Na denn, Frolleins…

Bei Franziska Heine wird heftig über ein Thema diskutiert, das wir hier auch schon hatten, bzw. immer wieder haben:

Namensbestandteile wie „Girl“, „Mädchen“, „Frau“, „Fräulein“ waren mir auch hier häufiger begegnet und ich fragte mich, wie wohl das Verhältnis aussieht, wenn ich einen genaueren Blick wage.
(…)Das Ergebnis ist weder erschöpfend noch repräsentativ, zeigt aber wie ich finde eine gewissen Tendenz. Soweit das den Selbstbeschreibungen der Autorinnen zu entnehmen war, sind keine der „Mädchen“-Bloggerinnen in einem Alter, in dem sie mit der Zuschreibung „Mädchen“ versehen werden würden. Um so spannender die Frage: Warum greifen sie zu Attributen wie „Mädchen“ oder „Girl“?

Die meisten KommentatorInnen sind ja der Meinung, „Mädchen“ sei verharmlosend und herabsetzend. Ich persönlich bin da ja anderer Meinung (siehe den oben verlinkten Artikel) und schließe mich der Kommentatorin „Nyx“ an:

Ich frage mich, WARUM hier so viele den Begriff “Mädchen”/”Girl” als abwertend ansehen?? Hat Euch da nicht selber die Denkweise des Patriarchats gegriffen?
Wenn Ihr sagt, “Mädchen” sei verniedlichend, dann frage ich mal zurück: SIND Mädchen wirklich niedlich/nicht ernstzunehmen/harmlos/leicht zu überzeugen…? Eigentlich doch eher nicht, sie werden dazu gemacht. Also wer Mädchen automatisch mit rosa Ponies und Schwachsein und Nettsein und so assoziiert, hat doch irgendwie ein komisches Weltbild – oder ward IHR als Mädchen immer nett, niedlich, süß? Also ich war’s nicht, ich bin heut mit 30 weitaus weniger “unbequem”, herausfordernd, von neuen Ideen überwältigt,…. wie noch vor 15 Jahren oder so.
Ich finde es gut, wenn wer unter dem Namen einen kick-ass blog betreibt. das zeigt ja gerade, daß das vermeintlich niedliche eben unter der Oberfläche ganz schön kampfkräftig ist! Nur weil die Altherrenriege u. andere Mädchen gerne so hätten, wieso sollten FeministInnen gerade das so hinnehmen? Warum sollte ich das Wort “Mädchen” als verniedlichend, gar beleidigend finden – wenn es doch gerade MÄDCHEN (nicht Frauen) sind, die die Welt immer neu fordern, Krach machen und revoluzzern? Denn mal ehrlich, die meisten “Frauen” (altersmäßig jetzt) sind angepaßter, höflicher, vielleicht auch vom langen Kampf “müder”, rhetorisch vorsichtiger, etc. als eine Bande junger Mädels.
Es ist doch gerade gut, wenn man sich auch als erwachsene Frau immer wieder mal daran erinnert, daß man mehr “rotzfreche Göre sein sollte” statt halt eben “erwachsen”, “vernünftig”, allzu diplomatisch und nachsichtig,…
Und wenn erwachsene Frauen den “Teen Spirit” haben, also praktisch eine “Mischung” aus Mädchen und Frau, dann ist das doch 1a!
Will sagen: bevor Ihr andere wegen der selbstbezeichnung “Mädchen” bewertet, erst mal selber drüber nachdenken, warum für Euch die Assoziationen zu Mädchen was kuschliges haben.
xoxo

Tja, da stellt sich auch MIR mal wieder die Frage: Warum wird der Begriff „Mädchen“ eigentlich immer noch auch von sämtlichen FeministInnen automatisch mit niedlich, harmlos, etc. in Verbindung gebracht? Ziemlich viele davon waren zweifelsohne schließlich selbst mal Mädchen und mir kann keineR erzählen, daß sie damals alle niedlich, harmlos und nicht ernst zu nehmen waren. Müssen wir uns wirklich erst als „Frau“ bezeichnen (was schließlich auch ein sehr biologischer Begriff ist) und als „Erwachsene“, um uns das Recht zu verdienen, ernst genommen zu werden?


16 Antworten auf “Na denn, Frolleins…”


  1. 1 Kati 24. Januar 2011 um 16:57 Uhr

    Vielleicht kommt das auch einfach daher, weil Wörter mit -chen am Ende immer verniedlichend gemeint sind.
    Hündchen, Miezekätzchen, Häuschen usw.
    Der Gegensatz wäre doch dann meiner Meinung nach: Mädel, Hund, Mieze, Haus (sorry für die doofen Beispiele).

    Seht ihr das anders?

  2. 2 Sina 24. Januar 2011 um 17:57 Uhr

    Ich lehne diesen Begrif für mich deshalb ab, weil ich eine erwachsene Frau und kein Mädchen (Kind) bin. Mädchen sind vielleicht nicht harmlos, aber unmündig. Frauen werden weitaus häufiger als „Mädchen“ bezeichnet als Männer „Jungen“. Das lässt vermuten, dass Frauen als kindlicher und unmündiger wahrgenommen werden. Dieses Weltbild möchte ich nicht weiter vermitteln.

  3. 3 Flip 24. Januar 2011 um 18:59 Uhr

    Ich bin zwar nicht „weiblich“, aber in meinem umfeld ist es so, dass sich an der bezeichnung vor allem dann gestoßen wird, wenn erwachsene frauen, sprich menschen bis weit jenseits der 20 von anderen mit der bezeichnung angesprochen werden, die eigentlich für minderjährige jugendliche vorgesehen ist? bei männern macht das ja auch niemand…oder wie oft hört man denn in den medien die bezeichnung „junge“ für erwachsene männer.
    und das geschieht vor allem mit der implikation, dass du dann eben mit den ass0ziationen gelabelt wirst, die jugendliche minderjährige, insbesondere weibliche zu spüren bekommen: als unmündig, schwach, infantil, unreif, vermessen…nicht ernst zu nehmen eben.
    auf dem mädchenblog wird ja mit überaffirmation gespielt. die bezeichnung im bezug zum inhalt weckt irritationen, aber im alltag kann ich gut nachvollziehen, wenn Frau sie zurückweist.

  4. 4 dodo 24. Januar 2011 um 20:42 Uhr

    ich empfinde es nicht so, daß männer nicht als jungs bezeichnet würden…
    „ich geh mit den jungs ein bier trinken“, „unsere jungs vom VfB“, „jungs, laßt uns mal auf den putz hauen“,… alles allerdings POSITIVE zuschreibungen.
    jungs werden männer genannt, wenn es sich um „spiel und spaß“ dreht – hier ist die konnotation allerdings positiv. männer dürfen also sowohl „echte männer“ als auch kindsköpfe sein.
    aber als erwachsenes weibliches wesen werde ich sowohl von feministInnen als auch vom rest der welt in die pflicht genommen, mir die schublade „frau“ zuzuweisen und von allem, was nicht in das rollenklischee „erwachsene frau“ paßt, soll ich gefälligst Abstand nehmen.
    Wie paßt denn das zusammen?

  5. 5 Luna 24. Januar 2011 um 21:34 Uhr

    Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, wie ich zu dem Begriff „Mädchen“ stehe. Einerseits, wie angesprochen wurde, er birgt Unkonventionelles, Freches etc., andererseits ist – zumindest für mich- schon abwertend. Schließlich heißt es DAS Mädchen; DAS ist etwas neutrales, unbestimmtes.
    Und das bin ich DEFINITIV nicht.

  6. 6 Tom 24. Januar 2011 um 21:48 Uhr

    Ich finde Katis Idee eigentlich am einleuchtesten…

  7. 7 Anne Roth 25. Januar 2011 um 3:25 Uhr

    @dodo

    ..werde ich sowohl von feministInnen als auch vom rest der welt in die pflicht genommen, mir die schublade „frau“ zuzuweisen und von allem, was nicht in das rollenklischee „erwachsene frau“ paßt, soll ich gefälligst Abstand nehmen.

    Mir geht es genau andersrum. Ich kann mich auch nicht erinnern, in dieser wiederkehrenden Debatte irgendwo gelesen zu haben, dass irgendwer sich als ‚Frau‘ bezeichnen soll. Ich habe hie und da beschrieben, warum ich das mache, wenn diese Sorte Bezeichnung überhaupt nötig ist, und warum ich mich mit der Bezeichnung ‚Mädchen‘ nicht wohlfühle.

    Mir begegnen umgekehrt immer wieder Untertöne, dass ich mich doch mal an den positiven Beigeschmack von ‚Mädchen‘ gewöhnen solle bzw. die Vermutung, dass, wer ‚Mädchen‘ nicht mag, tatsächlich Mädchen nicht ernst nimmt etc.

    Dass ich mich ruhig mitgemeint fühlen soll. Das kann und will ich aber aus bestimmten Gründen nicht, und damit habe ich das Gefühl, einem feministischen ‚Mädchen-Mainstream‘ gegenüber zu stehen. Leider ist es so, dass wir mit zunehmendem Alter nicht mehr werden.

    Ernstgemeinte Frage an die zufriedenen Girls und Mädchen: schließt mal für einen Moment die Augen und stellt Euch Euch selbst älter vor. Mit grauen Haaren, vielleicht Kindern, über 40. Immer noch gern ‚Mädchen‘?

  8. 8 Khaos.kind 25. Januar 2011 um 3:55 Uhr

    Also ich würde aus heutiger Sicht schon sagen, dass ich damals niedlich, harmlos und nicht ernst zu nehmen war. Klar wollte ich ernst genommen werden, egal wie komisch meine Ansichten waren.
    Aber das ist da wieder eine andere Sache. ;)

    Wobei sich mal die Frage stellt: Bis wann ist ein Mensch jetzt Mädchen. Wann beginnt Frau-sein? (kulturhistorisch hängt das meist mit der Heirat oder der Entjungferung zusammen, klar aber wo beginnt die Selbstdefinition als „Frau“?)
    Und wenn es eh nur von der Selbstdefinition abhängt – Wer hat da jetzt reinzureden wann ich mich wie definiere?

  9. 9 Paula 25. Januar 2011 um 8:57 Uhr

    Ich finde auch, dass das jeder für sich selbst definieren sollte. Ich werde meine Freundinnen weiterhin als „Mädels“ bezeichnen (den Begriff „Mädchen“ habe ich schon als Kind selten verwendet), und als Frau fühle ich mich erst dann, wenn ich auf beiden Beinen fest im Leben stehe, also Job und Partnerschaft habe. So definiere ich das für mich. :)

  10. 10 bla 26. Januar 2011 um 3:31 Uhr

    manchen dingen sollte man einfach nicht zuviel bedeutung beimessen. kleinkariertes, übersteigertes, (notorisch?) überempfindliches verhalten nennt man das. probleme sehen, wo eigentlich keine sind. weltuntergänge sehen, wo keine sind. wie oft wird man denn im alltag schon als mädchen bezeichnet? wie oft mit dem verborgenen „vorwurf“, kindlich zu sein?

  11. 11 Marcie 26. Januar 2011 um 13:48 Uhr

    Ich verstehe die Diskussion nicht.
    Meiner Meinung nach passt der Namenszusatz „Mädchen“ ideal zu den Blogs, die ihn tragen.

  12. 12 spinni 26. Januar 2011 um 16:51 Uhr

    Also ich finde Mädchen eigentlich ganz passend. Ich defeniere es mit Frechheit und Freiheit und ich finde keiner sollte einen Teil seiner Kindlichkeit, egal welchen geschlechts vergessen. Ich mag es ja immer noch, so wie als ich klein war, mir schöne Autos anzugucken oder schöne puppen anzugucken, oder beides zu besitzen.

  13. 13 crashintoahouse 27. Januar 2011 um 1:03 Uhr

    ist mir völlig schleierhaft, wie man als ernstzunehmende frau eine bezeichung gut finden kann, die sich etymologisch aus dem wort magd ableitet. sich selbst klein machen, infantil kichernd, das is nicht mein feminismus.

  14. 14 spinni 27. Januar 2011 um 14:53 Uhr

    Für mich hat das damit nichts zu tun. Wer denkt dabei schon an infantiles Verhalten oder daran, dass es von dem Wort Magd abgeleitet wurde?

  15. 15 Weltgeist 28. Januar 2011 um 21:28 Uhr

    „Die Mädchen sind so zierlich,/ verständig und manierlich“

    J.W. Goethe („Wer kauft Liebesgötter?“)

  16. 16 Hanno 06. Februar 2011 um 13:42 Uhr

    @crashintoahouse: Sprachnörgelei bring hier, glaub ich, nix. Jeder Mensch weiss das man „Mädchen“ und nicht „Magd“ meint, wenn man „Mädchen“ sagt. Du auch, sonst fühltest du ja keine Notwendigkeit hier zu erklären das „Mädchen“ gar nicht „Mädchen“ heisst.

    Ansonsten möchte ich hier an „Schwule Mädchen“ von Fettes Brot erinnern, welche auch genau wussten das beide Begriffe in einem für sie relevantem Umfeld abwertend sind. Darum war es so witzig von ihnen sich positiv als solche zu identifizieren.

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht − = eins