Archiv für Juni 2011

Debatte Antifeminismus

Über Antifeministen, Statistiken und ,,das Feindbild der rachsüchtigen Lügnerin, die Männer aus Eigennutz nach Herzenslust anzeigt und der eine heimliche Macht über die Justiz zugesprochen wird.“ (Quelle: taz)

Sind Slutwalks wirklich sinnvoll?

Am 13.08 ist es soweit. In zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und München, marschieren die Schlampen. Die Bewegung, welche ihren Ursprung in Toronto fand, will mit einer Sache endgültig aufräumen – eine Frau ist niemals Schuld an einer Vergewaltigung, egal ob sie einen Kartoffelsack oder einen Minirock trägt. Deshalb laufen seit dem 15 Mai rund in vielen Städten tausende Frauen im „Schlampen-Outfit“ durch die Stadt und sagen selbstbewusst „Ich kann tragen was ich will, ohne Angst vor einem sexuellen Übergriff haben zu müssen“. Klingt soweit gut. Die Forderungen der Bewegung sind wohl für jede_n Feminist_in nachzuvollziehbar..
Die Frage ist nur ob die Mittel stimmen. Ist es emanzipatorisch das Wort „Schlampe“ durch Selbstbezeichnung und Neuinszenierung aus der patriarchalen Schmuddelecke zu holen. Und sind High-Heels, Miniröcke und Netzstrümpfe für Frauenbefreiung wirklich notwendig?
Und warum finden die Slutwalks so großen Zuspruch sowohl unter jungen Frauen als auch in den Medien? Viele der Teilnehmer_innen hatten vor dem Walk mit Feminismus und Frauenrechten nicht viel am Hut.
Hier macht sich das mulmige Gefühl breit, dass die Märsche nur eine solch große Aufmerksamkeit bekommen, da sie ein gängiges, ebenfalls patriarchales Frauenbild transportieren – die neue selbstbewusste Frau ist sexy und stolz darauf. Was „Sex and the City“ vorlebte ist jetzt in den Köpfen der meisten Menschen festverankert. Auch SpiegelOnline ist sofort auf den falschen Zug aufgesprungen. Dort war zu lesen: die Frauen marschieren für „ihr Recht sexy zu sein“.
Aber Halt, so ist das nicht! Es geht um das Recht „nicht vergewaltigt zu werden“, ein Recht auf Sexiness braucht es nun wirklich nicht. Ebenfalls geht es darum die wirklichen Täter zu benennen und die Opfer zu schonen, oder, dass nicht wie es in Toronto der Fall war ein Polizeibeamter jungen Frauen rät „sich weniger sexy zu kleiden“ um einer Vergewaltigung zu entkommen.
Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die Proteste nahezu alle Frauen ausschließen die nicht dem westlichen Kulturkreis angehören und dessen Kleiderstil nicht teilen. Dazu Harsha Walia auf Feministing:

In the post 9/11 climate, the focus on a particular version of sex (y) -positive feminism runs the risk of further marginalizing Muslim women’s movements who are hugely impacted by the racist ‘reasonable accommodation’ debate and state policies against the niqab. This marginalization has, at least in part, been legitimized through an imperialist feminist discourse that imposes certain ideas of gender liberation and perpetuates the myth that certain cultural/religious identities are inherently antithetical to women’s rights.

Andererseits muss natürlich auch gesehen werden, dass nach den Ereignissen der letzten Monate – siehe Assange, Dominique Strauss-Kahn – ein Aufschrei der Frauen notwendig war und Klasse ist.
Das Thema „sexuellen Gewalt gegen Frauen“ muss in jedem Fall in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und vor allem junge Frauen sollten sich dem Recht über ihren eigenen Körper zu verfügen bewusster werden. Darin sehe ich auch das größte Potenzial der „SlutWalks“ – Empowerment. Der Satz „Mein Körper gehört mir“ ist war theoretisch allerorts akzeptiert, in der Praxis werden Frauen aufgrund von gesellschaftlichen Missständen aber oft in eine passive Rolle gedrängt, die einer dominanten allgegenwärtigen männlichen Sexualität in jungen Jahren oft hilflos Gegenüber steht.
Und der Vorwurf aufgrung „aufreizender Kleidung“ eine Vergewaltigung provoziert zu haben ist leider auch heute noch präsent und Teil des allumfassenden „Victim-Blamings“.

Protest ist also angebracht, mir persönlich wäre er nur unter dem Label „Marsch gegen sexuelle Gewalt“ lieber. Da könnten dann alle anziehen was sie immer anhaben oder wollen, oder auch gerne in Netzstrümpfen und Minirock kommen. Die „SlutWalks“ aber generell zu verurteilen und als „unfeministisch“ abzuurteilen halte ich jedoch für gänzlich übertrieben. Denn immerhin organisieren zahlreiche Menschen große Proteste, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen.
Und in den Medien ist das Thema jetzt allemal. Also Miniröcke raus aus dem Schrank und ab auf die Straße! (Wenn auch nicht mit einem 100% guten Gefühl.)

Erneute Massenvergewaltigung in der DR Kongo

Erneut Massenvergewaltigungen in der DR Kongo.

Chauvi-Sepp

Sepp Blatter, der wenig sympathische Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, hat sich mit seiner Eröffnungsrede zur Fußball-WM, wenig überraschend als Chauvi geoutet, der mit Rollenbildern von Vorgestern aufwartet:

Ab einer gewissen Altersgrenze hat der Frauenfußball ja keine Möglichkeit mehr, sich weiterzuentwickeln, weil die Frauen dann eine andere Aufgabe haben.“

„Andere Aufgaben“, na klar Mutter sein. Dann ist aber Schluss mit kicken. Mütter die Sport treiben, wo kämen wir denn da hin, diese ließen sich vielleicht auch nicht mehr so sexy im Playboy vermarkten.
Herr Blatter, setzen sechs!

„Was für ein Arsch!“

In den an.schlägen findet sich ein sehr gelungener Kommentar über die „Sex-Affäre“ des Dominique Strauss-Kahn.

Märchenstunde: vom Kicken und Beerensammeln

Es ist mal wieder soweit: das allseits beliebte „Höhlenmenschen-Argument“ ist wieder auf dem Tapet!
In der taz erklärt eine „Sportpsychologin“, warum angeblich unterschiedlicher Torjubel bei Frauenfußball im Vergleich zu Männerfußball viel mehr Teamgeist enthalten soll, während die Männer einen Helden-Alleingang-Jubel veranstalten.
Und zwar, weil (auch wenn die seriöse prähistorische Forschung über solche Annahmen schon lange hinaus ist, aber wen interessiert das schon) Frauen in der Steinzeit schon teamfähig Beeren gesammelt haben und Männer im Heldenalleingang Mammuts gejagt haben. Oder so.

Frauen jubeln lieber im Team – Männer lassen sich für ihre Tore als Superhelden feiern.
(…)
Ein Teil der Erklärung für dieses Selbstdarsteller-Phänomen ist so alt wie die Menschheit und genetisch bedingt. „Das steckt in den Männern drin“, sagt Ohlert. Für Frauen sei es immer wichtig gewesen, zusammenzuhalten. Sie haben in der Gruppe Beeren gesammelt und Kinder gehütet. Bei den Männern hingegen ging es darum, wer der beste Jäger ist, wer das gefährlichste Tier erlegt.

Abgesehen davon, daß es wohl einfacher sein dürfte, allein Beeren zu sammeln als im Alleingang ein Mammut zur Strecke zu bringen, meine ich:
Sexistischer Bullshit, der sowohl Männer als auch Frauen wieder in dämliche Klischees zwängen will.
Und außerdem:

Ihre Torjubel-Theorie hat Jeannine Ohlert noch nicht wissenschaftlich belegt.

Da stellt sich nur noch die Frage: wieso wird dieser biologistische Unfug dann überhaupt zu einem Zeitungsartikel verwurstet?
Liebe taz, beim Männerfußball fällt Euch doch auch genug zu Schreiben ein, ohne die Höhlenmenschen zu bemühen. Mußte das sein?

The Papst-Effekt

Kaum hat das Oberhaupt der katholischen Kirche ein Land besucht und Segen sowie Weihwasser in Hülle und Fülle zurückgelassen, entbrennt auch schon eine Debatte über das Abtreibungsrecht. Neben Ungarn ist dieser Effekt jetzt auch in Kroatien zu beobachten:

Nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI am vergangenen Wochenende in Kroatien bahnt sich eine Diskussion um Abtreibung an, die in Kroatien bis zur zehnten Schwangerschaftswoche straffrei ist. Der Familienbischof der kroatischen Bischofskonferenz, Valter Zupan, forderte in der Sonntagsmesse vor 400.000 Gläubigen die Gesetzgeber auf, „endlich das Gesetz über den Abbruch von menschlichem Leben aus den – so möchten wir glauben – vergangenen Zeiten, zurückzunehmen“

.

Viele mögen glauben, dass ein reaktionäres Organ wie die katholische Kirche heutzutage keinen politischen Einfluss mehr hat – sieht man sich aber die Lage in Polen an, dürfte jeder_m klar werden dass dem nicht so ist. In Polen waren Schwangerschaftsabbrüche unter dem Sowjetregime straffrei. Mit der Wende und dem neu aufkommenden Katholizismus im Land (der amtierende Papst Johannes Paul II besuchte Polen nicht nur etliche Male, sondern war, ach wie schön, selbst auch Pole) wurde das liberale Abtreibungsgesetz jedoch wieder abgeschafft. Seither sind Abtreibungen in Polen nur straffrei wenn das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren in Gefahr ist. Außerdem in Fällen von Inzest oder bei einer Vergewaltigung.
Auch in Ungarn wurde unter Einfluss des Papstes der Schutz des ungeborene Lebens in der Verfassung festgeschrieben. Wie sich das in Zukunft auf das Recht einen Abbruch durchführen zu können, auswirken wird, muss die Zukunft zeigen.
(Dazu ein Interview mit Júlia Spronz, ungarische Frauenrechtlerin)

Die Mischung aus weltlichen Patriarchat mit kirchlicher Frauenfeindlichkeit stellt für Frauen auch heute noch eine große Gefahr dar. Die Todeszahlen dieser Symbiose: 80.000 Frauen die jährlich weltweit an illegalen Abbrüchen (supported by römisch-katholische Kirche) sterben.
Es gilt also auch heute noch das Recht jeder Frau auf einen sicheren Abbruch zu verteidigen, denn weggenommen werden kann dieses Recht jederzeit.

Für Kroatien kann allerdings, vorerst, Entwarnung gegeben werden.

So rechnen auch kroatische ExpertInnen nicht damit, dass die Politik auf diese Aufforderung reagieren wird. Der Soziologe Branko Ancic sagte in der Zeitung „Jutarnji list“, dass die Bevölkerung sehr gut zwischen der politischen und der geistlichen Haltung der Kirche unterschieden, und die politische Haltung ignorieren könne. Religionssoziologe Ivica Mastruko glaubt, dass eine solche Forderung bei einem Teil der Christdemokraten Gehör finden könnte, doch dass diese keine Mehrheit haben würden, um eine Gesetzesänderung zu bewirken.

Aus Protest im Rock

Coole Aktion: Um dagegen zu protestieren, daß die Schuluniform auch im heißen Sommer lange Hosen vorschreibt, kam ein britischer Schüler mit Minirock zur Schule.

„Die Mädchen dürfen im Sommer Rücke tragen, die Jungen aber keine kurzen Hosen“, sagte Whitehead vorwurfsvoll. Er werde daher bei heißer Witterung weiterhin die Schuluniform der Mädchen tragen.

Und der 12jährige posiert auch herrlich unverkrampft in diesem Rock für den Fotografen:

‘Wearing a skirt is just like wearing shorts with a gap in the middle. I don’t feel silly at all. I don’t embarrass easily.’

Über Frau mit Bart.

Walmart-Klage scheitert

Die Klage vieler Frauen gegen Wal Mart wegen Sexismus ist nun doch gescheitert.

66 Frauenmorde – In Italien werden Täter immer noch freigesprochen

Übersetzt von Femminismo a Sud:

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„Während hier in Italien ganz viele Sachen jeden Tag passieren, möchte ich euch nochmals daran erinnern, dass Frauen noch massakriert, verfolgt, angegriffen, vergewaltigt und getötet werden (66 Frauenmorde seit Anfang 2011) . Dazu kommt noch die bezügliche Auswirkung von sexistischen Beiträgen, die einen gewalttätigen Mann als einen feurigen Liebhaber beschreiben mögen.

Es sieht so aus, als ob ein Angriff zu den Risiken gehöre, die wir automatisch eingehen, wenn uns die heiße Leidenschaft gefällt. Man will überhaupt nicht damit aufhören, Frauen zu dämonisieren und gewalttätige Männer auf jeden Fall zu entschuldigen.

Beispiel:

Ein geschiedener, jetzt bei der Mutter lebender Kerl, Vater von 2 Kindern, hatte eine Prostituierte in seine Garage entführt, um sie zu foltern und töten.

Am 26.05.11 wurde die Leiche von Gianina Viorica Ganfalianu mit bestimmten Folterspuren im Koferraum eines Kunden gefunden. Sie war an Erstickung gestorben. Er hatte ihr den Mund zugepflastert und Füße und Hände hinter dem Rücken mit Stromkabel und anderen Strängen zusammengefesselt. Die Frau wurde wochenlang im Auto entführt und gewaltsam gequält. Eine regelrechter Horrorgarage war das, mit Bett, SM-Ausrüstung und zahlreichen Pornofilmen ausgestattet.

Ein erotisches Spiel wird dieser Mord sogar genannt.

Die Zeitung Repubblica richtet die ganze Aufmerksamkeit auf ihn, er wird als ein armer Mann bezeichnet, der Opfer seiner Ex-Frau war, ansonsten hätte er nicht es gebraucht, zu einer Prostituierten zu gehen, und er hätte dann keinen Hass gegen Frauen gehabt.

Ja, Frauen haben sogar auch die Pflicht, solchen Gräueln vorzubeugen.

Das ist ein übliches Märchen, in dem der Mann nichts für seine Natur kann und die Frau keine andere Wahl hat, außer sich privat massakrieren zu lassen, um der Welt das Sehen eines Killers zu ersparen.

Auf jeden Fall ist da immer die Exfrau Schuld.

[…]

Hauptsache, es wird eine Frau zum Scheiterhaufen gebracht. Das Wichtigste ist, die Hexenjagd wiederzubeleben, diesen von vorurteilsvollen Leuten animierten Frauenhass zu unterstützen, die moralisch hunderte von Verbrechen verursachen, die Frauen und Kinder als Opfer haben.

Wir befinden uns im Jahre 2011 aber alles scheint genau wie vor vielen, zu vielen Jahren zu sein.

Frauen, Schwestern, worauf warten wir, mit unserer Revolution anzufangen?“