Victim-blaming in Reinform

Es gibt Nachrichten, von denen man gehofft hätte sie nie wieder hören zu müssen. Aber wie es nunmal so ist im Patriarchat – alles Beschissene wiederholt sich. So auch ein alter patriarchaler Klassiker: das „victim-blaming“. Dabei werden Opfer von Vergewaltigungen zu Täterinnen gemacht. Sie haben aufgrund ihrer Kleidung, ihres Verhaltens etc , den Vergewaltiger ermuntert und ihn mit falschen Signalen dazu veranlasst anzunehmen, dass sie Geschlechtsverkehr haben wollen. (Natürlich mit jedem Mann.)
Wird den männlichen Geschlecht, sonst immer große Intelligenz zugesprochen, scheint ihm beim Thema Vergewaltigung die Intellektlosigkeit eines Kleinkindes zugestanden zu werden.

So handhabt es zumindest auch ein kanadischer Richter, dieser sprach einen Vergewaltiger von einer Gefängnisstrafe frei, da er zu wissen glaubte, dass es sich bei der Tat um ein „Missverständnis“ handelte: der Täter war von den „zweideutigen Signalen“ der jungen Frau verwirrt und ist deshalb nur bedingt schuldig sie im nächsten Wald zum Sex gezwungen zu haben.

He (der Richter) proceeded, in a textbook example of victim blaming, to say that Rhodes didn‘t deserve to go to jail because the women confused him by wearing tube tops with no bras, high heels, and heavy makeup, and making „their intentions publicly known that they wanted to party.“

Ja klar, natürlich sind Frauen auch noch selbst Schuld daran wenn sie vergwaltigt werden. Täter derart von der Verantwortung freizusprechen ist wirklich ein einzigartiges Phänomen.
Auch die biologistische Erklärung, dass Männer nicht anders können als nach „ihren Trieben“ zu handeln, sollte angesichts der vielen Männer, die nicht vergewaltigen, langsam aufgegeben werden. Vergewaltigung ist nicht anderes als ein misogyne Tat, an der niemals das Opfer Schuld oder Mitschuld hat. Ende.


15 Antworten auf “Victim-blaming in Reinform”


  1. 1 Andrea 26. Februar 2011 um 17:22 Uhr

    Woher kommt es überhaupt, das Männer jedwedes noch so winzige Signal der freundschaftlichen Annäherung fraulicher Seite sogleich als Einladung in Fraus intimste Sphäre zu betrachten… oh Mann.
    Entsetzlich, wie verbohrt und dumm manche sind, wie eben dieser Richter. Hält er vielleicht aus Sympathie zu dem Schuldigen, so nach dem Motto „He, der bunt Gekleideten hast dus aber richtig gezeigt, super gemacht mein Freund, wie kann ihr auch einfallen, sich gegen dich zu wehren, wenn sie sich schon so aufreizend anzieht?“ Macht mich sauwütend. Habe selber schon Zähne ausgeschlagen, als mich einer gegen mein ausdrückliches „Nein!“ anfassen wollte. Widerlich… Männer, wacht auf und denkt mal nach, was ihr eigentlich manchmal tut. Wer in diesem Fall die „Intellektlosigkeit eines Kleinkindes“ hatte, ist ja wohl klar. (Tip: er trägt eine Richterrobe und hat ein kleines Hämmerchen zur Hand -.-)

  2. 2 Luna 26. Februar 2011 um 17:33 Uhr

    Blöd geblieben oder „bloß“ nichts dazugelernt?

    Ne Kollegin hat eine ganze FBA zum Thema „Gewalt an Frauen durch die Hand des Mannes“ geschrieben- und, no na, Vergewaltigung resultiert nicht aus einem zu starken sexuellen Trieb – sonst hätte er sie ja fragen können ob sie auf nen One-night-stand aus ist- sondern einfach, um die Frau zu demütigen und das Machtverhältnis klar aufzuzeigen.

    Aber wenigstens werden in anderen Ländern Vergewaltigung wenigstens ein bisschen strenger (wenn auch für die Opfer nie genügend) bestraft… dass Vergewaltigung das Strafmaß eines kleinen Diebstahls hat, ist gang und gäbe in anderen Ländern.

  3. 3 ja 26. Februar 2011 um 18:30 Uhr

    Ich bin deiner Meinung, aber Vergewaltigung ist keine misogyne Tat, sondern eine sadistische Tat, die nicht nur Frauen betrifft.

  4. 4 Psychopapst 26. Februar 2011 um 18:48 Uhr

    Übrigens ist das Urteil selbst dann kompletter Schwachsinn, wenn man die biologistische Erklärung mit den Trieben als richtig annimmt. Oder würde irgendwer auf die Idee kommen einen Mörder mit der Begründung freizulassen, er habe sein Opfer deswegen umgebracht, weil er aufgrund von Wahnvorstellungen annehmen musste, es handele sich um ein Monster.

    Wer seine Triebe nicht unter Kontrolle halten kann, ist eine Gefahr für die Allgemeinheit und muss daher leider weggesperrt werden, bis Therapien oder anderweitige Resozialisierungsmethoden ihre Wirkung entfalten. Und wenn es keine Triebe sondern Misogynie ist, dann erst recht.

  5. 5 Immanuel 26. Februar 2011 um 20:29 Uhr

    Ich Studiere Jura und da es an den Hiesigen Landgerichten leider nur noch Sexualstraftaten zu geben scheint habe ich Bereits eine vielzahl dieser Verfahren Beobachten können. Im Größten teil der Fälle war die Schuld des Täters kein Streitpunkt im Verfahren. Das Problem in einer vielzahl der von mir gesehenen Prozesse war vielmehr das dass Opfer mit einer Passivität die Tat übersich ergehen lies das der Täter den Verkehr sehr oft als einvernehmlich hätte werten können. Ich habe auch Privat die erfahrung gemacht das es für einen Mann sehr Schwierig sein kann die Zeichen die einem eine Frau gibt zu werten. Ich will damit nicht sagen das ich es übersehe wenn eine Frau nein sagt und das nicht Akpzepieren würde aber oft ist das Ausziehen und der Akt des Verkehres zumindest beim ersten mal ein akt der sich nur durch die Aktivität des Mannes auszeichnet.
    Ich will damit in Keinster weiße die schuld des Täters Schmälern. Jedoch gibt sind Vergewaltiger meist Menschen die Sowieso wenig mit Zeichen von Menschen anfangen können und Passivität durchaus als Zustimmung werten.
    Ich bin der Meinung das man dieses Problem nur durch ein Offensivers umgehen mit der Weiblicheren Sexualität lösen kann, damit die Frauen offensiver werden und klar artikulieren was sie wollen und was nicht.
    Ein einseitiges Schimpfen auf die Gerichte ist hier nicht die Lösung vorallem wenn sie gleichzeitig impliziert das Männer Vergewaltiger automatisch decken weil sie Männer sind.
    Mfg
    Immanuel

  6. 6 GwenDragon 26. Februar 2011 um 20:31 Uhr

    @ja
    Vergewaltigung von Frauen ist sehr wohl eine misogyne Tat, kaum ein Ausdruck von Zuneigung. Und mit Sadismus hat das wenig zu tun, nur mit der männlichen Möglichkeit Macht zu haben und in einer bestimmten Art die Frau zu erniedrigen und zu entwerten. Bei Sadismus macht es dem Täter sexuellen Spaß zu Quälen.

    Was deinen Einwurf anbelangt, dass Vergewaltigung nicht nur Frauen betrifft:
    Ja, auch Mädchen werden vergewaltigt. Korrekt.

    Aber du meintest wohl männliche Opfer.
    Hier im Artikel geht es gerade darum, das weibliche Personen, also Frauen und Mädchen vergewaltigten werden, nicht Jungen und Männer.
    Niemand wird hier die Vergewaltigung von männlichen Personen bestreiten wollen.
    Aber diese tragen wohl kaum weibliche Kleidung, die Männer zum Vergewaltigen reizt.
    Das war hier aber der Kernpunkt des Artikels, dass die Frau den Mann angeblich „falsch Signale“ auf Grund ihrer Kleidung gab.

    Vergewaltigt wird, um einer Person, meist Mädchen und Frauen, einen niedrigeren Status auf zu zwingen und sie moralisch kaputt zu machen, ganz besonders beim Schwängern. Die Folge ist meisten die soziale Ächtung des Opfers. In Kriegen ist Vergewaltigung das ein beliebtes Mittel der Soldateska. In Friedenszeiten dann eher eine Art maskuliner Gruppensport oder eine Einzelhandlung von Gewalttätern.

  7. 7 unwichtig 26. Februar 2011 um 23:04 Uhr

    Hm, könnt ihr mir, als der MSM Kategorie angehörig, bitte mal die Merkmale nennen, auf die ich achten muss, damit ich andere „Herren“ zum nächsten Wald nehmen kann UND mich dabei nur bedingt schuldig mache?
    Nein, ernsthaft: Freispruch ist da schon etwas, ähm, unverständlich. Es sei denn, er war wirklich nicht in der Lage, einfache Signale wie ein „Nein“, ob verbal oder nicht, zu verstehen. Dann aber wäre wohl eine intensive psychologische Begleitung angezeigt.
    Aber so wie es da steht, ist es absolut nicht mit meinem Normen- und Wertesystem vereinbar.

    @GwenDragon: „In Friedenszeiten dann eher eine Art maskuliner Gruppensport oder eine Einzelhandlung von Gewalttätern.“ – Sorry, aber was sagst du hier aus? Eigentlich nur, das Nicht-Männer in der Gruppe der Vergewaltigenden eine Minderheit sind. Aber die vorhergehenden Annahmen („Vergewaltigt wird […]“) über die Motive hätte ich gerne mit Quelle belegt. Und mir sind da auch nicht statistisch signifikant viele Fälle bekannt, als das da von pauschalen Motivationen ausgegangen werden kann.

  8. 8 leonie 27. Februar 2011 um 11:35 Uhr

    Ich habe auch Privat die erfahrung gemacht das es für einen Mann sehr Schwierig sein kann die Zeichen die einem eine Frau gibt zu werten.

    Wenn ich jemanden zum essen einlade und mir nicht sicher bin ob er /sie noch einen Nachschlag dann frage ich nach, wenn es dann noch verständnisprobleme gibt, dann ändere ich meine Frage und frage und wenn die Kommunikation partout nicht funktioniert, dann gebe ich Ihr/ihm eher keinen Nachschlag und hau nicht einfach nen riesen Löffel aufn Teller.

    Wenn man sich also nicht sicher ist, kann man auch beim Sex nachfragen und wenn ich mir unscher bin ob die andere Person das überhaupt will, dann hab ich doch keinen Sex. Also bitte!

    Natürlich kann man Signale nicht werten(egal ob von Mann* oder Frau*), erwartet ja auch niemand, aber man muss eben keinen Sex haben wenn mn sich unsicher ist und unfähig die Sache verbal auszusprechen. Da liegt das Problem sicher nicht bei der weiblichen* Sexualität, sondern an dem männlichen* Denken, dass man ne Frau die einem auch nur das winzigste Signal gegeben hat, gleich „nehmen“ kann.

  9. 9 Saiya 27. Februar 2011 um 16:29 Uhr

    Auch wenn das so richtig ist wie es die Autorin betrefflich dieses Falles schreibt, ist es ernüchternd wie viel Wert hier auf freien Meinungsaustausch gelegt wird. Es gibt nämlich tatsächlich Fälle in den Menschen andere Menschen verleumden oder diskreditieren mit allen möglichen Anschuldigen, sich ganz von so einer möglichkeit zu distanzieren ist ziemlich naiv, genauso naiv wie das Urteil des Richters in diesem klaren Fall wo er sogar zugibt Sex erzwungen zu haben, das war nunmal kein SM-Dungeon oder sowas.

  10. 10 crashintoahouse 27. Februar 2011 um 21:32 Uhr

    äußerungen, wie oben, in die richtung, „die gehören für immer weggesperrt“, sind zutiefst menschenverachtend und gehören in einen law&order-polizeistaat.
    mit so einer antihumanistischen scheiße sollte sich keine gemein machen, die für eine emanzipatorische welt kämpft.

  11. 11 Psychopapst 28. Februar 2011 um 15:48 Uhr

    Falls ich mit der antihumanistischen Scheiße gemeint war, weise ich dies zurück: Es geht mir nicht darum irgendwen „für immer“ wegzusperren – Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass Menschen resozialisierbar sind¹.
    Allerdings sehe ich leider die Notwendigkeit sie während der Zeit in der sie gefährlich sind, auch einzusperren. Wer davon ausgeht, dass jede Frau die einen Minirock trägt von ihm vergewaltigt werden möchte, den kann man nicht einfach mit der Auflage sich jeden morgen um 8:00 Uhr zu einer Therapie einzufinden nach Hause schicken.

    ¹ Wie es mit Menschen aussieht, die aufgrund von psychischen Erkrankungen gefährlich sind, kann ich nicht einschätzen. Allerdings darf es bei Menschen die Stimmen aus Steckdosen hören auch nicht um ein polizeistaatliches Wegsperren gehen, sondern um ein menschenwürdiges Leben, soweit dies in eingesperrtem Zustand möglich ist.

  12. 12 GwenDragon 03. März 2011 um 20:06 Uhr

    Was Therapien und Ärzte anbelangt, sollte berücksichtigen, dass manche Sexualwissenschaftler und Psychiater auf Grund eigener sexueller Persönlichkeitsstörungen in der Lage sind, Täter zu therapieren.

  13. 13 Neophyte 07. März 2011 um 23:59 Uhr

    „äußerungen, wie oben, in die richtung, „die gehören für immer weggesperrt“, sind zutiefst menschenverachtend und gehören in einen law&order-polizeistaat.
    mit so einer antihumanistischen scheiße sollte sich keine gemein machen, die für eine emanzipatorische welt kämpft.“

    Ich verstehe schon, dass „für immer wegsperren“ nicht die einzige Lösung sein kann, die in jedem Fall richtig ist. Soweit stimme ich dem zu. Aber es gibt offenbar Täter, bei denen nichts anderes mehr hilft, z.B. solche, die Mehrfachtäter sind, d.h. schon mehrfach wegen Sexualverbrechen inhaftiert worden sind und bei denen auch keine Therapie anschlägt, weil sie z.B. kein Problembewusstsein haben.
    Mir ist allerdings klar, dass dies nicht auf alle Täter zutrifft.

  14. 14 Marcie 10. März 2011 um 11:47 Uhr
  15. 15 samia 14. März 2011 um 17:18 Uhr

    genau, sex mit unter 18 jährigen ist automatisch vergewaltigung. oh, dann wurde ich ja mit 13 auch vergewaltigt. NICHT.

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