
… sagt Antje Schrupp auf Twitter und wir stimmen applaudierend zu. Beim Lesen des heute auf Spiegel Online erschienenen Artikels „Ministerin Schröder rechnet mit Feminismus ab“ weiß man nicht so genau, woher Frau Schröder ihre Vorstellungen von „der Frauenbewegung“ hat. Und ob sie sich überhaupt schonmal damit beschäftigt hat. Und wieso sie meint, politische Statements zu etwas treffen zu müssen, von dem sie augenscheinlich null Ahnung hat.
Schröders Statement 1: Es gibt die eine Frauenbewegung – Uh, ganz falsch. Neben First Wave, Second Wave und Third Wave merken wir fast jeden Tag im Gespräch miteinander, dass es vielleicht sogar soviele feministische Strömungen und Praxen gibt, wie es Feminist_innen gibt – von der „einen Frauenbewegung“ zu sprechen erscheint total absurd.
Schröder Statement 2: Die zweite Welle des Feminismus lehnte heterosexuellen Geschlechtsverkehr ab und wollte alle zu Lesben bekehren – Frau Schröder, reden Sie doch mal mit Feminist_innen der zweiten Welle. Alice Schwarzer ist davon nämlich nicht die einzige und die meisten haben dazu auch wirklich was zu erzählen, so richtig aus dem Nähkästchen. Da gab es nämlich auch Sex, sogar zwischen Männern* und Frauen*!
Schröder Statement 3: Wenn die Quote eingeführt werden muss, hat die Politik versagt – Welche anderen Instrumente zur Herstellung von Gleichstellung von Frauen* und Männern* sie da passender findet, sagt sie nicht. Ob der fehlenden Fundierung verwundert das an dieser Stelle dann nicht.
Schröder Statement 4: Frauen sind selber Schuld, wenn sie weniger verdienen – Wenn sie einfach lieber Germanistik studieren, tja, da kann die Industrie dann auch nichts für. Dass Frauen auch im gleichen Beruf weniger verdienen als Männer, das blendet sie gekonnt aus. Wieso sie es bestimmt für unmöglich hält, junge Frauen für technische Studiengänge zu interessieren wird dann deutlich bei…
Schröders Statement 5: Jungs interessieren sich alle für Fußballgeschichte und Mädchen für Schmetterlinge und Ponys – Ich hab in meiner Kindheit auf Ponys und Schmetterlinge verzichtet und dafür mit Transformers- und Turtles-Actionfiguren gespielt. Und was ist aus mir geworden? Naja.
Das wirklich schockierenste an diesen Aussagen ist, dass Frau Schröder unsere Familienministerin ist. Welches Bild einer „Familie“ sie hier implizit zeichnet, ist wirklich verhehrend: Mann-Frau-Sohn-Tochter als ultimatives Modell im Reihenhaus mit weißem Gartenzaun, punkt. Der Sohn studiert Elektrotechnik, das Mädchen Germanistik. Ponys und Fußball up your ass. Fragt sich nur, wie wir die ganzen Homo-Ehen, Alleinerziehenden, Ledigen, Poly-Gruppen, lesbischwule Beziehungen, glücklich Unverheiratete, glücklich kinderlosen Menschen in Frau Schröders Modell reinquetschen… Vermutlich sind die dann einfach alle selber Schuld.