Gianna Nannini – selbstbestimmte Mutterschaft

Die Rocksängerin Gianna Nannini wurde im Novembder letzten Jahres mit 54 zum ersten Mal Mutter. Für viele Medienvertreter_innen und Pseudowissenschaftler_innen ein Grund sich in übler Nachrede zu üben. Sonst immer positiv konnotiert wurde in diesem Fall die Schwangerschaft als Gefahr für Mutter und Kind dargestellt, gar von einer egoistischen Tat wurde gesprochen. Schwangerschaft ist nicht immer Schwangerschaft, ein Phänomen, das auch immer wieder in der Debatte um die Kinderzahlen von Akademiker_innen sichtbar wird. Auch das Alter der Mutter ist von Bedeutung will diese einer gesellschaftlichen Stigmatisierung aus dem Weg gehen. Nannini gibt sich davon allerdings wenig unbeeindruckt und will gleich noch ein Kind.

Mit neuer wissensschaftlicher Technik ist es Frauen heutzutage zwar möglich ihre Reproduktivität auch in älteren Jahren auszuleben, in alter Backlash-Manier wird dieser Gewinn an Freiheit, aber sofort mit gesellschaftlichen Sanktionen belegt.
Vor allem beim Thema Muterschaft lässt „die Gesellschaft“ Frauen wenig Handlungsspielraum, entweder Frauen machen alles so, wie es von ihnen als Mütter erwartet wird, oder sie müssen mit hochgezogenen Augenbrauen und Schlimmeren rechnen.

Bei soviel Intoleranz lässt sich nur hoffen, dass Gianna Nannini mehr Frauen dazu ermutigt, selbst zu bestimmen wann und ob sie ein Kind haben wollen.
Auch Nanninis Vorstellung von Familie sollte man einigen Menschen näher bringen.

„Penelope wird in einer großen Familie leben. Ich glaube, man muss nicht unbedingt eine ‚normale‘ Familie haben. Die Rolle des Vaters und der Mutter sind nicht so bindend. Hauptsache, in der Familie gibt es viel Liebe“


14 Antworten auf “Gianna Nannini – selbstbestimmte Mutterschaft”


  1. 1 Thomas 17. Januar 2011 um 22:13 Uhr

    Beim ersten lesen, hab ich jetzt nur daran gedacht, dass ihr Kind wenn es 14 ist, eine 68 Jahre alte Mutter hat.
    Persönlich wünsche ich diesen Generationsunterschied keinem Kind.
    Aber am wichtigsten sind trotzdem liebevolle Eltern, egal wie alt diese sind.

  2. 2 con 18. Januar 2011 um 13:24 Uhr

    o ja – den tick tacks in ihren schubladen den stecker raus! danke gn.

  3. 3 GwenDragon 18. Januar 2011 um 13:27 Uhr

    Wenn ein 50jähriger Mann ein Kind zeugt, ist das auch nicht anders. Über Alte Väter wird nur selten geredet oder hergezogen. Das ist dann natürlich, dass Männer im Alter über 50 Jahre Kinder zeugen und dann noch nicht einmal sie aufwachsen sehen.

    Klar ist ein höheres Alter problematisch, weil es passieren kann, dass das Kind gerade erst im Jungerwachsenenalter ist wenn der „alte“ Elter stirbt.

    Ich finde allerdings eine gute, verantwortungsvolle, empathische Beziehung zum Kind wichtiger als ein (pädagogisch, moralisch oder sostwie) angemessenes Alter eines Elternteils.

  4. 4 stadler 18. Januar 2011 um 16:10 Uhr

    Jetzt muss man nur noch den menschlichen Körper davon überzeugen, daß es eine gute Idee ist mit 54 schwanger zu werden. Und ja, natürlich ist das eine egoistische Aktion, was denn sonst? Sinnvoll in diesem Alter erst schwanger zu werden ist es wohl eher nicht…

  5. 5 lacyuu 18. Januar 2011 um 19:15 Uhr

    Schwangerschaften sind an sich so gut wie immer egoistisch und wenig sinnvoll, egal in welchem Alter. Es besteht kein wichtiger Zweck, (Wunsch)-Kinder zu zeugen.

    Genauso anmaßend ist es zu sagen, dass eine ältere Mutter schlechter für ein Kind wäre. Genausogut kann ein Kind unglücklich mit Eltern sein, die es im Idealalter von 25-35 bekommen haben. Es gibt schließlich auch viele Kinder, die intensiv von den Großeltern betreut werden und das genießen. Jede Generation hat ihre Vor- und Nachteile und einen Generationenkonflikt kann es immer geben.

    Achja, ein höheres Risiko besteht auch, wenn die Mutter minderjährig bzw. im Teenageralter ist. Hinzu kommen noch schlechtere Aussichten für das Kind, weil junge Mütter oft in schlechteren finanziellen Verhältnissen leben. Trotzdem schreit niemand, dass junge Mütter egoistisch seien.

    Argumente gibt es für beide Seiten, Pro oder Anti später Schwangerschaft. Dass aber so gut wie jeder automatisch dagegen schreit, lässt vermuten, dass bei vielen eine unbewusste Diskriminierung älterer Frauen stattfindet.

  6. 6 bla 18. Januar 2011 um 19:23 Uhr

    „Und ja, natürlich ist das eine egoistische Aktion, was denn sonst? Sinnvoll in diesem Alter erst schwanger zu werden ist es wohl eher nicht…“

    An wem oder was wird denn „sinnvoll“ gemessen? Sie wollte ein Kind, sie hat ein Kind, war doch für sie also ziemlich „sinnvoll“.

  7. 7 dodo 18. Januar 2011 um 21:08 Uhr

    Ehrlich gesagt hat Thomas nicht sooo ganz unrecht. Die Chance, miterleben zu müssen, wie die eigene Mutter gesundheitlich abbaut oder gar stirbt, womöglich noch, während man selbst im Teenageralter ist, ist alles andere als eine schöne Aussicht.
    Ich bin selbst Kind relativ „alter“ Eltern (wenn auch nicht so krass wie bei nannini!) und erlebe selbst, daß man dadurch Nachteile hat.
    Andererseits mußte ich mich nie mit einer Mutter rumschlagen, die einen auf hip und cool und „beste freundin“ machen will ;)
    Ich denke schon, daß frau sich ernsthaft Gedanken machen sollte, was die Auswirkungen für das Kind bedeuten könnten.
    Allerdings scheint Nannini das ja durchaus getan zu haben: GERADE der letzte Absatz gefällt mir: große Familie mit viel Liebe – ist erstens eh toll und zweitens ist dann ja definitiv dafür gesorgt, daß das Kind nicht irgendwann allein nd überfordert dasteht, sondern praktische und emotionale Unterstützung von allen Seiten bekommt. Von dem her: tanti auguri, Gianna!!!

  8. 8 Thomas 19. Januar 2011 um 2:07 Uhr

    Ich glaube ich hab mich schlecht ausgedrückt.
    Ich meinte, dass ich es generell nicht befürworte, wenn die Eltern eines Kindes so alt sind.
    In meine Meinungsbildung spielen jedoch ganz viel persönliche Erfahrung (bei mir war meine Mutter jung und mein Vater sehr alt) mit und bestimmt gibt es unzählige Leute, welche andere Erfahrungen gemacht haben.
    Wahrscheinlich ist der Wunsch nach mittelalten (?) Eltern einfach zu idealistisch und mit einem realen Leben kaum zu verwirklichen.
    Da spielen dann zu viele Dinge mit. Diskriminierung bei Schwangerschaft ausgehend von Mann und Beruf.
    Und die Kritik an späten Schwangerschaften mit Egoismus zu begründen ist … naja es ist einfach platt und doof.

  9. 9 stadler 19. Januar 2011 um 5:14 Uhr

    „An wem oder was wird denn „sinnvoll“ gemessen? Sie wollte ein Kind, sie hat ein Kind, war doch für sie also ziemlich „sinnvoll“. “

    Sag ich ja egoistisch. ;)

    Gemessen wird es daran wie groß die Risiken für Mutter und Kind sind. Und die steigen nunmal mit dem Alter rapide an. Wenn man bereit ist die -teils krassen- Konsequenzen zu tragen, dann von mir aus. Aus meiner Erfahrung sind die meisten Leute in letzter Konsequenz aber dann doch nicht bereit. Sterben bei der Geburt, Fehlgeburten, kranke Kinder passen den wenigsten so wirklich in den Kram.

  10. 10 dodo 19. Januar 2011 um 9:45 Uhr

    Na, ich denke mal, die Konsequenzen hängen auch ganz individuell von der Schwangeren (in spe) ab! Da alles pauschal über den Kamm zu scheren halte ich für wenig produktiv.
    Und gerade bei jemandem wie Gianna Nannini, die ja nun wirklich nicht ne arme Kirchenmaus ist, dürfte die ärztliche Betreuung 1a sein.
    Und auch sonst – wenn frau die (zusätzlichen) Vorsorgeuntersuchungen, Kontrolltermine ernsthaft wahrnimmt und gut auf sich achtet, ist das Risiko minimal.
    Laut AOK ist bei guter medizinischer Betreuung die Chance auf ein gesundes Kind dann genauso hoch wie bei einer unter 30jährigen.

  11. 11 Kratzbürste 19. Januar 2011 um 10:58 Uhr

    Ich habe zwei Kinder und bin der Meinung, dass es dafür nie den idealen Zeitpunkt gibt und immer irgendwelche Risiken im Raum stehen. Irgendetwas stört immer – das liegt auch einfach an gesellschaftlichen und sozialen Strukturen.

    Und deshalb sollte sich jede Person ganz individuell dafür entscheiden können ob und wann sie mit einem Kind zusammenleben möchte. Und diese Entscheidung gilt es dann zu respektieren und zu unterstützen und nicht sofort nachzuzählen wie alt denn die Mutter(!) in 15 Jahren ist.

    Als ich 15 war, war mein Vater ca. 34 – echt jung – ich habe ihn jedoch nie gesehen…

  12. 12 stadler 19. Januar 2011 um 18:21 Uhr

    Medizin ist in weiten Teilen immer das Arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten. Mit dem Alter (signifikant über ca. 35 Jahre) nehmen die Risiken in einer Schwangerschaft für Mutter und Kind zu. Die medizinische Versorgung geht in diese Analyse ja schon mit ein und bestimmte Dinge sind eben nach wie vor nicht zu beeinflussen (erhöhtes Trisomierisiko etc.)
    Es geht ja nicht darum irgendwem das Recht für eine späte Schwangerschafz abzusprechen. Das generelle Ignorieren simpler Tatsachen und natürlicher Restriktionen ist aber nicht hilfreich.
    Das großartige Präsentieren solcher Geschichten (Gianna Nannini) suggeriert in meinen Augen eine Sicherheit und Normalität die eben nicht vorhanden ist.
    Wie gesagt, ich rede hier einzig und allein über medizinische Risiken, die sozialen „Risiken“ sind meiner Meinung nach nicht absehbar und völlig individuell unterscheidlich.

  13. 13 dodo 20. Januar 2011 um 0:02 Uhr

    Ignorieren? Wer tut denn das?
    Wer sehr spät noch einen Kinderwunsch hat, informiert sich über die Risiken in der Regel sehr gut, ist sich dem also bewußt – nix mit ignorieren.
    Und was Trisomie 21 angeht: ja, die Wahrscheinlichkeit steigt. Aber sogar bei einer Schwangerschaft über 45 heißt das eine 95%ige Chance, daß es KEIN trisomie 21 gibt. Also ein Risiko, das sich durchaus eingehen läßt. Zudem halte ich eine mittelalterliche Frau, die „mit beiden beinen im leben steht“, auch für eher bereit, auch genau so ein kind trotz dieser chromosomenanomalie zur welt zu bringen und zu lieben und gut zu versorgen.
    schwangerschaften sind IMMER ein großes gesundheitliches risiko, für mutter UND kind.
    wie gesagt, risiken gibt es bei älteren frauen mehr, aber wer gute medizinische betreuung hat und auf alles achtet, hat dennoch GUTE chancen, daß es mutter und kind prima geht.
    du scheinst mir einfach die risiken zu hoch einzuschätzen. aber sowohl lebenssituation der frauen (auch gesundheitlich) sowohl die medizin inzwischen anders als noch vor 20 jahren.
    die risiken sind sehr wohl da, ja – aber wer sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzt und verantwortungsbewußt in der schwangerschaFT ist, der kann heutzutage die risiken auf ein Maß herunterschrauben, das immer noch recht klein und vertretbar ist.
    horrorszenarien entwerfen mag unterhaltsamer sein – die sind aber ausnahmen, und sich bei einer generellen diskussion über das thema auf diese zu beschränken, ist nicht unbedingt hilfreich.

  14. 14 GwenDragon 21. Januar 2011 um 14:09 Uhr

    Natürlich ist immer einer dabei, der von der Verantwortungslosigkeit der Frau spricht, wenn sie egoistisch und/oder über 35 ein Kind bekommt.

    Was die Risiken anbelangt, ist der Geburtsvorgang und der dabei anwesende Arzt immer noch das größte Risiko, denn dabei wird am öfters gepfuscht als bekannt ist.

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