Archiv für Februar 2011

Victim-blaming in Reinform

Es gibt Nachrichten, von denen man gehofft hätte sie nie wieder hören zu müssen. Aber wie es nunmal so ist im Patriarchat – alles Beschissene wiederholt sich. So auch ein alter patriarchaler Klassiker: das „victim-blaming“. Dabei werden Opfer von Vergewaltigungen zu Täterinnen gemacht. Sie haben aufgrund ihrer Kleidung, ihres Verhaltens etc , den Vergewaltiger ermuntert und ihn mit falschen Signalen dazu veranlasst anzunehmen, dass sie Geschlechtsverkehr haben wollen. (Natürlich mit jedem Mann.)
Wird den männlichen Geschlecht, sonst immer große Intelligenz zugesprochen, scheint ihm beim Thema Vergewaltigung die Intellektlosigkeit eines Kleinkindes zugestanden zu werden.

So handhabt es zumindest auch ein kanadischer Richter, dieser sprach einen Vergewaltiger von einer Gefängnisstrafe frei, da er zu wissen glaubte, dass es sich bei der Tat um ein „Missverständnis“ handelte: der Täter war von den „zweideutigen Signalen“ der jungen Frau verwirrt und ist deshalb nur bedingt schuldig sie im nächsten Wald zum Sex gezwungen zu haben.

He (der Richter) proceeded, in a textbook example of victim blaming, to say that Rhodes didn‘t deserve to go to jail because the women confused him by wearing tube tops with no bras, high heels, and heavy makeup, and making „their intentions publicly known that they wanted to party.“

Ja klar, natürlich sind Frauen auch noch selbst Schuld daran wenn sie vergwaltigt werden. Täter derart von der Verantwortung freizusprechen ist wirklich ein einzigartiges Phänomen.
Auch die biologistische Erklärung, dass Männer nicht anders können als nach „ihren Trieben“ zu handeln, sollte angesichts der vielen Männer, die nicht vergewaltigen, langsam aufgegeben werden. Vergewaltigung ist nicht anderes als ein misogyne Tat, an der niemals das Opfer Schuld oder Mitschuld hat. Ende.

Buffy, the Capitalism Slayer

Daß Buffy ein prima Beispiel für eine starke Frauenrolle im Fernsehen ist, war mir schon lange bewußt: selbstsicher, mutig, auch mit „mädchenhafter“ Figur hat sie einen mords Schlag drauf und hat auch noch ne coole Schnauze. Außerdem darf sie trotz Ami-Produktion auch Sex haben (wenn auch nicht immer gerade unkompliziert), Fehler machen, mal in Schlabberklamotten, mal supergestylt auftreten und die lesbische Liebesgeschichte um Tara und Willow gibt auch mehr her als die typischen Klischee-Quotenlesben, die man sonst so im Fernsehen sieht.
Sicher gibt’s an der Serie auch einiges auszusetzen, aber alles in allem kann man sie getrost als „kick ass“ bezeichnen!
Aber! Was mir bisher noch nicht aufgefallen wäre ist die im Freitag auseinandergelegte Kritik an Kapitalismus und den Marktgesetzen – Buffy als postmarxistische Klassenkämpferin? (mehr…)

Kleiner Schritt in Richtung Selbstbestimmung

Intersexuellen Kindern soll es in Bremen zumindest in Einzelfällen künftig ermöglicht werden, mit 18 Jahren selbst über ihr Geschlecht zu entscheiden, berichtet die taz nord. Die ausschließlich binäre Geschlechtszuordnung bleibt aber auch damit weiterhin bestehen.

Ritterlicher Klogriff

Männer mögen Ritter. Dies wissen wir nicht erst seit unsere allerliebste Frauenministerin „der Welt“ erklärte, dass Jungen lieber Ritterburgen als Schmetterlinge zeichnen.
Nein, dem noch nicht genug, nun fordert ein Focus-Redakteur Männer sollten sich „ritterlich“ gegen den „Gender-Kokolores “ stemmen.

Wer kann, der kann: Ein richtiger Mann möge auf den Gender-Kokolores mit Ritterlichkeit reagieren und keineswegs anfangen, Frauen als Konkurrentinnen zu behandeln
Was männlich ist, haben Frauen immer mitdefiniert, nämlich durch ihre Partnerwahlkriterien. Offenkundig bevorzugten sie jahrhundertelang dominante und aggressive Männer. Inzwischen befinden wir uns freilich in einer Situation, dass immer mehr Frauen wollen, was einst eher Männern vorbehalten war: Macht, Geld, Einfluss, Forschungsmittel, ja sogar Muskeln.

Zu diesem Zwecke gibt es das sogenannte Gender-Mainstreaming. Theoretisch sollen damit ungleiche Chancen zwischen den Geschlechtern abgebaut werden. Praktisch werden Frauen, weil angeblich diskriminiert, nach Kräften gefördert und Männer benachteiligt.

Genau, Frauen wollten über Jahrhunderte lang verprügelt und vergewaltigt werden, agressive Männer lieben wir. Angesichts der Tatsache, dass häusliche Gewalt immernoch die Haupttodesursache für Frauen zwischen 16 und 44 Jahren ist, ist diese Aussage mehr als unüberlegt.
Auch die Aussage Männer wären benachteiligt ist angesichts der strukturellen Benachteiligung (Lohnungleichheit, Verwehrung von reproduktiven Rechten, etc) von Frauen lächerlich und armselig.

Wie notwendig der ganze „Gender-Kokolores“ ist, wird klar wenn man das Männlichkeitsbild des Autors betrachtet.

Männlichkeit liegt in den Extremen. Männer stehen an der Spitze der Gesellschaft – aber auch an ihrem Ende. Die meisten Genies sind Männer – aber auch die meisten Idioten. Männer investieren mehr Energie in den Aufbau der Gesellschaft – aber auch in deren Zerstörung. Die übergroße Mehrheit der Kriminellen sind Männer – aber auch die übergroße Mehrheit der Polizisten und Gefängsniswärter. Männer unterdrücken zuweilen Frauen – aber den meisten Aufwand treiben sie bei der Unterdrückung anderer Männer. Und hinter jedem Mann, der eine Frau schlecht behandelt, steht einer bereit, sie zu retten.

Frauen hingegen:

Konkret sieht das so aus, dass Frauen zur Armee gehen dürfen, aber nicht wirklich kämpfen oder gar sterben wollen; dass sie sich im Beruf selbst verwirklichen wollen, aber nicht bei der Müllabfuhr, im Bergbau oder beim Katastrophenschutz; dass sie Karriere machen, aber nicht dieselben Risiken eingehen wollen wie Männer, die wie selbstverständlich 93 Prozent der Arbeitsunfallopfer stellen. Der Tod im Dienst oder fürs Vaterland ist nach wie vor Bestandteil der männlichen, nicht der weiblichen Pflichterfüllung. Frauen wollen Männergewalt anklagen, sich aber weiterhin von Männern dagegen schützen lassen. Und so fort.

Hier werden soviele Stereotypen aufeinmal aufgefahren, dass man garnicht mehr weiß wohin damit. Der Tod fürs „Vaterland“, sollte weder für Männer noch für Frauen selbstverständlich sein. Nicht für so eine banale Sache sterben zu wollen ist nicht weiblich, sondern vernünftig. Dass Frauen nicht im Bergbau arbeiten, hat tiefere Gründe als ein „die sind sich zu gut dafür“. Eher liegt es an der Tatsache, dass die stereotypisierte Einstellung gegenüber Frauen sie von vorneherein von solchen Brufen fernhält. Frauen werden (von eben solchen Menschen wie diesem Autor) als schwach und empfindlich charakterisiert und deshalb so erzogen, dass ihnen der Berufswunsch Bergbauerin fern liegt.

Und wir Frauen wollen keinen Mann der uns rettet, sondern eine Welt in der es nicht mehr notwendig ist gerettet zu werden, weil wir nicht aufgrund unseres Geschlechts in Gefahr sind. Das es Männer braucht um Frauen zu retten, zeigt uns erstens, dass nur Männer in Positionen (Polizei, Anwälte, Richter) sind, in denen sie schützende Funktionen ausüben können, zum anderen veranschaulicht es die patriarchale Gesellschaft, in der Frauen Männergewalt ausgeliefert sind und nur durch Hilfe anderer Männer geschützt werden können. Dies ist aber keine normales Phänomen, sondern zeigt die Minderwertigkeit von Weiblichkeit in unserer Gesellschaft.

Beim Tipp des Autors, dass sich Männer „ritterlich“ verhalten sollen, denn „ein wirklicher Schaden entstünde erst, wenn der Mann sich auf den Krieg der Geschlechter wirklich einließe, die Frauen also wie andere Männer behandelte“, dies führe nämlich zur „Entzauberung der Welt“, kann man nur energisch den Kopfschütteln und hoffen, dass die Journalisten der Zukunft wenigstens mit einem Funken kritischer Bildung und Reflexionsvermögen ausgestattet sind.

Und würde man Jungs in ihrer Kindheit mit rosa Feen und Puppen spielen lassen, statt mit Spielzeugwaffen, die sie zu unsinnigen nationalistischen Toden programmieren, würden auch sich vielleicht auch weniger erwachsenen Männer nach Frauen sehnen, die ihnen mit ihrer Lieblichkeit und Reinheit, die Tür zu einem Zauberwald öffnen, wo sie auch mal glitzern dürfen.

Lieber Herr Klonovsky, Frauen neigen auch zu Extremen, vor allen ich, wenn ich so einen Schwachsinn lese!

„Who Cares?“ geht weiter

Anknüpfend an das Event »WHO CARES – Queerfeminismus & Ökonomiekritik« im März 2010 gibt es nun eine neue Doppel-Veranstaltungsreihe zu Queerfeminismus, Care Work, Körperpolitiken & Ökonomiekritik in Berlin. Die AG Gewalt_oekonomien lädt zur Reihe »My body is a battleground« ein, und die AG Soziale Reproduktion hat die Reihe »Beyond Re/Production: Care Work« vorbereitet. Los geht es am 24.2.2011 zum Thema »Moderne Reproduktionstechnologien- Fortpflanzung für die Leistungsgesellschaft« um 19:30 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Berlin-Mitte. Alle Termine gibt und weitere Infos gibt es hier

Afghanische Frauenhäuser sollen unter staatliche Kontrolle

Als ob man es als Frau in Afghanistan nicht schon schwer genug hätte – nun verschlechtert sich deren Situation auch noch im Bereich Frauenhäuser ganz drastisch:

Die afghanische Regierung will von Hilfsorganisationen geführte Frauenhäuser übernehmen. Dann böten die Häuser keinen Schutz mehr vor Zwangsehen und Gewalt.

Was das konkret heißen kann:

- vor der Aufnahme soll es eine medizinische Untersuchung geben
- man muß sich bei der Polizei registrieren lassen
- die Familie kann die Frau zurückverlangen
- bei Verheiratung muß sie das Frauenhaus verlassen
- es werden nur Frauen aufgenommen, die bisher nicht straffällig geworden sind (darunter fallen selbstverständlich auch strafrechtlich relevante „moralische“ Vergehen)

Wahrscheinlich wäre es billiger und ehrlicher gewesen, die Frauenhäuser ganz abzuschaffen – der Effekt wäre wohl so ziemlich derselbe.

„Women´s health is under attack“

Meldungen über Bemühungen und (schlimmer) Erfolge der amerikanischen Anti-Choice-Bewegung Schwangerschaftsabbrüche zu illegalisieren gehören leider zu meiner wöchentlichen Nachrichtenlektüre. Was sich aber seit dem Wahlsieg der Republikaner im November letzten Jahres abspielt ist bisweilen beispiellos und zutiefst erschreckend.

Starten wir mit den „Protect Life-Act“. Dieses vom Repräsentantenhaus vorgeschlagene Gesetz, soll es Ärzt_innen auch dann ermöglichen einen Schwangerschaftsabbruch zu unterlassen, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. „Protect-Life“, halt.

Dann kam der Vorschlag eines republikanischen Abgeordneten Vergewaltigungsopfern nur dann eine Abtreibung mit staatlichen Mittel zu finazieren wenn diese wirklich zum Sex gezwungen wurde. Heißt: Wurde sie davor unter Drogen gesetzt, ohnmächtig geschlagen oder war stark alkoholisiert oder bewusstlos fand keine richtige Vergewaltigung statt, ergo es gibt keine staatlichen Hilfen.

Und jetzt ganz neu. Die Republikaner wollen den sogenannten „TitleX“ abschaffen. Dieser „Title“ sorgt dafür, dass Einrichtungen wie PlannedParenthood, welche Informationen zu Verhütungfragen, Krebsvorsorge, oder HIV-tests anbieten staatliche Zuschüsse bekommen.
Dazu Cecile Richards, Präsidentin von PlannedParenthood auf Youtube.

Wer eine Zusammenfassung über alle Attacken auf Reprodukive Rechte im Jahr 2010 haben will. klickt hier

Frauen gegen Berlusconi

In Italien haben zahlreiche Frauenorganisationen zu einer Demonstration gegen den Regierungschef Silvio Berlusconi aufgrufen. Das Motto: “ Italien ist kein Bordell!“

Berlusconi machte vermehrt durch sexistische Aussagen über das „schöne Geschlecht“, Berufung von ehemaligen Models in die Regierung und zahlreichen Sexskandalen negativ Schlagzeilen.

Die Frauen wandten sich vor allem gegen das Bild, das in den Medien und in der Politik von Frauen vermittelt wird, und verlangen ein Ende von Diskriminierungen. Berlusconi verletze ihre Würde. «Ich bin nicht hier, um Porno-Feste zu kritisieren», erklärte so etwa seine einstige Parteigenossin, Giulia Bongiorno, in Rom. «Ich kritisiere viel mehr die leitende Klasse, die solche Feste zum herrschenden System macht». Niemand dürfe schweigen in einer solchen Situation.

Wer einen Eindruck über das italienische Frauenbild bekommen will, dem sei der Film “ Il Corpo delle Donne“ nahe gelegt. In dieser Dokumentation zeigt die Regisseurin Lorella Zanardo wie sexualisiert Frauen in den italienischen Medien dargestellt werden.

Troll-Analyse


Interessante Troll-Analyse bei Courtney Stanton/Kirbybits.
Via Mädchenmannschaft.
Bild: Femminismo a sud.

Schwul, schwuler, am schwulsten??

Die Band „Frittenbude“ nennt ihre 2011-Tour „Wir sind schwuler als Kings of Leon“.