Kampf dem Sexismus

Mal wieder nichts von mir selbst, aber anlässlich des heutigen „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ lohnt es sich mal wieder Basics auszupacken. Ich halte es für unerlässlich, hier nicht allein von Cis-Frauen zu sprechen, denn auch Trans*-Personen sind von der ganz spezifischen Gewalt, die „Frauen“ betrifft, getroffen. Entweder in ihrer Kindheit oder ihrer Gegenwart. In vielen Städten finden heute Kundgebungen, Demonstrationen, Vorträge etc. statt.
Das folgende Flugblatt wurde von der Rosa Antifa Wien verfasst:

Gewalt gegen Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender …

… beginnt mit der Angst beim nach Hause gehen in der Nacht; mit den Pfiffen auf der Strasse.
Gewalt ist die Frage nach dem Kinderwunsch beim Vorstellungsgespräch.
Gewalt ist der Zwang sich nach gewissen Vorstellungen kleiden zu müssen.
Gewalt ist die Einkommensschere zwischen Frauen und Männer.
Gewalt ist die Frau nicht zu Wort kommen zu lassen.

Bei Gewalt gegen Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender handelt es sich also um einen Übergriff auf die persönliche Integrität von Frauen/Mädchen/ Lesben/Transgender und die Missachtung ihrer Grenzen.

Gewalt findet in einem System statt, das Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender strukturell benachteiligt und ihnen die Macht über sich selbst entzieht. Gewalt hält das System, welches von Männern für Männer geschaffen wurde aufrecht. Gewalt hat System.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender sind mit psychischer, physischer, sexueller, ökonomischer und struktureller Gewalt konfrontiert.

Die Arbeit von Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender wird marginalisiert und abgewertet. Sie werden auf Mutterrolle und Haushalt reduziert. Die aktuelle konservative Familienpolitik drängt Frauen auch in Österreich vermehrt an den Herd. Die Aushöhlung von ArbeiterInnenrechten trifft wieder v.a. Frauen/Mädchen/ Lesben/Transgender. Diese Verschärfung der ökonomischen Situation zeigt sich auch in der Streichung von Subventionen für Frauen/Mädchen/Lesben/Transgenderinitiativen, was eine substantielle Gefährdung von Frauen/Mädchen/Lesben/Transgenderräumen und Frauenhäusern bedeutet.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender sind mit sexueller Gewalt konfrontiert.

Sexuelle Gewalt ist ein besonderes Merkmal dafür, wie sehr Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender die Verfügungs- und Definitionsmacht über den eigenen Körper, und das was mit ihm geschieht, entrissen wird. Auch die Reduzierung der Frau auf ein Sexobjekt ist sexuelle Gewalt.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender sind mit heterosexueller und homophober Gewalt konfrontiert.

Die heterosexuelle Zweierbeziehung gilt als gesellschaftliche Norm. Lesbische und transgender Lebensweisen werden nicht anerkannt. Lesben und Transgender werden strukturell diskriminiert und Übergriffen ausgesetzt.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender sind mit rassistischer Gewalt konfrontiert.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender, die nicht der Norm einer Mehrheitsösterreicherin entsprechen, sind ständig mit rassistischen Übergriffen konfrontiert. Viele Migrantinnen haben in Österreich keine eigenständige Aufenthaltsbewilligung: Abhängigkeit von Ehemännern und Vätern wird verstärkt. Aufgrund der rassistischen Gesetzgebung können Migrantinnen oft nicht eigenständig erwerbstätig sein. Durch die Illegalisierung von Menschen werden v.a. auch viele Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender von öffentlichen Leistungen und Schutz ausgeschlossen.

Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender sind mit Gewalt konfrontiert, wenn sie als behindert klassifiziert werden.

Sie können oft nicht selbst über ihr Leben bestimmen. Sie werden entmündigt und sind häufiger sexueller Gewalt ausgesetzt.

Wir sind gegen Gewalt an Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender!
Gemeinsam wehren wir uns gegen Gewalt an Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender!

Wir fordern:

- Selbstbestimmungsrecht von Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender!

- Die Anerkennung und Einhaltung unserer Grenzen

- Solidarität unter Frauen/Mädchen/Lesben/Transgender!

KAMPF DEM SEXISMUS IM ALLTAG UND IM STAAT

Dazu: Dossier von dieSTANDARD


3 Antworten auf “Kampf dem Sexismus”


  1. 1 tee 25. November 2010 um 18:00 Uhr

    Gewalt ist der Zwang sich nach gewissen Vorstellungen kleiden zu müssen.

    weiss jemand, was da genau mit gemeint ist? berufsbezogen wird es ja nicht sein, schliesslich sind kleiderordnungen dort in den meisten fällen geschlechts- und neigungsunabhängig.

  2. 2 Julinoir 25. November 2010 um 18:29 Uhr

    @ tee:
    Ich würde annehemen, dass sich der Satz, wie auch andere Teile des Flugis, auf den Begriff der strukturellen Gewalt, der von Galtung geprägt wurde, bezieht:
    Niemand zwingt eine_n direkt, sich auf bestimmte Weise zu kleiden, doch bei Zuwiderhandlung drohen Nachteile: Ich überlege mir z.B., ob ich den verbalen Angriffen gewachsen bin, die ich zu erwarten habe, wenn ich abends/nachts im kurzen Rock und Stiefeln aus den Haus gehe. Wenn ich mich nicht stark genug dazu fühle, kleide ich mich anders.
    Und in diversen Berufen wird ja auch oft ein bestimmter Kleidungsstil verlangt, das „gepflegte“ Aussehen, das Sekretärinnen abverlangt wird, bezieht sich ja nicht darauf, dass Sekretärinnen sich oft genug waschen sollten, sondern bitte auch ein bisschen Makeup und ein nettes Blüschen tragen sollten.

    „Strukturelle“ Gewalt lässt sich also ziemlich weit auslegen, und es ist auch durchaus umstritten, ob das nicht eine Unschärfe mit sich bringt, nach der fast alles als Gewalt definiert werden kann.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Gewalt

  3. 3 tee 25. November 2010 um 22:23 Uhr

    ok, das erste beispiel leuchtet mir ein wenig ein. beim beruflichen jedoch ist es nun wirklich geschlechtsunspezifisch und von daher eher fehl am platze. sprich: das geht jedem geschlecht so in bestimmten berufen und dort ist nicht (primär) der sexismus der grund für die kleiderordnungen.

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