Buffy, the Capitalism Slayer

Daß Buffy ein prima Beispiel für eine starke Frauenrolle im Fernsehen ist, war mir schon lange bewußt: selbstsicher, mutig, auch mit „mädchenhafter“ Figur hat sie einen mords Schlag drauf und hat auch noch ne coole Schnauze. Außerdem darf sie trotz Ami-Produktion auch Sex haben (wenn auch nicht immer gerade unkompliziert), Fehler machen, mal in Schlabberklamotten, mal supergestylt auftreten und die lesbische Liebesgeschichte um Tara und Willow gibt auch mehr her als die typischen Klischee-Quotenlesben, die man sonst so im Fernsehen sieht.
Sicher gibt’s an der Serie auch einiges auszusetzen, aber alles in allem kann man sie getrost als „kick ass“ bezeichnen!
Aber! Was mir bisher noch nicht aufgefallen wäre ist die im Freitag auseinandergelegte Kritik an Kapitalismus und den Marktgesetzen – Buffy als postmarxistische Klassenkämpferin?

Buffy schlachtet ja nicht einfach nur Monster dahin. Nein, die Dämonen und Vampire sind eine Materialisation der spätkapitalistischen Wirklichkeit – und der wird kickboxend und Holzpflock schwingend zu Leibe gerückt.
Die nie endende Meute in den Alltag drängender Monster steht für die völlige Durchdringung privater Lebenswelten durch das Kapital und seine Marktgesetze, so die gängige Interpretation.

Doch ja, in der Tat findet man solche Elemente!
Buffy und ihre FreundInnen könnte man durchaus als eine kleine anarchistische Gruppe bezeichnen, die sich außerhalb des Mainstreams computerhackend, um sich tretend und dennoch in ständiger Sorge um ihre Mitmenschen darum kümmern, daß das Böse nicht überhand nimmt, während der Rest des Spießerstädtchens Sunnydale es vorzieht, die dämonischen Vorgänge blind zu übersehen und so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung- wie es auch in der reellen, kapitalistischen, sexistischen,…. Welt nur allzuoft der Fall ist: weggucken! Und genau dieser gesellschaftliche Druck, nach außen hin möglichst „normal“ wirken zu müssen, ist es, der ihrer Arbeit immer wieder Steine in den Weg legt.
Und noch etwas weiter gedacht:

Während die Jägerin auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen ist für Recherchen oder für die Logistik im Kampf gegen Monster, fällt sie immer wieder, ebenso seriell, wie Dämonen und Vampire auftauchen, in die Einsamkeit der Erwählten zurück. Darin sehen die Autorinnen eine Entsprechung zum heutigen Zwang, immer wieder seine Einzigartigkeit in Arbeitsprozessen unter Beweis stellen zu müssen und sich unentbehrlich zu machen.

Genau dieser Zwang, sich einerseits nach außen hin der breiten Masse anpassen zu müssen, aber dennoch im „individuell besser sein als andere“-Konkurrenzwettbewerb mitspielen zu müssen, ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig.
Und noch nicht einmal Buffy, die „Auserwählte“ mit den Superkräften, ist von der üblichen Kapitalismusscheiße gefeit: ihre eigentlichen Talente, ihre Stärke, ihr Köpfchen, ihre Kreativität – all das ist in der Marktwirtschaft nichts wert (noch nicht einmal nach dem Retten eines Bankangestellten vor einem Dämon wird ihr ein Kredit gewährt und auf der Baustelle wirft man ihr vor, sie arbeite zu schnell) – so bleibt der Vampirjägerin letztendlich nichts anderes übrig, als Pommes in einer Fast Food-Bude zu servieren, um ihren Schuldenberg abzuarbeiten, um das Haus instandzuhalten und sich und ihre kleine Schwester (hier gibt es auch noch Probleme mit dem Jugendamt) versorgen zu können.

Erst in den letzten Staffeln, als ihre Freunde am College studieren, sie aber in einem Fastfood-Restaurant jobbt, wird aus der Schülerin eine prekarisierte Arbeitskraft, die auf die akademische Karriere verzichten muss, um sich ihrer Mission als Jägerin widmen zu können.

Und wer weiß – vielleicht ist die allerletzte Folge von Buffy sogar in gewisser Weise prophetisch:

In der letzten Szene der Serie stehen Buffy und ihre Freunde am eingestürzten Höllenschlund, der Sunnydale mit in die Tiefe gerissen hat. Die Dämonen, also die kapitalistische Welt, liegt in Schutt und Asche. Von der kalifornischen Kleinstadtherrlichkeit ist in diesem postrevolutionär-apokalyptischen Schlüsselmoment nichts mehr übrig. Zuletzt fragt Buffys kleine Schwester: „What are we gonna do now?“ Die schlichte Antwort darauf ist eine lächelnde Buffy.


8 Antworten auf “Buffy, the Capitalism Slayer”


  1. 1 Kratzbürste 26. Februar 2011 um 11:56 Uhr

    Für Buffy-Interessierte gibt es seit kurzem dieses tolle Buch beim Verbrecher Verlag:

    “ Buffy ist ein Mädchen, das Dämonen mächtig auf die Mütze gibt. Herrschaftliche Strukturen, die in der Real World so schwer zu fassen sind, erhalten ein Gesicht, in das man schlagen kann. Soweit so schön, aber leider nur für den Zuschauer. Denn Buffy selbst kriegt durch ihren »Job« ganz andere Probleme in der Highschool, später im College und im dämonenfreien Teil ihres Alltags. Und zwar solche, die man nicht verprügeln kann. Hier hat die Struktur kein Gesicht mehr. Im Medium des Phantastischen werden so Heteronomie-Erfahrungen auf eine verbindliche Weise thematisiert, wie es vermeintlich authentischen Abbildern und moralischem Bildungsfernsehen nicht möglich ist. In zehn Artikeln streitet das Buch auch darüber, ob sich der kritische Gehalt der Fernsehserie an ihren Kunst- oder aber gerade an ihren Kulturindustriecharakter binden lässt.“

    „Horror als Alltag: Texte zu ‚Buffy the Vampire Slayer‘“
    Von Annika Beckmann, Ruth Hatlapa, Oliver Jelinski und Birgit Ziener

  2. 2 Zong! 26. Februar 2011 um 19:05 Uhr

    classless hat sich auch mal mit Buffy auseinandergesetzt…so sehr ich die Serie schätze, weil sie dem Mainstream etwas entgegensetzt, umso wichtiger ist eine kritische Auseinandersetzung. Letztlich plädiert Joss Whedon nur dafür, dass im Kapitalismus alle ein bißchen netter zueinander sind, gut zu sehen in der ersten Folge der 3. Staffel (Anne). Zitat von classless:
    „Buffys Aufstand paßt in die Reihe von (oft amerikanischen) Darstellungen von Arbeiterbewegung und Kommunismus als Reaktion auf eine bestimmte Form von Arbeit, die in dunklen, schlecht belüfteten Fabrikhallen mit Eisenwerkzeugen stattfindet. Die Serie macht eine Hierarchie von Arbeitsplätzen auf, in der die gezeigte “sweatshop labour” (Wikipedia) am schlimmsten sind, typische Generation-X-Jobs im Diner oder im “Doublemeat Palace” doof, aber gerade noch erträglich, und viele andere dann weitgehend in Ordnung, sogar erfüllend. Buffy kämpft also nicht gegen die Lohnarbeit, so gern ich das in die Folge hineinlesen würde und so sehr es andere auch hineingelesen haben, sondern sie gibt eine Impression von Arbeitskampf, der sich gegen Arbeitsumstände richtet, gegen die er sich nach allgemeinem Dafürhalten richten darf.“
    Also nix Kapitalismuskritik :(

  3. 3 Zong! 26. Februar 2011 um 19:08 Uhr

    Achja, und sobald Jungs ins Spiel kommen, wird aus der achso toughen Powerfrau Buffy ein unselbständiges, abhängiges Mädchen. Das soll wohl romantisch sein, ich finde es aber ärgerlich…

  4. 4 kontrastprogramm 28. Februar 2011 um 22:11 Uhr

    magnus klaue hat in der bahamas auch einen lesenwerten artikel zum buffy hype veröffentlicht.

    Die Banalität des Bösen

    Über Vampirkult, Kulturindustrie und linke Adoleszenz

    (Link entfernt)

  5. 5 @kontrastprogramm 01. März 2011 um 1:06 Uhr

    Wir sind hier auf einen emanipatorischen Blog. Kann mal jemand den Beitrag löschen, der auf ein „Magazin“ verlinkt, welches vergewaltigte Frauen unterstellt nur schlechten Sex gehabt zu haben?

  6. 6 Dini 15. November 2011 um 10:14 Uhr

    Passt zwar nicht ganz zu eurer Buffy-Capitalism-Debatte, aber ich geb den Input trotzdem mal: Ich fand total interessant zu lesen, wie das Geschlecht der männlichen Vampircharaktere bei der Serie Buffy konstruiert und visuell dar- und hergestellt wird. Vor allem in Hinblick darauf, dass Vampire nicht menschlich sind und somit kein konstruiertes Geschlecht annehmen müssten. Dennoch wird ihnen ein Geschlecht zugewiesen.
    Hierzu empfehle ich euch „Der sympathische Vampir: Visualisierungen von Männlichkeiten in der TV-Serie Buffy.“ von Marcus Recht. Recht schloss durch seine Forschung eine große Lücke in der bisherigen Buffydebatte und die von ihm entwickelte Analysemethode zeigt sich als optimal für die Theoretisierung von Männlichkeitsbildern.

  7. 7 bigmouth 15. November 2011 um 18:27 Uhr

    „Vor allem in Hinblick darauf, dass Vampire nicht menschlich sind und somit kein konstruiertes Geschlecht annehmen müssten. “

    sie waren aber mal menschen, und besitzen eine bruchlose biographie zu ihrem menschlichen dasein – insofern haben die genau so viele oder wenige gründe, ein geschlecht anzunehmen wie menschen

  1. 1 Die unterschiedlichen Frauenbilder in Twilight und Buffy | Netborn Pingback am 27. Juni 2012 um 9:52 Uhr

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