Der Kachelmannprozess und seine Auswirkungen

Ich habe hier schon auf die Diskussion bei Maischberger hingewiesen, und da ich sie jetzt dank Internet gesehen habe, muß ich sagen, sie ist schon sehenswert: *klick*.
Vor allem durch die mutigen Beiträge von Frau Steeger über ihre eigenen Erlebnisse mit Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen, und auch Alice Schwarzer ist nicht schlecht in Form.
Störend allerdings, daß nur das Thema „Wie sollten Frauen sich verhalten“ in der Tiefe erörtert wurde, das Thema „Wie soll der Mann sich verhalten (oder eher: wie besser nicht)“ aber außen vor gelassen wurde, wie so oft.


16 Antworten auf “Der Kachelmannprozess und seine Auswirkungen”


  1. 1 petr 03. Juni 2011 um 10:24 Uhr

    dodo,
    wie würdest du dir denn das Verhalten eines:
    -Menschen der einen anderen Vergesaltigt hat
    (Der Begriff „Vergewaltiger“ find ich blöd, weil das assziiert, dass man keinerlei Reue zeigt)
    -Menschen, der fälschlich der Vergewaltigung verklagt wird

    vorstellen?
    -------------------
    Hier zeigt sich auch ein Problem in der Logik vieler Menschen.
    Ein Mensch, der einen anderen vergewaltigte, aber Reue zeigt, soll der eingesperrt werden?
    WICHTIG: Begündung für Freiheitsentzug ist Schutz der Bevlkerung vor dieser Person-aber der Schutz ist nichtmehr nötig.
    Wie soll sich diese Person also verhalten? – Sich einsperren lassen wäre ein Widerspruch zur Gesellschaft und eine aktiver Eingriff in den Rechtsstaat. Wenn er aber um seine Freiheit kämpft (Was verständlich ist, ist immerhin das höchste Gut das wir haben) wird er sozial geächtet.
    -------------
    Ein nicht Reue Zeigender hielte sich eh nciht an das, was man ihm empfiehlt.
    -------------
    Ein fälschlich angeklagter Mensch muss um seine Freiheit kämpfen und hat seinen sozialen Halt bereits verloren – wie sollte er sich verhalten?

  2. 2 Piratenweib 03. Juni 2011 um 13:16 Uhr

    Ich fand, das es der Diskussionstiefe extrem geschadet hat, dass Frau Steeger nur so „am Rande“ zu Wort kam. Dabei war sie doch die Einzige in der Runde, die ganz persönliche Erfahrungen beizutragen hatte. Und es war mutig von ihr, darüber zu sprechen, auch und gerade nach so langer Zeit. Leider wurde das von fast niemandem in der Runde wahrgenommen. Mich hat sie definitiv am meisten beeindruckt. Bei Frau Schwarzer empfinde ich es als positiv, dass sie sich nicht unterbrechen lässt und auch anderen Rednern paroli bietet. Das ist der Bremer Staatsanwältin, deren Namen ich gerade nicht parat habe, leider nicht wirklich gelungen. Sie ließ sich von Herrn Gehrke regelmäßig den Wind aus den Segeln nehmen.
    Du hast Recht, dass wieder nur auf die Rolle der Frau eingegangen wurde – wie soll sich sich vorher, nachher, während eines derartigen Prozesses benehmen – und die Rolle der Medien. Männer als Täter wurden ausgeklammert.

  3. 3 Marta 03. Juni 2011 um 19:03 Uhr

    Interessant zu beobachten wird auch sein, ob die Staatsanwaltschaft jetzt Revision einlegt. Dann würden wir ein ausführlicheres Urteil bekommen aus welchem sicherlich die „echte“ Meinung der Richter besser hervorkommt.
    anwalt

  4. 4 onyx 04. Juni 2011 um 11:18 Uhr

    @ Piratenweib
    Gehrke war sowieso die lächerlichste Figur in der ganzen Runde, dem es auch nicht zu peinlich war, mit dreisten Lügen um sich zu werfen. Er warf nämlich Frau Schwarzer vor, dass für sie Kachelmann von vornherein schuldig war, und sie das in ihren Berichterstattungen auch so verbreitet hätte. Was aber nicht so ist. Schwarzer schrieb oder redete im konkreten Zusammenhang des Falles niemals von Täter und Opfer, sondern vom mutmaßlichen. Natürlich steht sie tendenziell auf der Seite der Klägerin und beleuchtet das Problem der Vergewaltigung aus Sicht der Opfer. Das ist auch ihr gutes Recht als Journalistin. Aber sie hat niemanden schuldig gesprochen. Im Gegensatz zu allen Medien, die die Klägerin schon lange vor Prozeßbeginn in einer ekelhaften Art und Weise als Schlampe und Falschbeschuldigerin dargestellt haben. Dass Frau Schwarzer das so deutlich klargestellt hat, dass es in ihrer eigenen Berichterstattungen darum ging, genau das zu kritisieren, hat mich beeindruckt.

  5. 5 Piratenweib 04. Juni 2011 um 12:42 Uhr

    Kurzes Update: Revision wurde eingelegt, zunächst um die Frist (1 Woche) einzuhalten. Nun muss binnen 4 Wochen geprüft werden, ob der Fall tatsächlich ans nächst höhere Gericht weitergereicht werden soll.

  6. 6 dodo 06. Juni 2011 um 0:07 Uhr

    @petr: Ich muß mir das nicht vorstellen. Ein Exfreund von mir wurde zu Unrecht als Vergewaltiger angeklagt (wurde freigesprochen).
    Ich weiß also sehr wohl, wie traumatisierend so etwas sein kann und ich wünsche es wirklich niemandem. Trotzdem ist es nunmal ein Fakt, daß solche Falschanzeigen die absolute Minderheit sind. Gottseidank, kann man wohl sagen.
    Ich weiß also ehrlich gesagt nicht, worauf du genau hier rauswillst.

  7. 7 Queerhorstine 06. Juni 2011 um 9:30 Uhr

    Ich muss korrigieren. Alice Schwarzer ist nie gut in Form. Ich verweise auf die Titanic. http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/Prozess-Bilanz_01.jpg

  8. 8 petr 06. Juni 2011 um 17:55 Uhr

    @dodo:
    „das Thema „Wie soll der Mann sich verhalten (oder eher: wie besser nicht)“ aber außen vor gelassen wurde“…
    ich wollte Anreiz geben, dieses Thema doch stellvertretend zu diskutieren, daher habe ich meine Ansichten kurz und knapp dargelegt. Wenn du dir eine öffentliche Diskussion zu dem Thema wünschst, dann nimm doch an ihr teil ;-)

    grüße :)

  9. 9 G 08. Juni 2011 um 12:46 Uhr

    petr:

    Ein Mensch, der einen anderen vergewaltigte, aber Reue zeigt, soll der eingesperrt werden?

    Das mit der Reue ist so eine Sache, die lässt sich nicht überprüfen und kann vorgetäuscht sein, um das Strafmaß zu drücken oder moralisch unschuldig zu wirken!

    Und, ein: „Entschuldigung, war nicht so gemeint, wollte ich nicht.“ als Ausgleich einer Körperverletzung, Nötigung und Vergewaltigung?
    Wer jemand einen Schaden zufügt, muss dafür Verantwortung übernehmen.

  10. 10 petr 09. Juni 2011 um 20:13 Uhr

    @G:
    Ich denke ich wurde nicht recht verstanden, mag eventuel an mir gelegen haben.
    Es handelt sich hierbei um ein prinzipielles Problem. Du sagst, er soll die Verantwortung übernehmen. Das ist prinzipiell nciht falsch, hat aber meiner Ansicht nach den falschen Ausgangspunkt. Deshalb hier kurz was meine Vorraussetzung ist.
    -Jeder hat die Verantwortung für sein Handeln, man brauch diese nicht zu „übernhemen“
    -Eine aufgezwungene Strafe führt im besten Fall dazu, dass ein Täter über sein Handeln nachdenkt und Reue zeigt, damit wäre eine Resozialisierung geglückt
    -Im schlechtesten Fall wird ein unschuldiger Verurteilter dazu gebracht nach dem Motto: „Wenn ich bestraft werde, dann geb ich euch danach einen Grund dazu“
    -Ein Mensch ist immer in der Lage Reue zu empfinden

    Nach diesen vier Thesen (und einigen mehr, die mir weniger bewusst sind) diskutiere ich über dieses Thema.
    Nun ist es so, dass in der Gesellschaft eine Strafe dem Schutz der Bevölkerung dient. Wenn also ein Täter seine Verantwortung warnimmt, von ihm aber keine Gefahr mehr ausgeht, so besteht diese nicht darin, eine Strafe zu akzeptieren, sondern vielmehr darin, einen Täter-Opfer ausgleich zu unterstützen.

    Ich hoffe es ist klar geworden, was ich sagen wollte.

    Und:„Entschuldigung, war nicht so gemeint, wollte ich nicht.“
    ist keine Reue, Reue wäre:
    „Es tut mir leid, es war so gewollt, ich wusste, das es dein Leben in Scherben zerspringen lässt und ich hoffe, dass es dir bald wieder besser gehen wird, ich werde mein nötigstes tun, diese Tat auszugleichen, ich weiß, dass du meine Hilfe nicht willst, deshalb werde ich sie einem anderem anbieten, ich hoffe acuh dir wird jemand helfen. Mein Gewissen wird diese Tat nie vergessen, ich hoffe jedoch, dass ich es auf gutem Wege dazu bringen kann mir zu verzeihen. Ich erwarte nciht, dass du dies auch tust.“

    Dieses Beispiel sollte auch zeigen, was ich mit Reue / Verantwortung / Täter-Opfer-Ausgleich meine.

    Viele Grüße, petr

  11. 11 Jan 12. Juni 2011 um 12:17 Uhr

    @petr

    WICHTIG: Begündung für Freiheitsentzug ist Schutz der Bevlkerung vor dieser Person-aber der Schutz ist nichtmehr nötig.
    […]
    Nun ist es so, dass in der Gesellschaft eine Strafe dem Schutz der Bevölkerung dient.

    Du machst schon in deiner Grundannahme eine komplett falsche Annahme, weshalb Deine weitere Argumentation auch nicht weiter führt.
    Der Strafzweck ist nicht in erster Linie Schutz der Bevölkerung. Das gilt bei der Sicherheitsverwahrung, aber nicht bei einer Strafe. Sonst könnte ja jeder Mörder sagen: „oh, sorry war nicht so gemeint. Ich geh dann mal“.

    Lies mal das: http://de.wikipedia.org/wiki/Strafzwecktheorien

  12. 12 petr 13. Juni 2011 um 9:16 Uhr

    @Jan:
    Wenn man glaubt sich auf Schulwissen verlassen zu können…

    Dankeschön :-)

    allerdings ist die restliche Argumentation damit nicht hinfällig, schließlich richtet sich das Maß der Strafe danach, wie schnell der Täter resozialisiert werden kann, also, ab wann keine Bedrohung mehr von ihm ausgeht. Womit wir wieder bei meiner Grundannahme sind…

    „oh, sorry war nicht so gemeint. Ich geh dann mal“. …danke, dass du offensichtlich nicht gelesen hast, was ich geschrieben hab…genauso wie du den Wiki-artikel wohl nur in ansätzen gelesen hast.
    Zitat (http://de.wikipedia.org/wiki/Vergeltungstheorie):
    „Strafmaß orientiert sich falls möglich an Resozialisierungsgesichtspunkten“

    Grüße

  13. 13 GwenDragon 13. Juni 2011 um 15:42 Uhr

    Täter-Opfer-Ausgleich findet real nicht statt und nur ein psychologischer Entschuldigungsmist (als moralischer Ausfluss religiöser Vergebungsansprüche).
    Gewissen setzt voraus, dass jede_r Täter_in es aktiviert hat und moralisch integer ist.

  14. 14 cassandra 14. Juni 2011 um 0:46 Uhr

    @ DoDo

    Leider ist es keinesfalls so, dass falsche Vergewaltigungsvorwürfe eine Minderheit darstellen. In seriösen Untersuchungen kommt so gut wie immer eine Prozenzahl von 50-60+% heraus.

    Das ist auch nicht sonderlich verwunderlich, denn der Vergewaltigungsvorwurf ist nunmal ein Machtinstrument und eine vergleichsweise sichere Waffe im Westen, da man als Ankläger selten selbst belangt wird.

    Mit dem Vergewaltigungsvorwurf kann man das Leben eines Menschen vollkommen zerstören, für immer. Und unter Frauen gibt es nunmal genauso Monster wie unter Männern und diese greifen dann dazu.

    Die Aufmerksamkeit, die diese eine Verbrechen bekommt, noch dazu mit absurden Lügen und Mythen unterlegt, ist ohnehin ärgerlich, da es ja nicht für sich verurteilt wird, sondern oftmals zu einer Generalverurteilung für das männliche Geschlecht gemacht wird.

    Dabei beträgt der Anteil von Vergewaltigung an Verbrechen weit unter 1% und 99,9+% der Männer sind eben KEINE Vergewaltiger und 99,9+% der Frauen werden auch niemals vergewaltigt.

    Stattdessen werden aber obskure Studien herausgekramt, in denen Vergewaltigung mit sexueller Belästigung und diese schon mit einem schrägen Blick oder einem obszönen Witz gleichgesetzt wird. Und plötzlich sind 33-50% aller Frauen von Vergewaltigung bedroht. Eine unglaubliche Methodik grenzenloser Panikmache.

    Dabei ist gerade ein bestimmtes, selbstsicheres, aber höfliches Auftreten die beste Weise, um vor Übergriffen jeglicher Art sicher zu sein, zumindest hierzulande.

  15. 15 dodo 14. Juni 2011 um 3:33 Uhr

    @cassandra: Ich würde gerne wissen, woher du deine „seriösen“ Zahlen herhast.
    Und eine Begründung, weshalb die anderen Studien (welche genau denn?) obskur sein sollen.

    Und nochmals sei gesagt; es ist ein absoluter Mythos, daß eine Frau einfach so „ich bin vergewalTigt worden!“ sagen kann und schwupps steht der Mann vor der Anklagebank. Im Gegenteil, eine Vergewaltigung anzuzeigen ist alles andere als einfach.

  16. 16 GwenDragon 14. Juni 2011 um 10:45 Uhr

    @cassandra

    Stattdessen werden aber obskure Studien herausgekramt, in denen Vergewaltigung mit sexueller Belästigung und diese schon mit einem schrägen Blick oder einem obszönen Witz gleichgesetzt wird. Und plötzlich sind 33-50% aller Frauen von Vergewaltigung bedroht.

    So ganz verstehe ich nicht, was ein obszöner Witz mit einer Vergewaltigung zu tun hat. Das ist wirklich ein unzulässiger Zusammenhang.

    Dabei ist gerade ein bestimmtes, selbstsicheres, aber höfliches Auftreten die beste Weise, um vor Übergriffen jeglicher Art sicher zu sein, zumindest hierzulande.

    Warum muss eine Frau höflich sein, um keinem Übergriff ausgesetzt zu sein? So ein Unfug. Einem Angreifer oder Grabscher kann keine mit „Bitte lassen Sie das! Ich möchte das nicht.“ kommen. Wo sind wir denn, dass Frauen sowas beigebracht werden sollte. Ein gezielter Schlag bei Übergriffigkeit wirkt da mehr als Worte.
    Wenn das potentielle Opfer sich richtig verhält, passiert nichts? Nun ja. Erinnert mich an früher, seltsame Verhaltensregeln, die Frau einhalten sollte, um nicht vergewaltigt zu werden. Half aber nicht.

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