,,Let’s rape!“ oder: Warum Medien es eineM so leicht machen

Das Thema Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: Schön, dass wir mal wieder darüber reden. Schlimm, dass es medial immer nur als Verteidigungsplädoyer mächtiger Männer aufgerissen wird. Dabei fiel mir eine Aussage der Online-Taz auf, die in einem der ersten Artikel über diesen Fall fiel:

Strauss-Kahns Image als Schürzenjäger und Schwerenöter war hinreichend bekannt. Er hätte wissen müssen, dass er solche Anschuldigungen nicht aus der Welt schaffen kann – seien diese berechtigt oder nicht. Die Folgen hat er sich in erster Linie selber zuzuschreiben.

Was hat das ,,Image als Schürzenjäger und Schwerenöter“ damit zu tun, dass man mit Frauen gegen ihren Willen sexuellen Verkehr hat oder sie nötigt? Was Strauss-Kahn mit anderen Frauen im gegenseitigen Einverständnis macht, ist seine private Angelegenheit. Was mich anwidert: dass ein Saubermann-Image geholfen hätte, diese schweren Vorwürfe schneller aus der Welt zu schaffen, weil medial immer nur interessiert, wie ,,moralisch“ sich jemand zeigt, d.h. wie verhaftet an eingestaubten vertrockneten Moralvorstellungen, die noch aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen.


18 Antworten auf “,,Let’s rape!“ oder: Warum Medien es eineM so leicht machen”


  1. 1 onyx 16. Mai 2011 um 15:04 Uhr

    Was mich anwidert: dass ein Saubermann-Image geholfen hätte, diese schweren Vorwürfe schneller aus der Welt zu schaffen,…

    Glaub ich gar nicht mal. Das Image des „Schürzenjägers“ hilft in so einem Fall eher, weil der allgemeine „Erfolg bei Frauen“ gern argumentativ herangezogen wird, um zu zeigen, dass der ja Vergewaltigungen „gar nicht nötig hat“. Es wird davon ausgegangen, dass Männer nur dann vergewaltigen, wenn sie anderweitig nicht zum Zug kommen. Dass sexuelle Gewalt aber nichts mit Sex, sondern mit Macht zu tun hat, wird dabei komplett ausgeblendet.

  2. 2 Marie 16. Mai 2011 um 19:34 Uhr

    @Onyx
    Sexuelle Gewalt hat also NICHTS mit Sex zu tun?? Wenn sexuelle Gewalt nichts mit Sex zu tun hat – und somit der sexuelle Akt komplett wegfällt – ist es einfach nur Gewalt und erst recht keine Vergewaltigung. Dann ist jeder Vergewaltiger für dich also kein Vergewaltiger, sondern nur ein Straftäter, der Menschen verprügelt?? Okay, Gott sei Dank bist du weder Anwalt, noch Richter in diesem Land…..

    Und jeder, der mit sozial gehobeneren Positionen direkt oder indirekt in seinem Leben gearbeitet hat (also nicht nur vom Hörensagen!!), weiß, dass die meisten Männer mehrere Freundinnen parallel haben. Und selbst das Argument der Machtausübung ist kein wirkliches für Vergewaltigungen, denn es gibt auch soetwas wie Submissivität und Masochismus. Das muss nicht jede/r verstehen, aber es ist scheinbar verbreitetet als manch einer denkt. Wenn er wirklich auf soetwas steht, wird er schon seine Mädels gehabt haben, mit denen er seine Vorlieben ausleben konnte.

    Tendenziell halte ich es – wie damals bei Assange – für ein abgekartetes Spiel. Der Dollar ist schwach und die USA steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit (eigentlich offiziell seit heute). Die IWF widersetzt sich dem amerikanischen Willen, was sowohl seine wirtschaftlichen als auch seine auch persönlichen Gründe hat (Franzosen und Amerikaner funktioniert selten). Jetzt, wo Strauss-Kahn draussen ist, wird entweder wieder ein Amerikaner IWF-Präsident oder eben ein US-freundlicher.

    Ich gehe sehr stark davon aus, dass hier die mit Abstand stärkste mediale Diskreditierung benutzt wird, die es aktuell gibt, um jemanden aus dem Amt zu werfen. Es gibt kaum etwas, was wirkungsvoller ist als ein Vergewaltigungsvorwurf…..vor allen Dingen dann, wenn sich Zehntausende Feministinnen in der Journaille weltweit automatisch auf den Fall einschießen und den Rechtsgrundsatz ignorieren, dass erst Beweis die Schuld ausmacht. (was die übrigen Kommentare unter mir mit einschließen wird – scheißt doch auf den Rechtsstaat, oder?? ;))

    Allerdings kann ich mich auch irren, vielleicht ist es wirklich ein Schwein und hat sich an der kleinen vergriffen…:/

  3. 3 tee 16. Mai 2011 um 19:55 Uhr

    dass vergewaltigung „nichts“ mit sex zu tun hat, ist nun aber auch wieder nicht richtig.

  4. 4 onyx 16. Mai 2011 um 23:09 Uhr

    @ Marie,
    Erstmal wieder runterkommen, tief durchatmen, und mir keinen Unsinn in den Mund legen, ok?
    Dass es nichts mit Sex zu tun hat, war falsch formuliert, das geb ich zu. Ich meinte, es geht nicht vordergründig um Sex. Vergewaltiger vergewaltigen selten, weil sie Sex wollen. Sondern weil sie Macht demonstrieren wollen. Der erzwungene Sex ist dabei ein extra Druckmittel, dem Opfer die Würde zu nehmen, denn kaum ein anderes Verbrechen greift so tief in die Intimsphäre ein und verletzt Schamgrenzen.
    Natürlich wird Strauß-Kahn alle Möglichkeiten gehabt haben, alle erdenklichen wie auch immer gearteten sexuellen Vorlieben auszuleben. Allerdings ist das auch kein Argument gegen Vergewaltigung. Das war ja das, was ich gesagt habe. „Er hat sowas gar nicht nötig“ ist kein Argument. Weil es nämnlich wirklich Schweine gibt, denen es erst den Kick gibt, sich über die Würde eines anderen hinwegzusetzen. Da helfen auch keine SM-Spielchen. Denn da wird Würde nicht ausgeblendet. Bei Vergewaltigung schon.

  5. 5 dodo 17. Mai 2011 um 1:02 Uhr

    Ich bin da Onyx‘ Meinung.
    Sex definiere ich als sexuelle Handlungen von übereinstimmenden Menschen, zum Zwecke der sexuellen Befriedigung, Nähe,… usw.
    Aber (in diesem Fall: versuchte) Vergewaltigung ist sexualisierte Gewalt, die nichts mit der lediglichen Befriedigung des Geschlechtstriebs zu tun hat, sondern vielmehr mit Macht. Deswegen stößt es mir auch sauer auf, wenn das in den Medien als „Sexskandal“ o. äh. bezeichnet wird.
    Dennn das Wort „Sex“ hat für mich in erster Linie nichts mit gewaltsamer Erniedrigung zu tun. Indem man das Wort „Sex“ (und an „Sex“ an sich ist ja echtmal nix auszusetzen) für sowas verwendet, kriegt Vergewaltigung etc. immer so dieses „ist ja nüscht anderes als harter Sex“-Image, was unter aller Sau und dummerweise immer noch verdammt verbreitet ist. Das ist dann irgendwie verharmlosend, auch wenn das nichtb die Absicht war.
    Von dem her wäre es mir auch lieber, wenn da begrifflich ein Unterschied gemacht würde.

  6. 6 Marcie 17. Mai 2011 um 11:12 Uhr

    Unabhängig davon, wie man das selber sieht:
    nach der Hingabe, mit der auch und gerade Feminsitinnen z.B. Kachelmanns Privatleben/Psyche/Vorlieben/Charakter als Indiz für seine Schuld sehen, ist die Aussage der TAZ zu DSK doch naheliegend.

  7. 7 Bäumchen 17. Mai 2011 um 12:10 Uhr

    Ich weiß nicht, wer ,,auch und gerade Feministinnen“ sind oder was die über Kachelmanns Privatleben geredet haben. Ich finde es aber weiterhin nicht naheliegend, dass jemand, der gerne Sex hat und das wohl auch außerhalb seines ehelichen Schlafzimmers, deshalb leichter als ,,Vergewaltiger“ zu brandmarken ist.

  8. 8 Bäumchen 18. Mai 2011 um 15:11 Uhr

    Die Standard.at schrieb jetzt übrigens auch darüber
    http://diestandard.at/1304552135891/Strauss-Kahn-Sexualdelikte-im-medialen-Sumpf

    und 1 Tag später die taz mit einem etwas angenehmeren Artikel als den eingangs erwähnten
    http://taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/das-alphamaennchen-syndrom/

  9. 9 kinky 18. Mai 2011 um 19:41 Uhr

    Allerdings kann ich mich auch irren, vielleicht ist es wirklich ein Schwein und hat sich an der kleinen vergriffen…:/

    sexistische kackscheiße!

  10. 10 André 19. Mai 2011 um 23:30 Uhr

    Hm, macht es nicht Sinn den Leumund von jemandem zu betrachten, wenn es darum geht einzuschätzen, was man ihm zutrauen kann oder nicht? Aber es stimmt, dass die Passage etwas unglücklich formuliert ist. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein guter Ruf genügt, um so eine schwere Anschuldigung „aus der Welt zu schaffen“. Allerdings ist der Kontext des Artikels sowieso weniger der Vorfall als die politischen Folgen.

    Zum Thema „Alphamännchen-Syndrom“. Da könnte man aber auch sagen, dass es etwas voreilig ist gleich das psychologische Profil auszurollen, bevor die Schuld von Strauss-Kahn festgestellt wurde.

  11. 11 Susi 20. Mai 2011 um 11:38 Uhr

    Inzwischen gibts in der taz von deren Chefredakteurin einen Kommentar zu der Wortwahl bei „Sex-Übergriffen“.
    Seltsamerweise nimmt sie dabei auf den stark kritisierten Artikel der eigenen Zeitung, den zu vielen Leserbriefen führten, keinen Bezug.

    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wenn-sexuelle-gewalt-verniedlicht-wird/

  12. 12 Bäumchen 20. Mai 2011 um 12:12 Uhr

    @andre ,,Jemandem etwas zutrauen“ ist spekulativ. Ob Strauss-Kahn getan hat, was ihm vorgeworfen wird, muss vor Gericht entschieden werden und nicht in den Medien. Die Journalisten und Journalistinnen können versuchen, ein Profil von ihm zu erstellen und die Leser zu informieren; aber die Aussage, ob einer ein ,,treuer Ehegatte“ ist oder nicht, kann nicht zu irgendwelchen Schlüssen führen wie dem, dass er sich ,,das selber zuzuschreiben“ hat. Journalisten müssen sich gut überlegen, inwieweit es ,,informativ“ ist, sexuelle Gewalt mit Sex zu verwechseln.
    Natürlich kann ich es verstehen, dass so ein Fall Spekulationsfreude ausbrechen lässt. Mich stört auch weniger das: ,,Hat er es getan oder nicht?“ Mich stört, was du auch erwähntest, dieser Kontext in dem das ganze geschrieben ist (und nicht nur dieser Artikel, sondern sehr sehr viele); nämlich mit dem Blick weg vom Opfer hin zu den Konsequenzen für einen berühmten Mann, einem ,,linken Hoffnungsträger“, ja gar einer politischen Verschwörung, die angeblich dahinter stecken würde. Das zeigt, dass die Frau in ihrer Person einfach unbedeutend ist; sie ist nur das Mittel zum Zweck ,,höherer Mächte“ gewesen; sie wird zum Werkzeug stilisiert. Und ein Werkzeug ist ein Ding und für ein Ding entwickelt kein Leser Empathie.

  13. 13 onyx 20. Mai 2011 um 15:11 Uhr

    Das zeigt, dass die Frau in ihrer Person einfach unbedeutend ist; sie ist nur das Mittel zum Zweck ,,höherer Mächte“ gewesen; sie wird zum Werkzeug stilisiert. Und ein Werkzeug ist ein Ding und für ein Ding entwickelt kein Leser Empathie.

    Und das ist noch harmlos. Sie kann noch froh sein, wenn sie „nur“ unbeachtet ist und nicht als „Falschbeschuldigerin“ und damit als eigentliche Täterin in den Mittelpunkt des Fadenkreuzes gerückt wird, incl Veröffentlichung aller zur Verfügung stehenden personellen Daten, wie es in gewissen Kreisen üblich ist.

  14. 14 André 20. Mai 2011 um 18:43 Uhr

    @Bäumchen: Darf man sich aber auch nichts vormachen. Wenn es nicht um eine bekannte Persönlichkeit ginge, hätten wir von dem Fall gar nichts gehört. Insofern ist es eigentlich legitim sich auch mit dem Kontext zu beschäftigen, wegen dem der Fall überhaupt in den Medien ist.

    Es ist klar, wenn Strauss-Kahn schuldig ist, wird das hoffentlich einwandfrei festgestellt und er wird bestraft. Dennoch finde ich es berechtigt auch über irgendwelche Ungereimtheiten zu berichten, wenn es sie denn gibt. Hier waren wohl die Umstände der ersten Benachrichtigung, die von einem UMP-Mitglied kam, etwas anrüchig. Und ganz ehrlich mein erster Gedanke war ebenfalls, dass das die Chancen für die Wiederwahl von Sarkozy erhöhen könnte. Auch die Betrachtung der Plausibilität ist ja irgendwie naheliegend. Ich finde es auch durchaus nachvollziehbar, dass man sich fragt, wie Strauss-Kahn in seine Position gekommen ist, wenn er zu solchen Akten von Gewalttätigkeit fähig ist, warum so ein Angriff also nicht schon früher bekannt geworden ist oder ausgerechnet jetzt erstmals vorkam.

    Natürlich kann man das Ganze letztendlich, da man es ja eben nicht weiß, nur so stehen lassen. Leider gibt es immer viele, die darauf anspringen und so einen Fall als Gelegenheit sehen, mal (wieder) ihre Vorurteile gegenüber Frauen auszubreiten.

    Aber deine eigentliche Kritik war ja im Bezug auf die Gleichsetzung von Promiskuität und Bereitschaft zur Ausübung von sexueller Gewalt. Das ist sicherlich Unsinn. Dass Rudolf Balmer das tief in seinem Herzen wirklich meint, kann ich mir aber nicht vorstellen. Ist ja schließlich ein taz-Reporter. Er ist Frankreich-Korrespondent, mutmaßlich selber links und sieht das wahrscheinlich komplett durch die politische Brille.

  15. 15 Bäumchen 20. Mai 2011 um 20:10 Uhr

    Ja, wenn Strauss-Kahn keine berühmte Persönlichkeit wäre, hätten wir nichts von dem Fall mitgekriegt. Das ist aber kein gegebener Zustand, an dem nicht zu rütteln ist, sondern einer an dem ich erst recht rütteln würde. Es ist meiner Meinung nach schon ein Skandal an sich, dass sexuelle Gewalt nur zum Thema wird, wenn ein Prominenter darin mitspielt oder wenn man den Täter dämonisieren kann wie im Fall Natascha Kampusch – obwohl sexuelle Gewalt sich mitten unter uns abspielt und sehr viele Frauen und auch Männer in ihrem Leben betrifft und betreffen wird. Wir alle kennen die Aussage des ehemaligen Generalstaatsanwaltes vom letzten Jahr bei Anne Will, ,,Meiner Tochter würde ich im Zweifel nicht raten, zur Polizei zu gehen. Es ist traurig. Für die Frau ist das eine Tortur“. Nicht umsonst erfasst die Kriminalstatistik der Polizei 2010 nur ca. 8000 Anzeigen in diesem Bereich, während Studien versuchen, die unglaublich hohe Dunkelziffer zu berechnen – etwa jede siebte Frau erlebt demnach sexuelle Gewalt.
    (Quellen: 1. http://www.bka.de/pks/pks2010/download/pks2010_imk_kurzbericht.pdf
    2. http://news.eformation.de/v3/client/media/193/data/21831.pdf)

    Du schriebst:

    Ich finde es auch durchaus nachvollziehbar, dass man sich fragt, wie Strauss-Kahn in seine Position gekommen ist, wenn er zu solchen Akten von Gewalttätigkeit fähig ist, warum so ein Angriff also nicht schon früher bekannt geworden ist oder ausgerechnet jetzt erstmals vorkam

    Es kam mindestens schon einmal zuvor zu einer Beschuldigung in einer solchen Sache, dazu schrieb diestandard.at: ,,Die Journalistin Tristane Banon beschuldigte 2007 in einem TV-Interview Strauss-Kahn (sie bestätigte aber erst später, dass es sich dabei um ihn handelte, im Interview sprach sie nur von einem hochrangigen Politiker) der Vergewaltigung. Das ist keine Vorverurteilung, sondern eine konkrete Beschuldigung und somit Sache der Justiz.“
    (Quelle: http://diestandard.at/1304552135891/Strauss-Kahn-Sexualdelikte-im-medialen-Sumpf)

    Was Rudolf Balmer tief in seinem Herzen wirklich meint, das weiß ich nicht. Sich politisch links einzuordnen, bedeutet leider nicht, sexismusgefeit zu sein. Ich will hier nur einen Satz zitieren, den ich mir vom Blog ,,Theorie als Praxis“ gestohlen habe:

    ,,Der Verzicht, feministisch einzugreifen, bedeutet schlicht, den Raum freizumachen für konkurrierende (sexistische) Positionen, die mit ihren (Wissens- und Standpunkt-),,Archiven“ schon bereitstehen, diesen Raum zu besetzen.“

    Soviel dazu, warum es nötig ist, dass Feministinnen ihre Stimmen in diesen Diskurs mit einbringen.
    Und wenn er es doch nicht so gemeint hat, dann hat er noch die Gelegenheit, sich zu seinem eigenen Geschriebenem korrigierend zu äußern, denn seine Leser haben ihn in den Kommentaren ja bereits mehrmals darauf angestoßen.

    Zu der ,,politischen Brille“, die mich wirklich etwas wütend gemacht hat. Kommt dir der Satz ,,Das Private ist politisch“ vielleicht etwas bekannt vor? Den hat die Frauenbewegung für sich entdeckt, als klar wurde, dass ihre Forderungen immer kleingeredet und in den privaten Bereich gedrängt wurden. Für mich ist es politisch, wenn ein privilegierter, weißer, mächtiger Europäer verdächtigt wird, eine schwarze Frau und Hotelangestellte sexuell belästigt zu haben. Wenn nichteinmal ein Rudolf Balmer, der ,,ja schließlich ein taz-Reporter“ ist, hier eine Feudalherrenmentalität erkennt, kann ich auf seine politische Brille durchaus verzichten, dann fehlen da vermutlich die Gläser.

  16. 16 André 20. Mai 2011 um 21:11 Uhr

    Sexuelle Gewalt in den Medien: Ja, aber da gibt es ja viele Themen, die eigentlich immer und anders präsent sein müssten, es aber nicht sind. So funktionieren Medien und Stichwort Aufmerksamkeitsökonomie auch Menschen leider nicht. In jedem Fall würden sich die Medien adäquat mit der Verbreitung sexueller Gewalt beschäftigen, würden ja eben gerade nicht die Einzelfälle, sondern das Gesamtbild im Vordergrund stehen.

    Früherer Vorwurf: Tatsächlich hatte ich irgendetwas davon gelesen, allerdings war mir der Vorwurf nicht als Vergewaltigung in Erinnerung geblieben, sondern eher so etwas in Richtung Belästigung. (Aufmerksamkeitsökonomie und ich fürchte fast vorurteilsbehaftete Filterung in Aktion.) Das passt auf jeden Fall schon eher ins Bild.

    Links und alles ist gut: Den Zusammenhang wollte ich auch keineswegs herstellen. Aber die „eingestaubten vertrockneten Moralvorstellungen, die noch aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen“ von denen du eingangs gesprochen hast, passen dann aber auch nicht zu meinem Bild von einem Linken. Völlig oberflächliche Betrachtung natürlich.

    Was wirklich politisch ist: Die Verdächtigung als solche sollte kein Politikum im Sinne des Feminismus sein, das Faktum einer Tat dagegen schon. Wäre die Verdächtigung dagegen unberechtigt oder irgendwie fabriziert, würde es sich um ein Politikum im Sinne von Machtinteressen handeln. Ich verstehe das Dilemma, die Feministen sollen sich schön zurückhalten, bis klar ist, ob sie überhaupt „zuständig“ sind, während alle anderen munter herumspekulieren dürfen, weil vielleicht ist ja alles eine böse Verschwörung. Gerecht ist das nicht, zumal wenn es dann am Ende tatsächlich zu einer Verurteilung kommt, das Interesse für das Thema vermutlich schon längst wieder abgeflaut ist.

  17. 17 Bäumchen 21. Mai 2011 um 13:00 Uhr

    Es geht mir nicht darum, dass die Themen ,,immer präsent“ sein müssen. Ich will, dass es selbstverständlicher wird für Menschen, über dieses Thema offen zu reden und man nicht immer erst auf ein Promispektakel warten muss, um sexuelle Gewalt zu thematisieren. Ich will, dass die Behördengänge für die betroffenen Menschen leichter werden und nicht zum Spießrutenlauf – wie so oft – ausarten.

    Und natürlich können sich Feministinnen jetzt schon einmischen. Vielleicht nicht in die Beurteilung der Person Strauss-Kahns, aber durchaus, was die so oft verkappt sexistische Berichterstattung über den Fall angeht. Und da gibts noch soviele Mängel bei den (zumeist) Herren Journalisten! Es ist durchaus ein Politikum, wie man über die Dinge schreibt, auch wenn sie scheinbar objektiv geschildert sind. Wer z.B. über einen Busfahrerstreik schreibt: ,,Die Busse streiken“ entmenschlicht den Streik und lässt uns die dahinterstehenden Personen vergessen; es ist subtil, aber es wirkt.
    Und wenn der Fall vorliegt wie z.B. in Sachen Kachelmann, dass beinahe alle führenden Medien im Voraus von einer Unschuldsvermutung ausgingen, ohne dass noch irgendwas vor Gericht geklärt worden wäre, dann kann ich es auch verstehen, dass eine Alice Schwarzer sich dann bewusst vornimmt, ihrerseits dem [eingeschoben: mutmaßlichen] Opfer zu glauben und die Frau zu unterstützen. Und dann kann sie auch versuchen, über die Person des Täters zu spekulieren und ihn auseinanderzunehmen. Denn solch ein mediales Ungleichgewicht in der Berichterstattung braucht eine Gegenöffentlichkeit. (Auch wenn ich nicht glücklich bin über eine gewisse Zeitung mit vier großen Buchstaben…) ;-)

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Berichterstattung zum Fall Strauss-Kahn: Biologismen, Triebe und Sexismen Pingback am 01. Juni 2011 um 9:02 Uhr

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