Frauen und Technik

An manchen Unis gibt es nun technische Studiengänge, die nur für Frauen zugänglich sind. Grund dafür ist, mehr Frauen in diese sogenannten „MINT-Fächer“ zu bringen.
Oft eingeschüchtert von dem Vorwissen männlicher Kommilitonen hält frau sich da lieber ganz zurück. Von einem reinen Frauenstudiengang erhofft man sich, weniger paternalistische Sprüche hören zu müssen, nachfragen dürfen, ohne belächelt zu werden und bei Null anfangen zu dürfen. Was aber nicht heißt, daß man weniger leisten muß:

Da sie im Hörsaal unter sich bleiben wollen, werden die Studentinnen an der HTW oft belächelt. Kommentare wie: „Ihr seid wohl zu dumm für einen normalen Studiengang“, hört Sandra häufig. Doch müssten sich Frauen keinesfalls belächeln lassen. „Wir machen kein Informatik light, sondern behandeln genau das Gleiche wie in gemischten Studiengängen.“


Es geht also erstmal darum, diesen wunden Punkt, sich „als Frau im technischen Bereich nicht so viel zuzutrauen“ zu überwinden. Festzustellen, daß das Ganze lern- und machbar ist, auch ohne schon als 12jährige den eigenen Computer auseinander genommen und wieder zusammengebastelt zu haben. Das Vorwissen der anderen nicht zu überschätzen, den Galuben daran, daß man eventuelle Wissenslücken auch nachholen kann – schließlich stehen auch die Männer, die sich zuvor schon an diesen Bereich herangetastet haben, eigentlich genauso am Anfang, am Anfang eines Studiums.
Im Prinzip ist es nur ein Parallelweg, an dessen Ende dasselbe fundierte Fachwissen erworben wurde.
Sicher, es ist nur eine Übergangslösung, kann aber helfen, eine alte psychologische Sperre auf beiden Seiten abzubauen – bis dieser Sonderstudiengang einfach nicht mehr nötig ist.

Einige männliche Kommilitonen meinten aber, auch sie fühlten sich diskriminiert. Werden also Frauen bevorzugt, wenn sie ihre eigenen Studiengänge aufmachen dürfen.

Knackpunkt – es fehlen bestimmt auch „Männerstudiengänge“. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß es auch Männern alles andere als leicht fällt, genügend gesundes Selbstvertrauen aufzubringen, um sich in eine sehr weiblich dominierte Sphäre zu stürzen. Das wäre die Gelegenheit für die sogenannten „Männerrechtler“, statt auf Frauenstudiengänge etc. zu schimpfen, Recherchen anzustellen: in welchen Bereichen wäre ein Männerstudiengang sinnvoll? Wo gibt es genügend Willige, die nur einen Schubs brauchen? Schließlich sind auch viele Studienrichtungen für Männer uninteressant, gerade WEIL sie von Frauen dominiert sind und „Frauenfächer“ in der Wirtschaft oder in Punkto Status als minderwertig gelten, gerade für Männer. Nicht umsonst werden solche Studienrichtungen oft als „weiche Fächer“ beschrieben, also praktisch nur für Frauen und Softies?

Es erscheint mir unglaubwürdig zu behaupten, Männer würden aufgrund mangelndem Selbstvertrauen davon absehen, beispielsweise Spanischlehrer zu werden. Das hat andere Gründe, die mit separaten Studiengängen wohl nicht beseitigt werden können.

Andererseits sind die Berufe, bei denen Jungs schon seit Kindesalter erzählt wird, Frauen könnten das besser, wie Kindergärtner oder auch Pflegeberufe, durchaus dazu geeignet, einen jungen Mann erstmal einschüchtern zu können. Nur – das ist eben nicht der einzige Grund, warum die jungen Männer nicht gerade in Massen darauf einstürmen. Denn in einen „Frauenberuf“ einzusteigen, heißt dummerweise meist auch: weniger Ansehen, weniger Geld und Scheißarbeitszeiten. Ob da der Skepsis ein reiner Männerstudiengang Abhilfe schafft? Ich bezweifle es.


9 Antworten auf “Frauen und Technik”


  1. 1 O)(O 29. Dezember 2010 um 3:22 Uhr

    Ich habe 2 absolut von Frauen dominierte Berufe erlernt (einmal in den 90ern und einmal in den 2000er Jahren). Der einzige Mann weit und breit. An der Berufsschule, im Betrieb. 2 Vorgesetztinnen. Das war reiner Zufall, aber es war so.

    Ich muss sagen das ich das nicht nochmal machen würde! Was meine Kolleginnen für einen („frauen“spezifisch-heteronormativen) Sadismus aneinander (und leider auch an mir) ausgetobt haben, habe ich unter Männern noch nie erlebt. Ich habe schon bestimmt in 10 unterschiedliche Betrieben gearbeitet und das was ich dort erlebt habe, habe ich sonst nie wieder erlebt.

    Dummes Gesabbel den ganzen Tag über Hochzeit, Familie, Kind und Kegel (+ Diskriminierung derjenigen die daran nicht teilhaben wollen), permanentes Gehate wegen Kleidung und Aussehen, Gemauschel, Intrigen, Gestichel, Psychoterror, Konkurrenz, schiefe Blicke, Alltagswahnsinn, Affentanz. Da konnte ich oft froh sein das ich mich bei einigen Konflikten – mit einem Verweis auf mein Geschlecht – raushalten konnte.
    Der einzige Lichtblick waren in beiden Fällen die Chefinnen.

    Mag sein das die Verhältnisse an der Uni „emanzipatorischer“ eingerichtet sind. In der working class zumindest möchte ich nicht noch einmal alleine unter Frauen arbeiten.
    Da scheint es noch einige Defizite in punkto Solidarität untereinander zu geben.

    PS: Das Ganze war wohl keine spezielle Erfahrung von mir. Ein Lehrer an der Berufsschule hat mir zu meinem Einstand mitgeteilt das ich den Zustand des „Hahn im Korb“ die ersten 3 Wochen gwenießen soll, nach der Eingewöhnungsphase wäre „der Spass vorbei“. Recht hatte er!
    PS2: Da ich meine Schulzeit auf einem christlichen Jungeninternat verbracht habe, meine ich den VON MIR ERLEBTEN
    geschlechtsspezifischen Unterschied ziemlich genau benennen zu können. „Die Frauen“ (unterschiedlich repressiv, unterschiedlich vehement. Je nach Bildungsgrad, je nach Sozialisation) gaben sich nie mit einer Hackordnung zufrieden, sondern piesakten permanent auneinander herum, während „die Männer“ alle Quartal mal eine Hackordnung festlegten (verbal, mit körperlicher Gewalt, mit Statussymbolen etc.) und danach Ruhe geben und dann miteinander klar kamen. Wie bei der Bundeswehr: Gib mir einen Rang und ich bin zufrieden. Bei „den Frauen“ habe ich das immer anders erlebt: Ein Klima frei flottierender normativer Agression die sich in ständig wechselnden Racketformierungen mal gegen die und mal gegen jenen wendet. Horror.
    Nie wieder „Frauenberufe“!

  2. 2 Sebastian 29. Dezember 2010 um 9:47 Uhr

    Ein Männerstudiengang in frauendominierenden Berufen wäre genauso sinnlos, denn ich will von den Frauen lernen, wenn ich so einen Studiengang (etwas Psychologie) mache. Ich würde mich betrogen fühlen. Dann können wir gleich wieder zurück zu getrennten Klassen wie Anno Dazumal.

    Solche Frauen werden vielleicht einmal Dinge nach Vorgabe programieren können, das war es aber auch schon, während kleine 13 jährige Jungs sich ins Pentagon einhacken oder mit 18 Milliardär (Facebok) werden. Genauso wäre ich nur ein halber Psychologe, wenn ich nur mit Männern im Hörsaal sitzen würde.

    Wir können und müssen (oder sollten) voneinander lernen, Männer von den Frauen und auch Frauen von den Männern.

    Und eine Diskrimminierung kann niemals positiv sein. Oder wurden die Juden damals auch positiv diskrimminiert? Wenn meine Kinder etwas größer sind und ich hoffentlich einen guten Job habe, werde ich diese Fascho-EU so schnell wie möglich verlassen.

  3. 3 Der Ekelbaron 30. Dezember 2010 um 8:23 Uhr

    Ich hab da zwar nicht Oxos langjährige Erfahrung, aber ich komme mit weiblich dominierten Räumen deutlich besser klar, als mit männlichen. Wer versucht, sich aus dem geschlechtsspezifischen Rumgezicke herauszuhalten, wird unter Frauen eher als Geek integriert und irgendwie anerkannt. Bei Männern lässt es sich eher durch diese Hierarchiemetapher beschreiben: Man bekommt eine klare Position: Ganz unten.

    Frauenstudiengänge in Mint-Fächern helfen wahrscheinlich vielen Frauen. Die untergeordneten und ausgeschlossenen Männlichkeiten, die der hegemonialmännlichen Dominanz ähnlich Machtlos gegenüberstehen wie Frauen werden allerdings mal wieder übersehen…

    Deshalb bitte keine „Männerrechtsgruppen“ zu Produktivität verleiten! Die fördern eh nur hegemoniale Männlichkeiten, und eine solche Förderung ist in einer patriarchalen Gesellschaft vollkommen sinnfrei.

  4. 4 Mirabella 31. Dezember 2010 um 2:03 Uhr

    Ich muss dem ersten Kommentator zustimmen. Allerdings habe ich im Beruf selbst noch nicht so viel Erfahrung sammeln können, da ich selbst noch studiere, aber ein Studiengang nur unter Frauen wäre der reinste Horror!

    Ich habe genauso wie er erzählt den Vergleich erlebt: Ich war in der Schule die einzige Frau im Informatikkurs in der Oberstufe und gleichzeitig eine von über 20 Frauen im Kunst-Leistungskurs… der Umgang mit nur Männern war wesentlich entspannter und einfacher, es war regelrecht angenehm was Zusammenarbeit und ähnliches anging.
    Im Kunstkurs dagegen Horror: Obwohl das Fach ansich mir immer mehr Spaß gemacht hat, war das ständige gezicke und die Lästereien einfach nur nervend, anstrengend und nahmen einem jede Motivation.

    Ich bin sehr froh in einem normalen technischen Studiengang mit vielen Männern studieren zu können und hoffe, dass niemals diese Möglichkeit genommen wird!

  5. 5 lila 31. Dezember 2010 um 13:24 Uhr

    Zusammenfassung von dem was ich verstanden habe:

    Kommentator 1 erklärt mir, warum er nie mehr mit Frauen zusammen arbeiten würde (weil er mit ihnen schlechte Erfahrungen gemacht hat) und warum sich das auch verallgemeinern lässt (weil sein Ex-Lehrer auch schlechte Erfahrungen gemach hat). Das spricht allerdings nicht nur dafür, Männer und Frauen zu Beginn (zur Überwindung eventueller Ängste), sondern eigentlich für immer zu trennen. Oder was?

    Kommentator 2 erklärt mir, dass Frauen ohne Männer nie wirklich gut programmieren lernen können (Warum genau sind 13jährige Jungs noch mal besser als ausgebildete Frauen? Ist es Biologie oder weil sie es – ähm – einfach besser gelernt haben, oder?). Im Anschluss erklärt er, dass Diskriminierung nicht „positiv“ sein kann, weil die Diskriminierung der Juden nicht „positiv“ war (bitte Kausalzusammenhänge üben! Und mal über den Begriff „positive Diskriminierung“ was lesen – das ist gar nicht synonym zu „coole“ oder „total gute“ Diskriminierung).

    Und alle anderen kommentieren nicht, weil ihnen das zu doof ist? Oder weil sie das so stehen lassen können?

    Ich versteh‘ hier wohl den Umgang noch nicht so ganz.

  6. 6 O)(O 31. Dezember 2010 um 17:22 Uhr

    @Sebastian

    äääääh? Wie bitte?

  7. 7 Beo 02. Januar 2011 um 16:36 Uhr

    In meinen technischen Studiengängen habe ich die Beobachtung gemacht, dass die Frauen die zuvor auf Mädchenschulen waren, sich von dem männlichen Dominanzverhalten der Kommonitionen viel weniger verunsichern liessen. Wenn dieses Studiengänge bei den Absolventinnen einen vergleichbaren Effekt hätten, wäre das toll.

    Nachdem ich meine eigenen Unsicherheiten überwunden hatte, habe ich eine sehr interessante Erfahrung gemacht. Die Kollegen die ihr Fach beherrschen sind nicht herablassend. Abfälligkeiten kommen eigenlich nur von denen die bestenfalls Mittelmass sind.

    Bis heute finde ich vor allem die lästig, die mir läutselig immer wieder wieder die Grundlagen meines eigenen Fachs erklären wollen. Inzwischen gehe ich allerdings davon aus, dass sie mir einfach nur die Grenzen ihren eigenen Verständnisses aufzeigen und das eine Frau mehr versteht als sie selbst ist nun absolut jenseits ihrer Auffassungsgabe.

    Also ich findes es gut, wenn die jungen Frauen erst mal einen Raum bekommen ihre Fähigkeiten zu entdecken. Bevor sie den Herabsetzungen, derer die inkompetent sind, ausgesetzt werden.

    LG Beo

  8. 8 O)(O 02. Januar 2011 um 22:08 Uhr

    @Lila
    Nö. Ich habe nicht behauptet nie wieder mit Frauen zusammenarbeiten zu wollen, nur nicht mehr in Betrieben in denen ausser mir nur Frauen arbeiten.
    Wenn du meinen Kommentar aufmerksam gelesen hättest, wüsstest du das ich auch den Umgang von Männern untereinander kritisiert habe.
    Auch da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.
    Im Übrigen bin ich nicht der Meinung das der eventuell unterschiedliche Umgang miteinander etwas mit Biologie zu tun hat, lediglich etwas mit Sozialisation. Das genauer auszuführen würde allerdings zu weit führen.

  1. 1 Kommentare auf Mädchenblog - AngryYoungWoman Pingback am 06. Mai 2012 um 22:40 Uhr

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