Rezension: ‚Geschlecht. Wider die Natürlichkeit.‘ von H.-J. Voß

Nach der Dissertation „Making Sex Revisited“ (Besprechung auf dem mädchenblog) hat Heinz-Jürgen Voß ein weiteres Buch veröffentlicht: „Geschlecht. Wider die Natürlichkeit“ ist in diesem Jahr in der theorie.org-Reihe erschienen. Voß greift hier die Erkenntnisse seiner Dissertation noch einmal pointiert auf und nimmt Debatten um die ‚Natürlichkeit‘ (vs. gesellschaftliche Herstellung) der Geschlechterbinarität in den Blick.

Ausgehend von den Überlegungen Simone de Beauvoirs in „Das andere Geschlecht“, Judith Butlers Theorem der Konstruktion auch körperlicher Zweigeschlechtlichkeit und Karl Marx’ kapitalismuskritische Überlegungen zu gesellschaftlichen Einflüssen auf die Entwicklung von Menschen arbeitet sich Voß durch die Geschichte der Geschlechtertheorien, um im Anschluss die Forschungspraxis biologisch-medizinischer Wissenschaft einer eingehenden Kritik zu unterziehen. Schlussendlich plädiert Voß dafür,

sich überhaupt mit den tatsächlichen Lebensrealitäten von Menschen auseinanderzusetzen, die über andere Lebenserfahrungen verfügen als man selbst. […] Es geht darum, Wissenschaft als Teil einer politischen Tätigkeit zu begreifen, die bislang meist auf die Bedürfnisse Privilegierter ausgerichtet war. (S. 49)

Voß vertritt damit die Ansicht, dass Forschung über und von Menschen immer die gesamten Lebensumstände in den Blick nehmen muss – die der Forschungssubjekte ebenso wie die eigenen als Forschende_r. In der Studie wird dies geleistet, indem zum einen neben der Kategorie Geschlecht immer auch die Kategorien Bildungsmöglichkeiten, race und Klasse mitgedacht werden; zum anderen stellt Voß alle genannten Forscher_innen immer auch in Zusammenhang mit ihren Lebensumständen, indem bedeutsame Aspekte ihrer Biographie in die Texte einfließen. Insbesondere zweites ist eine spannende Art, die Texte zu verfassen: Der_die Leser_in wird immer wieder darauf aufmerksam, dass es sich auch bei forschenden Personen immer um Menschen mit einer gesellschaftlichen Positionierung und daraus resultierendem Fokus des Forschungsinteresses handelt.

Zum Inhalt

Im ersten Kapitel stellt er heraus, warum es sich lohnt, die ‚Natürlichkeit‘ von Geschlechterdifferenzen kritisch zu betrachten: ‚Biologie‘ sei ebenso wie ‚Gott‘ eine machtvolle Instanz, die angeführt wird, um Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu belegen. Problematisch dabei sei daran, dass jene Instanzen außerhalb der Einflussnahme von Mensch und Gesellschaft liegen, als vorgegeben und unabänderlich daherkommen und so die Möglichkeiten von Menschen unter Berufung auf den Glauben an sie beschränken (vgl. S. 19). Mit bedeutenden Streiterinnen im 14. bis 17. Jahrhunderts – Christine de Pizan, Moderata Fonte, Marie le Jars de Gournay – stellt Voß heraus, dass sich bereits früh gegen biologistische Auffassungen von Geschlecht gewendet wurde: Jene frühen Feministinnen erstritten mit ihrem Einspruch eine bessere gesellschaftliche Position von ‚Frauen’.

Voß nimmt im zweiten Kapitel zunächst die Intersektionalität gesellschaftlicher Zuordnungen wie Geschlecht, Klasse, Bildungsniveau (und –möglichkeiten) und race in den Blick und kritisiert, dass Geschlechterforschung immer eine Forschung priviligierter Personen ist:

So ist es nicht ausschließlich der Quellenlage geschuldet, dass arme Menschen kaum im Blick sind und dass beispielsweise die Ansicht verbreitet ist, seit der ‚Moderne’ seien stets Theorien nur zweier Geschlechter vertreten worden. In dieser Behauptung spiegelt sich vielmehr die Perspektive von jetzt Forschenden, eingebunden in ihre Sozialisation und aktuelle gesellschaftliche Debatten. (S. 45)

Im Anschluss an diese Wissenschaftskritik leitet Voß seine Prämisse her, dass Menschen gesellschaftliche Wesen sind und zeigt, dass diese Überzeugung keine neue in der Wissenschaft ist: Lange vor den Überlegungen zur gesellschaftlichen Konstruktion von Geschlecht (Baltimorer gender-Theory; nach John Money, Joan G. Hampson und John L. Hampson in den 1950er/60er Jahren) stellte bereits Karl Marx in seinen Schriften heraus, dass „das Individuum … das gesellschaftliche Wesen“ ist. „Seine Lebensäußerung […] ist daher eine Äußerung und Bestätigung des gesellschaftlichen Lebens“ (Marx 1962 zit. n. Voß 2011, S. 54). Geschlecht sei, so Voß, ebenso einer genauen Analyse zu unterziehen wie Marx dies für Produktionsweisen bereits tat. Dies sei der geeignete Weg, ein gutes Leben für alle Menschen zu erkämpfen, ohne Diskriminierungen und Ungleichbehandlung. (Vgl. S. 60)

In der nun folgenden Diskursanalyse historischer Überzeugungen zur Geschlechtsentwicklung stellt Voß heraus, dass es keine eindeutige Linie gegeben hat, die schon immer von zwei und nur zwei Geschlechtern ausgeht: Auch in Medizin und Biologie gab es sich widersprechende Ansätze – Differenz der Geschlechter auf der einen Seite, Gleichheit auf der anderen.
Voß führt immer wieder auch Überlegungen verschiedener Forscher_innen zum Bildungspotential oder körperlichen Konstitution der Geschlechter an und zeigt damit, dass diese Ansätze stets auch genutzt wurden, um die gesellschaftliche Stellung der Geschlechter zu begründen oder eine Besserstellung der ‚Frauen‘ zu erstreiten.

Im letzten Kapitel wendet sich Voß den aktuellen Auffassungen zur Geschlechtsentwicklung zu und kommt – mit Blick auf die eingangs beschriebene Wissenschaftskritik – zu dem Schluss, das biologisch-medizinische Forschungen eigentlich das Potential hätten, den Geschlechterdualismus in Frage zu stellen. Mit der Begründung, die Forschung müsse weithin verständlich bleiben, werden veraltete und lückenhafte Theorien in populären Medien veröffentlicht.

Die Fachwissenschaftler_innen … sind allerdings oftmals der Meinung, der besseren Verständlichkeit wegen vereinfachen zu müssen. Damit hat die biologisch-medizinische Wissenschaft selbst auch einen Anteil daran, dass sich das ‚populäre Wissen’ über genetische Abläufe nicht aktualisiert, sondern sich ideologisch heute noch in vielerlei Hinsicht auf dem Stand vom Anfang des 20. Jahrhunderts befindet“(157)

Die Wissenschaft stellt derartige Überlegungen zugunsten ihrer Popularität aufs Abstellgleis – und steuert mit veralteten Theorien weiterhin gesellschaftliche Anerkennung der Zweigeschlechtlichkeit und Pathologisierung weiterer Geschlechter. Hier werden kapitalistische Interessen ebenso wirksxam wie der unreflektierte Umgang mit der eigenen Position als Forscher_in.

Voß stellt abschließend mithilfe integrierender, systemischer Betrachtungen heraus, dass die Geschlechtsentwicklung kein simpler Ablauf sein kann, sondern diverse Faktoren in den Prozess der Entwicklung einwirken. Neben den Lebensumständen der Personen, deren Eizelle, Spermium und Gebärmutter beteiligt sind, spielen komplexe Abläufe auf molekularer Ebene bei der Ausbildung und Spezifikation von Zellen eine Rolle. Gene und Genprodukte, Chromosomen, Keimdrüsen, Quantitäten und Qualitäten der körperlichen Merkmale, Fruchtbarkeit – „[a]lle diese Merkmale zusammen werden bei keinem einzigen Menschen in eine ‚eindeutige’ Richtung ‚weiblich’ oder ‚männlich’ zusammenspielen.“ (163)

Eine tatsächliche Grundlage für ausschließende gesellschaftliche Konzepte von Zweigeschlechtlichkeit gebe es damit nicht. Und also…

…gilt [es], eine gerechte Gesellschaft zu erstreiten, die sich an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen orientiert und die jeden Tag neu erkämpft und gestaltet werden muss, damit nicht ein Zustand entsteht, in dem Menschen erneut bedrückt und benachteiligt werden. Für diese gerechte Gesellschaft ist Utopie nötig und eigenes Tun gefragt. Fangen wir – Du und Du und Du und Du …und Ich – jetzt damit an! (S. 166)

Zur Einordnung

Das Buch ist in sehr verständlicher und angenehm zu lesender Sprache verfasst. Voß nimmt den_die Leser_in mit durch das Buch, indem immer wieder Zusammenfassungen gemacht werden und darauf verwiesen wird, an welcher Stelle der Argumentation eine_r sich gerade befindet. Ich empfinde das Buch als sehr gutes Destillat der Erkenntnisse der o.g. Diss, hier werden die dort ausführlich und – den Umständen geschuldet – hochwissenschaftlich formulierten Erkenntnisse für Menschen formuliert, die sich in der biologisch-medizinischen Wissenschaft wenig bis gar nicht auskennen.
Zum einen ein toller Einstieg für die Auseinandersetzung mit dem biologisch-medizinischen Diskurs, der in der Diskussion um die Kritik der Heteronormativität immer wichtiger werden wird – nicht zuletzt aufgrund immer populärer werdender biologistischer neurowissenschaftlicher Ansätze, die den Essentialismus der Zweigeschlechtlichkeit versuchen in das Gehirn zu verlagern – und ihn so weiterhin unzugänglich für Kritk zu halten. Voß‘ Arbeit bietet die Möglichkeit, solchen Ansätzen zu widersprechen, auch, indem weiterführende Werke genannt werden, mit denen eine_r sich in diverse Richtungen weiterbilden kann. Zum anderen auch eine gelungene integrierende Arbeit: Die Intersektionalität verschiedene Unterdrückungsmechanismen wird im Buch immer wieder hervorgehoben, die Lebensumstände in ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenspiel als verantwortlich für die gesellschaftliche Stellung einer Person hervorgehoben. Dieser Ansatz ist die Basis aller Überlegungen – auch jener zur biologisch-medizinischen Neuschreibung von Geschlechtsentwicklung.

Insgesamt ein empfehlenswertes Bändchen der theorie-org-Reihe, über das es sich zu unterhalten gilt!


27 Antworten auf “Rezension: ‚Geschlecht. Wider die Natürlichkeit.‘ von H.-J. Voß”


  1. 1 Jay 24. März 2011 um 14:00 Uhr

    Hiho,

    ein aktuellen Vortrag Voss‘ zum gleichen Thema wurde Anfang des Jahres in Gießen mitgefilmt und lässt sich bei Vimeo finden: http://vimeo.com/20880395
    Wer das Bild nicht braucht findet im Text darunter auch den Link zum Audiomitschnitt in besserer Qualität.

  2. 2 Fruchtzuckergesangsverein 24. März 2011 um 17:19 Uhr

    Passend dazu wurde vor Kurzem ein Vortrag von Heinz-Jürgen Voß kostenlos im Internet vollständig veröffentlicht:
    http://vimeo.com/20880395

  3. 3 utrumque 25. März 2011 um 16:30 Uhr

    dass es sich bei beiden kommentaren um die gleiche datei handelt, habe ich erst auf den zweiten blick gesehen; so werden beide beiträge wertgeschätzt. :)

  4. 4 Jan 25. März 2011 um 18:32 Uhr

    Dummheit wird nicht dadurch richtiger, dass sie in möglichst vielen Büchern veröffentlicht wird.
    Heinz-Jürgen Voß hat die simpelsten Tatsachen nicht verstanden: Natürlich ist Geschlecht keine gottgegebene Konstante und natürlich sozial konstruiert. Aber, und das ist der entscheidende Punkt, es ist ein Konstrukt, was so entstehen musste. Was so in der gesamten Tierwelt entstanden ist. Die Trennung in diejenigen, die das Potential haben Kinder auszutragen und in die anderen, ist evolutionär entstanden und es war zwingend, dass diese Trennung entstand. Es war zwingend notwendig, dass man nicht diejenigen zur Jagd schickt, die im achten Monat schwanger sind. Es haben überall solche Tierarten überlebt, die eine solche Trennung vorgenommen haben.
    Biologisch lässt sich was auch immer begründen, natürlich ist der menschliche Körper viel zu komplex, als dass man ihn in einem mathematischen Sinne in 1 oder 0 einteilen könnte. Die Essenz der Frau an sich ist das Potential ein Kind zu gebären. Die Essenz ist nicht, dass sie ein Kind bekommt oder dass eine individuelle Frau auch dazu in der Lage ist. Und diese Zweiteilung, die sich um diese Essenz gruppiert ist natürlich keine eindeutige und reine Zweiteilung. Beim Wetter hat man, wie überall jenseits der Mathematik ja auch nicht nur Regen oder Sonne, sondern auch Zwischenstufen. Deswegen sind die Voßschen Behauptungen nicht mehr als Taschenspielertricks, weil er sich dermaßen in die postmoderne Ideologie verrannt hat, dass er gar nicht mehr in der Lage ist, die Argumentation der „Gegenseite“ überhaupt zu verstehen.

  5. 5 derivat 28. März 2011 um 2:00 Uhr

    lieber jan,

    ich möchte dich nur auf bauchhöhlenschwangerschaften und invitrofertilisation mit einbau in einen synthetischem uterus hinweisen (so wie in „matrix“). aber dass „evolution“ heute anders funktioniert als bei den dinos, würde ich schon sagen.
    wie das ethisch und politisch zu bewerten ist, ist eine andere frage.
    ich weiss auch garnicht, wo es heute noch sowas wie „natur“ oder „gott“ gibt? (vorsicht: kulturalismus-falle ;-)

    liebe grüsze aus der bauchhölle

  6. 6 Heinz 28. März 2011 um 9:56 Uhr

    Hallo Jan,

    eigentlich liegt es mir fern, mich mit Beiträgen auf diesem Niveau auseinanderzusetzen – nur weil man anderer Auffassung ist, der anderen Seite „Dummheit“ vorzuwerfen, ist nur noch einen kleinen Spalt von den Betrachtungen auf „Gender Ideologie“ entfernt, in denen mir – so wie es Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war – „Homosexualität“ diagnostiziert wird und stets „mitbenannt“ wird, und zumindest der Eindruck entsteht, dass man allein damit schon meine Betrachtungen diskreditieren wolle. Wo sind wir, dass Menschen nicht einfach diskutieren können, sondern wir auf solch einem Niveau ankommen, damit Aussagen von Menschen als illegitim erscheinen?

    Gewiss ist Zweigeschlechtlichkeit im Tier- und Pflanzenreich nicht so verbreitet, wie Du es beschreibst. Smilla Ebeling hat die Beschreibungen zur Parthenogenese (ungeschlechtliche Fortpflanzung) weithin ausgeführt, Bonni Spanier hat herausgearbeitet, wie selbst noch DNA-Austauschvorgänge bei Bakterien im Wissenschaftsbetrieb als vergeschlechtlicht gedacht wurden – sie machte besonders deutlich, wie schwer es ist, die eigenen Vorannahmen beiseite zu lassen, und einen „möglichst objektiven“ Blick zu erlangen. Uns allen ist aus dem Schulunterricht und populären Zeitschriften im Kopf, dass es eine ganze Reihe von Zwitterarten gibt, wieder andere, die dass Geschlecht wechseln können und solche, die sich sowohl ungeschlechtlich als auch geschlechtlich fortpflanzen können.

    Bei den Organismen, die sich zweigeschlechtlich fortpflanzen, ist es 1) eben ein Fehlschluss, dass diejenigen als „weiblich“ bezeichnet würden, die „gebären“ oder „Eier legen“ würden. Vielmehr wird an Hand verschiedener Merkmale – bspw. Chromosomen, Keimdrüsen, äußerlichen Merkmalen – eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose über das Geschlecht getroffen. Wie viele Individuen sich dann tatsächlich fortpflanzen – wie viele dazu organisch in der Lage sind und, explizit für die Menschen, ob ein Wunsch zur Fortpflanzung besteht – wird nicht untersucht. Interessant sind die entsprechenden Aussagen aus Untersuchungen zur Geschlechtsdetermination: In diesen wird oft ausgeführt, dass die untersuchten Individuen (meist Mäuse) ein „typisch weibliches“ bzw. „typisch männliches“ Erscheinungsbild aufweisen – und dann wird angefügt, dass sie infertil, also fortpflanzungsunfähig seien. 2) Mir geht es darum, dass man sich nicht stets in abgehobenen ideologischen Ideen-Welten bewegt, sondern tatsächlich Menschen und ihre Bedürfnisse im Blick hat. Das bedeutet, dass Menschen nicht ein vermeintlicher „Eigen-Gen-Kinderwunsch“ eingeredet werden muss: Wenn sich zwei Menschen, egal welche Du unterscheidest, maximal in 30 von 30.000 Genen unterscheiden – das Genom ist also weitreichend gleich und so kann es mir und Dir egal sein, wer sich zum „Fortbestand der Art“ fortpflanzt. Das bedeutet auch, dass Menschen nicht, nur weil sie sich nicht fortpflanzen können oder wollen, Probleme eingeredet werden. Vielmehr geht es doch um ganz menschliche Dinge: Mit anderen Menschen zusammen zu sein (anders könnte ein junger Mensch gar nicht existieren, überleben), auch Sex zu haben, auch Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Das alles geht unabhängig davon, dass Menschen sich „fortpflanzen müssen sollen“, wir können uns nämlich einfach für Menschen interessieren und um Menschen kümmern, so wie es eben ganz menschlich ist. (Übrigens: „15 % + X“ der „heterosexuellen“ Päärchen, die schon länger versuchen ein Kind zu bekommen, so wird es in entsprechenden Studien zu Sachsen ausgeführt, wobei X für eine „hohe Dunkelziffer steht, suchen medizinischen Rat, weil sie mit der Fortpflanzung über einen langen Zeitraum keinen Erfolg hatten. Einigen wenigen wird dann geholfen – bei vielen ist das nicht möglich. Und wieder andere solcher Päärchen suchen keinen medizinischen Rat, weil sie sich damit abfinden kinderlos zu sein oder Kinder adoptieren oder auf andere Weise für andere Menschen Verantwortung übernehmen. – Die stete Voraussetzung von Fortpflanzungsfähigkeit funktioniert eben nicht.)

    3) „Evolution“ wird immer gern für alles herangezogen, was man begründen möchte, aber das mit „Evolution“ etwas zwingend notwendig wäre, ist mit den neueren Evolutionstheorien Darwins und im Anschluss an ihn schlicht falsch. „Evolution“ bezeichnet nach Darwin eben nicht eine vorgeschriebene Entwicklung, sondern sie zeigt sich gerade offen für Veränderungen, um auf „Veränderungen der Umwelt“ u.ä. zu reagieren. Aktuell gibt es sogar evolutionäre Betrachtungen, die nicht mehr davon ausgehen, dass „Evolution“ nur kontinuierlich und als langsamer Prozess abläuft, sondern sich Veränderungen in der Geschichte möglicherweise vielfach in Entwicklungsschüben – also in kurzer Zeitspanne sehr weitreichende – gezeigt haben. Aber das nur generell. Spezifisch zu der Jäger-Sammler-Theorie: Hier ergeben sich derzeit ganz neue Betrachtungen. So wird mehr und mehr vorgeschlagen, dass Gejagtes nur ein „Zubrot“ darstellte, dass etwa 80 bis 90 % der Ernährung früher Menschen nicht über „Gejagtes“ erfolgte. Auch archäologische Befunde werden neu ausgewertet, weil in der – sehr ideologisch geprägten – Forschung der letzten jahrzehnte stets vorausgesetz wurden war, dass immer „Männer gejagt“ und „Frauen gesammelt“ hätten. Bei den ohnehin sehr wenigen und dürftigen Funden die es gibt, stellt sich aktuell heraus, dass einige Skelette sogleich als „Mann“ eingeordnet wurden waren, nur weil eine Pfeilspitze dabeilag. Zahlreiche Hinweise führen zu einer Neubewertung, so gibt es Zeichnungen und weitere Hinweise, dass auch „Frauen“ mit Pfeilspitzen gejagt haben. Und warum sollten schwangere Menschen nicht gejagt haben? Wann werden sie festgestellt haben, ob si schwanger waren? Wann werden sie sich deswegen als „Frau“ bezeichnet haben? Interessant sind übrigens die Ausführungen von Charles Darwin selbst, der auch – und das wird oft nicht beachtet – die Kulturalität des Menschen unterstreicht und als für die menschliche Entwicklung bedeutsam hervorhebt. In „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ schreibt er (in seinen Schlussfolgerungen!): „Ein großer Schritt in der Entwicklung des Intellekts dürfte erfolgt sein, sobald die halb als Kunst, halb als Instinkt zu betrachtende Sprache in Aufnahme kam; denn der fortgesetzte Gebrauch der Sprache muß auf das Gehirn eingewirkt und eine erhebliche Wirkung erzeugt haben, und diese wird wieder eine Verbesserung der Sprache herbeigeführt haben. […] Die höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen, Überlegung, Abstraktion, Selbstbewußtsein usw., dürften aus der fortgesetzten Verbesserung und Übung seiner anderen geistigen Fähigkeiten entstanden sein.“ (Darwin 1951 [1871]: 607) Sowie: „Die moralische Natur des Menschen hat ihren jetzigen Hochstand teils durch den Fortschritt seiner Verstandeskräfte und folglich einer gerechten öffentlichen Meinung erreicht, besonders aber dadurch, dass die Sympathien des Menschen durch die Einwirkungen von Gewohnheit, Beispiel, Lehre und Reflektion weiter verbreitet worden sind. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß tugendhafte Neigungen nach langer Übung vererbt werden.“ (Darwin 1951 [1871]: 609) — Die häufig tiefe Lücke zwischen Lamarck und Darwin ist nicht so tief und es zeigen sich deutliche Anknüpfungspunkte für den „Embodiment-Ansatz“, den bspw. die Biologin Prof. Anne Fausto-Sterling vertritt. Eingeordnet und nachzulesen sind die Evolutionstheorien Darwins u.a. in dem hier rezensierten Büchlein „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“.

    Es freut mich, dass Du immerhin meine „Behauptungen“ zu Komplexität als beachtenswert anerkennst, wie es im Übrigen auch gerade durch Biologinnen und Biologen geschieht (Gegenwind gegen die Bücher kommt derzeit gerade aus einer populären und ideologisch aufgeladenen Sicht, von so genannten „Männerrechtlern“, eben weil man so fundierte und ausführliche Betrachtungen zu den an der Geschlechtsdetermination beteiligten Komponenten aktuell nirgends so ausführlich und differenziert dargestellt finden wird, wie in „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“). Wenn Du Lust hast, über die inhaltlichen Fragen zu diskutieren, auf die ich oben kurze Antworten gegeben habe, bin ich gern dazu bereit – aber eben inhaltliche Diskussion, nicht Beleidigung.

  7. 7 Jan 29. März 2011 um 23:52 Uhr

    Bei den Organismen, die sich zweigeschlechtlich fortpflanzen, ist es 1) eben ein Fehlschluss, dass diejenigen als „weiblich“ bezeichnet würden, die „gebären“ oder „Eier legen“ würden. Vielmehr wird an Hand verschiedener Merkmale – bspw. Chromosomen, Keimdrüsen, äußerlichen Merkmalen – eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose über das Geschlecht getroffen. Wie viele Individuen sich dann tatsächlich fortpflanzen – wie viele dazu organisch in der Lage sind und, explizit für die Menschen, ob ein Wunsch zur Fortpflanzung besteht – wird nicht untersucht.

    Das entscheidende Wörtchen ist hier Wahrscheinlichkeitsdiagnose. In den gesamten Naturwissenschaften werden überall Wahrscheinlichkeitsdiagnosen getroffen. Die Definition einer Frau oder eines Mannes ist eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose. Es gibt von mir aus fünf/sechs Parameter (Chromosomen etc.), in denen sich der ideale Durchschnittsmann und die ideale Durchschnittsfrau unterscheiden. Diese Parameter geht man durch und bestimmt daraus das Geschlecht. In sagen wir 98 % der Fälle ist es recht eindeutig, bei 2 % ist es uneindeutiger, weil sich hier die Parameter bei 50/50 einpendeln. Die Naturwissenschaften argumentieren fast überall so, denn es sind im Gegensatz zur reinen Mathematik keine wirklich „exakten“ Wissenschaften.
    Du argumentierst auf einer anderen Ebene, indem du herausarbeitest, dass es zu jeder Annahme auch ein Beispiel gibt, wo das nicht so ist. Das ist aber überhaupt nicht der Punkt und deshalb werfe ich dir eine Taschenspielertrick-Argumentation vor.
    Wenn ich sage „In der Regel sind Panther schwarz“, dann kannst du mir zwar freudestrahlend den weltweit einzigen Albino-Panther zeigen, das widerlegt aber mein Argument nicht.
    Bezogen auf das Geschlecht heißt das, die Biologie stellt fest, dass man in der Regel bei Menschen und Säugetieren die Population in zwei Gruppen unterteilen kann, in eine mit dem Potential des Kinderkriegens und in die andere mit dem Potential zum Zeugen. Beide kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit an ein paar Parametern unterscheiden.
    Um das in Frage zu stellen bringt es jetzt nichts
    a) im südamerikanischen Urwald ein Kleinsäugetier zu finden, bei dem das nicht so ist oder
    b) darauf zu verweisen, dass es auch Zwitter gibt oder
    c) zu kritisieren, dass sie, nur weil sie das Potential dazu haben, ja noch lange keine Kinder kriegen müssen.

    All das sind Taschenspielertricks, die die Biologie zu blamieren versuchen, indem sie ihr eine ganz andere Argumentation unterstellen, um diese dann zu widerlegen.
    Um nur ein Beispiel zu nennen, dein zitiertes Argument „dass diejenigen als „weiblich“ bezeichnet würden, die „gebären“ oder „Eier legen“ würden“ ist eben keines der Biologie. Als Biologe würde man eben die Gruppen anhand der „Fähigkeit zu“ und den dann anhand dieser Unterteilung ermittelten sich unterscheidenden Parameter wie z. B. die von dir zitierten „Chromosomen, Keimdrüsen, äußerlichen Merkmale“ bestimmen. Ob dann nur ein Exemplar oder alle auch real gebären ist für die Argumentation der Biologie offensichtlich irrelevant.

    Ich finde es ja überhaupt nicht falsch Wissenschaftskritik zu betreiben und da findet man bei der Biologie sicherlich mehr als genug Punkte. Mich stört an deiner Argumentation, dass du deine Biologie-Kritik so dermaßen ungeniert aus deiner politischen Ideologie ableitest, indem du die biologischen Argumente so verfremdest, dass du sie widerlegen kannst oder sie mit Scheinargumenten zu widerlegen versuchst.
    Kurzum: Hätte Judith Butler behauptet, dass es fünf Geschlechter gibt, dann würdest du dir aus dem Fundus der Biologie die Argumente zusammensuchen, die eindeutig belegen, dass es genau fünf gibt. Deine Argumentation ist vom Interesse nicht zu trennen und dafür hast du den Dummheitsvorwurf kassiert.
    Auf der Ebene, der Naturwissenschaft geht es nicht um Ideologie, sondern um Wahrheit. Du verfolgst genau das, was du der Gegenseite vorwirfst, ein interessen- und vorurteilsgeleitetes Denken, nur halt in der Gegenrichtung. Dabei sollte es auf der Ebene der Wissenschaft darum gehen, zu versuchen jede Ideologie zu entfernen, alles genauer zu entschlüsseln und der Wahrheit ein Stückchen näher zu kommen. Und dann kann man gucken, was man mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen anfängt, wie man sie politisch nutzen kann. Aber schon die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Untersuchungen durch die bewusste Beigabe von Ideologie zu korrumpieren, halte ich für einen Grundfehler postmoderner Wissenschaftskritik, für ein ziemliches Ärgernis und ja auch für dumm.

  8. 8 utrumque 30. März 2011 um 11:43 Uhr

    Kurzum: Hätte Judith Butler behauptet, dass es fünf Geschlechter gibt, dann würdest du dir aus dem Fundus der Biologie die Argumente zusammensuchen, die eindeutig belegen, dass es genau fünf gibt. Deine Argumentation ist vom Interesse nicht zu trennen und dafür hast du den Dummheitsvorwurf kassiert.

    ich finde es wirklich schwierig, hier mit vorwürfen und unterstellungen zu arbeiten. grundsätzlich finde ich die diskussion um jene punkte total spannend, um die es gerade geht; aber mit sätzen wie „du würdest“ o.ä. wird m.e. keine diskussionskultur geschaffen, sondern der eigene angriff untermauert. kann das nicht auch ohne solche polemiken gehen?

    und: die theorie von den fünf geschlechtern gibt es tatsächlich (vielleicht spielst du auch drauf an?); jene theoretikerin wird von voß ebenso herangezogen wie judith butler – dennoch taucht keine argumentation für fünf, sondern für viele geschlechter bei ihm auf.
    jene person ist anne fausto-sterling, selbst biologin. der artikel heißt „the five sexes“ und kann hier angesschaut werden:the five sexes

  9. 9 Jan 30. März 2011 um 15:08 Uhr

    Hallo utrumque,
    ich gebe dir recht, dass der Vorwurf der Dummheit wohl viel zu polemisch ist. Dafür entschuldige ich mich dann hiermit.
    Der Vorwurf des interessegeleiteten Zurechtzimmerns der Argumentation finde ich aber bei Heinz wie sonst selten erfüllt. Wenn ich nicht davon ausgehe, dass er es aus Unwissenheit so schreibt, sondern er sich wohl in der Biologie und Wissenschaftskritik sehr gut auskennt, dann muss ich Absicht unterstellen. Und das ärgert mich im Grunde noch viel mehr. Gerade wer sich gut auskennt hat die Verantwortung das eigene Wissen nicht interessengeleitet einzusetzen.
    So richtig ich seine Kritik an Biologen, die ihre Geschlechtsvorstellungen auf Fadenwürmern projezieren, finde, so abstrus und gezwungen wird sie doch z. B. bei seiner Argumentation zum Geschlecht.

    Zu deinem link zu der Theorie von fünf Geschlechtern:
    Ich hatte eine mit sieben im Kopf. Das Problem ist hierbei, dass hier die Biologie auf eine andere Ebene gezogen wird, wo ihr die Argumente um die Ohren gehauen werden können. Ich möchte es mal an einem Beispiel deutlich machen:
    Du kannst das Wetter unterteilen in „Regen-Trocken“, du kannst es unterteilen in „Regen-Grau-Trocken-Sonnenschein“ usw. Im ersten Fall hast du zwei Unterteilungen, im zweiten vier und für einen Meteorologen wäre es auch kein Problem 27 Wetterunterteilungen zu finden und das wissenschaftlich korrekt. Das wäre nicht falsch, auch nicht richtig, weil es einfach beliebig ist. Das heißt, wir könnten zur Unterscheidung von Wetterlagen zwei bis 1000 Kategorien wählen. Mit dem Geschlecht ist es nicht anders, man kann je nach Parameterwahl zwischen zwei und 1000 oder mehr Geschlechter finden. Es ist beliebig, wie alle Einteilung natürlicher analoger Erscheinungen in Kategorien.
    Dass man in der Gesellschaft Wetter in „Eisig-Schnee-Schauer-Fisselregen-grau-bedeckt-aufgelockert-Sonne-blauerHimmel-Hitze“(ich habe sicherlich einige vergessen) einteilt ist eben keine wissenschaftliche Frage, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt. Aber ein Konstrukt und hier unterscheide ich mich von den Postmodernen Ideologen, was eben nicht willkürlich entstanden ist. Es ist plausibel, diese grobe Wettereinteilung zu haben, mehr braucht es nicht. Wir brauchen keine 300 Wörter um Schnee zu unterscheiden. Die Meteorologen werden sicherlich mehr Kategorien haben.
    Analoges habe ich für das Geschlecht darzulegen versucht, dass die Einteilung in zwei Geschlechter die plausibelste war und ist. In Zukunft hat sie sicherlich immer weniger Relevanz, und hier liegt auch die emanzipatorische Möglichkeit, aber in der vergangenen Menschheitsgeschichte und in der Tierwelt war sie sinnvoll und notwendig zum Überleben.
    Wenn man jetzt aber diese gesellschaftliche Frage auf die Ebene der Biologie zieht, dann ist das ein Taschenspielertrick und eine manipulative Argumentation.

  10. 10 Heinz 31. März 2011 um 9:00 Uhr

    Hallo Jan,

    Du schreibst „Dabei sollte es auf der Ebene der Wissenschaft darum gehen, zu versuchen jede Ideologie zu entfernen, alles genauer zu entschlüsseln und der Wahrheit ein Stückchen näher zu kommen. Und dann kann man gucken, was man mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen anfängt, wie man sie politisch nutzen kann.“

    Genau an diesen Punkt möchte ich mit meiner fundierten Wissenschaftskritik gelangen: Es kommen die ideologischen Vorannahmen in den Blick, die stets schon in aktuelle biologische Forschung eingehen. So wird stets schon vor der Untersuchung nach „weiblich“ und „männlich“ unterschieden – und erst nachgeordnet wird nach an der Geschlechtsdetermination und -differenzierung beteiligten Faktoren gesucht. Wie sollte man da zu anderen Faktoren gelangen, als solche, die immer die eigene Forschungsanordnung – „weiblich“ und „männlich“ – anzeigen? Die Ideologie „Zwei Geschlechter“ ist in der aktuellen Gesellschaft so stark, dass alle andere Forschung aus einer solchen essentialistischen Perspektive per se als „ideologisch“ diffamiert werden wird (wogegen die eigene Ideologie als Allgemeingut gesetzt und nicht hinterfragt wird); damit entfernt man voreilig Wissenschaftskritik und belässt die eigene Ideologie weiterhin unreflektiert.

    Ich zeige in dem kleinen Buch, dass es stets – und teilweise durchaus dominant (z.B. die Position, dass zunächst bei jedem Menschen eine indifferente geschlechtliche ‚Anlage‘ vorliege) – in der Biologie Ergebnisse gab und gibt, die andere Forschungsfragen vorschlugen, als „zwei Geschlechter“ schon dort vorauszusetzen. Ich zeige auf, wie Entwicklungsdenken gerade für die Begründung aufgeklärter wissenschaftlicher Betrachtungen wichtig war, wie darauf die Theorien von Caspar Friedrich Wolff und Charles Darwin basieren – und wie man jetzt wieder Annahmen des Vorgegebenseins einsetzt, um sich auftauchender Fragen, die die eigenen Ergebnisse aufwerfen, zu entledigen. Und dabei werden diese Fragen immer drängender, wird immer offensichtlicher, wie wenig die Biologie eigentlich über Geschlechtsdetermination und -differenzierung „weiß“, dass es bislang kein auch nur einigermaßen stimmiges und fundiertes Modell der Geschlechtsdetermination und -differenzierung gibt. Die Ideologie der Sicherheit von „zwei Geschlechtern“ und das populäre gesellschaftliche Wissen darüber (welches wissenschaftlich längst nicht mehr haltbar ist), verstellt gerade den Blick auf Forschungsfragen.

    Vielleicht schaust Du einfach in eines der beiden Bücher oder in beide, dort habe ich ausführlich dargestellt, wie entwicklungsgeschichtliche Denkweisen, wie Perspektiven der Systemorganisationstheorien und der Systembiologie auch für biologische Geschlechtertheorien vielversprechende Forschungsansätze darstellen und geeignet sein können, Organentwicklung – Variabilität und Stabilität bei dieser – überzeugender zu erklären, als bislang.

  11. 11 Jan 31. März 2011 um 13:50 Uhr

    Hallo Heinz,
    du gehst der entscheidenden Frage aus dem Weg. Du schreibst:

    Die Ideologie „Zwei Geschlechter“ ist in der aktuellen Gesellschaft so stark, dass alle andere Forschung aus einer solchen essentialistischen Perspektive per se als „ideologisch“ diffamiert werden wird (wogegen die eigene Ideologie als Allgemeingut gesetzt und nicht hinterfragt wird); damit entfernt man voreilig Wissenschaftskritik und belässt die eigene Ideologie weiterhin unreflektiert.

    Wie erklärst du dir, dass es bei fast allen Säugetieren eine Trennung in zwei Geschlechter existiert? Nicht nur, dass sich die Exemplare physisch unterscheiden, sondern auch in ihrem sozialen Verhalten (man denke daran, wer sich vorwiegend um den Nachwuchs kümmert). Als sehr eindrückliches Beispiel seien hier Löwen genannt. Diese Trennung bei Tieren ist aber schon vor jeder Gesellschaftlichkeit vorhanden, vor jeder Ideologie (und diese Unterscheidung ist signifikant und nicht nur unserem ideologischen Blick geschuldet).
    Deine Wissenschaftskritik in allen Ehren. Wissenschaftskritik muss aber heißen die wirklichen Schwachstellen, dort wo die Wissenschaft mit der eigenen Ideologie durchtränkt ist, zu beseitigen und nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten und sämtliche Theorien, seien sie noch so plausibel, zu beseitigen, nur weil man ein eigenes politisches Interesse hat.
    D. h. Wissenschaftskritik ist ein schmaler Grat, auf dessen einer Seite die Affirmation der herrschenden Ideologien und auf der anderen Seite die Vernichtung von Wissen und Erkenntnis lauert.

  12. 12 fallu 31. März 2011 um 16:10 Uhr

    @heinz: das finde ich schade, magst du nicht noch mal näher auf jans argumente eingehen statt auf dein buch zu verweisen? fände ich zumindest spannend…

  13. 13 G-Hässig 08. April 2011 um 15:27 Uhr

    Auf Natürlichkeit (und damit die Biologie und Evolution) beziehen sich zu viele.
    Auch die Ex-Homos wie das Feministische Institut Hamburg schreibt.

  14. 14 Lovis 17. April 2011 um 15:53 Uhr

    wie seltsam, dass mensch sich mit dem tier und ur-ur…-vorfahrInnen vergleicht, sobald er im hier und jetzt den faden verliert…
    Jan, du wirfst Heinz Taschenspielertricks vor. ich sage, heinz beleuchtet mit eben diesen deiner meinung nach „tricks“ schicksale von menschen, die als mensch wie du und andere leben und leben gelasen werden wollen, auch wenn sie nicht in das bestehende unmenschliche geschlechtersystem passen. das sind keine ausnahmen (abgesehen davon – selbst für eine ausnahme würde es sich lohnen, das konstrukt zu brechen; auch du könnest die ausnahme sein und nicht in die von dir beschriebene form männlich-weiblich passen), sondern (wie hier schon mehrmals genannt wurde) es gibt eine vielzahl von menschen, die kein kind zeugen können (dann müssten sie laut deiner behauptung nicht männlich und damit wohl letztendlich auch nicht menschlich sein, schließlich sind laut dir ja nur mann und frau menschen), aufgrund organischer, psychischer, gesundheitlicher ursachen kein kind gebären oder stillen können (dann sind sie laut dir nicht weiblich), es nicht wollen, es laut gesetz und anderen gründen nicht dürfen . usw usw….aber egal, es betrifft ja anscheinend nicht dich und deswegen lohnt es sich wohl auch nicht, mal im still über neue blickweisen nachzudenken sondern sofort vorwürfe und beleidigungen zu verteilen.
    (denn in deinem text beleidigst du all jene deiner meinung nach als ausnahme geltende menschen, und die damit für dich nicht relevant sind)
    du musst keiner biologischen argumentation folgen können – aber es dann vielleicht auf einer anderen ebene probieren.

  15. 15 Jan 19. April 2011 um 14:56 Uhr

    Hallo Lovis,
    es ist immer schade, wenn gar nicht der Versuch unternommen wird, das Argument des Anderen zu verstehen oder seine Argumentation noch nicht mal komplett gelesen wird. Es mag typisch für Online-Diskussionen sein, dass lange nach Diskussionsende noch jemand über google auf diese Seite stösst, die letzten Abschnitte der Diskussion zur Kenntnis nimmt, sie nicht nachvollziehen kann oder will und dann sein Standard-Argument hinschreibt.

    ich sage, heinz beleuchtet mit eben diesen deiner meinung nach „tricks“ schicksale von menschen, die als mensch wie du und andere leben und leben gelasen werden wollen, auch wenn sie nicht in das bestehende unmenschliche geschlechtersystem passen.

    1) Was ist unmenschlich? Wir werden in Tausende Kategorien gepresst, Tausenden Normen unterworfen. Das bringt Gesellschaft mit sich. Frei von so etwas bist du dann, wenn du dich in eine Höhle zurückziehst und selbst dann wird dich der Bär, auf den du triffst unter „Mahlzeit“ einkategorisieren.
    2) Was heißt „nicht passen“? Das „System“ ist durch die Kategorien Mann, Frau und intersexuell total bestimmt. D. h. es gibt niemanden, der biologisch nicht in eine dieser Kategorien einsortiert werden könnte. Es gibt einige, die diese Einkategorisierung für sich ablehnen oder sich ein Wunschgeschlecht ausdenken. Das verwechselt aber die Ebenen. Die Einkategorisierung ist eine gesellschaftliche und keine individuelle. D. h. jeder kann sich natürlich als roter Eisbär begreifen und man kann ihm dann auch auf einer individuellen Ebene empathisch beipflichten, das ändert aber nichts daran, dass er als Mann oder Frau (bzw. intersexuell) einsortiert werden kann und es wird. Geschlechtskategorie ist wie jede andere Kategorie kein Wunschkonzert.
    3) Menschen werden hier auch Leben gelassen, wenn sie „nicht in das unmenschliche Geschlechtersystem passen“. Pass doch bitte etwas auf deine Argumente auf und wahre etwas die Relation.

    das sind keine ausnahmen (abgesehen davon – selbst für eine ausnahme würde es sich lohnen, das konstrukt zu brechen; auch du könnest die ausnahme sein und nicht in die von dir beschriebene form männlich-weiblich passen)

    Doch, es sind Ausnahmen. Es gibt nicht 20 Millionen Inter- oder Transsexuelle in der BRD.
    Und wie oben schon ausgeführt, Gesellschaftlichkeit benötigt Kategorisierung. Man kann anstreben, sie zu verringern und auf ihren Kern zurückzustutzen, aber in einem bestimmten Ausmaß ist eine solche notwendig. Und deshalb reicht eben diese Ausnahme nichts aus, um die Gesellschaft an ihr auszurichten. Natürlich kann jemand gerne Kaiser von China sein, du wirst aber verstehen, dass sich die Chinesen jetzt nicht denken, „ja, okay, wenn er es gerne möchte, dann gehorchen wir ihm jetzt“.
    Die Geschlechtskategorie ist keine rein individuelle Frage, sondern etwas, was auch Bezug nimmt auf andere Menschen und die gesellschaftlichen Strukturen. So ist es verständlich, dass Männer keine Gebärmutterhalskrebs-Vorsorgeuntersuchung bezahlt bekommen. Und deshalb ist es keine Frage, die rein individuell beantwortet und entschieden werden kann. Sie kann allerdings auf die wirklich relevanten Unterschiede zurückggestutzt werden. D. h. wirklich nur auf Fragen der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge oder Schwangerschaft etc. Darin würde ich das emanzipatorische Ziel sehen.

    sondern (wie hier schon mehrmals genannt wurde) es gibt eine vielzahl von menschen, die kein kind zeugen können (dann müssten sie laut deiner behauptung nicht männlich und damit wohl letztendlich auch nicht menschlich sein, schließlich sind laut dir ja nur mann und frau menschen), aufgrund organischer, psychischer, gesundheitlicher ursachen kein kind gebären oder stillen können (dann sind sie laut dir nicht weiblich), es nicht wollen, es laut gesetz und anderen gründen nicht dürfen.

    Wie schon geschrieben, es ist immer sinnvoll erst die Meinung des anderen zur Kenntnis zu nehmen und sie dann zu widerlegen. Andersherum ist es peinlich für einen selber und nervig für den anderen. Ich hatte z. B. geschrieben:

    Um nur ein Beispiel zu nennen, dein zitiertes Argument „dass diejenigen als „weiblich“ bezeichnet würden, die „gebären“ oder „Eier legen“ würden“ ist eben keines der Biologie. Als Biologe würde man eben die Gruppen anhand der „Fähigkeit zu“ und den dann anhand dieser Unterteilung ermittelten sich unterscheidenden Parameter wie z. B. die von dir zitierten „Chromosomen, Keimdrüsen, äußerlichen Merkmale“ bestimmen. Ob dann nur ein Exemplar oder alle auch real gebären ist für die Argumentation der Biologie offensichtlich irrelevant.

    Noch mal einfach: Die Biologie kategorisiert Gruppen auf Grund der „Fähigkeit zu“. Sie guckt dafür nicht auf das einzelne Individuum, sondern auf quasi das Durschnittsexemplar. Im Durschnitt kann jeder Mann in einer bestimmten Zeit seines Lebens Kinder zeugen und eine Frau in einer bestimmten Zeit ein Kind zur Welt bringen. D. h. es interessiert für diese Kategorisierungen niemanden, ob sie das auch tun oder ob ein spezifisches Individuum auch dazu in der Lage ist, es reicht aus, dass die so kategorisierten dazu in der Regel, also im Durschnitt, in einem bestimmten Zeitraum ihres Lebens in der Lage sind. So, ich hoffe es ist klar geworden. Spar dir also bitte so Unterstellungen wie „laut dir [sind] ja nur mann und frau menschen“. Umgekehrt wird ein Schuh draus, alle Menschen lassen sich in die Kategorien Mann, Frau oder intersexuell einsortieren, weil sie so gefasst sind, dass sie eben alle umfassen.

    aber egal, es betrifft ja anscheinend nicht dich und deswegen lohnt es sich wohl auch nicht, mal im still über neue blickweisen nachzudenken sondern sofort vorwürfe und beleidigungen zu verteilen.

    Ich gebe das mal zurück. Glaubst du, ich könnte so argumentieren, wenn ich nicht verdammt viel darüber nachgedacht hätte? Glaubst du, ich könnte mal so eben Argumente aus dem Hut zaubern, die weder von jemandem, der ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat, noch von dem sehr queer/trans/inter… affinen Mädchenblog-BesucherInnen auch nur annähernd widerlegt werden können?
    Und ob mich etwas betrifft oder nicht spielt für mich keine Rolle. Ich argumentiere nicht moralisch aus meiner Situation heraus, sondern versuche zu verstehen, wieso die Welt ist wie sie ist und wie sie anders werden könnte.

  16. 16 delilah 22. April 2011 um 15:18 Uhr

    jan,
    dass wir alle tausend normen unterworfen sind, dürfte vielen hier klar sein. ob und wenn ja warum man das dann einfach so hinnehmen soll, ist aber eine andere frage, die du, soweit ich die diskussion noch im kopf habe, nicht bisher nicht beantwortet hast. hältst du diese normen für sinnvoll oder nur den kampf dagegen für chancenlos? ja, die meisten menschen werden erstmal am leben gelassen. das reicht mir aber nicht. würdest du, der ja über albernheiten wie empathie steht, auch einem vergewaltigungsopfer sagen, geschlechtskategorien seien halt kein wunschkonzert? hast du überhaupt eine gesellschaftskritik irgend einer art?

  17. 17 delilah 22. April 2011 um 18:00 Uhr

    Es mag typisch für Online-Diskussionen sein, dass lange nach Diskussionsende noch jemand über google auf diese Seite stösst, die letzten Abschnitte der Diskussion zur Kenntnis nimmt, sie nicht nachvollziehen kann oder will und dann sein Standard-Argument hinschreibt.

    in diesem fall sogar volle neun tage. echt ne frechheit, wir sind hier immerhin im internet.

  18. 18 Jan 22. April 2011 um 18:38 Uhr

    Hallo delilah,
    ich fand deinen Beitrag gut und versuche mal deine Fragen zu beantworten:

    dass wir alle tausend normen unterworfen sind, dürfte vielen hier klar sein. ob und wenn ja warum man das dann einfach so hinnehmen soll, ist aber eine andere frage, die du, soweit ich die diskussion noch im kopf habe, nicht bisher nicht beantwortet hast. hältst du diese normen für sinnvoll oder nur den kampf dagegen für chancenlos?

    Das ist, so wie ich das sehe, die entscheidende Frage und auch der entscheidende Unterschied zwischen mir und den anderen Diskutanten. Ich probiere den Unterschied herauszustellen:
    Heinz-Jürgen Voß et al. sagen, (biologische) Kategorisierungen sind ein (gewaltvolles) gesellschaftliches Konstrukt und deshalb sind sie zu verwerfen und zu bekämpfen.
    Jan sagt, (biologische) Kategorisierungen sind ein (gewaltvolles) gesellschaftliches Konstrukt. Jegliche Kategorisierung existiert natürlich nur in den Köpfen der Menschen. Aber sie sind nicht willkürlich gewählt oder entstanden, sondern machen Sinn. Kategorisierung ist ein notwendige Strategie, der Weltvereinfachung. Das tun wir fast sekündlich. Nachts im Park kategorisiert man die entgegenkommende Person in Bedrohung/Nicht-Bedrohung, in der Disco unterteilt man in potentielle Sexualpartner und die anderen etc. Kategorisierung ist also eine Notwendigkeit, die immer dann benötigt wird, wenn man sich zu seiner Umwelt in Beziehung setzt.
    Es kann also nicht darum gehen, Kategorisierung per se abzulehnen.
    Gesellschaftskritik müsste also bedeuten, Kategorisierung und Normen dort abzulehnen, wo zu viel in sie hineingelegt wird. Der Unterschied zwischen mir und den restlichen Diskutanten ist also kein großer, natürlich ist ein Großteil der Normierungen im Geschlechterverhältnis unbegründet. Aber es gibt Differenzen, die nicht wegdekonstruiert werden können. Der Unterschied in der Fähigkeit Kinder gebären zu können ist eben nicht einfach ein Konstrukt, sondern ein realer Unterschied und deshalb macht eine Kategorisierung in Mann und Frau Sinn. Ganz viel, was in der heutigen Gesellschaft damit verknüpft ist, macht keinen Sinn und wäre zu kritisieren.

    ja, die meisten menschen werden erstmal am leben gelassen. das reicht mir aber nicht. würdest du, der ja über albernheiten wie empathie steht, auch einem vergewaltigungsopfer sagen, geschlechtskategorien seien halt kein wunschkonzert?

    Vermischt du da nicht etwas die Ebenen? Päderastie oder Vergewaltigungen von Männern durch Männer ist doch auch weit verbreitet. Die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts würde doch an der Existenz von Gewalt, von Vergewaltigung nichts ändern. Nehmen wir mal eine Gesellschaft an, in der es nur ein Geschlecht gibt. Warum sollte es da nicht Subjekte geben, die ihre sexuellen Bedürfnisse mit Gewalt durchsetzen oder deren sexuelle Bedürfnisse schon in der gewalttäigen Erniedrigung bestehen?

    Im übrigen halte ich Empathie für keine Albernheit, im Gegenteil ich halte sie auf einer persönlichen Ebene für unheimlich wichtig. Mich stört es nur, wenn man Empathie zum moralischen, politischen Programm erhebt und die Analyse der Verhältnisse ihr unterwirft.
    Als Beispiel Lovis Argumentation: ich sage, heinz beleuchtet mit eben diesen deiner meinung nach „tricks“ schicksale von menschen, die als mensch wie du und andere leben und leben gelasen werden wollen, auch wenn sie nicht in das bestehende unmenschliche geschlechtersystem passen.
    Viele gehen so vor, dass sie etwas als kritikwürdig empfinden und eine Vorstellung davon entwickeln wie es anders sein könnte. Ihre Argumentation und Analyse richten sie dann aber an ihrer Wunschwirklichkeit aus. „Geschlechtlichkeit ist normierend, also sagen wir, es gibt keine Geschlechter“ etc.
    Das führt zu einer sehr moralisch aufgeladenen und der Wirklichkeit nicht gerecht werdenden Argumentation.
    Ich plädiere deshalb für das Gegenteil, eine so genaue, so nüchterne Analyse des Bestehenden und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen wie das Bestehende überwunden werden kann.

    hast du überhaupt eine gesellschaftskritik irgend einer art?

    Ja, ich möchte die Gesellschaft so genau verstehen, sie so genau kritisieren, dass irgendwann wieder eine Perspektive da ist, sie grundlegend zu ändern.

  19. 19 Thomas Viola 29. April 2011 um 14:22 Uhr

    Als geborener Intersexueller macht es mich einfach nur betroffen und wütend, von Ideologen wie Heinz Voss für die eigene Sache vereinnahmt und instrumentalisiert zu werden.
    Die soziologische Arbeit von Herrn Voss ist durchtränkt von biologischer Scharlatanerie, die geforderte Hinterfragung der Ideologie nichts als Heuchelei.
    Nur als Beispiel sei die in seinem Gießener Vortrag verwendete Grafik „Phall-o-metric“ genannt, ein zutiefst reduktionistisches Modell, in dem „DAS“ Geschlechtsorgan als eindimensionales Kontinuum dargestellt und Intersexualität mit dem sogenannten Mikropenis-Syndrom gleichgesetzt wird. Dass einem Intersexuellen aber möglicherweise Vulva und Brüste fehlen, um ein erfülltes Sexualleben ohne den entfernten Penis führen zu können, wird dabei außer Acht gelassen.
    Ich hatte das Glück, eine meiner widernatürlichen Geschlechtsanpassung entsprechende Geschlechtsidentität entwickeln zu können, die mir nun auch ein relativ problemfreies und erfüllendes Sozial- wie Sexualleben ermöglicht.
    Die meisten Intersexuellen, die gegen die operativ erzwungende Geschlechterbinarität und für die dringend notwenige Anerkennung des 3. Geschlechts kämpfen, fühlen sich von den Dekonstruktivisten argumentativ in Geiselhaft genommen, wollen mit der Geschlechtsbeliebigkeit nicht in Verbindung gebracht werden.
    Eine Utopie einer geschlechtslosen Gesellschaft ist zwar auch für mich ein schöner Gedanke, aber tausend Mal un-umsetzbarer und der menschlichen Natur (als Kategorien-bildendes Wesen) widersprechend als der Kommunismus.

  20. 20 Thomas Viola 29. April 2011 um 14:57 Uhr

    Warum wird meine Antwort zensiert? Bitte um email

  21. 21 Heinz 01. Mai 2011 um 8:11 Uhr

    Hallo Thomas Viola,
    vielen Dank für Deine Meinung, die ich zur Kenntnis nehme. Aus meiner Sicht ging gerade aus dem Vortrag – der deutlichen und langen Positionierung zu Beginn und der Einordnung der Folie – anderes hervor; ich werde sehen, wie ich meine Position noch klarer herausstellen kann. Eine kleine Korrektur – und aus dem Video geht auch eine deutlich andere Einordnung hervor: Die von Dir vollzogene Einordnung der Folie ist nicht korrekt. Es wird die Einordnung eines Kindes nach der Geburt, an Hand der Länge von Klitorispenis gezeigt. Die Folie geht auf Suzanne J. Kessler und Anne Fausto-Sterling zurück – und für Cheryl Chase waren diese beiden äußerst bedeutsam, die ISNA (Intersex Society of North America) zu begründen (sehr gut beschrieben in: Katrina Karkazis: Fixing Sex. S.250ff). Auch bin ich mir bewusst, dass es in der Intersexuellenbewegung in der BRD durchaus unterschiedliche Positionierungen zu Medizin und zweigeschlechtlichen Normen gibt – einend ist das Ziel, die gewaltvollen Übergriffe seitens der Medizin auf Säuglinge und Kleinkinder, um ein eindeutiges Geschlecht herzustellen, zu beenden. Hier tue ich auch ich mein möglichstes, die Forderungen der Intersexuellenbewegung zu unterstützen, also ein rasches Ende der Übergriffe, eine Entschädigung der Opfer und eine Belangung der Täter zu erreichen. Ich kann mit meinen Möglichkeiten, Öffentlichkeit zu erlangen, beitragen und tue dies – die Forderungen selbst sind von der Intersexuellenbewegung – bzw. den einzelnen Vereinen – formuliert. Wichtig und zu empfehlen finde ich für weitere Öffentlichkeit das aktuelle Buch von Christiane Völling „Ich war Mann und Frau – Mein Leben als Intersexuelle“.

  22. 22 andreas 11. Juli 2012 um 19:09 Uhr

    stoppt die gewalt gegen frauen ich bin ein mann ich liebe die frauen und weil das so ist werde ich nicht zulassen das die frauen vergewaltigt werden seit jahren schon beschütze ich frauen vor brutale vergewaltiger an alle frauen und mädchen die vergewaltiger haben nur ein ziel euch leiden zu sehen und zu verletzen kämft mit mir gemeinsam gegen die gewalt der frauen gemeinsam sind wir stark und die vergewaltiger schwach

  1. 1 Rezension von „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ auf Mädchenblog « Das Ende des Sex: Biologisches Geschlecht ist gemacht. Pingback am 24. März 2011 um 14:24 Uhr
  2. 2 Übersicht über die Rezensionen zu „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ « Das Ende des Sex: Biologisches Geschlecht ist gemacht. Pingback am 24. März 2011 um 14:26 Uhr
  3. 3 theorie.org: Pingback am 24. März 2011 um 17:05 Uhr
  4. 4 Rezension von „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ auf Mädchenblog « meta . ©® . com Pingback am 25. März 2011 um 2:18 Uhr
  5. 5 Übersicht über die Rezensionen zu „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“ | Das Ende des Sex: Pingback am 01. Juni 2013 um 11:39 Uhr

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