Archiv für Januar 2011

Ist pink schwul?

Bei der Mädchenmannschaft gibt es ein paar Anekdoten zur Blau/Rosa-Dichotomie vor allem bei Kinderkleidung.

Feminist Coming Out Day

Es ist nie schlecht, sich öffentlich als FeministIn zu positionieren. Auch und gerade weil es immer noch Reaktionen à la „DU? Aber du hast das doch gar nicht nötig!“ u. äh. hervorruft. Oder weil es auch nicht immer einfach ist, Mit-FeministInnen zu erkennen und somit auch schwerer, die Vielfalt der Emanzen zu erkennen, oder sich eben auch zu vernetzen.
Eine queere und eine feministische Gruppe der Harvard Universität rufen daher schon zum zweiten Mal, passenderweise am 8. März, zum Feminist Coming Out Day auf!
In der Presseerklärung heißt es:

„Many from a younger generation feel that ‚all the battles have been won for women‘ while many feminists from the 1970’s know only too well the longevity and ingrained complexity of patriarchy … The unfortunate fact is that women are still not paid equally to that of their male counterparts, women still are not present in equal numbers in business or politics, and globally women’s education, health and the violence against them is worse than that of men.“

Also raus mit den Buttons, T-Shirts und lila Latzhosen und das Maul aufgemacht!
Am besten nicht nur am 8. März.

Über den Genderblog gefunden.

Bild: Patrick Stewart

Deconstruct!

Cornelia Möser klärt im Podcast der AG Queer Studies (Uni Hamburg) über die Erfindung des Gleichheits- und des Differenzfeminismus auf.

Queere Kapitalismuskritik

Heinz-Jürgen Voß hat einen Beitrag zur Debatte um „queere Ökonomiekritik“ verfasst und würde sich über weitere Kommentare freuen: „Weg mit dem Queer-Ding! Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik“

Wien – Demonstration gegen rechten WKR-Ball untersagt

In Wien findet gerade der jährliche Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) in der Hofburg statt. Der Korporationsringes ist eine Vereinigung rechter Gruppierungen der auch zahlreiche deutschnationale Burchenschaften angehören. Diese Männerbunde machen das Jahr über durch rassistische, homophobe und sexistische Äußerungen von sich reden. Frauen* sind in diesen Burschenschaften nur als Begleitpersonen erwünscht.

Die Gegendemonstration, welche von einigen linken Organisationen geplant wurde, wurde heute von der Polizei untersagt. Graund: die Gegendemonstartion gefährdet die Sicherheit der Einwohner_innen.

Die zahlreichen Gegner_innen des WKR-Balls, die sich trotz allen Repressalien gerade auf der Straüße befinden, sind laut Twitter zahlreichen Übergriffen durch die Polizei ausgesetzt.

Zum Demonstrationsverbot eine Stellungsnahme von Nadine Lemke (Hochschüler_innenschaft Akademie der bildenden Künste Wien)

Das Verbot der Demonstration auf eine behördliche
Entscheidung der Exekutive zu reduzieren spiegelt den skandalösen
Leitungsstil österreichischer Regierungsmitglieder wider.
Gesamtpolitische Zusammenhänge werden ausgeblendet während
totalitäre, rassistische Detailentscheidungen zur Tagesordnung
gehören.

Den rassistischen Normalzustand erleben wir täglich in Österreich:
Verbindungen zwischen Neonazis und dem Amt für Verfassungsschutz und
Terrorismusbekämpfung; ein Nationalratspräsident, der einer
rechtsextremen Burschenschaft angehört; eine erneute Verschärfung der
Asylgesetznovelle; Kinderrechte, die nur Gültigkeit haben, wenn auch
die Eltern österreichische Staatsbürger_innen sind; Abschiebungen von
Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffenen Frauen, usw. zeugen
davon.

Schweizer Antifeministen wollen Adressen von Frauenhäusern veröffentlichen

Die „Schweizer Antifeministen“ riefen via ihrer Website die Bevölkerung dazu auf ihnen Adressen von Frauenhäusern zukommen zu lassen, da diese Orte des „Männerhasses“ sind.

Viele Frauen würden ihren Ehepartner fälschlich der häuslichen Gewalt bezichtigen, um eine bessere Ausgangssituation in Sorgerechtsstreitigkeiten zu haben, begründet die Gruppe ihre Pläne

Für Frauen, die nicht zum Spaß dort sind, sondern um vor einem gewaltitätigen Mann zu fliehen, könnte dies lebensbedrohliche Konsequenzen haben.

Mit ihren Plänen setzten die Antifeministen «ganz klar Leben aufs Spiel». Für bedrohte Frauen gebe es keinen anderen Ort, an den sie flüchten könnten. Die Dachorganisation (der Frauenhäuser) habe darum bereits Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen, um rechtliche Schritte gegen die Aktivisten zu prüfen.

Zu wieviel Misogynie kann ein Mensch eigentlich fähig sein? Bei soviel offen zu Tage gelegten Frauenhass kann ich gar nicht mehr wütend werden, sondern nur noch traurig!

Erster Gleichstellungsbericht der Bundesregierung

Dem Bundesministerium für Familie, Jugend, Frauen und Senioren wurde gestern der erste Gleichstellungsbericht übergeben. In Auftrag gegeben wurde dieser 2008 von der damaligen Familienministerin von der Leyen.

Frau Schröder war bei der Übergabe nicht anwesend, sie geht ja sowieso davon aus in Deutschland postfeministische Zustände herrschen. So übernahm also ihr Staatssekretär das Werk.

Das Fazit ist nicht sehr verwunderlich. Gesellschaft und Politik halten an alten Rollenbildern fest und verhindern dadurch aktiv Emanzipation. Die Forderungen der Komission: Frauenquote, Abschaffung des Ehegattensplittings und Mindestlöhne.

Und ich bin wirklich sehr gespannt mit welchen rhetorischen Tricks Frau Schröder die eindeutigen Ergebnisse dieses Berichts niederreden zu versucht und den Frauen erzählen will, dass doch eigentlich alles ganz schön ist so wie es ist, Sexismus und Unterdrückung hin oder her.
Was sie in ihrem monatlichen Politikbrief, der zwar nur an „Abonnenten“ adressiert ist, schreibt könnte sich durch den Bericht allerdings bewahrheiten:

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das neue Jahr ebenso turbulent und ereignisreich werden wird wie 2010. Es wird für jeden von uns Herausforderungen bereit halten, die manchmal leicht, manchmal weniger leicht zu meistern sein werden.

„CUP U“, ein Video über Menstruationstassen

Es sind schon ein bisschen ältere Neuigkeiten, aber derzeit gibt es in den USA eine der bekannten Tampon-Marken nicht in den Geschäften zu kaufen, und es gibt Spekulationen darüber, ob es sich um einen Waren-Rückruf handelt.

Hier ist ein schönes Video (englisch), in dem sich blutende Menschen über Menstruationstassen unterhalten. Menstruationstassen sind eine der Alternativen zu den herkömmlichen Menstruationsblut auffangenden Produkten.

CUP U. from vanessa tolkin meyer on Vimeo.

Gefunden in der feminism-Suppe.

Na denn, Frolleins…

Bei Franziska Heine wird heftig über ein Thema diskutiert, das wir hier auch schon hatten, bzw. immer wieder haben:

Namensbestandteile wie „Girl“, „Mädchen“, „Frau“, „Fräulein“ waren mir auch hier häufiger begegnet und ich fragte mich, wie wohl das Verhältnis aussieht, wenn ich einen genaueren Blick wage.
(…)Das Ergebnis ist weder erschöpfend noch repräsentativ, zeigt aber wie ich finde eine gewissen Tendenz. Soweit das den Selbstbeschreibungen der Autorinnen zu entnehmen war, sind keine der „Mädchen“-Bloggerinnen in einem Alter, in dem sie mit der Zuschreibung „Mädchen“ versehen werden würden. Um so spannender die Frage: Warum greifen sie zu Attributen wie „Mädchen“ oder „Girl“?

Die meisten KommentatorInnen sind ja der Meinung, „Mädchen“ sei verharmlosend und herabsetzend. Ich persönlich bin da ja anderer Meinung (siehe den oben verlinkten Artikel) und schließe mich der Kommentatorin „Nyx“ an:

Ich frage mich, WARUM hier so viele den Begriff “Mädchen”/”Girl” als abwertend ansehen?? Hat Euch da nicht selber die Denkweise des Patriarchats gegriffen? (mehr…)

My heart is coming out


Mutiges, weil sehr persönliches Post über Coming Out(s), Liebeswirren und die Suche nach der eigenen Sexualität bei Puzzleteile.
Besonders schönes Fazit:

Stattdessen stecke ich jetzt für meinen Freund_innen- und Verwandtenkreis fest in dieser »bisexuell«-Schublade und hasse es, dass Begriffe wie »schwul«, »lesbisch«, »bisexuell« oder »Coming-Out« je erfunden wurden und dass nicht jeder Mensch (besonders in Jugendjahren) die Chance hat, sich ohne Angst und Stigmata auszuprobieren, um von mir aus mit 30 oder 40 glücklich in irgendeine Schublade zu klettern.

Oder eben für immer definitionsfrei rumzulaufen…

Via Mädchenmannschaft.

Zuletzt Frauen und Zuwander_Innen

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Damit soll gemeint sein, dass es in gewissen Bereichen nicht genug gut ausgebildete Arbeitskräfte gibt. Das erfreut die Wirtschaft natürlich nicht besonders und auch die Bundesregierung hat Angst, dass dieses Phänomen zur „Konjunkturbremse“ wird.

Was Fachkräftemangel aber eigentlich heißt: es gibt zu wenige gutausgebildete einheimische, kurz deutsche Männer. Da nun also sprichwörtlich „Not am Mann ist“ hat sich die Bundesagentur für Arbeit überlegt, wen es denn da noch so unter den 82 Millionen Einwohnern gibt. Und siehe da, es gibt noch die Randgruppen Einwohnerinnen und Zuwanderer und die dürfen jetzt auch mal arbeiten, ähh lohnarbeiten.

Zuwanderung ist nach Ansicht der BA einer der Wege, um gegenzusteuern. Bis zum Jahr 2025 könnten etwa 400.000 bis 800.000 zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden, rechnen die Autoren vor. Dazu müsse „die Attraktivität Deutschlands als Einwanderungsland durch die Etablierung einer umfassenden Willkommenskultur“ steigen, so BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.

Also Willkommen im Land des Thilo Sarrazins.

Bei Frauen sieht die BA zwei Ansatzpunkte: Insgesamt sollte ein höherer Anteil von ihnen erwerbstätig werden, zudem könne das Arbeitszeitvolumen der teilzeitbeschäftigten Frauen steigen – etwa durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

(Apropo Arbeitszeitvolumen, das will die BA gleich für alle steigern. Tolle Idee!)

An Frauen und Zuwanderer wird also erst gedacht wenn das marode Wirtschaftssystem aufgrunde eines Mangels an Humankapital zu kollabieren droht. Darin wird wieder einmal deutlich sichtbar, wie sehr unsere Gesellschaft durch Geschlecht und Herkunft in Klassen geteilt ist. Und das „Alphatierchen“ ist immernoch der weiße Mann.
Wenn nämlich die Konjuntur sich wieder selbst ausbremst, werden es die Frauen und Zuwanderer sein, die zuerst ihre Stelle aufgeben müssen. Dann wird aus der „Willkommenkultur“ rechte Hetze und aus arbeitenden Frauen egoistische Karrieristinnen.

Liebe_r Bitch slap

Es ist ja nett, dass du dich um mein Liebes- bzw. Sexualleben sorgst, aber ich komme schon klar, sehr gut sogar, ob allein oder mit Mann. Die Annahme, dass ich heterosexuell bin ist zwar zu 90% richtig, aber gleich davon auszugehen zeigt schon einmal wie festgefahren du in heteronormativen Strukturen bist.
Naja und zu deinem Kommentar im Allgemeinen, wenn du damit bezwecken willst, dass ich aufhöre zu bloggen oder aufhöre eine Feministin zu sein, dann muss ich dir und allen anderen leider mitteilen, dass ihr damit genau das Gegenteil erreicht.

Denn solche Kommentare zeigen mit erst wie sexistisch unsere Gesellschaft doch ist und was man sich als Frau, die für Menschenrechte eintritt so alles anhören muss. Nur weil ich eine Vagina besitze brauch ich nicht unbedingt nen „Kerl“. Auch wenn ich ihn grad brauchen würde, würde er mich sicher nicht davon abhalten zu denken und für meine Meinung einzustehen. Und das Argument, das Feministinnen „unbefriedigt“ sind ist auch schon so alt. Gibt es da wirklich nichts neues. Sorry, aber Penisse sind nicht das Wichtigste in meinem Leben.

Also liebe_r „Bitch Slap“ danke, dass du mir heute wieder gezeigt hast wie wichtig und richtig doch alles ist was ich tue.

Her mit den Quotenfrauen!

Meredith von der Mädchenmannschaft findet ziemlich deutliche Worte, was die Gleichstellungspolitik der deutschen Wirtschaft angeht.

Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt.(…)
Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau.

In Deutschlands 100 wichtigsten Unternehmen sind gerade mal 2,2% der Vorstände weiblich.

Bezug nimmt sie auch zu der Stellungsnahme von von der Leyen, die eine Quote nicht mehr ausschließt.

Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz.(…)
Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von “Es gibt einfach keine guten Frauen” und “Die Frauen wollen diese Jobs nicht” und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.

Ach, wie schönsind diese Schlussworte doch. Die oben genannten „Lippenbekenntnisse“ sind mir nämlich bei dieser Diskussion auf dem Mädchenblog auch bitter aufgestoßen.

Nochmal: Frauenstudiengänge

Guter Artikel zu Sinn und Zweck von Frauenstudiengängen im technischen Bereich.

Es gibt viele Gründe, warum sich Studentinnen für Frauenstudiengänge entscheiden: Einige haben etwa im Informatikunterricht in der Schule schlechte Erfahrungen gemacht. Andere scheuen die Konkurrenz zu Männern unter den Kommilitonen. „Männliche Studienanfänger bringen oft ein diffuses Halbwissen mit“, sagt Heide-Rose Vatterrott. „Das kann Studentinnen anfangs einschüchtern.“

Schön auch, daß hier gezielt weit verbreitete Vorurteile über Frauen ausgeklammert werden:

Angesichts des Fachkräftemangels umwerben einige Unternehmen sogar gezielt die weiblichen Technikexperten. „Viele Firmen wenden sich verstärkt mit einer frauenfreundlichen Policy nach außen.“
Häufig fällt dabei der Begriff „Soft Skills“. Gemeint ist oft, dass Frauen „weiche“ Faktoren wie Kommunikationstalent und Teamfähigkeit eher mitbringen als Männer. Doch das sehen die meisten Professorinnen skeptisch: „Es ist nicht die Aufgabe der Fachfrau, soziales Schmieröl zu liefern“, sagt Susanne Ihsen.

Klingt für mich nach einer Einstellung, die so manch anderen ProfessorInnen mehr als gut täte – dann werden reine Frauenstudiengänge vielleicht früher überflüssig, als es vorraussichtlich der Fall ist.

Kongo – Offizier gibt Befehl zur Massenvergewaltigung

Ein Offizier der kongolesischen Armee soll nach Angaben der „Ärzte ohne Grenzen“, eine Massenvergewaltigung befohlen haben, nachdem einer seiner Soldaten getötet wurde.
DieStandard.at berichtet:

Ein Offizier der kongolesischen Armee soll nach dem Tod eines Soldaten als Rache eine Massenvergewaltigung befohlen haben. Mehr als 50 Frauen in der Stadt Fizi seien Opfer dieser „Vergeltungsaktion“ geworden, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Mittwoch unter Berufung auf AugenzeugInnen.(…)
Menschenrechtsorganisationen werfen allen in der Region kämpfenden Gruppen systematische Vergewaltigungen zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung vor.

Der Vorfall in Fizi ist der größte bisher bekannt gewordene mit Beteiligung der Regierungstruppen.