The Papst-Effekt

Kaum hat das Oberhaupt der katholischen Kirche ein Land besucht und Segen sowie Weihwasser in Hülle und Fülle zurückgelassen, entbrennt auch schon eine Debatte über das Abtreibungsrecht. Neben Ungarn ist dieser Effekt jetzt auch in Kroatien zu beobachten:

Nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI am vergangenen Wochenende in Kroatien bahnt sich eine Diskussion um Abtreibung an, die in Kroatien bis zur zehnten Schwangerschaftswoche straffrei ist. Der Familienbischof der kroatischen Bischofskonferenz, Valter Zupan, forderte in der Sonntagsmesse vor 400.000 Gläubigen die Gesetzgeber auf, „endlich das Gesetz über den Abbruch von menschlichem Leben aus den – so möchten wir glauben – vergangenen Zeiten, zurückzunehmen“

.

Viele mögen glauben, dass ein reaktionäres Organ wie die katholische Kirche heutzutage keinen politischen Einfluss mehr hat – sieht man sich aber die Lage in Polen an, dürfte jeder_m klar werden dass dem nicht so ist. In Polen waren Schwangerschaftsabbrüche unter dem Sowjetregime straffrei. Mit der Wende und dem neu aufkommenden Katholizismus im Land (der amtierende Papst Johannes Paul II besuchte Polen nicht nur etliche Male, sondern war, ach wie schön, selbst auch Pole) wurde das liberale Abtreibungsgesetz jedoch wieder abgeschafft. Seither sind Abtreibungen in Polen nur straffrei wenn das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren in Gefahr ist. Außerdem in Fällen von Inzest oder bei einer Vergewaltigung.
Auch in Ungarn wurde unter Einfluss des Papstes der Schutz des ungeborene Lebens in der Verfassung festgeschrieben. Wie sich das in Zukunft auf das Recht einen Abbruch durchführen zu können, auswirken wird, muss die Zukunft zeigen.
(Dazu ein Interview mit Júlia Spronz, ungarische Frauenrechtlerin)

Die Mischung aus weltlichen Patriarchat mit kirchlicher Frauenfeindlichkeit stellt für Frauen auch heute noch eine große Gefahr dar. Die Todeszahlen dieser Symbiose: 80.000 Frauen die jährlich weltweit an illegalen Abbrüchen (supported by römisch-katholische Kirche) sterben.
Es gilt also auch heute noch das Recht jeder Frau auf einen sicheren Abbruch zu verteidigen, denn weggenommen werden kann dieses Recht jederzeit.

Für Kroatien kann allerdings, vorerst, Entwarnung gegeben werden.

So rechnen auch kroatische ExpertInnen nicht damit, dass die Politik auf diese Aufforderung reagieren wird. Der Soziologe Branko Ancic sagte in der Zeitung „Jutarnji list“, dass die Bevölkerung sehr gut zwischen der politischen und der geistlichen Haltung der Kirche unterschieden, und die politische Haltung ignorieren könne. Religionssoziologe Ivica Mastruko glaubt, dass eine solche Forderung bei einem Teil der Christdemokraten Gehör finden könnte, doch dass diese keine Mehrheit haben würden, um eine Gesetzesänderung zu bewirken.


2 Antworten auf “The Papst-Effekt”


  1. 1 dodo 23. Juni 2011 um 21:01 Uhr

    Das Traurige ist ja: selbst wenn dem Papst ein Lichtlein aufginge und er Abtreibungen nicht mehr verteufeln würde – ich glaube kaum, daß das an der gesellschaftlichen Meinung in Ländern wie Polen etwas ändern würde. :(

  1. 1 The Papst-Effekt « mädchenblog Pingback am 23. Juni 2011 um 21:58 Uhr

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