Quoten – aber bitte nicht 50%

Ich bin für eine Frauenquote. Zwar nicht weil ich denke, dass Frauen die besseren Menschen sind, noch weil ich davon ausgehe, dass sie weniger sexistisch sind. Ich bin aus dem einfachen Grund dafür weil ich denke, dass der “ unconscious gender bias“ mit daran schuld ist, dass seltener Frauen für gewisse Positionen ausgewählt werden.
Was zahlreiche Studien(http://www.advancingwomen.org/files/7/127.pdf) belegen, dämmert nun auch einigen Firmen und Politiker_innen. Die Lösung: eine festgeschriebene Quote. Bei den eifrigen Projekten die z.B die Telekom (Frauenanteil von 30% weltweit) oder die französische Wirtschaft (Frauenquote von 40%) planen, stößt mir aber eine Tatsache bitter auf: Warum nicht 50%? Warum nicht die Hälfte? Soll damit die männliche Vormachtsstellung gewährt werden? Nur nicht zuviel Macht abgeben, die Hälfte des Kuchens ist zu viel, aber 30% sind O.K.

Natürlich geht es den Wirschaftsunternehmen nicht darum eine gendergerechte Welt zu schaffen, die Verwertung weiblicher Arbeitskarft steht angesichts eines Fachkräftemangel wohl viel eher im Vordergrund. Aber ist es da nicht eine Verarschung zu sagen 40% Frauenanteil, und warum schreien nur so wenige auf? Die Taktik in kleinen Schritten zum Ziel zu kommen fahren Frauen nun schon viel zu lange und das endgültige Ziel „Gleichberechtigung“ liegt noch in weiter Ferne. Also wer bitte kann mir diese unter 50%- Logik erklären!


17 Antworten auf “Quoten – aber bitte nicht 50%”


  1. 1 Paula 17. Januar 2011 um 18:21 Uhr

    Generell gesehen kann ich deinen Groll verstehen, aber denkst du ehrlich, dieses Ziel könnte in einem derart kurzen Zeitraum, wie ihn z.B. die Telekom sich selbst gibt, erreicht werden? Ich halte den Sprung von nicht mal drei auf dreißig Prozent innerhalb von vier Jahren schon für ziemlich utopisch, auch wenn es ein tolles Ziel ist.

  2. 2 Jay 17. Januar 2011 um 18:28 Uhr

    Ich hoffe ja immer, dass die fehlenden Prozent auch auf der Männerseite abgezogen werden und dieser Prozentsatz für andere gender- und sonstwie des öfteren beteiligte Personen vorgesehen ist (Trans*, Inter*, Rollstuhlfahrer_innen, etc.) ;)

    Ist in der Tat eine gute Frage, warum das so ist. Hättest du nicht Lust (oder eine_r der Mitlesenden) ’ner Firma, die mit der Quote protzt dazu ’ne Anfrage zu schicken und die Antwort hier zu veröfentlichen?

  3. 3 azak 17. Januar 2011 um 21:19 Uhr

    Geht es bei den 30% nicht eigentlich eher um einen „mindestens“ Prozentsatz der erreicht werden soll?

    sonst stimme ich Paula voll und ganz zu, dass das Ziel doch vielleicht etwas utopisch ist von nichts auf 30%
    Aber ich denke es ist ein Schritt in die richtige Richtung

  4. 4 Hilula 17. Januar 2011 um 22:03 Uhr

    Man stelle sich vor man will 10 Positionen besetzten. Stellen, die bisher der Männerdomäne zuzuschreiben sind. Dann gibt es eben auch mehr männliche Bewerber.
    Es wäre möglich und realistisch, dass man 120 Bewerbungen von männlichen Bewerbern rein bekommt und nur 20 von weiblichen.
    In Zeiten von Fachkräftemangel entsprechen unter den männlichen Bewerbern gerade mal 1/10 mit Ach und Krach den tatsächlichen Qualifikationen. Also nur 12 männliche Bewerber.
    Bei den heute eher besser qualifizierten weiblichen Bewerbern dagegen sind 1/5 qualifiziert genug, was aber nur 4 Bewerberinnen entspricht.

    Es gibt also nur 16 ausreichend qualifizierte Bewerber_Innen, wovon 4 weiblich sind.
    Warum soll ich mich nun auf 50%:50% festlegen und mich schwächen, wenn der Markt gar keine 50% hergibt?

    Es könnten aber auch 25 Bewerberinnen sein, wovon 5 den Anforderungen entsprechen. Also 5 weibliche Bewerber und gleichzeitig 12 männliche ausreichend qualifizierte Bewerber. Weiterhin gilt es nur 10 Positionen zu besetzten.
    Warum also soll oder muss man diese nun zu je 5 besetzten?
    Warum nicht 7:3 oder 6:4?
    Gerecht wäre doch alle 17 in ein Topf zu werfen, blind auszulosen und heraus käme im Schnitt ein Verhältnis von irgendwo dazwischen.
    Was macht 50%:50% nun daran gerechter?

  5. 5 leonie 17. Januar 2011 um 23:04 Uhr

    wenn der Markt gar keine 50% hergibt

    Woher weißt du das so genau? Wenn man z.b eine 50:50 quote realisieren müsste binnen 3 Jahren z.b würden die Menschen der Personalabteilung sich sicher mal überlegen warum sich weniger Frauen bewerben etc. was dazu führen könnte dass z.b Kinderbetreuung angeboten würde.

  6. 6 hn 18. Januar 2011 um 0:28 Uhr

    Aber es geht doch auch vor allem um Toppositionen. In die fällt man ja auch nicht von der Uni… ich fände eine flexible Quote ganz sinnvoll, also auf niedrigerer Ebene 50%, sobald von dort die ersten befördert werden steigt mit ihnen auch die Quote auf der nächsten Ebene etc. So könnte sich niemand um mangelnden Nachwuchs beschweren, aber man schwächt sich auch nicht mit einer 50% Quote fürs oberste Management wenn die Bewerberinnen noch ausgebremst sind…

  7. 7 Hilula 18. Januar 2011 um 2:22 Uhr

    Ich weiß es nicht. Es ist nur ein Beispiel, das ich für realistisch halte und ich glaube es gibt solche Fälle – in bestimmten Bereichen auch öfter. Und das dies eine Erklärung sein könnte, warum man zuerst nur mit 30% Frauenquote anfängt. :)

    Wenn es um einen Markt geht mit etwa gleichviel BewerberInnen, ok… her mit so einer Regelung. Aber sonst halte ich nicht so viel davon. Es ist auch schwer zu überprüfen.

    Ich denke man sollte das anders lösen, eher von der Wurzel her.
    Doch was, wo und wie genau das Beste ist kann auch ich nicht sagen. Bzw. denke ich, dass die Gründe für Frauenmangel in den verschiedenen Berufen ganz unterschiedliche Ursachen haben.

  8. 8 Sina 18. Januar 2011 um 10:05 Uhr

    Eine 50% Frauenquote wäre äusserst unfair, da sie Männer benachteiligen würde. Es bewerben sich weniger Frauen für diese Stellen, wiel weniger Frauen überhaupt eine geeignete Ausbildung machen. Bei den BetriebswirtschaftsstudentInnen ist weniger als die Hälfte weiblich, ausserdem spezialisieren diese sich meistens auf Marketing, was nicht so „Führungstauglich“ ist.

  9. 9 bla 18. Januar 2011 um 15:23 Uhr

    wo bleibt die forderung nach einer frauenquote aufm bau? :/

  10. 10 UHU 18. Januar 2011 um 16:15 Uhr

    Eine 50%-Quote ist meiner Meinung nach unrealistisch. Es gibt zu wenig gut ausgebildte Frauen mit Berufserfahrung. Vor 1990 lag der Frauenanteil an Universitäten/Hochschulen noch unter 40%! Und die heutigen Chef_innen haben alle in den 80/90er Jahre studiert. Zudem haben viele qualifizierte Frauen wegen Kinder längere Zeit ausgesetzt. Einen Frauenanteil von 30% zu erreichen, ist meiner Meinung nach schon schwer genug (zumindest in den nächsten 10 Jahren).

    Ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass es z.B in Norwegen keine Frauenquote gibt. Dort ist eine „Geschlechterquote“ gesetzlich vorgeschrieben. Der Männeranteil darf auch nicht unter 40% liegen.

  11. 11 Lena 18. Januar 2011 um 17:45 Uhr

    Die Quoten stellen doch, so wie ich es bisher verstanden habe, eine Mindestgröße dar. Jedem Unternehmen steht es frei, mehr Frauen einzustellen, wenn sie wollen. Bei einer Quote von 50% gäbe es allerdings mehrere Probleme, vor allem:

    Mindestens 50% Frauen bedeutet dann auch höchstens 50% Männer. Quoten hat man doch eingeführt, um Chancengleichheit zu fördern. Eine 50%-Qutoe würde dem allerdings zuwiderlaufen.

    Außerdem ließe sich eine komplette Gleichheit in vielen Branchen überhaupt nicht erreichen. Ich studiere Mathematik und Informatik, und wir sind wirklich wenig Mädels da. 15% vielleicht? Schon eine 30%-Quote zu schaffen ist nicht unbedingt leicht.

    Ich will überhaupt nicht gegen irgendwelche Quoten reden. Aber 50% geht aus mehreren Gründen nicht. Vor allem weil, wie ich sagte, die Quote nicht zur Frauenförderung, sondern zur „Gleichheitsförderung“ gedacht ist. Und das sollte schon im Konzept stecken. Oder?
    Wobei ich auch denke, dass es insgesamt schön wäre, wenn es insgesamt geschlechterausgeglichener zuginge ;).

  12. 12 leonie 19. Januar 2011 um 17:32 Uhr

    zum Thema Quoten:
    Von der Leyen schließt Pflicht-Frauenquote nicht länger aus
    http://diestandard.at/1293371074700/Deutschland-Von-der-Leyen-schliesst-Pflicht-Frauenquote-nicht-laenger-aus

  13. 13 Elli 19. Januar 2011 um 20:14 Uhr

    Zum Thema Telekom-Quote: ich war vor einigen Wochen auf einem Vortrag der Frau, die die Quote bei der Telekom eingeführt hat und jetzt auch für die Durchführung verantwortlich ist und die meinte, dass sich die 30 % auf der Managementsebene daraus ergibt, dass der Gesamtanteil der Frauen im Unternehmen 30 % beträgt.

  14. 14 mysa 26. Januar 2011 um 13:04 Uhr

    Ach Leonie …

    Sind Posten in Vorständen wirklich so schlecht dotiert, dass eine private Kinderbetreuung nicht möglich ist?

    Oder ist dies nur das Vorschieben eines ganz billigen Argumentes, weil es gerade so schön passt?

    Wie so oft, Feminismus missbraucht die Probleme von Arbeiterfrauen für die schönsten Töpfchen …

  15. 15 leonie 26. Januar 2011 um 16:02 Uhr

    Sind Posten in Vorständen wirklich so schlecht dotiert, dass eine private Kinderbetreuung nicht möglich ist?

    Nein, aber darum geht es hier garnicht. Es geht hier um eine Quote und mir ist auch klar, dass diese Forderung den Menschen und Frauen die in Jobs mit geringen Einkommen arbeiten, deine bezeichnung „Arbeiterinnen“, davon nicht profitieren. Die Kapitalismuskritik bleibt da natürlich aus, das ist mir bewusst. Aber die Tatsache, dass Frauen der Zugang zu „Top-Jobs“ verwehrt wird zeigt ein Phänomen, ganz abgesehen vom Wirtschaftssystem,das sich durch die Geschichte zieht: Frauen wird der Zuagng zu Ressourcen verhindert. Einfach aufgrund ihres Geschlechts. Und diese sexistische Haltung wird sich auch in einem anderen „System“ nicht einfach ändern. Nur weil sich die Verhältnisse drumherum verbessern, muss sich nicht die Lage der Frau verbessern.

    Also solange es Sexismus hier und jetzt und in diesem System gibt, wird es Sexismus auch in jedem anderen geben!

  16. 16 MirWirdSchlecht 10. April 2011 um 16:01 Uhr

    Und was ist daran nun weniger sexistisch zu sagen Frauen sind toleranter als Männer (das ist doch der umkehrschluss wenn ihr sagt männer sind sexistischer). Wenn es keine belegbare Studien gibt die man verlinkt auf die man die Aussage gibt ist das doch genau das was ihr anprangern wollt.

    Ich bin ein Gothic und dank meines Erscheinungsbild werd ich oft genug beruflich und anderweitig gesellschaftlich benachteiligt, ich seh nicht ein wieso ich jetzt dank den Feministen gleich doppelt diskriminiert werde in der Berufswelt, einmal weil ich alternativ eingestellter Goth bin und dann noch weil ich maskulin bin?

    Nee wirklich, wenn Kritik vom anderen Geschlecht kommt werde ich sicher eyh gelöscht, ist natürlich aus Prinzip schonmal Blödsinn denn das sind eyh alles Trolle oder Patriachen. Aber naja wer meint Feuer mit Feuer bekämpfen zu müssen Viel Glück damit.

    Ich finds nur ein wenig traurig, dass ich bis vor kurzen noch, mich immer über die Gehaltsunterschiede sehr aufgeregt habe, dass sogar besser positionierte Angestelltinnen weniger verdienen als männliche Untergeordnete ist eine einzige Katastrophe für Gleichberechtigung in der Gesellschaft, aber je mehr ich dieses Blog lese desto weniger stört mich sowas. Toll Gemacht :)

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Wir lassen uns aufregen: Blogschau zum Wochenende Pingback am 22. Januar 2011 um 12:11 Uhr

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