Berlin Pornfilmfestival – Teil 2: Ein Interview

– Ich weiß jetzt nicht mehr genau, bei welchen Szenen vom Publikum besonders viele gelacht wurde und bei welchen Du selbst gelacht hast – aber tendenziell hatte ich den Eindruck, daß es eher die heftigeren Szenen waren. Was ist daran lustig, wenn in den Körperöffnungen einer Frau nun gleich auch noch mit mehreren Dildos mit starker Kraft und hoher Geschwindigkeit herumgestochert wird? Was ist daran lustig, wenn einer eine ganze Hand soweit in den Mund gesteckt wird, daß ein Würgreflex ausgelöst wird?
Antwort: Das waren ausdrücklich nicht die Szenen, bei denen ich gelacht habe. Ich fande die Blowjob-Dildo-Szene sehr unangenehm und mir war echt schlecht während man der Frau bei wiederholtem Würgereflex zusah.
Gelacht habe ich eher bei Szenen, die mir zwischenmenschlich einfach sympathisch waren. Und im allgemeinen hat Porno vielleicht, aber Sex in jedem Fall, doch oft auch eine komische Seite. Manche Sachen haben eine gewisse Situationskomik oder sind einfach kompliziert und da hilft Humor manchmal weiter. Mir fällt gerade ein, in dem Vorspann, als der Mann zu sehen war, der das lesbische Paar, das er auf so einer Sex-Performance gesehen hat zu sich nach Hause einladen will, damit er ihnen beim Sex zugucken kann und sie sagen, „nee, machen wir nicht“ und man sieht sie zu Hause lesend im Bett in Pyjama und mit Brille, da habe ich das erste Mal gelacht.

Frage: Siehst / ‚Liest’ Du solche Szene als Parodie auf mainstream-Hetero/a-Pornos? Und falls ja, ist dann die Parodie ihrerseits überhaupt noch ein Porno – oder vielmehr ein Anti-Porno?
Antwort: Ich weiß nicht, ob ich sowas als Parodie lese, ich finde es eher anstrengend ständig diesen Sex mit dem Sex zu vergleichen und dann den Sex gut zu finden, weil man sich von dem anderen unbedingt distanzieren muss. Auch wenn ich mich wahrscheinlich schon von viel Sex in Hetero-Pornos distanziere.

Frage: Kommen wir zur politischen Seite der Sache: In dem Siegessäulen-Vorab-Bericht zu dem Festival hieß es: „Geht es in der konventionellen Sexbanche immer noch fast ausschließlich um den Geschmack heterosexueller Männer, hat sich das Pornfestival seit Beginn einen Namen damit gemacht, vorurteilsfrei die Alternativen zum Mainstream zu zeigen und Sexualität aus allen möglichen Blickwinkeln auszuleuchten. ‚Bei Heteropornos ist uns besonders wichtig, welches Frauenbild vermittelt wird. Uns sind Filme mit souveränen, selbstbestimmten Frauenfiguren am liebsten’, so Manuela Kay. ‚Bei lesbischen Pornos ist die Authentizität am wichtigsten, dass es glaubhaft lesbisch daherkommt und nicht die übliche Lesbenszene mit zwei ‚Barbiepuppen’ aus dem Heteroporno ist, die im Grunde gar nichts mit dem Körper der anderen anfangen können.’“
Sind das Ansprüche, die Du auch an Pornos hast und inwieweit wurden diese Ansprüche Deiner Meinung nach bei dem Festival eingelöst?
Antwort: Ja, ich wollte Alternativen zum Mainstream sehen. Und wenn Authentizität das ist, was in Hetero-Pornos fehlt, dann ist mir das auch wichtig. Mir hat der Film gefallen, ich fande die Frauen in ihrem selbstbestimmten und selbstbewußten Sex sehr sympathisch und menschlich und sexy.

Frage: Was sollte denn das „normal“ in Deiner ersten Antwort ausdrücken? Du sagtest: „ich überrascht war, wie ‚normal’ der Sex größtenteils war.’“ War das als Lob oder als Kritik gemeint? – Ich frage deshalb, weil mir Deine Antwort auf die ersten Fragen doch ziemlich kritisch vorkamen, aber Deine jetzige resümierende Antwort doch ganz wohlwollen ausfällt.
Antwort: Das „normal“ bedeutet, dass das alltäglicher Sex ist, den lesbische Frauen so haben – möchte ich mal so behaupten. Das war ein Lob!

Frage: Gibt es sonst noch etwas, was Dir bei dem Festival aufgefallen ist oder was Du zum Thema Porno sagen willst?
Antwort: Ich fand das Publikum bei dem Festival sehr angenehm, es war eine lockere, entspannte und teilweise sogar witzige Stimmung. Das war gut, dass das nicht so verkrampft war.

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4 Antworten auf “Berlin Pornfilmfestival – Teil 2: Ein Interview”


  1. 1 nummer.drei 11. November 2010 um 13:49 Uhr

    hei, danke für das Interview! Liest sich sehr schön und unterhaltsam und ist eine nette formale wie inhaltliche abwechslung auf dem blog!

  2. 2 Bernd 11. November 2010 um 15:57 Uhr

    bisschen neben dem Blog Thema, bin auch kein pr0n Fan nur dieser (schwule) Porno ist der einzige der mir jemals gefallen hat und auch mal eine andere Herangehensweise fernab von Idealisierten Stereotypen in Hardcore Posen zeigt:
    “I Want Your Love“ von Travis Mattews
    thx weiterso super Blog =D

  3. 3 tee 13. November 2010 um 2:23 Uhr

    Ich fande die Blowjob-Dildo-Szene sehr unangenehm und mir war echt schlecht während man der Frau bei wiederholtem Würgereflex zusah.

    ist das dieselbe szene, die du so beschriebst?:

    Toll finde ich allein eine Dildo-blow job-Szene, bei der nicht die Dildoträgerin als aktiv penetrierende, sondern die andere als aktiv Blasende agiert. Hier fungiert der Dildo mal tatsächlich nicht als ‚Natur-Ersatz’ (Penis-Ersatz-Penetrations-Instrument), sondern er gewinnt eine eigenständige – ent-naturalisierte, d.h.: politisch konstruierte – sexuelle Bedeutung: denn der Dildo kann weder ‚aufgeblasen’ noch zum Abspritzen gebracht werden (und insofern nichts ersetzen).

  4. 4 TaP 13. November 2010 um 10:03 Uhr

    Das ließ sich auch in der Begleitkorrespondenz zu dem Interview nicht aufklären. Klar ist:

    1. Im Laufe der acht Filme, die ich gesehen habe, und wahrscheinlich auch im Rahmen von Much more pussy alleine gab es Dutzende von Szene, wo ein Dildo in einem Mund zu sehen war.
    Die meisten waren konventionelle Penetrationsszenen; eine war in meinen Augen ein Bruch mit diesem Paradigma und demggü. als blow job-Szene zu beschreiben. Einige Szenen mögen irgendwo zwischen diesen beiden Extremen angesiedelt gewesen sein.

    2. In der von mir als blow job-Szene beschriebenen habe ich kein Würgen wahrgenommen. Es kann natürlich sein, daß ich mal einen Moment abgelenkt war (die Szene war ziemlich lang) oder mittlerweile etwas abgestumpft war, was den Gewalt-Sex anbelangt. Sollte dem so sein, so würde dies aber nichts daran ändern, daß sich diese Szene jedenfalls ansonsten in der beschriebenen Weise von den anderen abhob.

    3. Es gab im Laufe des Festivals und vermutlich auch von Much more pussy diverse Szene, wo das Auslösen von Würgreflexen gezeigt wurden – das ist ja in meiner Frage an „Katharina“ auch angesprochen. Ich kann mich dieszgl. konkret nur an Szene erinnern, wo vier Finger tief in den Mund gesteckt wurden. Es erscheint mir aber sehr wahrscheinlich, daß es auch Dildo-Szenen mit Würgreflex gab.

    Gibt es vielleicht Leserinnen, die DVD besitzen und nähere Aufklärung verschaffen können?

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