Archiv für Januar 2011

Zuletzt Frauen und Zuwander_Innen

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Damit soll gemeint sein, dass es in gewissen Bereichen nicht genug gut ausgebildete Arbeitskräfte gibt. Das erfreut die Wirtschaft natürlich nicht besonders und auch die Bundesregierung hat Angst, dass dieses Phänomen zur „Konjunkturbremse“ wird.

Was Fachkräftemangel aber eigentlich heißt: es gibt zu wenige gutausgebildete einheimische, kurz deutsche Männer. Da nun also sprichwörtlich „Not am Mann ist“ hat sich die Bundesagentur für Arbeit überlegt, wen es denn da noch so unter den 82 Millionen Einwohnern gibt. Und siehe da, es gibt noch die Randgruppen Einwohnerinnen und Zuwanderer und die dürfen jetzt auch mal arbeiten, ähh lohnarbeiten.

Zuwanderung ist nach Ansicht der BA einer der Wege, um gegenzusteuern. Bis zum Jahr 2025 könnten etwa 400.000 bis 800.000 zusätzliche Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden, rechnen die Autoren vor. Dazu müsse „die Attraktivität Deutschlands als Einwanderungsland durch die Etablierung einer umfassenden Willkommenskultur“ steigen, so BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker.

Also Willkommen im Land des Thilo Sarrazins.

Bei Frauen sieht die BA zwei Ansatzpunkte: Insgesamt sollte ein höherer Anteil von ihnen erwerbstätig werden, zudem könne das Arbeitszeitvolumen der teilzeitbeschäftigten Frauen steigen – etwa durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

(Apropo Arbeitszeitvolumen, das will die BA gleich für alle steigern. Tolle Idee!)

An Frauen und Zuwanderer wird also erst gedacht wenn das marode Wirtschaftssystem aufgrunde eines Mangels an Humankapital zu kollabieren droht. Darin wird wieder einmal deutlich sichtbar, wie sehr unsere Gesellschaft durch Geschlecht und Herkunft in Klassen geteilt ist. Und das „Alphatierchen“ ist immernoch der weiße Mann.
Wenn nämlich die Konjuntur sich wieder selbst ausbremst, werden es die Frauen und Zuwanderer sein, die zuerst ihre Stelle aufgeben müssen. Dann wird aus der „Willkommenkultur“ rechte Hetze und aus arbeitenden Frauen egoistische Karrieristinnen.

Liebe_r Bitch slap

Es ist ja nett, dass du dich um mein Liebes- bzw. Sexualleben sorgst, aber ich komme schon klar, sehr gut sogar, ob allein oder mit Mann. Die Annahme, dass ich heterosexuell bin ist zwar zu 90% richtig, aber gleich davon auszugehen zeigt schon einmal wie festgefahren du in heteronormativen Strukturen bist.
Naja und zu deinem Kommentar im Allgemeinen, wenn du damit bezwecken willst, dass ich aufhöre zu bloggen oder aufhöre eine Feministin zu sein, dann muss ich dir und allen anderen leider mitteilen, dass ihr damit genau das Gegenteil erreicht.

Denn solche Kommentare zeigen mit erst wie sexistisch unsere Gesellschaft doch ist und was man sich als Frau, die für Menschenrechte eintritt so alles anhören muss. Nur weil ich eine Vagina besitze brauch ich nicht unbedingt nen „Kerl“. Auch wenn ich ihn grad brauchen würde, würde er mich sicher nicht davon abhalten zu denken und für meine Meinung einzustehen. Und das Argument, das Feministinnen „unbefriedigt“ sind ist auch schon so alt. Gibt es da wirklich nichts neues. Sorry, aber Penisse sind nicht das Wichtigste in meinem Leben.

Also liebe_r „Bitch Slap“ danke, dass du mir heute wieder gezeigt hast wie wichtig und richtig doch alles ist was ich tue.

Her mit den Quotenfrauen!

Meredith von der Mädchenmannschaft findet ziemlich deutliche Worte, was die Gleichstellungspolitik der deutschen Wirtschaft angeht.

Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt.(…)
Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau.

In Deutschlands 100 wichtigsten Unternehmen sind gerade mal 2,2% der Vorstände weiblich.

Bezug nimmt sie auch zu der Stellungsnahme von von der Leyen, die eine Quote nicht mehr ausschließt.

Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz.(…)
Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von “Es gibt einfach keine guten Frauen” und “Die Frauen wollen diese Jobs nicht” und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.

Ach, wie schönsind diese Schlussworte doch. Die oben genannten „Lippenbekenntnisse“ sind mir nämlich bei dieser Diskussion auf dem Mädchenblog auch bitter aufgestoßen.

Nochmal: Frauenstudiengänge

Guter Artikel zu Sinn und Zweck von Frauenstudiengängen im technischen Bereich.

Es gibt viele Gründe, warum sich Studentinnen für Frauenstudiengänge entscheiden: Einige haben etwa im Informatikunterricht in der Schule schlechte Erfahrungen gemacht. Andere scheuen die Konkurrenz zu Männern unter den Kommilitonen. „Männliche Studienanfänger bringen oft ein diffuses Halbwissen mit“, sagt Heide-Rose Vatterrott. „Das kann Studentinnen anfangs einschüchtern.“

Schön auch, daß hier gezielt weit verbreitete Vorurteile über Frauen ausgeklammert werden:

Angesichts des Fachkräftemangels umwerben einige Unternehmen sogar gezielt die weiblichen Technikexperten. „Viele Firmen wenden sich verstärkt mit einer frauenfreundlichen Policy nach außen.“
Häufig fällt dabei der Begriff „Soft Skills“. Gemeint ist oft, dass Frauen „weiche“ Faktoren wie Kommunikationstalent und Teamfähigkeit eher mitbringen als Männer. Doch das sehen die meisten Professorinnen skeptisch: „Es ist nicht die Aufgabe der Fachfrau, soziales Schmieröl zu liefern“, sagt Susanne Ihsen.

Klingt für mich nach einer Einstellung, die so manch anderen ProfessorInnen mehr als gut täte – dann werden reine Frauenstudiengänge vielleicht früher überflüssig, als es vorraussichtlich der Fall ist.

Kongo – Offizier gibt Befehl zur Massenvergewaltigung

Ein Offizier der kongolesischen Armee soll nach Angaben der „Ärzte ohne Grenzen“, eine Massenvergewaltigung befohlen haben, nachdem einer seiner Soldaten getötet wurde.
DieStandard.at berichtet:

Ein Offizier der kongolesischen Armee soll nach dem Tod eines Soldaten als Rache eine Massenvergewaltigung befohlen haben. Mehr als 50 Frauen in der Stadt Fizi seien Opfer dieser „Vergeltungsaktion“ geworden, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Mittwoch unter Berufung auf AugenzeugInnen.(…)
Menschenrechtsorganisationen werfen allen in der Region kämpfenden Gruppen systematische Vergewaltigungen zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung vor.

Der Vorfall in Fizi ist der größte bisher bekannt gewordene mit Beteiligung der Regierungstruppen.

The Girl’s Guide To Having An Abortion

The Girl’s Guide To Having An Abortion via jezebel

Blanca Dole über das Verbot von Notfallverhütungsmitteln in Honduras

Blanca Dole vom „Colectivo Feminista Mujeres Universitarias“ spricht über das Verbot von Notfallverhütungsmitteln in Honduras und die daraus resultierenden Folgen für Frauen. In Honduras wurde „die Pille danach“ im April 2009 mit der Begründung verboten sie löse eine Abtreibung aus. Notfallverhütung verzögert oder verhindert aber legendlich den Eisprung und kann dadurch eine Befruchtung vermeiden.

Gianna Nannini – selbstbestimmte Mutterschaft

Die Rocksängerin Gianna Nannini wurde im Novembder letzten Jahres mit 54 zum ersten Mal Mutter. Für viele Medienvertreter_innen und Pseudowissenschaftler_innen ein Grund sich in übler Nachrede zu üben. Sonst immer positiv konnotiert wurde in diesem Fall die Schwangerschaft als Gefahr für Mutter und Kind dargestellt, gar von einer egoistischen Tat wurde gesprochen. Schwangerschaft ist nicht immer Schwangerschaft, ein Phänomen, das auch immer wieder in der Debatte um die Kinderzahlen von Akademiker_innen sichtbar wird. Auch das Alter der Mutter ist von Bedeutung will diese einer gesellschaftlichen Stigmatisierung aus dem Weg gehen. Nannini gibt sich davon allerdings wenig unbeeindruckt und will gleich noch ein Kind.

Mit neuer wissensschaftlicher Technik ist es Frauen heutzutage zwar möglich ihre Reproduktivität auch in älteren Jahren auszuleben, in alter Backlash-Manier wird dieser Gewinn an Freiheit, aber sofort mit gesellschaftlichen Sanktionen belegt.
Vor allem beim Thema Muterschaft lässt „die Gesellschaft“ Frauen wenig Handlungsspielraum, entweder Frauen machen alles so, wie es von ihnen als Mütter erwartet wird, oder sie müssen mit hochgezogenen Augenbrauen und Schlimmeren rechnen.

Bei soviel Intoleranz lässt sich nur hoffen, dass Gianna Nannini mehr Frauen dazu ermutigt, selbst zu bestimmen wann und ob sie ein Kind haben wollen.
Auch Nanninis Vorstellung von Familie sollte man einigen Menschen näher bringen.

„Penelope wird in einer großen Familie leben. Ich glaube, man muss nicht unbedingt eine ‚normale‘ Familie haben. Die Rolle des Vaters und der Mutter sind nicht so bindend. Hauptsache, in der Familie gibt es viel Liebe“

Quoten – aber bitte nicht 50%

Ich bin für eine Frauenquote. Zwar nicht weil ich denke, dass Frauen die besseren Menschen sind, noch weil ich davon ausgehe, dass sie weniger sexistisch sind. Ich bin aus dem einfachen Grund dafür weil ich denke, dass der “ unconscious gender bias“ mit daran schuld ist, dass seltener Frauen für gewisse Positionen ausgewählt werden.
Was zahlreiche Studien(http://www.advancingwomen.org/files/7/127.pdf) belegen, dämmert nun auch einigen Firmen und Politiker_innen. Die Lösung: eine festgeschriebene Quote. Bei den eifrigen Projekten die z.B die Telekom (Frauenanteil von 30% weltweit) oder die französische Wirtschaft (Frauenquote von 40%) planen, stößt mir aber eine Tatsache bitter auf: Warum nicht 50%? Warum nicht die Hälfte? Soll damit die männliche Vormachtsstellung gewährt werden? Nur nicht zuviel Macht abgeben, die Hälfte des Kuchens ist zu viel, aber 30% sind O.K.

Natürlich geht es den Wirschaftsunternehmen nicht darum eine gendergerechte Welt zu schaffen, die Verwertung weiblicher Arbeitskarft steht angesichts eines Fachkräftemangel wohl viel eher im Vordergrund. Aber ist es da nicht eine Verarschung zu sagen 40% Frauenanteil, und warum schreien nur so wenige auf? Die Taktik in kleinen Schritten zum Ziel zu kommen fahren Frauen nun schon viel zu lange und das endgültige Ziel „Gleichberechtigung“ liegt noch in weiter Ferne. Also wer bitte kann mir diese unter 50%- Logik erklären!

Abtreibung? Dann verblute doch…

Jezebel berichtet über Schockierendes aus den USA. In Nampa, Idaho weigerte sich eine Apothekerin einer Frau eine Pille auszuhändigen die Blutungen des Uterus stillt, da sie davon ausging, dass die Frau einen Schwangerschftsabbruch durchführen ließ.

Planned Parenthood officials said the complaint states that the pharmacist inquired if the patient needed the drug for post-abortion care. The nurse refused to answer the question based on confidentiality of health information.

According to Planned Parenthood, the pharmacist then stated that if the nurse practitioner did not disclose that information, she would not fill the prescription. The nurse alleged that the pharmacist hung up when asked for a referral to another pharmacy that would fill the prescription.

Wie schon so oft, wird hier wiedereinaml gezeigt, dass sich „Pro-Life“ nicht auf das Leben von Frauen bezieht. Die selbsternannte Lebensschützerin hätte in dem Fall kein Problem gehabt ein erwachsene Frau leiden, oder gar verbluten zu sehen. Alles aus Gründen des Gewissens, versteht sich.
Für Frauen kann dieses „Gewissen“ lebensbedrohliche Konsequenzen haben.
Was mit diskriminierende Sprüchen oder Blicken beim Kauf von „Pille danach“ anfängt, scheint wohl leider darin zu enden Frauen verbluten zu lassen. Wer als medizinische Fachkraft allerdings so handelt hat seine Berufung weit verfehlt und sollte lieber in weniger verantwortungsvollen Bereichen aktiv sein.