Märchenstunde: vom Kicken und Beerensammeln

Es ist mal wieder soweit: das allseits beliebte „Höhlenmenschen-Argument“ ist wieder auf dem Tapet!
In der taz erklärt eine „Sportpsychologin“, warum angeblich unterschiedlicher Torjubel bei Frauenfußball im Vergleich zu Männerfußball viel mehr Teamgeist enthalten soll, während die Männer einen Helden-Alleingang-Jubel veranstalten.
Und zwar, weil (auch wenn die seriöse prähistorische Forschung über solche Annahmen schon lange hinaus ist, aber wen interessiert das schon) Frauen in der Steinzeit schon teamfähig Beeren gesammelt haben und Männer im Heldenalleingang Mammuts gejagt haben. Oder so.

Frauen jubeln lieber im Team – Männer lassen sich für ihre Tore als Superhelden feiern.
(…)
Ein Teil der Erklärung für dieses Selbstdarsteller-Phänomen ist so alt wie die Menschheit und genetisch bedingt. „Das steckt in den Männern drin“, sagt Ohlert. Für Frauen sei es immer wichtig gewesen, zusammenzuhalten. Sie haben in der Gruppe Beeren gesammelt und Kinder gehütet. Bei den Männern hingegen ging es darum, wer der beste Jäger ist, wer das gefährlichste Tier erlegt.

Abgesehen davon, daß es wohl einfacher sein dürfte, allein Beeren zu sammeln als im Alleingang ein Mammut zur Strecke zu bringen, meine ich:
Sexistischer Bullshit, der sowohl Männer als auch Frauen wieder in dämliche Klischees zwängen will.
Und außerdem:

Ihre Torjubel-Theorie hat Jeannine Ohlert noch nicht wissenschaftlich belegt.

Da stellt sich nur noch die Frage: wieso wird dieser biologistische Unfug dann überhaupt zu einem Zeitungsartikel verwurstet?
Liebe taz, beim Männerfußball fällt Euch doch auch genug zu Schreiben ein, ohne die Höhlenmenschen zu bemühen. Mußte das sein?


6 Antworten auf “Märchenstunde: vom Kicken und Beerensammeln”


  1. 1 El Ypsilon 24. Juni 2011 um 20:32 Uhr
  2. 2 Klopfzeichen 25. Juni 2011 um 2:24 Uhr

    Gibts zu der prähistorischen forschung spontan ne quelle? würde ich gerne lesen ^^

  3. 3 Lukas 26. Juni 2011 um 12:28 Uhr

    Zur Weltmeisterschaft liest man in allen Medien derzeit großen Blödsinn… Worüber besonders wenig berichtet wird: Der Sport, die Mannschaft und ihre Chancen. Es wird nur über das Verhältnis Männer-/Frauenfußball geredet, über Playboy-Ausgaben etc. Wie krank ist das eigentlich?

  4. 4 dodo 26. Juni 2011 um 22:03 Uhr

    @klopfzeichen: spontanlinks hab ich nicht, aber wenn du dich dafür interessierst, sind brigitte rödel, linda r. owen und miriam haidle namen, mit denen du relativ weit kommst.

  5. 5 vitamindrop 03. August 2011 um 5:00 Uhr

    man ist das bescheuert! ich lach mich hier grad zu tode…aber irgendwie macht mich das eigentlich eher traurig, ich verstehe nicht warum alle menschen sich immer miteinander vergleichen müssen, anstatt sich lieber so hinzunehmen wie man ist?

  6. 6 Brambor 24. September 2011 um 1:33 Uhr

    Wow, so ein Unsinn. Freue mich auch immer ueber die pseudo-wissenschaftlichen Buecher a al „Warum Maenner… und Frauen…“

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