66 Frauenmorde – In Italien werden Täter immer noch freigesprochen

Übersetzt von Femminismo a Sud:

*Click*

*Click*

*Click*

„Während hier in Italien ganz viele Sachen jeden Tag passieren, möchte ich euch nochmals daran erinnern, dass Frauen noch massakriert, verfolgt, angegriffen, vergewaltigt und getötet werden (66 Frauenmorde seit Anfang 2011) . Dazu kommt noch die bezügliche Auswirkung von sexistischen Beiträgen, die einen gewalttätigen Mann als einen feurigen Liebhaber beschreiben mögen.

Es sieht so aus, als ob ein Angriff zu den Risiken gehöre, die wir automatisch eingehen, wenn uns die heiße Leidenschaft gefällt. Man will überhaupt nicht damit aufhören, Frauen zu dämonisieren und gewalttätige Männer auf jeden Fall zu entschuldigen.

Beispiel:

Ein geschiedener, jetzt bei der Mutter lebender Kerl, Vater von 2 Kindern, hatte eine Prostituierte in seine Garage entführt, um sie zu foltern und töten.

Am 26.05.11 wurde die Leiche von Gianina Viorica Ganfalianu mit bestimmten Folterspuren im Koferraum eines Kunden gefunden. Sie war an Erstickung gestorben. Er hatte ihr den Mund zugepflastert und Füße und Hände hinter dem Rücken mit Stromkabel und anderen Strängen zusammengefesselt. Die Frau wurde wochenlang im Auto entführt und gewaltsam gequält. Eine regelrechter Horrorgarage war das, mit Bett, SM-Ausrüstung und zahlreichen Pornofilmen ausgestattet.

Ein erotisches Spiel wird dieser Mord sogar genannt.

Die Zeitung Repubblica richtet die ganze Aufmerksamkeit auf ihn, er wird als ein armer Mann bezeichnet, der Opfer seiner Ex-Frau war, ansonsten hätte er nicht es gebraucht, zu einer Prostituierten zu gehen, und er hätte dann keinen Hass gegen Frauen gehabt.

Ja, Frauen haben sogar auch die Pflicht, solchen Gräueln vorzubeugen.

Das ist ein übliches Märchen, in dem der Mann nichts für seine Natur kann und die Frau keine andere Wahl hat, außer sich privat massakrieren zu lassen, um der Welt das Sehen eines Killers zu ersparen.

Auf jeden Fall ist da immer die Exfrau Schuld.

[…]

Hauptsache, es wird eine Frau zum Scheiterhaufen gebracht. Das Wichtigste ist, die Hexenjagd wiederzubeleben, diesen von vorurteilsvollen Leuten animierten Frauenhass zu unterstützen, die moralisch hunderte von Verbrechen verursachen, die Frauen und Kinder als Opfer haben.

Wir befinden uns im Jahre 2011 aber alles scheint genau wie vor vielen, zu vielen Jahren zu sein.

Frauen, Schwestern, worauf warten wir, mit unserer Revolution anzufangen?“


9 Antworten auf “66 Frauenmorde – In Italien werden Täter immer noch freigesprochen”


  1. 1 Piratenweib 21. Juni 2011 um 20:28 Uhr

    Das erinnert mich an die Erlebnisse von Claudia Caputi, einer 17jährigen Italienerin, die 1977 gleich zweimal von einer ganzen Horde Männer vergewaltigt wurde. Das zweite Mal geschah, als sie es gewagt hatte, die Täter anzuzeigen und der Prozess eröffnet wurde. Im Netz gibt’s zu dem Fall nicht viele Infos – war halt vor Internetzeiten.
    Etwas findet sich hier: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,918869,00.html und hier http://libcom.org/library/13-claudia-caputi

  2. 2 Erika 21. Juni 2011 um 21:01 Uhr

    ich soll euch leider mitteilen dass die opfer jetzt schon 67 sind, da gestern ne andere frau mit messerstichen umgebracht wurde und ich es nicht gelesen hatte..

  3. 3 Bäumchen 21. Juni 2011 um 23:34 Uhr

    Das ist so schlimm und pervers und einfach zum Kotzen. Umso toller finde ich es, dass du dir die Arbeit gemacht und es für den Mädchenblog übersetzt hast, Erika. Ich finde es sehr wichtig, dass wir Frauen uns nicht nur im deutschsprachigen Raum vernetzen. Ich würde mir allgemein mehr davon wünschen … und außerdem: Gibt es Zahlen für Deutschland? Wie steht es eigentlich mit unseren ,,Familiendramen“? Mir kommt es vor, als ob ich jedes Wochenende von einem höre.

  4. 4 Erika 22. Juni 2011 um 0:28 Uhr

    ja und ich werde auch für diesen italienischen blog was über deutschland schreiben, auch wenn es für deutschland keine zahlen oder so gibt glaub ich..wir sollten beginnen die opfer selbst zu zählen genau wie die in italien diese ehrenamtliche arbeit machen..

  5. 5 Jali 22. Juni 2011 um 10:02 Uhr

    @Bäumchen: Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik ist da ein Ansatzpubnkt: http://www.bka.de/pks/pks2010/download/pks2010_imk_kurzbericht.pdf

    Demzufolge gab es in 2010 in Deutschland 2601 Tötungsdelikte, von denen 1911 versucht und 690 vollendet wurden. 35,9% der Opfer sind Frauen. Die Aufklärungsquote lag bei 95,4%.

    Interessant in diesem Zusmmenhang ist dabei die Ziffer IX 012000 „Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten“. Hier gab es in 2010 13 registriete Fälle, wobei dies alle Fälle mit einbezieht, also nicht nur die, bei denen die Opfer Frauen oder Mädchen waren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Fall weniger (woraus sich bei so kleinen Zahlen allerdings noch kein allgemeiner Trend ableiten läßt).

    Die Zahl der Verbrechen gegen die sexuelle Selsbtbestimmung (Vergewaltigung, sexuelle Nötigung etc.) sind angestiegen (+2,6% gegenüber 2009).

  6. 6 Bäumchen 22. Juni 2011 um 10:14 Uhr

    @Jali
    Danke; die Polizeistatistik habe ich mir gestern auch schon angeschaut, wurde aber irgendwie nicht schlau aus ihr. Ich suchte v.a. eine Zahl über die ,,Familiendramen“; die ja nicht unbedingt im Zusammenhang mit Sexualdelikten stehen müssen. Weil schon das Wort ,,Familiendrama“ die Tat und den Täter verzerrend darstellt. Ich frage mich, ob das ,Familiendrama“ deutschlandspezifisch ist oder ob das in anderen Ländern im ähnlichen Wortlaut/ in ähnlicher Ignoranz vorkommt.

  7. 7 Marcie 22. Juni 2011 um 13:29 Uhr

    @Erica:
    „ich soll euch leider mitteilen dass die opfer jetzt schon 67 sind, da gestern ne andere frau mit messerstichen umgebracht wurde und ich es nicht gelesen hatte..“
    Und die Täter sind ALLE freigesprochen worden?

  8. 8 Jali 22. Juni 2011 um 17:41 Uhr

    @Bäumchen: Die offizielle PSK ist immer an den Tatbeständen orientiert, um die Motive einer Tat geht es da eher zweitranging. Der Begriff „Familendrama“ ist da leider etwas schwamming, und kommt, denke ich, vor allem in der Presse vor. Da können „Ehrenmorde“ genauso drunter fallen, wie Taten von geistig Verwirrten. Der Begriff ist, da hast Du recht, ein Euphemismus, der verharmlost, dass es sich in dem Zusammenhang um Tötungsdelikte handelt. Allerdings verschleiert er auch, dass die Motive für solche Taten höchst unterschiedlich sind. Für eine Betrachtung des Phänomens tödlicher Gewalt gegen Frauen halte ich ihn daher für eher ungeeignet.
    Eine Statistik, in der Delikte nach Motiven und/oder Tatumständen geführt werden gibt es meines Wissens in Deutschland nicht.

  9. 9 Ekkaia 22. Juni 2011 um 18:11 Uhr

    Ich fänds ganz gut, wenn es hier öfter mal Triggerwarnungen gäbe (und mit triggerndem Text zB nach dem „weiterlesen“-Umbruch). Dann lässt sich besser einschätzen, welche Gewaltbeschreibungen mensch sich grad zumuten kann/will und welche nicht).

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sieben + = zehn