TSG verfassungswidrig

das bundesverfassungsgericht erklärt das transsexuellengesetz (TSG) für verfassungswidrig.
bisher sah die so genannte große lösung des TSG vor, dass personen, die ihr geschlecht vor dem gesetz wechseln wollten, entweder zeugungs- oder gebährunfähig sein mussten:

§8(1): Auf Antrag einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und die seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben, ist vom Gericht festzustellen, daß sie als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, wenn sie

1. die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 erfüllt,
2. (weggefallen)
3. dauernd fortpflanzungsunfähig ist und
4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.
(quelle: bundesministerium f. justiz)

seit ende januar ist dies nun nicht mehr so.
das bundesverfassungsgericht befand diese bestimmung als nicht vereinbar mit den grundrechten auf sexuelle selbstbestimmung und körperliche unversehrtheit. (gefunden auf den seiten der l-mag und der sueddeusche zeitung)

fraglich ist nun, ob und wenn, welche auswirkungen diese entscheidung auf den umgang mit intersexuellen menschen hat: die entscheidung des bundesverfassungsgricht erlaubt trans*personen jetzt, das gender unabhängig von sex zu leben; möglicherweise ein schritt in ein zukunft ohne (frühkindliche) genitaloperationen an intersex menschen? ein verbot der entfernung der keimdrüsen (mit anschließender lebenslang notwendiger hormonersatztherapie) zur herstellung der innerkörperlichen kombinationslogik?

es bleibt spannend..

nachtrag motiviert durch den kommentar von ZaraPaz:

die abschaffung des OP-zwangs hat jedoch auch negative auswirkungen. ATME e.V konstatiert, dass die abschaffung des OP-zwangs zwar „ein wichtiger Schritt für die Rechte transsexueller Menschen ist“, das bundesverfassungsgericht jedoch zugleich „andere wichtige Rechte“ schwächt und die „Psychopathologisierung transsexueller Menschen durch die deutsche Sexologie“ stärkt.

die position der psychologischen gutachter_innen wird durch den gesetzesbeschluss gestärkt. diese als erniedrigend empfundene und gegen das „internationale menschenrecht“ verstoßende vorgehen kritisiert ATME e.V. auch an den sterreotypen gender-vorstellungen ändert dieses urteil nichts und zwingt trans*personen weiterhin, eine stereotype gender-performance an den tag zu legen und sich von verschiedenen gutachter_innen genauestens ‚untersuchen‘ zu lassen.
den gesamten beitrag findet ihr unter o.g. adresse, zum jetzigen zeitpunkt unter „news“ (pressemitteilung vom 29.01.2011: Abschaffung des OP-Zwangs auch Schwächung der Rechte transsexueller Menschen).


17 Antworten auf “TSG verfassungswidrig”


  1. 1 schizoid android 03. Februar 2011 um 23:02 Uhr

    Es wäre natürlich sehr wünschenswert, wenn dieser Beschluss positive Auswirkungen auf den Umgang mit intersex Personen hätte, nur seh ich einen Unterschied zwischen der Entkoppelung des sex von gender und den frühkindlichen an intersex Personen vorgenommenen Zwangsoperationen, welche das System der Zweigeschlechtlichkeit durch die gewaltsame Ausmerzung von geschlechtlicher Uneindeutigkeit zu bestätigen versuchen. Natürlich hängt das System der Zweigeschlechtlichkeit und die Kohärenz von sex --> gender (-->desire) zusammen, dennoch seh ich zwischen dem Beschluss zum verfassungswidrigen TSG und der Entscheidung, Genitaloperationen an intersex Menschen ebenfalls als verfassungswidrig zu deklarieren einen feinen Unterschied. Vielleicht ist das System der Zweigeschlechtlichkeit ja naturalisierter als die sex-gender-Logik?!? D‘you know what I mean?!

  2. 2 utrumque 04. Februar 2011 um 11:06 Uhr

    ja, ich denke, ich verstehe, was du meinst. ich meinte auch weniger, dass jetzt plötzlich was auf dem gebiet passiert und bei sowieso fehlender gesetzmäßigkeit (!) nun die frühkindlichen genital-OPs alsbald aufhören. ich hoffe einfach, dass das eventuell ein schritt in die bewusstwerdung ist, dass eben der körper nicht als maßgeblich für eine „gesunde“ geschlechtsidentität herhalten muss; dass sich da im bewusstsein irgendwas bewegt, in die richtige richtung.

    insgesamt hast du natürlich recht:
    personen, die sich ihre „kranke“ psyche bescheinigen lassen müssen, damit sie einen anderen vornamen und eine andere vergeschlechtlichung im pass tragen dürfen, sind nur bedingt vergleich bar mit der logik der frühkindlichen OPs, bei denen es ja gwerade darum gehen soll, solche „psychischen krankheiten“ zu vermeiden..
    hinzu kommt wie gesagt, dass die medizinische praxis bereits fragwürdig vom gesetz her ist. wenn jetzt am TSG herumgeschraubt wird, dann ist das ne andere dynamik: hier hat die justiz den hegemonialen diskurs inne, während das bei intersex klar die medizin ist, die sich der justiz da auch widersetzt und/oder sie ignoriert und durch jene nicht gemaßregelt wird.

  3. 3 GwenDragon 04. Februar 2011 um 11:55 Uhr

    Inwieweit Ärzt_innen Menschen, ob T* oder IS, zu angleichenden OPs zwingen können, hängt von deren Bereitschaft zu Machtmissbrauch und Nötigung ab; „Empfehlungen“, Diagnostik und Gutachten bei T* und IS hängen von Arzt_in ab, nicht von Patient_in.
    Das ist nicht anders wie auch bei anderen Begutachtungen in der Medizin.

  4. 4 schizoid android 04. Februar 2011 um 13:10 Uhr

    Die Einsicht, dass der Körper nicht maßgeblich für eine „gesunde“ Geschlechtsidentität herhalten muss, wäre in Bezug auf intersex Personen aber auch schon der zweite Argumentationsschritt. Ich bin zwar auf dem Intersex-Gebiet (noch) nicht wirklich belesen, aber geht es bei ZwangsOPs nicht erstmal um das Herstellen biologischer Eindeutigkeit. Dass ein eindeutiger Körper dann eine vermeintlich „gesunde“ psychische Geschlechtsidentität ausbildet, ist doch erst der zweite „logische“ Schritt. Genau da sah ich den Unterschied zu Trans* Personen; so als argumentiere man (überspitzt) in etwa so: Wenn es „nur“ um Geschlechtsidentität (also gender) geht, ist es absolut verfassungswidrig, an Körpern rumdoktorn zu lassen. Wenn sich ein Mensch aber von vornherein biologisch nicht eindeutig in das System der Zweigeschlechtlichkeit einpassen lässt, nein, das geht nicht; ein biologisches Geschlecht zu haben (intersex ist ja im hegemonialen Diskurs um Zweigeschlechtlichkeit KEIN Geschlecht), das ist schon wichtig, das rechtertigt dann auch eine (zwangsverordnete) Veränderung des biologischen Körpers. Du hast ja selbst die Definitionsmacht der Medizin angesprochen, da kann ich dir nur Recht geben. Biologie ist wichtig, die Psychologie drumrum (=soziale Geschlechtsidentität) nicht so sehr…polemisch gesprochen. Für die Aufrechterhaltung des Systems der Zweigeschlechtlichkeit darf also das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit aufgeweicht werden, aber die psychische Geschlechtsidentität, die muss mensch nicht nachträglich gewaltsam an die Biologie anpassen. Zumal ich auch glaube, dass die vorherrschende Meinung von Mediziner_innen ist, intersex Körper seien „versehrte“ Körper, die durch Genitaloperationen gleichsam unversehrt (im Sinne von: heil, nicht verletzt, gesund) gemacht werden. Das Rechtfertigungsmuster ist ein anderes, oder?! [Ich will nochmal betonen, dass ich nur mutmaße; Ich habe noch keine Publikation gelesen, die mir erklärt hat, warum denn nun eigentlich Zwangsoperationen an intersex Personen vorgenommen werden müssen. Ich dachte immer da geht’s um die Einpassung in eindeutig biologisch männliche oder weibliche Körper].

    Da du den Punkt der Entwicklung psychischer Krankheiten angeschnitten hast, hab ich gleich noch eine Frage. Kennst du dich mit Intersexualität ein wenig genauer aus? [Vielleicht führt das auch jetzt etwas vom Thema weg; dafür schon jetzt ein sorry]. Kann es nicht auch so ein ganz klein wenig gerechtfertigt sein, Intersex Personen zu vereindeutigen?! Könnte mensch es denn Intersex Kids zumuten, quasi für die Abschaffung der Zweigeschlechterordnung „zu kämpfen“, indem mensch ihre uneindeutigen Körper unberührt belässt? Wäre sowas nicht auch an etliche, vor allem psychische, Strapazen gekoppelt? Vielleicht könnte man die Entscheidung, OB eine Operation vorgenommen werden soll, aufschieben, bis die Intersex Person selbst im Stande wäre, eine eigene Entscheidung zu treffen?!?

    Aber du hast natürlich Recht, awareness ist wünschenswert, und wird der Beschluss des TSG auch hoffentlich mit sich bringen (obwohl ich manchmal ganz stark das Gefühl habe, Menschen können bzgl. sex/gender/Sexismus/ etc. wahnsinnig auf dem Schlauch stehen) :-<

  5. 5 utrumque 07. Februar 2011 um 9:50 Uhr

    @GwenDragon

    Inwieweit Ärzt_innen Menschen, ob T* oder IS, zu angleichenden OPs zwingen können, hängt von deren Bereitschaft zu Machtmissbrauch und Nötigung ab; „Empfehlungen“, Diagnostik und Gutachten bei T* und IS hängen von Arzt_in ab, nicht von Patient_in.
    Das ist nicht anders wie auch bei anderen Begutachtungen in der Medizin.

    in genügend fällen hängt es bei intersex von den eltern ab, nicht von den patient_innen. ich habe immer ein komisches bauchgefühl, wenn trans* und intersex derart deckungsgleich betrachtet werden. sicher geht es hier um eine medizinkritik; und gemeinsam ist auch ein kritisches verhältnis zum geschlecht in der medizin. das problem bei beiden phänomenen ist aber zunächst mal unterschiedlich gelagert: während es bei trans* bisher rechtliche grundlagen gab, um personen zwangszukastrieren, gibt es bis heute keine rechtliche grundlage, auf der intersex menschen operiert werden.

    Ich bin zwar auf dem Intersex-Gebiet (noch) nicht wirklich belesen, aber geht es bei ZwangsOPs nicht erstmal um das Herstellen biologischer Eindeutigkeit. Dass ein eindeutiger Körper dann eine vermeintlich „gesunde“ psychische Geschlechtsidentität ausbildet, ist doch erst der zweite „logische“ Schritt.

    der zweite logische ist es dann, wenn eine_r das ganze analytisch betrachtet, ja. praktisch dient die ausbildung der „gesunden“ geschlechtsidentität als argument für die operation. nur in einem „gesunden“ körper kann eine „gesunde“ identität entstehen. das ist die argumanetative grundlage. so analytisch wie du das denkst, wird das in der medizin gar nicht gehandhabt.. ;) da sind die überlegungen i.d.r. weit weg von gendertheorie o.ä. die geburt (oder erst spätere diagnose) von intersex personen ist medizinisch ein „psychosozialer notfall“. der erste schritt in der argumentation ist also die psychische gesundheit, die auf dem spiel steht.

    und: intersex personen haben in der logik der medizin durchaus ein geschlecht: ein pathologisches weibliches oder pathologisches männliches. es gibt keine nicht-geschlechtlichkeit. worum es geht ist, dass nach der diagnosestellung als psychosozialer notfall akribisch erforscht wird, wie die kombinationslogik im körper wieder hergestellt werden kann. welche gonaden liegen vor, welche chromosomen, wie sieht der phänotyp aus, wie ist der hormonstatus und was ist eigentlich ursache für die „fehlbildung“ des männlichen/weiblichen körpers.

    dem aktivismus gegen OPs von intersex personen geht es nur sekundär bis tertiär um die geschlechtliche uneindeutigkeit. es geht um das stoppen der operationen, die meistenteils zur durchführung gelangen, indem wichtige teile der diagnose verschwiegen werden, die diagnose dramatisiert wird, um eine einwilligung in gonadektomien, genitaloperationen etc. zu erhalten. intersex aktivismus ist erstmal ein medizinkritischer aktivismus, in dem es darum geht, was GwenDragon beschreibt.

    (gute weiterführende literatur ist bspw. „zwitter beim namen nennen“ von kathrin zehnder oder „intersexualität. menschen zwischen den geschlechtern“ von claudia lang.)

    Kann es nicht auch so ein ganz klein wenig gerechtfertigt sein, Intersex Personen zu vereindeutigen?! Könnte mensch es denn Intersex Kids zumuten, quasi für die Abschaffung der Zweigeschlechterordnung „zu kämpfen“, indem mensch ihre uneindeutigen Körper unberührt belässt?

    gegenfrage(n): laufen wir den ganzen tag nackt rum, so dass alle sehen könnten, wie ein körper „wirklich“ aussieht? lässt sich ggf. für solche momente, wo das der fall wäre, auf wunsch des kindes nicht eine lösung finden, es nicht tun zu müssen? – – – wer gibt mir oder dir oder jeder anderen körperlich „eindeutig“ diagnostizierten person das recht über ‚die anderen‘ zu entscheiden? das folgt der gleichen logik wie sie die medizin anwendet.
    intersex personen vergleichen die eingriffe mit vaginalverstümmelungen von mädchen und frauen (sog. „beschneidungen“) und schildern den umgang der medizin mit ihnen als erlebte jahrelange missbrauchserfahrung. es geht hier nicht um den kampf gegen die zweigeschlechterordnung, sondern um das beenden von genitaloperationen, die als traumatische verstümmelungen erlebt werden. das ist was vollkommen anderes.

    ich maße mir nicht an, irgendwelche entscheidungen über andere menschen zu treffen. denn es wird in der diskussion oft getan: ich habe bereits vielfach diskussionen geführt, die innerhalb kürzester zeit auf die rechtfertigung bzw. diskussion pro-OP „zum wohle des kindes“ zu sprechen kamen. eine solche diskussion verweigere ich. es geht um die mündigkeit der intersex personen. nicht darum, ob du oder ich irgendwas daran richtig oder falsch finden.

  6. 6 schizoid android 07. Februar 2011 um 12:18 Uhr

    Danke für die Aufklärung, utrumque

    und: intersex personen haben in der logik der medizin durchaus ein geschlecht: ein pathologisches weibliches oder pathologisches männliches. es gibt keine nicht-geschlechtlichkeit.

    Okay, das hab ich zuvor vielleicht linkisch formuliert gehabt. Ich meinte eher sowas wie: Intersexuelle Menschen haben für die Medizin kein intelligibles Geschlecht. Da es nicht lebbar scheint, muss es verändert werden.

    Ich hab mir übrigens am Wochenende bei youtube mal einen englischsprachigen Beitrag zu intersexuellen Personen angeschaut. So aus Interesse und eigener Unwissenheit heraus. Der hat mich das ganze nochmal aus einer anderen, nämlich aus der der Intersexuellen, Perspektive sehen lassen:

    http://www.youtube.com/watch?v=xv1yk2Va9qc

    Nach dem Anschauen hab ich mich regelrecht geschämt, die Frage, ob eine Zwangsoperation gerechtfertigt sei, überhaupt gestellt zu haben. Ich geb dir, utrumque, mit dem Folgenden absolut recht:

    intersex personen vergleichen die eingriffe mit vaginalverstümmelungen von mädchen und frauen (sog. „beschneidungen“) und schildern den umgang der medizin mit ihnen als erlebte jahrelange missbrauchserfahrung. es geht hier nicht um den kampf gegen die zweigeschlechterordnung, sondern um das beenden von genitaloperationen, die als traumatische verstümmelungen erlebt werden. das ist was vollkommen anderes.

    ich maße mir nicht an, irgendwelche entscheidungen über andere menschen zu treffen. denn es wird in der diskussion oft getan: ich habe bereits vielfach diskussionen geführt, die innerhalb kürzester zeit auf die rechtfertigung bzw. diskussion pro-OP „zum wohle des kindes“ zu sprechen kamen. eine solche diskussion verweigere ich.

    Hö?! Die verweigerst du?! Warum denn das? Du scheinst doch Ahnung vom Thema zu haben. Ich find’s wichtig, Unwissende aufzuklären. Mich haste recht leicht überzeugt ;-)

  7. 7 utrumque 07. Februar 2011 um 15:18 Uhr

    Hö?! Die verweigerst du?! Warum denn das? Du scheinst doch Ahnung vom Thema zu haben. Ich find’s wichtig, Unwissende aufzuklären. Mich haste recht leicht überzeugt

    oh, das habe ich missverständlich ausgedrückt. ich meinte, dass ich die position pro-OP zum „wohle des kindes“ in der diskussion verweigere, da nicht mitgehe. das war wirklich seeehr missverständlich ausgedrückt. ohne die position müsste die diskussion ja nicht geführt werden. ;)

    ich setze mich
    a) für die position „pro-intersexualisierte“ ein. für einen „patient_innenzentriertes herangehen“ in erster, direkter reaktion auf gegenwärtige verhältnisse – also eine echte selbstermächtigung mit echter entscheidungsgewalt über ‚OP oder nicht-OP‘ ausschließlich bei den intersexualisierten, nicht bei den eltern und nicht bei behandelnden ärzt_innen) und
    b) für eine entpathologisierung von intersex im allgemeinen.

  8. 8 schizoid android 07. Februar 2011 um 20:11 Uhr

    ich setze mich
    a) für die position „pro-intersexualisierte“ ein. für einen „patient_innenzentriertes herangehen“ in erster, direkter reaktion auf gegenwärtige verhältnisse – also eine echte selbstermächtigung mit echter entscheidungsgewalt über ‚OP oder nicht-OP‘ ausschließlich bei den intersexualisierten, nicht bei den eltern und nicht bei behandelnden ärzt_innen) und
    b) für eine entpathologisierung von intersex im allgemeinen.

    Mit deiner Positionierung würde ich glatt mitgehen, und find sie mittlerweile nur folgerichtig.

    Wie genau sieht das Einsetzen bei dir aus? Darf ich das fragen?! Ich hab in D ehrlichgesagt noch nicht viel von Intersex Activism gehört.

  9. 9 utrumque 08. Februar 2011 um 13:00 Uhr

    ..zum beispiel auf veranstaltungen vorträge halten, artikel schreiben etc.
    intersex bekannter machen und verdeutlichen, dass eine schnell in die falle der vereinnahmung für den kampf gegen zweigeschlechtlichkeit als kulturelles system tappt. stattdessen sollten die konkreten wünsche und bedürfnisse der betroffen gemachten gehör finden und unbetroffene ihre energie nutzen, sich für personen einzusetzen, denen womöglich aufgrund traumatischer erlebnisse etc. die energie fehlt. den kampf eben mitkämpfen, aber solidarisch.
    dazu isses eben auch nötig, mal etwas energischer auf vereinnahmungen im namen des kindeswohls hinzuweisen und auf den nötigen kampf für die definitionsmacht und entscheidungsgewalt der betroffenen hinzuweisen.

    tipps zum weiterlesen und aktionen mitbekommen und so:

    zwischengeschlecht.org
    genderfreeblog (leider länger nicht aktualisiert; ggf. auf genderfreenation gucken)
    xy-frauen
    das ende des sex seite von heinz-jürgen voß; da finden sich auch immer mal wieder interessante veranstaltungen, büchertipps etc.

  10. 10 ZaraPaz 08. Februar 2011 um 18:00 Uhr

    erlaubt trans*personen jetzt, das gender unabhängig von sex zu leben???
    Klingt immer so schön… Nein!!!
    Erstens hat das Urteil ganz schlimme Schattenseiten (ab jetzt gibt es ein Verfassungsgerichtsurteil, das das GARNICHT wünschenswerte Gutachterverfahren nochmal rechtfertigt und sogar heftigere und total menschenunwürdige Bedingungen dafür andeutet, nebenbei wird neuerdings einfach immer auf das „biologische Geschlecht“ zur Diskriminierung verwiesen (biologisches Geschlecht, hm, schön, gib mir ein Vorurteil und ich beweise mal eben durch Forschung, dass es stimmt, meine Meinung zum Thema „biologisches Geschlecht“, warum gibt es keine biologische Frau mit Schw**z und keinen biologischen Mann mit Mu***i sehr wohl aber eine biologische XY-Frau, hat da etwa doch die gesellschaftliche machtpolitische Erwartungshaltung in die achso-objektive Forschung mit reingespielt, hä? Und mit XY-Frau meinen die keine Post-OP, auf denen soll man auch Post noch rumhacken dürfen gefälligst), lest mal nach, so toll ist es echt nicht), zweitens sind die ganzen Vorraussetzungen für die Personenstandsänderungen nach wie vor allein schon gruselig und stehen einem „Sex unabhängigen“ Leben hart im Weg, wer einmal gehört hat, was in solchen Verfahren so passiert und passieren kann, weiß es, von daher warne ich vor überhöhter Euphorie.
    Ein ausführliches Statement zum Urteil findet ihr aktuell z.B. auf

    http://atme-ev.de/

    das würde ich bedenken, bevor ich das Urteil feiere…

    edit: explizit sexualisierte worte wurden mit sternchen versehen.

  11. 11 utrumque 09. Februar 2011 um 11:49 Uhr

    liebe_r ZaraPaz,

    ich verstehe deinen unmut, danke dir für den hinweis auf weiterführende literatur. jene hatte ich, da ich mich im trans*-bereich nicht so auskenne, leider nicht eigenständig gefunden. tatsächlich wars mir aber wichtig, dass das thema auf dem mädchenblog seinen raum bekommt. dass das scheinbar einseitig passiert ist, dafür entschuldige ich mich.
    insofern möchte ich dir ein dickes danke sagen für den hinweis und die kritik. ich finds wichtig, dass das so nicht stehenbleibt, wenn ein oberflächlich betrachtetes urteil tiefergehend weiterhin oder verschärfte menschenrechtsverletzungen beinhaltet. dass mein artikel durch die unsaubere recherche einen solchen einschlag bekommen hat, ist sehr unglücklich. ich werde gleich einen zusatz schreiben, ihn als ergänzung durch dich kennzeichnen und dem artikel den kritischen impetus geben, den er verdient.

    des weiteren würde ich mich freuen, wenn du vielleicht deine ausführungen in der klammer in der ersten klammer (biologisches geschlecht […] gefälligst) noch einmal genauer erläutern könntest? ich verstehe da deine kritik nicht und würde aber gern. ich assoziiere mit xy-frau eine person, die mit einer androgenresistenz auf die welt kommt und damit zu den intersex personen gerechnet wird. solche xy-frauen haben oft bereits in der kindheit traumatische OP-erfahrungen hinter sich, hatten nie die gelegenheit, sich erst als erwachsene der medizinischen behandlung auszusetzen (denn dass sie das nach der diagnose müssen, bleibt unbenommen). mir scheint, du meinst mit xy-frau was anderes?

    ich habe mir herausgenommen, bestimmte kraftausdrücke in deinem beitrag nicht ausgeschrieben stehen zu lassen. ich habe das gefühl, dass dein artikel stark emotionsgeladen auf mich runterprasselt. ich finds grad schwer darauf weiter zu reagieren und fühle mich an erster stelle angegriffen, wo ich mir sachliche kritik gewünscht hätte. im weiteren werde ich mich auf einen solchen tonfall in der diskussion nicht mehr einlassen. ich denke, das lässt sich auch wertschätzend diskutieren.

  12. 12 samia 09. Februar 2011 um 15:17 Uhr

    uturumque: ich wüsste gerne, warum du sch und m als kraftausdrücke betrachtest. das kann man auch ganz anders sehen. das erinnert mich grad bisschen an an tabuisierungen à la „das da unten“. no offense.

  13. 13 utrumque 09. Februar 2011 um 16:18 Uhr

    hm, ich kann deinen einwand nachvollziehen.
    ich fühlte mich nicht gut, als ich im kontext des beitrags diese worte gelesen habe. damit es aber eben keine auslassung im sinne von „da unten“ wird, habe ich sternchen eingefügt. es sollte so lesbar sein, wie du es gelesen hast: die abstraktion habe ich so gewählt, dass dennoch erkennbar bleibt, um welche worte es sich handelt.
    mir sind die begriffe zu stark; das ist sicher subjektive wahrnehmung, keine frage..

    ich kenne diese praktik zudem aus anderen zusmmenhängen als methode, nicht in der liste bestimmter suchanfragen aufzutauchen und finde die schon von daher praktikabel.

  14. 14 schizoid android 10. Februar 2011 um 19:22 Uhr

    ich habe mir herausgenommen, bestimmte kraftausdrücke in deinem beitrag nicht ausgeschrieben stehen zu lassen. ich habe das gefühl, dass dein artikel stark emotionsgeladen auf mich runterprasselt. ich finds grad schwer darauf weiter zu reagieren und fühle mich an erster stelle angegriffen, wo ich mir sachliche kritik gewünscht hätte. im weiteren werde ich mich auf einen solchen tonfall in der diskussion nicht mehr einlassen. ich denke, das lässt sich auch wertschätzend diskutieren.

    Ich find es absolut verständlich und okay, wenn ZaraPaz ihre_seine Kritik etwas emotionaler formulierte. Sie_er war wütend. Das spiegelt mMn sehr gut die Kontroverse der Debatte wider. Find ich schade, dass du, utrumque, das gleich so persönlich nimmst, dich angegriffen fühlst (haben dich die Kraftausdrücke angegriffen oder eher die Tatsache, DASS du, zu Recht, kritisierst wurdest?!) und ZaraPaz erstmal in die Schranken weisen musst (sowas erstickt Diskussionen auch manchmal gleich im Keim, aber klar, subjektive Wahrnehmung und so…).

  15. 15 utrumque 10. Februar 2011 um 23:07 Uhr

    mich haben die kraftausdrücke angegangen. die kritik habe ich, wie du vielleicht bemerkt hast, gekennzeichnet als ergänzung in den artikel aufgenommen. ich dachte, das sei auch klar geworden: ich finde die kritik von ZaraPaz total richtig und wichtig und nehme die an, habe betont, dass ich das zu einseitig gesehen habe. ich dachte, daraus war ersichtlich, dass ich mich absolut nicht durch den inhalt, sondern den tonfall angegangen fühlte.

    für mich sind emotional und aggressiv auch nochmal unterschiede. und ich mag nicht aggressiv diskutieren. das verstehe ich als formulierung der eigenen grenzen. wenn ein kommentar direkt an mich gerichtet ist, kann ich mir schon einen bestimmten tonfall im umgang miteinander wünschen. ich kann nachfühlen, was es für emotionen freisetzt, wenn ein thema, das eine_r besonders intensiv bveschäftigt, falsch abgehandelt wird oder informationen vorenthalten werden. deshalb auch meine entschuldigung und die modifikation des artikels.

  16. 16 schizoid android 26. Februar 2011 um 14:28 Uhr

    Ich weiß nicht, ob das Folgende überhaupt hier hin passt (bin auf dem Mädchenblog kein_e feste_r Autor_in und kann deshalb, glaub ich, keinen separaten Eintrag erstellen), aber ich hab grad auf Arte eine am Montag ausgestrahlte Doku zu Intersexualität gefunden:

    http://videos.arte.tv/de/videos/x_enius-3713786.html

    (Achtung! In der Mitte des Beitrags, 13:45 – 14:23, sind eventuell Trigger enthalten!!!!)

    Hat mich emotional sehr mitgenommen, um ehrlich zu sein, fand den Beitrag aber dennoch gut (abgesehen von den Hirni-Aussagen des Hirnforschers und Chirurgen).

    Auf dem Blog Zwischengeschlecht.org wird sich nun aber über den Beitrag ausgelassen:
    http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2011/02/21/Beitrag-zu-%22Intersexualit%C3%A4t%22-in-X:enius-auf-Arte-21.2.

    Hmmm, schwierig. Ich habe den Beitrag eigentlich schon als Plädoyer gegen Zwangs-OPs angeschaut bzw. verstanden.

  17. 17 urur 18. April 2011 um 10:37 Uhr

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