Crying rape – a paranoid fantasy

Rachel1Aufgrund der Tatsache, daß wegen dem Kachelmannprozeß, Strauss-Kahn usw. der ewige Mythos wieder auflebt, eine Frau brauche einfach nur „Vergewaltigung!“ schreien und schwupps kann sie ganz leicht den Mann ruinieren, ist mal wieder angesagt, hier Tacheles zu reden.
Einer der besten Texte dazu stammt von Happy Feminist; nicht nur eine fantastische Bloggerin (auch wenn sie seit 2007 nicht mehr bloggt: es lohnt sich, das Archiv mal durchzulesen), sondern auch Anwältin mit ziemlich viel Ahnung.Happy schreibt:

I despise the term “she cried rape.” It implies that all a woman has to do is yell, “Rape! Rape!” and the man has no chance, even if he is innocent. In most cases (and I have prosecuted a number of rape cases by the way), a woman who alleges rape must recount what happened in step-by-step detail on multiple occasions, including a tape recorded police interview as well as direct and cross examination during trial in the presence of judge, jury, attorneys and the man she is accusing.


Nun bezieht sie sich hier auf das amerikanische Rechtssystem, doch die Untersuchungsmethoden werden wohl vergleichbar sein mit dem Vorgehen in Deutschland.
In einem anderen, auch sauguten Text, beschreibt sie die Erfahrung als Tochter eines Mannes, der die meisten Vergewaltigungsanklagen per se für Nonsense hält.
Vor allem zeigt sie hier auf, daß eine Vergewaltigungsanzeige eine ganz schöne Tortur für die Frau darstellt, beispielsweise hier:

Oh-- and don’t forget the rape kit exam — the lovely procedure in which the victim, assuming she reports the crime quickly enough, lies naked on an examination table with her legs in stirrups while a nurse combs through her pubic hair and examines every orifice of her body to collect potential evidence of the rape. And, finally, a crucial part of the process in every rape case is the requirement that every victim systematically recount the rape step-by-step in all of it’s physical details: on videotape for the police in the initial interview and, if there is no plea agreement, again for the prosecutor perhaps several times during witness preparation, and finally on the witness stand in a courtroom. Typical questions I might ask a rape victim might include such things as: “How were your legs positioned when he inserted his penis into you?” Unfortunately, it is often necessary to establish the physical steps of the rape in excruciating detail to show the jury how the rape could have happened.

Soviel dazu, daß man einfach zur Polizei gehen kann, jemanden beschuldigen und schon kann die Frau grinsend heimgehen und sich darauf freuen, den Mann fertigzumachen…Tja. So einfach ist es dann eben nicht!

What I am saying is that bringing a rape allegation in criminal court ain’t a bed of roses. It’s not like a woman can simply “cry rape” and bam-- the man’s life is ruined. So the common defense theories that a woman brings the rape allegation because she has been “scorned” (as in “Hell hath no fury like a woman scorned”) or because she felt guilty about having sex or for some similarly petty reason make no sense.

    A person would have to be pathologically vindicative to put herself through all this crap just because she’s mad that he didn’t call or some such thing

.

Sicher mögen trotz dieser teilweise als sehr erniedrigend empfundenen Untersuchungen etc. einige falsche Anklagen dabeisein – aber die Annahme, daß Frauen häufig und mit Leichtigkeit sowas abziehen können, nennt Happy in ihrem Post zu Recht eine paranoide Phantasie:

My main point, however, despite this rambling is that in light of all the burdens and pressures placed on victims (some an appropriate by-product of the presumption of innocence, some mere cultural prejudice),

    the notion that women frequently make this stuff up and stick to a false story all the way through trial is a paranoid fantasy.

Es lohnt sich wirklich, die beiden Posts ganz zu lesen. Und ganz allgemein empfehle ich den Blog, insbesondere bei dem Thema Vergewaltigung gibt es sehr interessante Texte.


6 Antworten auf “Crying rape – a paranoid fantasy”


  1. 1 Khaos.Kind 14. Juni 2011 um 10:32 Uhr

    Schöne Ausführung, die es meiner Meinung nach gut auf den Punkt bringt.

    Das deutsche und österreichische Rechtssystem ist jedoch nur sehr bedingt mit dem amerikanischen vergleichbar. Genaueres weiß ich blöderweise auch nicht (wo sind die juristischen Freund/innen, wenn mensch sie mal braucht?), außer das in den USA die Varianz zwischen Bundes- und Staatengesetzen größer ist und die unteren Ebenen mehr Verfügungsgewalten haben. Das nur mal als Anmerkung.

    Ist aber auch nicht so wichtig, inwieweit die vergleichbar sind. Auch in „unserer“ Gesetzgebung ist es kein Zuckerschlecken eine Vergewaltigung anzuzeigen und bis zur Urteilssprechung durch das System zu gehen!

  2. 2 Paulinchen81 17. Juni 2011 um 6:37 Uhr

    Toller Artikel (wie immer), meine Eltern entschieden sich damals auf eine Gerichtsverhandlung zu verzichten um mir die Tortur zu ersparen. Das war vor 23 Jahren, damals gab es ja noch keine Videoaufzeichnungen und ich war erst 7 Jahre alt.
    Den Täter haben sie wohl gefasst gehabt, aber er hatte von seiner Freundin ein Alibi bekommen und deshalb hätte ich noch einmal komplett aussagen müssen.

    Da es damals auch noch nicht selbstverständlich war, dass die Opfer eine Psychotherapie, kämpfe ich grad mit den Spätfolgen: PTBS, Dessoziative Störung und schwere Depression..nun ja, wenigsten bekomme ich jetzt eine Therapie.

  3. 3 Lydia 17. Juni 2011 um 22:41 Uhr

    Ist es inzwischen nicht sogar andersherum? Männer behaupten einfach, sie wären „falsch beschuldigt“ worden, um Frauen zu diskreditieren. Natürlich lässt sich so eine „Rufmord“-Anzeige vor der Polizei nicht allzu lang aufrechterhalten, wenn sie erfunden ist, aber besonders das Internet scheint voll von falsch beschuldigten Männern sein. Man könnte glatt meinen, es gibt mehr falsche Beschuldigungen als Beschuldigungen überhaupt. Nach dem Motto „von einer Anzeige wegen Vergewaltigung sind 2 falsch“.

    Es sind nicht Frauen, die „crying rape“ betreiben, sondern Männer. Genauso wie die 150% Männer, die angeblich von ihrer Frau geschlagen und misshandelt werden (und es nur deswegen sagen, weil es ihrer eigenen Vorstellung von Männlichkeit und Stärke widerspricht).

    Aber letztendlich ist „men crying rape“ nur eine weitere Ausprägung typisch männlicher Wehleidigkeit, genauso wie das Geheule um bezahnte Vaginen und angeblicher Hexen. Nur leider haben unter dieser Wehleidigkeit bisher immer viele Frauen leiden müssen…

    @ Paulinchen: Es tut mir wirklich leid, von deinen Problemen zu hören. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück für deinen weiteren Lebensweg. Ich weiß, es klingt abgedroschen, aber: Lass dich nicht unterkriegen!

  4. 4 A. 18. Juni 2011 um 11:02 Uhr

    Therapie gegen Folgen einer Vergewaltigung, egal in welchem Alter? Genau das ist ja der Mythos, dass eine Therapie Langzeitfolgen verhindert. Tut sie auch nur, wenn dort kein Machtmissbrauch stattfindet. Wenn in Therapiesituationen Erfahrenes als erlebt wahrgenommen werden darf, kein Machtmissbrauch oder gar Parteinahme für Täter stattfindet.
    Offene unterstützende Therapeut_innen sind selten zu finden und länger unbezahlbar, davon mal abgesehen dass das dauerhafte Reden in Gesprächsttherapien nur bedingt was löst und schon gar nicht gegen körperliche Probleme hilft. Das glauben nur die, welche niemals näher von sexueller Gewalt betroffen waren.

    Ich wünsche jeder/m Betroffenen, dass diese die ihnen angemessene Hilfe finden und dann besser mit der Tat umgehen können, zu heilen ist das nicht. Die „Narbenschmerzen“ bleiben.

    Hätte ich Vergewaltigung geschrien, wäre das nur die Phantasie eines kranken Kindes gewesen, das nicht ernst zu nehmen ist. Und seit Jahren gibt es die „False Rememering“-Bewegung, die den Betroffenen eine Fehlwahrnehmung vorwirft, welche Falschbezichtigungen oder Umdeutungen erzeugt.

    Ich kann nur sagen: Frauen, schreit nicht Vergewaltigung, wehrt euch, auch mit notfalls tödlicher Kraft, denn beim nächsten Mal lässt euch vielleicht kein Täter mehr davon kommen. Der Täter hält sich nicht an gesellschaftliche Regeln und Gesetze und hat auch keinerlei Skrupel.

  5. 5 Konrad 19. Juni 2011 um 10:29 Uhr

    Das Problem ist das Stigma das immer bleibt, auch bei erwiesener Unschuld. Dazu sei dieser Text empfohlen -> http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,766000,00.html

  6. 6 onyx 19. Juni 2011 um 14:45 Uhr

    Das Problem des Stigma haben Vergewaltigungsopfer auch. Nämlich das der Mitschuld.

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