz aufgegeben, dass wir irgendwann mal sowas wie Wahlverwandtschaftskreise vom Staat offiziell als Familie anerkannt bekommen.

    Tja, und mit der Anerkennung kommen die Pflichten. Und die meinte ich eben auch mit Zumutung.
    Ich hab halt die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch feministische Hauptwiderspruchsmackerinnen irgendwann mal kapieren, dass sie mit ihrem Willen sich in kapitalistischen Verhältnissen zu bewähren, zwangsläufig vor die Wand fahren. Bescheuerter Idealismus meinerseits.

  13. 13 sv 06. November 2010 um 22:44 Uhr

    Wo hab ich denn bitte die Worte „Pflichten“ und „Nebenwiderspruch“ in den Mund genommen? Ist ja fürchterlich diese Unterstellung. Dass mit einer Anerkennung der Kampf nicht aufhört, weiß ich selber, nur ich würde als erstes Etappenziel gerne erstmal die gesetzlichen Basics geklärt haben wie meine Poly-Family im Krankenhaus besuchen zu können. Wie eng Kapitalismus und Feminismus (und andere Ismen) verwoben sind weiß ich selber. Bitte nichts reininterpretieren, was da nicht drin ist! Danke!

  14. 14 misstakenidentity 06. November 2010 um 23:23 Uhr

    Wo hab ich denn bitte die Worte „Pflichten“ und „Nebenwiderspruch“ in den Mund genommen? Ist ja fürchterlich diese Unterstellung. Dass mit einer Anerkennung der Kampf nicht aufhört, weiß ich selber, nur ich würde als erstes Etappenziel gerne erstmal die gesetzlichen Basics geklärt haben wie meine Poly-Family im Krankenhaus besuchen zu können.

    Die Krankenhausbesuche gibt’s eben nur in Verbindung mit Unterhaltspflichten und dem ganzen anderen Scheiß der an Familie als Rechtsfolge dranhängt. Worin du ständig ein Privileg siehst, sieht der Staat nämlich immer was anderes, nämlich eine rechtliche Verplichtung der Wahlverwandschaften aufeinander ,die ihm auch ganz bequem ist. Die Frage mit Haupt- und Nebenwidersprüchen ist doch schon mit deinem „erstmal das“ erledigt: Dir ist eben die rechtliche Anerkennung einer Poly-Familie wichtiger, als ne Kritik an Staat & Familie => Hauptwiderspruchsdenken. Ist mir aber auch ehrlich gesagt wurscht wie du’s jetzt genannt haben willst, vermutlich trifft es „Realpolitik“ oder „jetzt erstmal Menschen konkret helfen“ bei dir besser.

    Wie eng Kapitalismus und Feminismus (und andere Ismen) verwoben sind weiß ich selber.

    Ich geh mal davon aus, dass das ne Stilblüte ist, oder wie man das nennt. Das du davon offensichtlich wenig Ahnung hast, um mal so respektlos zu sein, schließe ich einfach daraus, dass du das Rechtsverhältnis „Familie“ für ein Privileg hältst und nicht für eine Zumutung. Das Leute in diesen Verhältnissen drauf verwiesen sind, eingestanden. Aber daraus den Schluss zu ziehen sich in diesem Rechtsverhältnis „Familie“ bewähren zu wollen und daraus eine politische Position zu backen ist bescheiden. Und genau diese Bescheidenheit ist Ausweis der Ahnungslosigkeit über den Zusammenhang zwischen Kapitalismus, bürgerlichem Staat und dem Berufsbild „Familienministerin“.

  15. 15 scharfekritik 07. November 2010 um 0:48 Uhr

    Wie eng Kapitalismus und Feminismus […] verwoben sind weiß ich selber.

    Na dann höre halt endlich mit dem Feminismus auf.

  16. 16 TaP 07. November 2010 um 0:51 Uhr

    @ misstakenidentity:

    „wenn du tatsächlich glaubst, eine Familienministerin eines bürgerlichen Staates wäre für ‚glücklich Unverheiratete‘, ‚glücklich kinderlose Menschen‘ zuständig (wohlmöglich noch für deren Glück?), dann hast du irgendwas an dem Job-Profil nicht verstanden. Schließlich soll die sich als Familienpolitikerin gerade damit beschäftigen, was der Staat tun muss, damit ‚Familien‘ die von ihnen geforderte Leistung, nämlich die Aufzucht in Zukunft möglichst nützlicher Staatsbürger, unter den Bedingungen von Freiheit, Gleichheit und Lohnarbeit überhaupt irgendwie hinkriegen können.“
    „Die Krankenhausbesuche gibt’s eben nur in Verbindung mit Unterhaltspflichten und dem ganzen anderen Scheiß der an Familie als Rechtsfolge dranhängt.“

    Das ist doch ein beknackt deterministisches Weltbild: Als ob „der (bürgerliche) Staat“ auf genau diese oder jene Reproduktionsrate der Bevölkerung angewiesen wäre und dies nur mit genau einem Familienmodell erreichen könnte – und das Ganze nicht von gesellschaftlichen Kämpfen abhinge.

    Zwar gibt es ein Ausmaß von Veränderungen, bei dem sich unweigerlich die System- und damit Machtfrage stellt – aber dies ist sicherlich nicht bereits bei Besuchsrechten im Krankenhaus der Fall.

    „Ich hab halt die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch feministische Hauptwiderspruchsmackerinnen irgendwann mal kapieren, dass sie mit ihrem Willen sich in kapitalistischen Verhältnissen zu bewähren, zwangsläufig vor die Wand fahren. Bescheuerter Idealismus meinerseits.“

    Du machst doch einen nicht nur Haupt-, sondern sogar Alleinwiderspruch auf: Alles unterhalb der Abschaffung des Staates interessiert Dich nicht – und zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, die einen Staat hervorbringen – womit wir wiederum bei den gesellschaftlichen Widersprüchen und Kämpfen sind – sagst Du nichts. Wer/welche ist denn jetzt hier gesellschaftsanalytisch ‚ahnungslos‘…

  17. 17 Klopfzeichen 07. November 2010 um 2:54 Uhr

    Wenn mensch jetzt aber mitdenken will an was „Familie“ eigentlich an Teilnahme bedeutet, dann muss das auch sichtbar geschehen.

    Wenn also der Vorwurf an Schröder nicht lautet:
    das sie eben Familie verwaltet, und Familie im kapitalistischen Kontext politisch gesehen immer vorallem ätzend ist, das es sich dabei immer auch um einen staatlichen Angriff auf Abweichungen dieser Normen handelt, das aber mit der Integration davon nicht getan ist uswusw
    wie das ja Misstakenidentity so richtig rausstellt

    Sondern der Vorwurf lautet:
    „Inkopetent, undemokratisch, keine Ahnung vom Thema“ und, mein Favorit „Welches Bild von Familie sie zeichnet“ (teils text, teils comments)
    Dann ist eben tatsächlich nicht das gesellschaftliche Familienverhältnis in seiner Scheissigkeit angeklagt, sondern Schröder als konkrete Gegnerin des eigenen „queeren“ Lebensstils identifiziert und sich empört.

    Ist ja auch nicht falsch, aber lässt radikalität vermissen ;)

  18. 18 jen_nie 07. November 2010 um 13:36 Uhr

    zum aufregen die gute. vor allem im hinblick darauf, welches amt sie begleitet. ich frage mich, ob sie jemals ein feministisches werk gelesen hat- ihre aussagen strotzen ja vor antifeministischen klischees (kommt beim cdu-stammtisch sicher gut an):

    aha, frauenqoute bringt nichts, wir sind eh alle selber schuld und die armen jungs werden im kiga mit blumenbildern an den fenstern gequält- ganz wider ihrer natur. das ist doch müll- es gibt immer eine auswahl verschiedener spielzeuge für alle (!) – frau schröder sollte mal ihr geschlechterrollenbild dekonstruieren und sich fragen, warum es z.b. wenige männliche erzieher gibt: u.a. ja wohl deshalb, weil viele jungs/männer so eine arbeit nicht machen wollen und immer noch „typisch männlich“ erzogen werden (wie viele mädchen eben auch „typisch weiblich“).. weil das nach wie vor frauenarbeit ist und nicht so viel prestige mit sich bringt. und ja: frauen könnten auch elektrotechnik studieren- tun auch immer mehr- und trotzdem verdienen sie weniger und sind nach wie vor nicht gleichberechtigt in den chefetagen zu finden (die berühmte gläserne decke)- eben weil es noch genug leute wie unsere tolle familienministerin gibt, die in genderstereotypen denken und frauen immer noch einen gewissen weichen, unsachlichen führungsstil zuschreiben.. „die können das nicht“ und noch schlimmer: „die wollen das auch gar nicht“

    und das sie anscheinend wirklich bedenken hat, dass der feminismus alle frauen zu männerhassenden lesben macht, dazu fällt mir echt nichts mehr ein- irgendwie scheint der frau kritisches denken vollkommen fremd zu sein. „partnerschaft und kinder haben sind doch schön“ ..ist ja kein ding, wenn sie frauen dazu nicht verdonnern wollen würde, weil dies ihre angebliche natürliche aufgabe ist. interessieren würde mich, ob sie diese ansichten schon immer hatte oder jetzt im zuge ihrer politischen karriere damit kokettiert..

    im übrigen freut sie sich auf ihrer homepage in der twitterbox über die „interessanten kontroversen diskussionen“ die ihr interview ausgelöst hat. und, gehört zwar nicht zum thema des interviews, aber trotzdem nett, wenn man die seite aufruft: es läuft ein schriftzug über ein bild von ihr mit der aussage „deutschenfeindlichkeit ist rassismus“.. fassen wir zusammen: die armen deutschen männer, allseits diskriminert.. wie gut, dass sie schon förderprogramme auf dem plan hat.

    ich hoffe ich erlebe irgendwann den tag, an dem es eine frauen-/familienministerin gibt die sich wirklich für die belange von frauen einsetzt und nicht im namen der frau versucht, alle erungenschaften der frauenbewegung(en) wieder in die tonne zu treten und alles zu relativieren und schön die extreme konservative schiene zu fahren nach dem motto: „früher war alles besser“.

    kristina schröder, schalt den kopf ein! erst denken und sich wirklich sachlich mit den inhalten auseinandersetzen, dann interviews geben.

  19. 19 tp 07. November 2010 um 14:01 Uhr

    sv: Die Anerkennung aller möglichen Formen des Zusammenlebens als „Familie“ ist eben kein „Etappenziel“, sondern ein ganz eigenes Ziel, nämlich eines der Normalisierung dieser Formen des Zusammenlebens nach den Maßstäben von Staat und Kapital. Dem entgegen steht der politische Kampf für die Abschaffung von Staat und Kapital und damit für die Abschaffung der Institution „Familie“ wie sie im Kapitalismus eben so vorkommt, als Hort der Aufzucht nützlicher Staatsbürger nämlich.

  20. 20 sv 07. November 2010 um 14:31 Uhr

    Irgendwie ist Blogsport-Kommentarkultur halt doch nur sowas wie ein linkes Krautchan, oder?

  21. 21 bigmouth 07. November 2010 um 14:51 Uhr

    das problem ist halt, dass so eine diskussion nur dann sinn ergibt, wenn überhaupt einigkeit über so grundlegende dinge wie ziele oder die frage, inwiefern politik hier & jetzt immer nur funktionalistisch für staat und kapital ist, besteht. und das ist hier nicht der fall.

  22. 22 scharfekritik 07. November 2010 um 15:44 Uhr

    @ TaP:

    Als ob „der (bürgerliche) Staat“ auf genau diese oder jene Reproduktionsrate der Bevölkerung angewiesen wäre und dies nur mit genau einem Familienmodell erreichen könnte […]

    1. Könntest Du ja mal zur Kenntnis nehmen, dass der Politik in Deutschland die Geburtenrate (und ganz besonders die derjenigen, denen man zutraut, als Keimzelle für guten deutschen Nachwuchs zu sorgen – also weder Moslems, noch Unterschicht) zu niedrig ist („die Deutschen sterben aus“) – was auch nochmal klar zeigt, was Familienpolitik für einen Anspruch an die Familien aufmacht. Die sollen halt füreinander einstehen und aus eigener Kraft Deutschland vorbildliche Staatsbürger sowohl großziehen, als auch erziehen. Dass Deutschland mit einer Geburtenrate von unter 2,x% aufhören würde als bürgerlicher Staat zu existieren und die Politik daher genau diese erreichen müsse, dichtest Du bei Misstakenidentity ohnehin bloß dazu.

    2.) Ebenfalls außschließlich Deiner Fantasie und Dichtkunst entspringt es, dass Misstakenidentity behaupten würde, dieses Ziel des bürgerlichen Staates wäre nur mit der bürgerlichen Kleinfamilie zu erreichen. Der Punkt ist doch, dass diese bei der Politik zurecht als bewährtes Mittel dafür gilt. Wenn jetzt Homos, Polys etc. damit antreten, dass sie diese Erwartungshaltung ja wohl nicht nur auch prima erfüllen können, sondern auch nichts sehnlicher wollen als das und also von der Politik fordern, sie doch auch zu lassen, dann ist das selbstverständlich eine von der Zusammensetzung des Herrschaftspersonals abhängige politische Entscheidung, ob man denen das abnimmt und sie auf die gleiche Weise wie die Kleinfamilie einzuspannen versucht, oder ob man meint, dass sie diese Leistung ja ohnehin nicht erbringen können und man damit das Erfolgsmodell Kleinfamilie nur unnötig aushöhle. Nur daran, dass schon der Zweck bescheuert ist, für den bürgerlichen Staat auch so wie die Kleinfamilie vorzukommen, ändert das doch nix. Weshalb es eben auch verkehrt ist, einer Familienministerin damit anzukommen, dass sie doch bitte alternative Formen der nationalen Reproduktion endlich auch als solche anerkennen solle. Anders herum formuliert: Solange Feministinnen sowas machen, solange sind eben auch Feminismus, bürgerlicher Staat und Kapitalismus aufs Engste miteinander verknüpft.

    btw.: Meinetwegen kannst Du das ja als „Alleinwiderspruchstheorie“ einsortieren, aber ein argumentativer Einwand ist eine solche Einsortierung nicht. Wo Du ja neuerdings so auf Argumente abfährst …

    @ jen-nie:

    zum aufregen die gute. vor allem im hinblick darauf, welches amt sie begleitet.

    Sie übt gerade die Kernfunktion ihres Amtes als Familienministerin Deutschlands aus, wenn sie die Produktion von nationalem Nachwuchs einfordert und (vermeintliche) Hindernisse für diese aus dem Weg zu räumen versucht. Dass ausgerechnet dabei irgendwie was Tolles für Frauen rauskommen soll, ist alleine Dein Idealismus einer guten Herrschaft.

  23. 23 bla 07. November 2010 um 16:14 Uhr

    Das stimmt ja, bigmouth, aber dann soll doch von Leuten wie sv und TaP nicht ständig mit der Unterstellung hantiert werden man wäre sich im Grunde einig, weil man ja auch irgendwie gegen Herrschaft, Gewalt und Unterdrückung sei.

  24. 24 sv 07. November 2010 um 16:43 Uhr

    Ich lerne ja gerne dazu, aber nicht mit diesem Tonfall.

  25. 25 scharfekritik 07. November 2010 um 17:32 Uhr

    Wenn Du gerne dazu lernen würdest, würdest Du nicht den Tonfall als Ausrede hernehmen, Dich nicht mit den vorgebrachten Argumenten zu befassen. Zumal der „Tonfall“ ja noch nicht mal aus Beleidigungen besteht. Was stört Dich daran also? Dass die inhaltlichen Differenzen klar herausgearbeitet werden?

  26. 26 sv 07. November 2010 um 17:39 Uhr

    Vielleicht würde ich mit Dir diskutieren, wenn Du ein Feminist wärst.

  27. 27 dot tilde dot 07. November 2010 um 19:03 Uhr

    mir gefällt schröders drittes statement am „besten“. ich übersetze es mir mit „politik, die sich nicht abschafft, hat versagt.“

    .~.

  28. 28 jen_nie 07. November 2010 um 19:53 Uhr

    @ scharfekritik
    es ist eben nicht nur allein MEIN idealismus einer guten herrschaft, sondern von vielen kritisch denkenden frauen und männern. und zwar zunehmend. und glücklicherweise. in einer demokratie kann dies in der politik nicht ignoriert werden. frau schröder muss sich also per se auch mit neuen familienformen auseinandersetzen und auch mit neuen rollenverständnissen und geschlechterstereotypen. auch erklärt deine aussage nicht, dass sie in ihrem interview augenscheinlich mit ungeprüften aussagen und antifeministischen klischees um sich wirft (was dich kaum stören wird, aber es sei angemerkt). das kann seinerseits wieder machtmechanismen in der politik, ihrer partei, aber auch ihrer inkompetenten einstellungen und ansichten erklärt werden.

    der einzige idealismus meinerseits ist es also hier, dass ich der meinung bin, das gerade eine frau wie sie sich kritisch mit theorien zu geschlechterforschung, frauenbewegung und co. auseinandersetzt und in der lage ist, klischees zu dekonstruieren und sie nicht einfach unhinterfragt in die öffentlichkeit zu tragen. und das eine frau in ihrem verständnis um das frausein und dessen politische konstruktion sich für eine gleichstellung der geschlechter einsetzt. mir schon klar, dass das per se eine wunschvorstellung ist: das frauen sich immer für frauen einsetzen, gerade wenn sie politische machtteilhaber/repräsentanten sind: aber hey, frau wird ja mal dran denken dürfen, männer setzen sich schließlich seit jahrhunderten in männerbündnissen, kuppeleien füreinander ein und puschen sich in ihren ämtern etc.

    und ich sage es nochmal: es geht um eine gleichstellung, nicht um eine besondere hervorhebung oder beweihräucherung der frau (soviel zu „warum bei einer familienpolitik ausgerechnet was TOLLES für frauen rauskommen sollte) GLEICHSTELLUNG ..“mehr“ ist es nicht, das ist ein menschenrecht! aber anscheinend ist das noch für genügend menschen so erschreckend, um in ihren argumentationen wieder auf biologismen, rassismen und die natürlichkeit der frau zurückzugreifen.

    du schreibst, feminismus und kapitalismus sind aufs engste verbunden (was ist denn in unserem staat bitte nicht kapitalistisch?). ich sage, antifeminismus und kapitalismus sind es auf viel stärkere und komplexerer weise. wer hat denn was davon, wenn frauen weiterhin unterdrückt werden, zuhause zu bleiben und „nationalen nachwuchs“ zu produzieren? staat und patriarchale herrschaftsstrukturen usw. so siehts doch aus. und der ganze mist, dass deutschland aufgrund der bösen emanzipierten frauen ausstirbt, ich kann es nicht mehr hören. das geht alle ehrlich gesagt in eine sehr unschöne politische richtung, um es mal milde auszudrücken. wir sind ganz einfach ausgedrückt alle menschen auf einer erde und von denen gibt es genügend und wird es auch in zukunft genügend, ja noch viel mehr, geben, laut demographieforschung (wo soll so eine diskussion denn hinführen? menschen die in deutschland geboren werden, sind deutsche staatsbürger und übrigens keine ausländer. und verschiedene kulturelle backgrounds gab es schon immer. also zur weiteren lektüre sehr empfehlen ist da das buch von noah sow: deutschland schwarz weiß. nur so am rande.)

  29. 29 Friedhelm Robben 07. November 2010 um 20:45 Uhr

    Den zwangsläufig folgenden flamewar, wenn es um eine Genderdebatte geht, lasse ich hier einfach mal außer Acht und nehme Bezug zum eigentlichen Artikel. Den finde ich nämlich wunderbar und diese Minsterin so unsäglich wie gefährlich. Kaum zu glauben, dass sie einen Doktor der Soziologie ihr eigen nennt und auch deswegen eine halbwegs fundiertere Meinung zu Debatten dieser Art haben müsste. Immerhin ist sie ja auch noch Familienministerin. Soviel also zur angeblichen „Technokatrie“, in welcher die Politiker eigentlich nur noch wissenschaftliche Ingeneure sind, die ihr Ressort nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und ganz rational zu leiten haben …

  30. 30 leonie 07. November 2010 um 21:04 Uhr

    nicht nur schlimm, dass sie Familienminsterin ist, sondern v.a dass die Frauenminsterin ist!

  31. 31 Helga 08. November 2010 um 0:30 Uhr

    Die Diskussion hier erinnert mich verdächtig an neulich… http://maedchenblog.blogsport.de/2010/10/31/sorry-ladies/ Außerdem: BINGO!

  32. 32 denkwerkstatt 08. November 2010 um 1:24 Uhr

    oh mein gott, wie kann mensch in dieser position nur so biologistisch argumentieren? und wie konnte sie überhaupt für diesen posten nominiert werden? shocking!

  33. 33 Gernot 08. November 2010 um 10:15 Uhr

    Anm. zum Sex: Der könnte in einer gleichberechtigten Gesellschaft auch für Männer besser werden, weil sebstbewusstere Frauen wahrscheinlich auch auf dieser Ebene aktiver sind als gelangweilte Hausfrauen … (schreibt Peter Redvoort in seinem Buch „Die Söhne Egalias“)

    Gernot

  34. 34 TaP 08. November 2010 um 13:38 Uhr

    Good bye, Gegenstandpunkt1!

    1. @ tp (07.11.2010: 14:01 h):

    „Die Anerkennung aller möglichen Formen des Zusammenlebens als ‚Familie‘ ist eben kein ‚Etappenziel‘, sondern ein ganz eigenes Ziel, nämlich eines der Normalisierung dieser Formen des Zusammenlebens nach den Maßstäben von Staat und Kapital. Dem entgegen steht der politische Kampf für die Abschaffung von Staat und Kapital und damit für die Abschaffung der Institution ‚Familie‘ wie sie im Kapitalismus eben so vorkommt, als Hort der Aufzucht nützlicher Staatsbürger nämlich.“

    Es mag in der Tat darüber diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, eine Neudefinition von Familie als Gruppen-Institution zu fordern oder ob besser die Auflösung der Familie durch neue individuelle Rechte (unabhängig von biologischer Verwandtschaft) betrieben werden soll. So oder so handelt es sich aber um Forderungen nach staatlich-gesetzliche Regelungen -
    und da spricht auch nichts dagegen außer für (dogmatische AnarchistInnen und) die Bewußtseins-Marxisten des reinen Geistes von der Gegenstandpunkt & Co. KG.2

    2. @ scharfekritik (07.11.2010: 15:44 h):

    „Könntest Du ja mal zur Kenntnis nehmen, dass der Politik in Deutschland die Geburtenrate (und ganz besonders die derjenigen, denen man zutraut, als Keimzelle für guten deutschen Nachwuchs zu sorgen – also weder Moslems, noch Unterschicht) zu niedrig ist („die Deutschen sterben aus“)“

    Die „Politik in Deutschland“ ist aber keine homogene, sondern eine umkämpfte Angelegenheit – aber dafür seid Ihr ‚Marxisten in der Idee‘ Euch ja zu fein: für Politik und für’s Kämpfen.

    „Dass Deutschland mit einer Geburtenrate von unter 2,x% aufhören würde als bürgerlicher Staat zu existieren und die Politik daher genau diese erreichen müsse, dichtest Du bei Misstakenidentity ohnehin bloß dazu.“

    Misstakenidentity schrieb „muß“ und „nur“ – und nur auf der Grundlage dieses Determinismus hat es (wenigstens immanenten) Sinn, alle Forderungen unterhalb der Abschaffung von Staat und Kapital zu verwerfen.

    „Wenn jetzt Homos, Polys etc. damit antreten, dass sie diese Erwartungshaltung [Erhöhung der Geburtenraten, TaP] ja wohl nicht nur auch prima erfüllen können, sondern auch nichts sehnlicher wollen als das und also von der Politik fordern, sie doch auch zu lassen, dann ist das selbstverständlich eine von der Zusammensetzung des Herrschaftspersonals abhängige politische Entscheidung, ob man denen das abnimmt und sie auf die gleiche Weise wie die Kleinfamilie einzuspannen versucht, oder ob man meint, dass sie diese Leistung ja ohnehin nicht erbringen können und man damit das Erfolgsmodell Kleinfamilie nur unnötig aushöhle.“

    Das ist doch Deine Unterstellung, daß das deren Begründung sei. Du schiebst diese deren ganz anders begründeter Forderung einfach unter.

    3. @ scharfekritik (07.11.2010; 17:32 h):

    „Was stört Dich daran also? Dass die inhaltlichen Differenzen klar herausgearbeitet werden?“

    „inhaltlichen Differenzen klar herausgearbeitet“ – dies würde zunächst einmal voraussetzen, die tatsächlich Gegenposition zu kritisieren, und nicht irgendwelche selbst aufgebauten Pappkamaraden umzuhauen.

    PS.:
    Dieser blog hat nicht in erster Linie die Funktion mit Anti-FeminstInnen zu diskutieren. Das machen wir, soweit es im jeweiligen Moment taktisch sinnvoll erscheint und unsere Zeit dafür ausreicht. Die Hauptfunktion des Mädchenblogs ist folgende:

    „Kommentare, die Feminismus als überflüssig, gefährlich, sexistisch, männerfeindlich etc. bezeichnen, sind somit überflüssig und werden gelöscht. In erster Linie soll das Mädchenblog ein Raum sein, in dem Feminist_innen und Feminismus-Interessierte diskutieren können, ohne der alltäglichen Scheiße zu begegnen, die sie offline und auf anderen Blogs schon die Lust an feministischer Diskussion verlieren läßt. Für Kommentare, die uns diesen Raum auch noch streitig machen wollen – bewusst oder unbewusst – ist kein Platz.“
    (http://maedchenblog.blogsport.de/netiquette/)

    PPS.:
    jen_nie: „es ist eben nicht nur allein MEIN idealismus einer guten herrschaft, sondern von vielen kritisch denkenden frauen und männern. und zwar zunehmend. und glücklicherweise. in einer demokratie kann dies in der politik nicht ignoriert werden.“

    Aber Du machst Dir den Begriff der „guten Herrschaft“ schon nicht zu eigen, oder doch? Das wäre dann allerdings genau so falsch wie der Gegenstandpunkt des Gegenstandpunkts:

    Politik – Gute Herrschaft oder konfliktorische Praxis?, in: Schulze/Berghahn/Wolf (Hg.), Politisierung und Ent-Politisierung als performative Praxis, Westfälisches Dampfboot: Münster, 2006, S. 7 – 21 (http://theoriealspraxis.blogsport.de/2006/11/01/politisierung-und-ent-politisierung-als-performative-praxis/).

    1. http://de.wikipedia.org/wiki/GegenStandpunkt und http://neoprene.blogsport.de/2009/08/08/georg-fuelberth-dkp-1991-in-konkret-zur-selbstaufloesung-der-mg/ [zurück]
    2. Zur Notwendigkeit von Reformforderungen (und der Frage, welche sinnvoll sind): http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/01/existenzgeld-mindestloehne-und-politisierung-richtige-und-falsche-reformforderungen/ und http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/03/lenin-antwort-der-antidemokratischen-aktion/.
      Zur Kritik des GSP-Bewußtseins-Marxismus: http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/06/8-fehler-des-antidemokratischen-gegenstandpunkt-gsp-sorry-ada/ und http://theoriealspraxis.blogsport.de/2009/09/15/warum-ideologie-kein-notwendig-falsches-bewusstsein-ist-und-aus-einer-erkenntnis-nicht-automatisch-eine-bestimmte-politische-haltung-folgt/. [zurück]
  35. 35 jen_nie 08. November 2010 um 18:58 Uhr

    @TaP: „Aber Du machst Dir den Begriff der „guten Herrschaft“ schon nicht zu eigen, oder doch?“

    nein, „scharfekritik“ hat diesen begriff benutzt, ich habe nur bezug auf ein statement von ebendieser person auf meinen ersten kommentar genommen. hätte ich wohl in anführungszeichen setzen sollen..

  36. 36 iso 10. November 2010 um 13:46 Uhr

    wohl wahr!!!! Danke für diesen Beitrag, ich hätte ihn nicht besser schreiben können :)

  37. 37 onyx 14. November 2010 um 22:17 Uhr

    Frau Schröder, Sie haben unter anderem Soziologie, Geschichte und Philosophie studiert. Sie sind Diplom-Soziologin. Nach Ihrer eigenen Aussage keine sehr zukunftweisende Wahl.

    Ihre Worte:

    Die Ministerin lehnt es ab, Frauen im Berufsleben durch staatliche Zwangsmaßnahmen wie Quoten zu fördern. Eine Quote sei auch immer „eine Kapitulation der Politik“. Gleichzeitig wies sie den Frauen eine Mitschuld daran zu, dass sie oft weniger verdienen als Männer. „Die Wahrheit sieht doch so aus: Viele Frauen studieren gern Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt. Wir können den Unternehmen nicht verbieten, Elektrotechniker besser zu bezahlen als Germanisten.“

    Und jetzt sitzen Sie selbst in noch recht jungem Alter und trotz Ihrer eigenen Aussage zufolge recht brotlosen Studiengangs in bester und von Steuergeldern hervorragend bezahlter Position. Jeder Elektrotechniker träumt von dem, was Sie verdienen, da gehe ich jede Wette ein. Wie war das möglich? Hat da etwa die von Ihnen so verhasste Quote nachgeholfen?

    Meiner bescheidenen Meinung haben wir es hier wieder mit einem Eva-Hermann-Syndrom zu tun. Kritieren, wovon man selbst nicht schlecht profitiert (hat). Glaubt Frau Schröder vielleicht, sie wäre heute da, wo sie ist, wenn es nicht mutige Frauen gegeben hätte, die sich für ihre Rechte stark gemacht haben?

  38. 38 Herr Diel 15. November 2010 um 16:11 Uhr

    Normalerweise lese ich Artikel und Blogs zum Thema Feminismus nicht. Nun bin ich heute über SPON und Meredith Haaf und etliche Klicks auf dieser Seite hier gelandet.

    Glaubt hier eigentlich jemand, dass in den letzten Jahrtausenden nicht schon nahezu jede Form menschlichen Zusammenseins und sich-ineinander-steckens erprobt wurde? Wie kann man über den Umweg Kapitalismus/Bürgerstaat und was weiß ich nicht alles dazu kommen, die Familie als Werkzeug eines frauenunterdrückenden Staates zu bezeichnen, wenn die Familie doch in allen jemals bekannten zivilisierten Gesellschaften der aus langer Evolution hervorgegangene Konsens einer kleinsten Einheit der Gesellschaft ist? Über Fragen des Steuerrechts kann man auch ohne unnötiges Pathos reden.

    Wenn mir jemand sagt, dass der Mann die Frau unterdrückt hat und deshalb sowohl unsere private, soziale als auch unsere institutionale Umwelt ein Ergebnis dieses Unterdrückens sind, dann stimme ich zu. Daran wird gearbeitet und dass die Frauen das großteils selbst in die Hand genommen haben führte m.E. zum besseren Ergebnis. Wir sind aber noch nicht fertig mit der Arbeit. Heute verdienen Frauen immer noch weniger als Männer. ABER: nicht mehr so viel weniger wie früher und der Abstand ist da am größten, wo man eine Debatte um gesellschaftliche Verteilungsgerechtigkeit führen sollte, anstatt auf Geschlechterthemen herumzureiten – nämlich in den oberen Chefetagen. Ist das wirklich ein Ziel, dass Frau Managerin auch 10 Mio im Jahr hat (wie Herr Manager)? Oder ist es wichtiger, dass es nur 2 Mio sind und dafür alle anderen (Mann und Frau) besser entlohnt werden oder mehr Geld in sinnvolle gemeinnützige Tätigkeiten fließt?

    Am kürzesten kommen in dieser Diskussion zu allem Unglück die Menschen, die einfach so handeln, dass Frauen gleichberechtigt leben, anstatt darüber Abermillionen von Worten zu verlieren.

  39. 39 dodo 16. November 2010 um 22:18 Uhr

    Nur, weil die menschheit schon so viel ausprobiert hat, heißt das noch lange nicht, daß wir schon ALLES ausprobiert haben. Geschweigedenn beim Ideal angekommen wären…
    was familie angeht – tja, familie an SICH ist nicht frauenunterdrückend. die frage ist: wie definiert eine Gesellschaft familie? da gibt es ja durchaus heute noch viele, viele verschiedene konzepte. und wenn ein konzept frauenunterdrückend definiert ist (hetenmama ist da fürs putzen, kochen und wickeln, hetenpapa geht arbeiten und fußball gucken, kindlein wird brav daheim aufgezogen, etc.) dann MACHT man die Familie zum werkzeug der frauenunterdrückung.

    aber… einfach „geschlechtergerecht handeln“, aber darüber schweigen – häh? wie sinnvoll soll das sein? wie soll wer überhaupt WISSEN, wie andere sich wegen ihres geschlechts fühlen/leiden/froh sind/…, wenn sie nicht darüber reden? wie sollen mißstände behoben werden, wenn man sie nicht benennt? wie seine eigene meinung revidieren/verstärken/wachsen lassen, bzw. seine eigene sensibilität für andere schulen, wenn es nicht benannt wird, wenn keiner seine erfahrungen schildert????

  40. 40 Jenna 02. Juli 2014 um 10:30 Uhr

    Dies ist ein gutes Buch. Aber es wäre toll, mehr Updates von dir sehen. Nicht alle Links, die Sie zur Verfügung gestellt zu funktionieren scheint.

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