Frau Schwarzer, Sie machen es nicht besser!

Alice Schwarzer hat einen offenen Brief geschrieben, um auf Kristina Schröders Feminismus-Abrechnung im Spiegel zu antworten (zu Frau Schröder siehe den vorherigen Artikel). Prinzipiell eine gute Idee von Frau Schwarzer, ABER! Was schreibt sie da bitte für einen rassistischen Mist? Sie setzt sich zwar differenziert mit Schröders sexistischen Thesen auseinander, schiebt aber am Ende des Briefes die „Schuld“ der Jungs-Probleme auf Leute mit migrantischem Hintergrund:

„‚Schuld‘ ist auch der Zuzug von Menschen aus Kulturen nach Deutschland, die eben leider nicht durch den Feminismus gegangen sind, wie die ex-sozialistischen Militärdiktaturen Osteuropas oder die muslimischen Länder. Deren Söhne geraten nun mit ihrem vormodernen, archaischen Männlichkeitsbild in unsere moderne Welt. Da liegt in der Tat reichlich Konfliktstoff und vieles im Argen.“

Wenn Frau Schröder Stammtisch 1970 ist, macht Frau Schwarzer Stammtisch 2010 auf. Hätte sie mal was über den heutigen Feminismus gelesen, hätte sie vielleicht auch was von Diversity gehört. Wer hat da jetzt welche Hausaufgaben nicht gemacht?


10 Antworten auf “Frau Schwarzer, Sie machen es nicht besser!”


  1. 1 thoughtsunderconstruction 08. November 2010 um 19:45 Uhr

    *seufz* Frau Schwarzer, das ist so eine Sache mit ihr. Wie wäre es, wir nehmen sie als Negativvorbild und machen unsere Hausaufgaben?

    Übrigens lief mir neulich folgende These über den Weg: Die kleinen türkischen Jungs ziehen diese sexistische Kacke nicht ab weil sie von Hause aus sexistisch sind sondern weil der ihnen täglich begenende Rassismus sie so agressiv macht und das ihr Ventil ist.
    Nein, das ist keine Entschuldigung für beschissenes Verhalten. Aber ich kenne es von mir selbst dass ich mich gelegentlich daneben benehme (lalala, siehe meinen letzten Blogpost) wenn mir jemand dumm kommt. Und das die Zusammenhänge von dummenn Verhalten und meinen mangelnden Manieren nicht immer so offensichtlich sind…

  2. 2 Zalis 08. November 2010 um 20:53 Uhr

    Der Stammtisch, den Frau Schwarzer da aufmacht, der dürfte auch älter als 2010 sein.

    Ein paar Jahre schon, aber auch noch nicht so alt. Bis vor wenigen Jahren wurde der Hass auf Menschen mit türkischem Migrationshintergrund nicht mit vermeintlich linken Floskeln sondern schlicht mit dem Postulat der Minderwertigkeit dieser Menschen gerechtfertigt. Dass „Ausländer“ raus müssen, weil sie angeblich die Gleichberechtigung der Frau oder die bürgerliche Freiheiten gefährden (und nicht „nur“ weil sie angeblich stinken, kriminell, faul, dumm und schlicht [Wort gelöscht – sv] sind, oder weil Deutschland den Deutschen gehört und [Wort gelöscht – sv]mischung pfui ist), ist – zumindest was den Mainstream betrifft – eine Post-9/11-Sache. War das islamische Frauenbild im Moslemsterotyp der Nazis und Konservativen vorher der einzig positiv belegte Teilbereich, wurde das in den letzten Jahren aus strategischen Gründen aufgegeben, um im linken und liberalen Lager Anhänger für rassistische Kampagnen zu rekrutieren. Und die Strategie hat ja auch prima funktioniert.

  3. 3 utrumque 08. November 2010 um 23:24 Uhr

    warum erst mit diversity argumentieren?
    frau schwarzer sollte die ersten bewegungen der black feminisms doch wohl miterlebt haben. ich finde, die kritik der BF sollte sich mit etwas nachdenken übertragen lassen und die obige position als rassistische herausstellen.

    aber was will mensch auch erwarten. die frau macht werbung für die bild. insofern: klare linie, frau schwarzer!

  4. 4 Tabby 09. November 2010 um 13:10 Uhr

    schiebt aber am Ende des Briefes die „Schuld“ der Jungs-Probleme auf Leute mit migrantischem Hintergrund

    Nein, das tut sie nicht, sie schreibt, „Schuld‘ ist auch der Zuzug“. Sprachlich ist das recht eindeutig so gemeint, dass sie eben AUCH dort ein Problem verortet, wo Menschen, die in sehr krass patriarchalen Strukturen sozialisiert wurden, die nicht durch eine feministische Bewegung aufgebrochen wurden, wenn sie nach Deutschland migrieren auch ihre patriarchale Sozialisation an ihre Kinder weitergeben, die hier in ständigen Widerspruch zu dieser Gesellschaft gerät.
    So ganz sehe ich nicht, wo das rassistisch sein soll. Dass Menschen mit arabisch/türkischem Migrationshintergrund durchschnittlich ein viel patriarchaleres Frauen-/Männerbild vermittelt bekommen haben ist doch nicht wirklich widerlegbar.

  5. 5 Marcie 09. November 2010 um 13:53 Uhr

    Alice scheint sich in der dumpf-braun-rechten Ecke ja inzwischen richtig wohlzufühlen.
    Nur das mit den „ex-sozialistischen Militärdiktaturen Osteuropas“ ist neu und etwas überraschend, wo sie doch sonst sozialistische Militärdiktaturen klasse findet (man erinnere sich bitte an ihre Auswürfe zum Thema Myanmar/Burma).

  6. 6 T.S. 10. November 2010 um 0:49 Uhr

    Dabei wurden doch gerade in „den ex-sozialistischen Militärdiktaturen Osteuropas“ – bei allen Mängeln – teilw. früher als im Westen feministische Forderungen verwirklicht und von staatlicher Seite ein egalitäres Frauen- und Männerbild propagiert. In der DDR – und ich denke auch in anderen dieser Staaten – war es von staatlicher Seite aus ja offen erwünscht, dass Frauen studieren und einen Beruf ausüben.

    (Ganz davon abgesehen, dass die Rede von „Militärdiktaturen“ ohnehin ziemlich daneben ist. Die Macht hatte auch dort idR nicht das Militär, sondern der zivile Staatsapparat.)

  7. 7 jen_nie 10. November 2010 um 12:44 Uhr

    was den rassismusvorwurf betrifft, sehe ich es ebenfalls so wie „Tabby“. ich finde es reichlich übereilt, alice schwarzer anhand dieses zitats in die braune ecke zu stellen. ich habe es jedenfalls so gelesen, dass es ihr in diesem punkt um die geschlechtsstereotype sozialisation in sehr patriarchal geprägten kulturkreisen geht und den diesbezüglichen feministischen nachholbedarf und nicht um eine verteufelung von einwanderung etc.

  8. 8 TaP 10. November 2010 um 14:26 Uhr

    @ Tabby:

    „Dass Menschen mit arabisch/türkischem Migrationshintergrund durchschnittlich ein viel patriarchaleres Frauen-/Männerbild vermittelt bekommen haben ist doch nicht wirklich widerlegbar.“

    @ jen_nie

    „was den rassismusvorwurf betrifft, sehe ich es ebenfalls so wie ‚Tabby‘. ich finde es reichlich übereilt, alice schwarzer anhand dieses zitats in die braune ecke zu stellen. ich habe es jedenfalls so gelesen, dass es ihr in diesem punkt um die geschlechtsstereotype sozialisation in sehr patriarchal geprägten kulturkreisen geht und den diesbezüglichen feministischen nachholbedarf und nicht um eine verteufelung von einwanderung etc.“

    „feministischen nachholbedarf“ – genau diese Kulturalisierung und Nationalisierung des Feminismus einerseits und Patriarchats andererseits ist ja aber gerade das Problem: Die einen Länder/Kulturen sind pauschal die Vorreiter und die anderen pauschal die mit dem „nachholbedarf“.

    Denn es gibt ja durchaus überraschende Zahlen, z.B. diese: In der Türkei ist der Frauenanteil unter den ProfessorInnen doppelt so doch wie in der BRD; und er ist in der Türkei sogar höher als in Schweden.

    (Quelle: http://susger.cjb.net/buecher/cd0002/bundestag/gremien/welt/gutachten/vg37.pdf, S. 11).

    Und selbst, wenn es einen methodologisch validen globalen Patriarchatsindex gäbe und die BRD dabei relativ gut wegkäme, wäre es halt immer noch nicht die Aufgabe von Feministinnen sich zum Teil der national-staatlichen Gemeinschaft zu machen, sondern die national-staatliche Gemeinschaft von Männern und Frauen durch Entwicklung feministischer Kämpfe zu sprengen.

    Anläßlich der Butler-Äußerungen zum Berliner CSD wurde das Thema ja schon mal ausführlich diskutiert:

    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/07/04/na-also-warum-nicht-gleich-so/;
    vgl. auch noch: http://maedchenblog.blogsport.de/2010/06/20/dis-identification-means-to-transform-the-imperialist-war-into-revolutionary-civil-war/

  9. 9 kulturrelativismus 10. November 2010 um 23:28 Uhr

    natürlich ist frau schwarzers aussage zu hinterfragen, aber warum verfallt ihr so einem lächerlichen kulturrelativismus?
    das is stammtisch 1968!

  1. 1 engl @ absurdum » Blog-Archiv » briefe im netz, veröffentlicht (95) Pingback am 08. November 2010 um 20:18 Uhr

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