Sind Slutwalks wirklich sinnvoll?

Am 13.08 ist es soweit. In zahlreichen deutschen Städten, darunter Berlin, Frankfurt und München, marschieren die Schlampen. Die Bewegung, welche ihren Ursprung in Toronto fand, will mit einer Sache endgültig aufräumen – eine Frau ist niemals Schuld an einer Vergewaltigung, egal ob sie einen Kartoffelsack oder einen Minirock trägt. Deshalb laufen seit dem 15 Mai rund in vielen Städten tausende Frauen im „Schlampen-Outfit“ durch die Stadt und sagen selbstbewusst „Ich kann tragen was ich will, ohne Angst vor einem sexuellen Übergriff haben zu müssen“. Klingt soweit gut. Die Forderungen der Bewegung sind wohl für jede_n Feminist_in nachzuvollziehbar..
Die Frage ist nur ob die Mittel stimmen. Ist es emanzipatorisch das Wort „Schlampe“ durch Selbstbezeichnung und Neuinszenierung aus der patriarchalen Schmuddelecke zu holen. Und sind High-Heels, Miniröcke und Netzstrümpfe für Frauenbefreiung wirklich notwendig?
Und warum finden die Slutwalks so großen Zuspruch sowohl unter jungen Frauen als auch in den Medien? Viele der Teilnehmer_innen hatten vor dem Walk mit Feminismus und Frauenrechten nicht viel am Hut.
Hier macht sich das mulmige Gefühl breit, dass die Märsche nur eine solch große Aufmerksamkeit bekommen, da sie ein gängiges, ebenfalls patriarchales Frauenbild transportieren – die neue selbstbewusste Frau ist sexy und stolz darauf. Was „Sex and the City“ vorlebte ist jetzt in den Köpfen der meisten Menschen festverankert. Auch SpiegelOnline ist sofort auf den falschen Zug aufgesprungen. Dort war zu lesen: die Frauen marschieren für „ihr Recht sexy zu sein“.
Aber Halt, so ist das nicht! Es geht um das Recht „nicht vergewaltigt zu werden“, ein Recht auf Sexiness braucht es nun wirklich nicht. Ebenfalls geht es darum die wirklichen Täter zu benennen und die Opfer zu schonen, oder, dass nicht wie es in Toronto der Fall war ein Polizeibeamter jungen Frauen rät „sich weniger sexy zu kleiden“ um einer Vergewaltigung zu entkommen.
Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die Proteste nahezu alle Frauen ausschließen die nicht dem westlichen Kulturkreis angehören und dessen Kleiderstil nicht teilen. Dazu Harsha Walia auf Feministing:

In the post 9/11 climate, the focus on a particular version of sex (y) -positive feminism runs the risk of further marginalizing Muslim women’s movements who are hugely impacted by the racist ‘reasonable accommodation’ debate and state policies against the niqab. This marginalization has, at least in part, been legitimized through an imperialist feminist discourse that imposes certain ideas of gender liberation and perpetuates the myth that certain cultural/religious identities are inherently antithetical to women’s rights.

Andererseits muss natürlich auch gesehen werden, dass nach den Ereignissen der letzten Monate – siehe Assange, Dominique Strauss-Kahn – ein Aufschrei der Frauen notwendig war und Klasse ist.
Das Thema „sexuellen Gewalt gegen Frauen“ muss in jedem Fall in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und vor allem junge Frauen sollten sich dem Recht über ihren eigenen Körper zu verfügen bewusster werden. Darin sehe ich auch das größte Potenzial der „SlutWalks“ – Empowerment. Der Satz „Mein Körper gehört mir“ ist war theoretisch allerorts akzeptiert, in der Praxis werden Frauen aufgrund von gesellschaftlichen Missständen aber oft in eine passive Rolle gedrängt, die einer dominanten allgegenwärtigen männlichen Sexualität in jungen Jahren oft hilflos Gegenüber steht.
Und der Vorwurf aufgrung „aufreizender Kleidung“ eine Vergewaltigung provoziert zu haben ist leider auch heute noch präsent und Teil des allumfassenden „Victim-Blamings“.

Protest ist also angebracht, mir persönlich wäre er nur unter dem Label „Marsch gegen sexuelle Gewalt“ lieber. Da könnten dann alle anziehen was sie immer anhaben oder wollen, oder auch gerne in Netzstrümpfen und Minirock kommen. Die „SlutWalks“ aber generell zu verurteilen und als „unfeministisch“ abzuurteilen halte ich jedoch für gänzlich übertrieben. Denn immerhin organisieren zahlreiche Menschen große Proteste, um für eine gerechtere Welt zu kämpfen.
Und in den Medien ist das Thema jetzt allemal. Also Miniröcke raus aus dem Schrank und ab auf die Straße! (Wenn auch nicht mit einem 100% guten Gefühl.)


66 Antworten auf “Sind Slutwalks wirklich sinnvoll?”


  1. 1 Männlich 30. Juni 2011 um 2:14 Uhr

    Hallo, guter Artikel, aber du bist inkonsequent:

    (…) mir persönlich wäre er nur unter dem Label „Marsch gegen sexuelle Gewalt“ lieber. Da könnten dann alle anziehen was sie immer anhaben oder wollen (…)

    Also Miniröcke raus aus dem Schrank und ab auf die Straße!

    Ich wäre für ersteres. Nur noch radikaler: Es sollten ALLE menschen daran teilnehmen dürfen, also auch Männer (und alle die sich in keiner der beiden Geschlechterkategorien verorten können). Es geht doch darum dass man gegen was bestimmtes ist, und da ist es doch egal ob man Opfer davon ist oder nicht.

    Und die „Slutwalks“ (so wie sie stattfinden) halte ich – sorry – für vollkommenen Schwachsinn. Wieso sollte man sich beim Protest gegen sexualisierte Gewalt extra „sexy“ anziehen??? Ne Art Beißreflex is das.

  2. 2 leonie 30. Juni 2011 um 10:02 Uhr

    @männlich:
    1.Es dürfen alle daran teilnehmen.
    2. Sexy anziehen um zu zeigen „my skirt has nothing to do with you“!

  3. 3 leonie 30. Juni 2011 um 10:06 Uhr

    Oh je, hier hat eine_r (melanie?) von euch ein Kommentar doppelt gepostet und ich hab jetzt leider, sorry, sorry, beide gelöscht. Also bitte nocheinmal posten.

  4. 4 b.monkey 30. Juni 2011 um 10:14 Uhr

    die bezeichnung SLUTWALK ist plakativ u catchy.
    slutwalk muss genauso heißen.der name allein ist schon protest.
    außerdem weist er auf die inflationäre verwendung des wortes SCHLAMPE hin, das für mich einfach ausdruck dafür ist, wie einseitig die sexuelle freiheit in unserer gesellschaft anerkannt ist – nämlich vorrangig bei männern. (während sex-positives verhalten bei frauen eher sanktioniert wird). slutwalk bedeutet für mich nicht nur protest gegen sexualisierte gewalt und sexualisierung von frauenkörpern u EMPOWERMENT, sondern auch mein recht auf teilhabe an den errungenschaften der sexuellen revolution, mein recht auf freizügigkeit, meinen körper, sex… und anerkennung dieser persönl. freiheiten unabhängig von geschlecht! status der nicht von der zahl der sexualpartner o der länge des rockes o der farbe der lippen abhängt. respekt.

    mir gefällt allerdings die idee alle teilnehmen zu lassen irgendwie.

  5. 5 Melanie 30. Juni 2011 um 10:34 Uhr

    ich habe bei dangerousminds ein passendes bild dazu gefunden und in meinem tumblr gepostet: http://doktorindie.tumblr.com/post/6583660907/via-dangerousminds
    - bei den slutwalks geht es ja darum, die – im westlichen raum – am meisten verbreiteten „vergewaltigungsmythen“ aufzudecken, bzw. ihre absurdität zu zeigen. für diesen zweck sind sie sehr sinnvoll. dass die mediale berichterstattung mal wieder zu wünschen übrig lässt, steht auf einem anderen blatt…
    grüße, melanie
    (glücklicherweise text noch vorher kopiert ;-))

  6. 6 Khaos.Kind 30. Juni 2011 um 10:37 Uhr

    Alternativ-Idee:
    Statt im „sexy“ Outfit, einfach im wortwörtlichen Kartoffelsack zum Slutwalk gehen.
    In meinem Kopf ist das ein schöner Bruch der einseitigen Berichterstattung.

  7. 7 Xodia 30. Juni 2011 um 11:54 Uhr

    Die Idee des Slutwalks ist super (Victimblaming plakativ zum Thema machen und zurückweisen), er richtet sich halt gegen einen spezifischen Aspekt im Themenkomplex sexuelle Gewalt. Slutwalks nun genau das vorzuwerfen, also dass sie nicht einfach übliche allgemeine Demos gegen sexuelle Gewalt sind, ist also eine ziemlich seltsame Kritik. Beides kann und muss doch nebeneinander bestehen können. Die Kritik wäre nur zutreffend, wenn Slutwalks und ihr Thema in Zukunft „normale“ Demos und die Beschäftgigung mit allen weiteren Aspekten sexueller Gewalt zurückdrängen oder ersetzen würden. Im Moment ist das weder absehbar, noch gibt es Anzeichen dafür.

    Positiv an Slutwalks finde ich, dass sie die Leute, die davon hören, zum Nachdenken über Inhalte feministischer Kritik bringt. Allgemeine feministische Demos rufen meiner Erfahrung nach eher übliche Reflexe bei Leuten außerhalb der Szene hervor. Leute, die feministischen Forderungen schon vorher positiv gestimmt gegenüber standen, findens halt irgendwie gut, die anderen schlecht. Über Inhalte wird jenseits von Projektionen kaum geredet. Beim Slutwalk wird aber ein Argument so unübersehbar schon im Namen transportiert, dass es fast jeden erreicht, der davon hört. Wers nicht versteht, fragt zumindest nach. Und plötzlich denken Leute über Victimblaming nach, die weder den Bergiff kennen, noch sich bisher jemals Gedanken über das Thema gemacht haben. Das ist doch schon was.

    Meine Kritik wäre jedoch, dass der Begriff „Slut“ im Deutschen keineswegs die Wirkung entfaltet wie im Englischen. Da geht etwas verloren, weil Frauen und Mädchen in Deutschland eben nicht als Slut, sondern als Schlampe und Bitch beschimpft werden. Insofern wäre eine Eindeutschung (z.B. Schlampenlauf) oder die Umbenennung in Bitchwalk vielleicht sinnvoll. Dann funktioniert das Argument mit dem Aneignen des Begriffs auch wieder.

  8. 8 Angelika 30. Juni 2011 um 17:16 Uhr

    Leonie, deine gedanken kann ich gut verstehen.
    der name slutwalk hat ja mit der entstehung zu tun und das war halt in Canada.
    nen anderer „catchy“ name/deutsch wäre mir evtl. auch lieber, jedoch schwer möglich.
    und unterdessen ist es ja „eine weltweite bewegung“.

    und JA, ich finde slutwalks und die thematik betrifft alle menschen – die gegen rape-culture, doppelmoral, sexismus undsoweiter sind – denn leider sind diese für mich noch täglich viel zu akzeptiert, auch in dld., und sind „der mainstream“.

    einfach mal gucken, ms naughty hat z.b. fotos vom slutwalk Brisbane Australien – text ist englisch :
    http://www.msnaughty.com/blog/2011/05/29/fun-at-the-brisbane-slutwalk/

  9. 9 linda 30. Juni 2011 um 18:35 Uhr

    Slutwalks sind sinnlos und blöde, sehe sogar die Tendenz, antifem. und sexistischen Meinungen in die Hände zu spielen. Genau wie die Osteuropäerinnen (weiß nicht mehr genau, wo sie leben), die sich für Frauenrechte strippen oder die Afroamerikanerin bei Peta, die sich auf die Schwarzenbewegung bezieht, während sie strippt. Find’s sogar ein ziemliches klägliches Zeugnis für den Feminismus, solche schnapsideen solche Aufmerksamkeit zu schenken. Aber naja, geht halt Hand-in-Hand mit den „feministischen Pornos“ und der Anbiederung an genormte Schönheitsideale. Da ist mir die auf jeden Fall kritikwürdige Emma tausendmal lieber als dieses Gewäsch hier, wo lookistischen Werbekampagnen die Hölle heißgemacht wird, aber die Sexualisierung einer gesamten Menschengruppe keine_n hinterm Ofen vorlockt.

  10. 10 fallu 30. Juni 2011 um 19:11 Uhr

    ich habe die demo auch nie so verstanden, dass du da nur mit sexy outfit auftauchen kannst. du kannst ja auch ohne minirock eine „slut“ sein (oder zumindest so betitelt werden)

    „Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die Proteste nahezu alle Frauen ausschließen die nicht dem westlichen Kulturkreis angehören und dessen Kleiderstil nicht teilen.“
    es gibt genug frauen, die „nicht dem westlichen kulturkreis“ angehören und trotzdem minirock tragen (wollen). zb. im iran ist makeup (und wieviel haar man zeit) sogar oft ne form von widerstand, was belästigung und mehr durch die sittenpolizei nach sich ziehen kann.

  11. 11 Angelika 30. Juni 2011 um 20:24 Uhr

    p.s. guck mal hier in der taz

    > Ein Schleier schützt nicht

    Der Weiße Ring schreibt aber bei den Präventionsmaßnahmen nicht vor, wie die Frau sich kleiden solle. „Es ist egal, ob der Rock einer Frau kurz ist oder lang, schuld ist immer der Täter“, sagt Schuhmann. Auch bedeckte oder gar voll verschleierte Frauen werden vergewaltigt.

    Tatsächlich kommen in Ländern wie Pakistan oder Indien Vergewaltigungen viel häufiger vor als in Deutschland. Oft werden Frauen im öffentlichen Raum betatscht, was mit dem Begriff „eve teasing“ verniedlicht wird. Aber auch dort formieren sich Slutwalks. Demnächst möchten Inderinnen in Delhi protestieren, danach in Bombay.

  12. 12 Angelika 30. Juni 2011 um 20:26 Uhr
  13. 13 WerdJaEyhAlsTrollDeklariert 01. Juli 2011 um 8:09 Uhr

    Seitdem ich mal auf einem zombie walk war find ich all solche walks amüsant ;)
    Aber ob’s die gesellschaftliche Einstellung ändern kann find ich fragwürdig.
    Und klar ist niemand selbst dafür verantwortlich wenn er Opfer von gewalttaten ist, ich finds nur bischen ärgerlich dass manN von Frauen dumm angemacht wird wenn man mal eine Enge Hose hat wo ein gewisses körperteil sichtbar wird oder man für eine Erektion ausgelacht wird aber als Frau Akzeptanz fordert für so knappe Kleidung die, die meisten als nuttig oder sowas bezeichnen. Ich find generell aber es ein Armutszeugnis jemand aus oberflächlichen Gründen zu kritisieren,dumm an zu machen oder gar Gewalt an zu tun.

  14. 14 Herbert H. 01. Juli 2011 um 22:31 Uhr

    Wow ist das interessant geschrieben!

    Ich mache mir momentan wahnsinnig viele Gedanken darüber ob manche Dinge die man tut weil man glaubt man nehme sich damit eine Freiheit, eigentlich tut weil man verarscht wurde.

    Frauen tanzen halbnackt auf der Straße!

    Frauen tanzen halbnackt auf der Straße, und zwar haupsächlich junge und „gut“ aussehende, und glauben dabei sich für eine gute Sache einzusetzen.

    Ich vermute das die Frage ob ihr tun wirklich etwas Gutes bringt irrelevant ist. Wie sie es tun ist wirklich seltsam. Man könnte denken irgendein hinterhältiger sexistischer männlicher Supermanipulator hätte endlich Frauen dazu gebracht sich aufreizend anzuziehen und auf der Straße zu tanzen.

    Und auch hier vermute ich das es nicht drauf ankommt ob das wirklich so ist oder nur Zufall. Sie tun jedenfalls genau das.

  15. 15 Die JvA 02. Juli 2011 um 13:11 Uhr

    Leider wird es auch hier vergessen und von der Gesellschaft verdrängt: die meisten Vergewaltigungsopfer sind Männer und Jungen: in den Gefängnissen, beim Militär, als Messdiener, in Zeltlagern, in Internaten, in Heimen etc.

  16. 16 onyx 02. Juli 2011 um 14:21 Uhr

    @ JvA
    Denen wird aber üblicherweise nicht vorgehalten, dass sie sich zu aufreizend gekleidet oder sonstwie „schlampig“ provoziert hätten. Darum gehts schließlich.

  17. 17 Jane 02. Juli 2011 um 14:35 Uhr

    Wenn ich als Schlampe bezeichnet wurde, dann erhlich gesagt unabhänig von meinem sexy oder nicht-sexy Outfit!!! Ich werde auf der Straße oder sonstwo, wenn es den Männern gerade passt zu einer Schlampe gemacht.

    Das eine ist, dass ich ständig aufpassen muss, nichts „Falsches“ machen darf, man hat Pfefferspray dabei, es gibt Frauenparkplätze, Selbstverteidigungskurse… dabei könnte man ja fast auf die Idee kommen man selbst ist das Problem!

    Das andere ist, dass die meisten Vergewaltigungen/Missbrauche nicht auf der Straße passiern, sondern im nahen Umfeld. Also, hier geht es nicht um Miniröcke, beim Slutwalk gehts für mich, um spürbare Unterdrückung und Zurechtweisung meines Verhaltens, das in den Augen vieler Männer wohl nie „richtig“ ist!

    Den Slutwalk jetzt als sexy Spaßveranstaltung hinzustellen, ist meiner Meinung nach, mackerhaftes Wunschdenken!

  18. 18 Herbert H. 02. Juli 2011 um 15:09 Uhr

    @Die JvA: Das glaube ich auch, aber ich würde mir wünschen das kein Geschlecht oder sonst irgendeine Gruppe als besonders gefährdet dargestellt wird. Ich fühle mich immer sehr allein, wenn ich sehe wie alle Welt davon auszugehen scheint, dass männliche Opfer quasi nicht existieren. Man hat Angst niemand würde einem glauben.

  19. 19 knizz 02. Juli 2011 um 17:19 Uhr

    @onyx: denen wird u.a. vorgeworfen, keine „richtigen männer“, schwuchteln, schwächlinge, lügner, feiglinge oder leute, denen das vollkommen recht geschieht, zu sein. viel häufiger ist allerdings, dass vergewaltigungen an männern totgeschwiegen werden. kommen sie medial doch mal vor, dann zur belustigung der zuschauer&zuschauerinnen, die sich bei entsprechenden szenen vor lachen über die opfer gar nicht mehr einkriegen.

  20. 20 dodo 02. Juli 2011 um 17:22 Uhr

    Was ich besonders (und mit 100% gutem Gefühl) an den Slutwalks mag, IST unter anderem auch die „sexy Erscheinung“.

    Es ist nämlich viel zu selten, daß in der Öffentlichkeit „leicht bekleidete Frauen“ als ernst zu nehmende Individuen gezeigt werden: wer seriös sein will und ernst genommen werden, die solle sich besser unauffällig kleiden. Hosenanzug oder so…
    Denn mit Mini und Netzstrümpfen sieht man Frauen in den Medien meistens nur als „auf Männerfang/Aufmerksamkeit aus“ porträtiert, angezogen für Männer (oder „um die Freundinnen neidisch zu machen“).

    Hier kriegen die Menschen endlich mal sexy gekleidete Frauen gezeigt, die nicht anbiedernd, sondern WÜTEND sind. Die sich sexy anziehen aus einem Grund, der eben mal so GAR nicht dem „Männerbeeindrucken“ gilt.
    Die, nicht wie bei Sex&the City den Lebenstraum haben, Mr. Big/Right zu finden, sondern gegen eine der ältesten und hartnäckigsten Vergewaltigungsmythen kämpfen.

    Das Bild würd ich gern öfter sehen.

  21. 21 ..,- 02. Juli 2011 um 19:35 Uhr

    so viel ich weiß ist „slutwalk“ erstmal eine veranstaltung, die von teilnehmer-innen und -Ern gefüllt werden muss. die message ergibt sich auf dem walk, oder? und protest gegen das bild von der frau, die aus dem busch heraus im park angefallen wird kann ja AUCH durch eine berichtigung dieses bildes in richtung von vergewaltigungen männern gegenüber geschehen. außerdem gibt es glaub ich keinen minirockzwang? der name scheint doch erstmal ne provokation zu sein, der die medien anzieht – aber stellt euch vor, auf‘m slutwalk haben ALLE GESCHLOSSEN kartoffelsäcke an. wie cool!! :)

  22. 22 halteverbot 02. Juli 2011 um 21:01 Uhr

    Denen wird aber üblicherweise nicht vorgehalten, dass sie sich zu aufreizend gekleidet oder sonstwie „schlampig“ provoziert hätten. Darum gehts schließlich.

    @Onyx
    Ich halte dieses Argument „es wird ihnen vorgehalten“ für einen Strohmann. Wer genau hält das wem eigentlich vor und wie relevant ist es?

    Andererseits ist es doch eine Binsenweisheit, dass man mit seinem Äußeren eine Aussage über sich selbst trifft, man betreibt damit Kommunikation. Also sollte man sich auch überlegen, was man da aussagen will und wie es verstanden werden könnte. Wenn Feministinnen einerseits die Sexualisierung von Frauen beklagen, warum sexualisieren sich eigentlich selbst? Sexuelle Freiheit bedeutet doch nicht, jederzeit, ob passend oder nicht, auf seine Sexualität zu referenzieren. Natürlich kann kaum jmand einer Frau verbieten, sich sexy zu kleiden (außer im Job). Aber aufdringliches zur Schau stellen von Sexualität ist kein Ausdruck von Feiheit, sondern Überkompensation. Es ist kein Zeichen von Freiheit, wenn FRauen sich selbst zum Objekt machen.
    Man stelle sich vor, Männer würden ähnlich handeln und am laufenden Band Sexwitze zum Besten geben oder sich in den Schritt greifen. Das würde man zu recht als Belästigung empfinden.

    Ich werde auf der Straße oder sonstwo, wenn es den Männern gerade passt zu einer Schlampe gemacht.

    Nein, Jane, du wirst nicht „gemacht“, denn du brauchst dir die Jacke ja nicht anzuziehen. Es liegt bei dir, ob du es mit dir machen lässt oder nicht, ob du dich der Beurteilung anderer unterwirfst oder nicht.

  23. 23 Sandra 02. Juli 2011 um 22:21 Uhr

    Sehr guter Artikel! Mir persönlich wäre eine andere Art der Demonstration auch lieber, aber wie schon erwähnt wurde zieht der Slutwalk nunmal die Medienöffentlichkeit auf sich die wir so dringend benötigen. Es ist zwar traurig dass wir Frauen uns auf solch eine provokante Art und Weise Aufmerksamkeit verschaffen müssen, aber letztendlich können wir es ja zu unserem Vorteil nutzen – um die wirklich wichtige Botschaft die hinter dem ganzen steht einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

  24. 24 slutwalk hannover 03. Juli 2011 um 1:51 Uhr

    Vielen Dank für den differenzierten Artikel über diese Protestform. Musste auch erst ein bisschen überlegen und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie mir sehr gut gefällt!

    Schön, dass dieser unsägliche Satz aus dem Spiegel aufgegriffen wurde. Hat mich geärgert & ich denke, die Verbreitung dieses Fehlverstehen sorgt auch für viel Diskussion (genau: wer braucht schon ein Recht auf sexy Kleidung?).

    Weil es diesbezüglich Unsicherheit gab, hier nochmal ganz eindeutig:
    BEI SLUTWALKS SIND ALLE WILLKOMMEN, die sich für die Freiheit, sich überall, zu jeder Zeit, in jeder Kleidung, Statur, Hautfarbe usw. sicher bewegen zu können und gegen Vergewaltigunsmythen einsetzen wollen! Also herzlich willkommen ob Frau im Kartoffelsack, ob Mann im Minirock, oder umgekehrt oder einfach in Jeans!

  25. 25 gloria magnifico 03. Juli 2011 um 13:01 Uhr

    Danke für den guten Artikel. Ich finde die Idee auf der Strasse gegen sexuelle Übergriffe zu protestieren sehr wichtig. Wer wurde nicht schon einmal blöd auf der Strasse angemacht oder angefasst? o-+ Bei den Slutwalks geht es, wie ich sie verstehe, vordergründig um Kleidung. Kleidung, als kultureller Code gelesen, unterliegt bestimmten Normen und Konventionen, die ein vorherrschendes Geschlechterverhältnis repräsentieren. Auf den Slutwalks wird also eine bestimmte Repräsentationsebene des Geschlechterverhältnisses isoliert verhandelt. Andere Ebenen wie die der Arbeitsteilung oder Sprache werden ausgeblendet. Gut oder schlecht? Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall sind Bilder von leicht bekleideten jungen Menschenmassen ein gefundenes Fressen für die Medien. So verbreiten sich dann hoffentlich auch Diskussionen über sexualisierte Gewalt und Street Harassment.

  26. 26 gloria magnifico 04. Juli 2011 um 10:41 Uhr

    Nach weiteren Überlegungen werde ich dem SlutWalk gegenüber immer skeptischer und schliesse mich den Besorgnissen von „Herbert H.“ und „halteverbot“ in diesem Thread an. Dass junge Frauen, die in der Öffentlichkeit (zB Werbung) zu 90 Prozent als hypersexualisierte Wesen dargestellt werden, auf die Strasse gehen und dafür protestieren, „sexy sein“ zu dürfen, ist irgendwie paradox bzw klingt nach einem Kurzschluss. Wird hier nicht das Gebot „sexy zu sein“ untermauert?

    Was wäre, wenn Menschen über 60 Jahren als „Schlampen“ gekleidet auf die Strasse gehen würden? Da wäre die „Message“ wohl eine andere. Kleidung ist immer Kommunikation und kein einseitiges Beharren auf einer Aussage wie „so fühle ich mich eben frei“. Das Gegenüber liest den kulturellen Code. Und bei Netzstrümpfen, Push-up Bra und Mini-Rock gibt es eine begrenzte Auswahl an Deutungsmöglichkeiten. Freiheit bedeutet ja nicht, ständig alles tun zu können. Das Individuum ist Teil einer Kommunikationsgemeinschaft (die sich natürlich ständig weiterentwickelt).

    Die Idee mit den Kartoffelsäcken fände ich also sehr gut!

  27. 27 shlomo 04. Juli 2011 um 23:41 Uhr

    bei Netzstrümpfen, Push-up Bra und Mini-Rock gibt es eine begrenzte Auswahl an Deutungsmöglichkeiten.

    so? welche sind das denn? dass die trägerin es sich angezogen hat, weil sie sich darin wohlfühlt? weil sie ihren körper mag, egal wie er geformt ist? dass sie flirten will und zeigen möchte, was sie zu bieten hat? dass sie darum bittet, betatscht zu werden?
    ich denke nicht, dass eine frau, nur weil sie mehr haut zeigt, um passive oder aktive aufmerksamkeit buhlt. sondern es sich zunächst einmal nur angezogen hat, weil sie möchte und weil sie sich darin wohlfühlt. oder einfach nur, weil es draußen verdammt warm ist. alles andere ist interpretationssache, und die interpretationen sind so vielfältig wie die gründe, sich so zu kleiden.
    klar gibt es genug sexistische werbung, die zu kritisieren ist. aber wenn jetzt frauen auf dem slutwalk genauso rumlaufen wie in dieser werbung, heißt das noch lange nicht, dass sie sich damit gemein machen. die diese frauen zeigen: egal, wie ich mich kleide, die verfügungsgewalt über meinen körper habe immer noch ich und kein anderer.
    von meiner teilnahme (als mann) auf dem londoner slutwalk kann ich bis auf die teilnahme obskurer ufologen mit hakenkreuz- und davidstern-logo nur positives berichten. von den ca. 3000 teilnehmerInnen waren etwa 10-20 prozent männlich, und auch (offensichtliche) transvestiten warn zu sehen. auf der über einstündigen abschlusskundgebung wurden viele unterschiedliche positionen vorgetragen. es waren u.a. „women of colour“ eingebunden, muslima, pro- und contra-prostituierten-vertreter… wie bei jeder demonstration kann ich sagen: die leute, die teilnehmen, bestimmten, welche message sie rüberbringen möchten, was wichtig ist und wie es präsentiert werden soll. also kann ich für berlin nur sagen: werden kreativ, sammelt kartoffelsäcke, kramt die miniröcke raus, bastelt schilder, transparente, überzeugt eure eltern, geschwister, großeltern, tanten und onkels, mit teilzunehmen.

  28. 28 delilah 05. Juli 2011 um 1:22 Uhr

    beim slutwalk sind nur scheinbar alle willkommen. alle, die nichts mit der idee des „re“-claimings anfangen können, müssen sich mit dem label abfinden oder draußen bleiben. das find ich wichtig, nicht die klamottenfrage oder gar öde masku-diskussionen.

  29. 29 oldboy 05. Juli 2011 um 18:01 Uhr

    genauso wie es ein scheinbar mehr als spezifisches problem in deutschland ist sinn- und zweckgebundene demos (stiftend ist hier stets der aufruf) durch das aufspringen diversester interessen sinn- und zweckzuentfremden, genauso spezifisch ist es für deutschland in einem „guten sinne“ eine art konsens zur inhaltlichen auslegung einer demo im sinne eines für alle erträglichen konsens herbeiführen zu wollen – letztlich fällt beides in eins. eine demo folgt einem aufruf – wer hin geht sollte diesen anerkennen, nicht jedoch mit einem schild „ja, aber…“ mitlaufen. andernfalls existiert das mittel von gegendemos (mit wem man sich da wohl wiederfinden würde? gruselgrusel!)

    eine demo wie eben diese, die inhaltlich und in ihrem ausdruck in direktem bezug zu ihrem aufruf und der damit in den blick gefassten problematik einem standpunkt und einer linie folgt, hat es mitnichten verdient in einem blog derartig kommentiert zu werden, wie dies hier zum teil geschieht. zumindest sind mir so manche hier erwogenen „vergleiche“ oder „parallelen“ nicht nur von ihrem sinn und in ihrer darstellung ein dorn in verstand und auge, sondern vor allem nur im seltensten fall auf irgendeiner erkennbaren und dargestellten grundlage basiert. was sich hier zum teil bahn bricht und offenbart ist zuweilen haarsträubend.

    wer auch immer beginnt darauf hinweisen zu wollen, dass männer selbst die häufigsten opfer von vergewaltigungen wären(s.o.), oder aber das äußerliche auftreten von „sluts“ sinngemäß einer männlichen errektion gleichsetzen (s.o.) offenbart genau die problematik, die ich eingangs angesprochen habe und einiges mehr, was weit darüber hinaus geht. einer meinung sollte doch stets eine auseinandersetzung zuvorkommen, und einer auseinandersetzung von einem denkprozess begleitet sein….

    ich begrüße die diskussion um diese demo – widment sie sich doch der problematik und findet darin ihren von der demo ins auge gefassten sinn – finde jedoch dass stets ein respektabler umgang, sowohl mit der demo an sich, als auch unter den diskutierenden gewahrt werden sollte. darüber hinaus sollten meiner meinung nach vor allem gerade „männer“ (das sage ich selbst als „mann“) – deren möglichkeiten zu erahnen, was es heißt in dieser gesellschaft eine „frau“ zu sein, ohne frage gegen null tendieren dürften – einfach mal an diesem punkt die klappe halten und, so es ihnen denn selbst ein bedürfnis ist, selbst eine demo auf die beine stellen….schlimm genug dass es keine von männern organisierte demo bezüglich eben genau der hier angesprochene problematik gibt. wer mag darf hier in dem ausbleiben jedlicher aktionen seitens der männlichen welt, die einer öffentlichen progresiven auseinandersetzung förderlich sein könnte, durchaus eine art der unbewussten solidarisierung mit den tätern sehen (einige der bei den kommentaren getroffenen aussagen tun letztlich nichts anderes, als über drei umwege verständnis organisieren zu wollen…kumpanei als männerbunddomäne, und als sahnehäubchen die erklärung dass „mann“ halt nunmal so wäre und nicht anders könne – pfui! das wäre der sieg der hormone über die selbstbestimmung, sich dann selbst noch als opfer zu stilisieren ist wohl ohne frage das letzte…nichts gegen hormone, aber es gibt grenzen, und wenn schon nicht die eigenen, dann doch zumindest die der anderen).

    sollte ich mich im ton etwas vergriffen haben, mag hoffentlich der eine oder die andere diesen entschuldigen. peace.

  30. 30 SlutWalk Ruhr 07. Juli 2011 um 14:51 Uhr

    Hallo ihr Lieben!

    Wir vom SlutWalk Ruhr-Team haben uns viele dieser Fragen ebenfalls gestellt und uns so gut es geht darum bemüht, Antworten darauf zu finden. Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr hier nachlesen: http://slutwalkruhr.blogsport.de/faq/

    Solidarische Grüße aus dem Ruhrgebiet

    das SlutWalk Ruhr-Team (das immer noch nach Mitstreiter*innen sucht ;))

  31. 31 delilah 08. Juli 2011 um 11:52 Uhr

    @slutwalk ruhr: ihr verlinkt in eurem faq unter anderem den fake-slutwalk tehran, würd ich mir mal überlegen (das sind wohl weiße us-jungs, amina lässt grüßen).

  32. 32 SlutWalk Ruhr 08. Juli 2011 um 15:19 Uhr

    Hallo delilah,

    vielen Dank für deinen Hinweis! Wir haben die Orga erst vor ein paar Tagen übernommen und versucht so schnell wie möglich zumindest eine Basis auf die Beine zu stellen, da kann es leider passieren, dass sich der ein oder andere Fehler einschleicht… Wir haben den Link aber umgehend entfernt!

    Übrigens haben wir diese Diskussion hier nun auch zu unseren Links hinzugefügt :)

  33. 33 TOHUWABOHU 12. Juli 2011 um 1:46 Uhr

    Ich habe mich nach anfänglicher Skepsis nun doch dazu entschieden am Slutwalk in Berlin am kommenden Mittwoch, den 13.Juli um 15 Uhr am Breitscheidplatz teilzunehmen. Einen Aufruf mit Infos und möglichen Beweggründen zur Teilnahme habe ich hier veröffentlicht: http://kopfwehstattrausch.wordpress.com/2011/07/12/slutwalk/

  34. 34 Sophie 12. Juli 2011 um 12:12 Uhr

    Im Blog eines Mannes las ich den ganz anderen Standpunkt:

    So demonstrierten tausende Frauen beim „Marsch der Schlampen“ in London, Sydney und andernorts für ihr Recht, sich so zu kleiden, wie sie möchten. Ihre sinnigen Sprüche lauteten „Es ist ein Kleid, kein Ja“, „Nein heißt nein“ oder auch „Wir sind alle Zimmermädchen“. Letzteres dürfte manchem Mann heute schon fast als Drohung erscheinen. Die Teilnehmerinnen zeigten bei ihren Demonstrationen generell viel Haut, was Männer im Allgemeinen recht gerne sehen. Bei Lichte betrachtet handelt es sich dabei allerdings um sexuelle Belästigung, schließlich würde man ja auch keine saftigen Filetsteaks durch Obdachlosensiedlungen tragen und dabei „Es ist ein Steak, kein Ja“ oder „Nein heißt nein“ skandieren. Erotische Kleidung war schon immer ein weibliches Mittel, um Herrschaft über Männer zu erlangen.

  35. 35 TOHUWABOHU 13. Juli 2011 um 12:56 Uhr

    Ja, dass ich mit meinem Aktionismus dann doch etwas voreilig war, hab ich natürlich jtzt korrigiert. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb das an nem Mittwoch stattfinden sollte…:"> Also: Slutwalk Berlin am SAMSTAG, den 13. AUGUST. Mein Aufruf dafür steht aber immernoch!

  36. 36 rather_ripped 15. Juli 2011 um 1:14 Uhr

    @sophie: ja genau, knappe kleidung ist schiere provokation der frauen, da brauchen sie sich nicht wundern, wenn sie sanktioniert werden. und im grunde genommen ist so eine vergewaltigung ja auch ein kompliment, eigentlich müssten die frauen sich doch geschmeichelt fühlen.
    und überhaupt – denkt irgendwann auch mal irgendwer an die armen männer, die tag für tag – selbstverständlich völlig unverschuldet und hilflos – einer übersexualisierten gesellschaft ausgesetzt sind? und das wo sie doch nur aus hormonen, trieben und geschlechtsteilen bestehen. also wirklich! empörend, was diese machtbesessen frauen mal wieder für rechte einfordern. die sind doch die eigentlichen sexistinnen!

  37. 37 thoughtsunderconstruction 17. Juli 2011 um 23:56 Uhr

    Ich demonstriere jeden Tag: Dafür lesbisch sein zu dürfen, cissexistischen schönheitsidealen zu entsprechen und nicht angetatscht zu werden. Ich gehe jeden Tag auf die Straße dafür, ich sein zu dürfen. Die „Slut walks“ stellen für mich nur einen Safe Space dar, eine sexualisierte gender performance (ich identifiziere mich als fam)haben zu dürfen ohne sexualisiert zu werden.
    Ich bin nicht sexuell, egal was ich anziehe. Meine Sexualität gehört mir! Ich will niemals von Männern angemacht werden! Aber mein Kleidungsstil wird missgedeutet als aufforderung, mich zu sexualisieren.

    Deswegen habe ich das Wort „Schlampe“ reklamiert:
    http://thoughtsunderconstruction.wordpress.com/2011/06/19/schlampe/
    Für mich. Denn ich werde immer als Schlampe betrachtet, egal was ich tue.

    Wisst ihr eigentlich, wie schwer es für mich ist, cisgender Männer nicht zu hassen? Ich hasse jeden einzelnen, der mir das antut, mr nicht zu glauben, dass ich kein Interesse daran habe, von ihnen sexualisiert zu werden.

  38. 38 halteverbot 20. Juli 2011 um 13:19 Uhr

    ich denke nicht, dass eine frau, nur weil sie mehr haut zeigt, um passive oder aktive aufmerksamkeit buhlt.

    @shlomo, was bezweckt sie denn sonst mit aufzeizender kleidung, wenn nicht das nonverbale thematisieren ihrer körperlichkeit / sexualität? es ziehen sich ja auch bei warmem wetter nicht alle frauen freizügig an.

    klar gibt es genug sexistische werbung, die zu kritisieren ist. aber wenn jetzt frauen auf dem slutwalk genauso rumlaufen wie in dieser werbung, heißt das noch lange nicht, dass sie sich damit gemein machen.

    und wo genau liegt der unterschied?

    diese frauen zeigen: egal, wie ich mich kleide, die verfügungsgewalt über meinen körper habe immer noch ich und kein anderer.

    das wollen sie zeigen, aber tun sie es? ich glaube nicht. sie sexualisieren sich selbst und wollen damit aussagen, dass sie sexualisierung ablehnen. das klingt für mich sehr widersprüchlich.

  39. 39 rather_ripped 22. Juli 2011 um 10:52 Uhr

    es geht bei dem slutwalk nicht um die sexualisierung von frauen in unserer gesellschaft. es geht um die dichotomie von der hure und der heiligen – und die bestätigt sich selbst in den kommentarspalten hier…

    und was ist wenn sie sich tatsächlich nicht freizügig kleidet weil ihr warm ist oder sonst was, sondern schlicht und einfach weil es ihr gefällt? was, wenn sie ihren körper einfach gerne zeigt, zufrieden mit sich ist und stolz auf das, was sie hat? im gesamtgesellschaftlichen kontext wird sie zur schlampe, im feministischen zur stütze des patriachats… in beiden fällen wird sie sanktioniert.

    und genau darum geht es doch bei den slutwalks; selbstbestimmt mit unseren körpern und unseren leben umgehen zu können, ohne dass wir dafür verurteilt und sanktioniert werden oder menschen das als einladung sehen, unsere grenzen zu überschreiten.

    irgendwer hat es viel weiter oben sehr treffend formuliert: die slutwalks sind der versuch, die errungenschaften der sexuellen revolution auch für frauen einzufordern. und wie es aussieht, wird das noch ein sehr langer und steiniger weg werden. 8-|

  40. 40 halteverbot 22. Juli 2011 um 19:44 Uhr

    es geht um die dichotomie von der hure und der heiligen

    Ach, und ich dachte, es geht um rape culture und victim blaming. Oder wars name dropping??

    @rather_ripped
    Bei plakativen Aktionen wie Demos sollte die Message schon eindeutig erkennbar sein. Meinst du nicht? Und es muss einen Adressaten geben.

    und was ist wenn sie sich tatsächlich nicht freizügig kleidet weil ihr warm ist oder sonst was, sondern schlicht und einfach weil es ihr gefällt?

    Oder ihre anderen Sachen sind in der Wäsche. Der Grund ist völlig egal. Er ist für Außenstehende nicht erkennbar und damit – für diese – irrelevant.

    im gesamtgesellschaftlichen kontext wird sie zur schlampe, im feministischen zur stütze des patriachats… in beiden fällen wird sie sanktioniert.

    Da gibt es ja nun eine ganz einfache Möglichkeit, dies zu umgehen. Es gibt in unserer Kultur Codes, was Kleidung aussagt. Diese Codes kennt man. Wo ist also das Problem, diese Codes zu respektieren? Sexualität ist in erster Linie Privatsache und nichts, womit man hausieren geht.

    die slutwalks sind der versuch, die errungenschaften der sexuellen revolution auch für frauen einzufordern.

    Von der sexuellen Revolution haben doch de facto fast nur Frauen profitiert: Sie bekamen Zugang zu sicherer Verhütung, die Möglichkeit zur Abtreibung, Sex ohne Ehe wurde ihnen möglich, Pornografie und Prostitution sind nicht mehr strafbar, die Sexualität von Frauen wurde überhaupt erst thematisiert, Vergewaltgung in der Ehe wurde strafbar usw.
    Es besteht kein Grund für Frauen, für das Recht auf Selbstbestimmung zu protestieren, denn dieses Recht haben sie bereits. Es gibt keine Institution, die dieses Recht heute noch legitimieren müsste.

  41. 41 dodo 23. Juli 2011 um 6:52 Uhr

    Liebes Halteverbot,
    ich habe keine Ahnung, warum zum Geier du freigeschalten worden bist, aber da’s nunmal so ist, will ich’s nicht unkommentiert stehen lassen (obwohl ich ja so das „leise“ Gefühl habe, du bist eher zum Stänkern gekommen, als dich ernsthaft und aufgeschlossen mit den Sinn von Slutwalks auseinanderzusetzen):

    - rape culture und victim blaming sind mit der huren/heiligen-dichotomie eng verknüpft (wer sich nicht genug wie ne heilige benimmt, ist hure, kann also eh vergewaltigt werden)

    - die Message IST eindeutig erkennbar. Was an „Frauen sollten so freizügig wie sie wollen rumlaufen können, ohne belästigt zu werden“ denn so schwer zu verstehen?

    - „Der Grund ist völlig egal. Er ist für Außenstehende nicht erkennbar und damit – für diese – irrelevant.“
    Tja, sollte dann der Außenstehende nicht eben genau deswegen mal drüber nachdenken, ob seine Annahme (knappe kleidung=will typ aufreißen) vielleicht bullshit ist? wenn ich NICHT weiß/wissen kann, weshalb sich wer so anzieht, weshalb sollte es dann okay sein, daß seine pure Vermutung zählt?? Und ist es nicht auch scheißegal, WIESO sie sich so anzieht? Mal ehrlich, was geht es den Außenstehenden überhaupt an? Eben, du sagtest es: irrelevant. Der Grund geht ihn also NIX an. Sollte wirklich eine klare Aufreißaktion hinter nem kurzen Rock stecken, wird sie das den schon anderweitig merken lassen. Du weißt schon, flirten und so.
    - „Da gibt es ja nun eine ganz einfache Möglichkeit, dies zu umgehen. Es gibt in unserer Kultur Codes, was Kleidung aussagt. Diese Codes kennt man. Wo ist also das Problem, diese Codes zu respektieren?“
    Du machst dir die Sache zu einfach.
    *Erstmal: weshalb sollten diese Codes eigentlich jenseits jeglicher Kritik stehen? Weshalb sollte man ständig Selbsteinschränkung vornehmen? Warum werden enge Shirts/Hosen… bei Männern nicht als sexueller Code gesehen? So ein eng eingepackter Knackarsch kann für viele Frauen (und nicht nur die) ein durchaus sexuell stimulierender Anblick sein. Hat sie dann das Recht, einfach mal ranzugrabschen? Weil er ja ein sexuelles Signal aussendet? Nicht? Aha…
    *Zweitens: die Codes sind nun doch um einiges vielschichtiger, als du es hier darstellst. Nur weil du offenbar mit enger/knapper Kleidung lediglich Sex verbindest, heißt nicht, daß das der einzig relevante Code ist. Es gibt auch Kindergartenmädels in bauchfreien Tops – auch ein sexuelles Signal? Oder um in einen Club reinzukommen, kannste als Frau eben auch nicht – sexuelles Interesse oder nicht – in Jeans und Schlabbershirt am Türsteher vorbei. Nur, um ein paar Beispiele zu nennen.
    Und SELBST IM FALLE, sie zieht sich so an, um wen aufzureißen – wer sagt, daß sie überhaupt auf Männer steht? Wer sagt, daß sie nicht jemand bestimmten anderen angraben will? Vielleicht will sie durchaus sexuellen Kontakt – aber eben nicht mit jedem Arschloch, der ihr an den Arsch langt???
    Und Sexualität ist Privatsache?? Hast du seit den 68ern unter nem Felsen gelebt? Ich bitte dich… abgesehen davon geht es bei den Slutwalks ja nicht um „Juhu, wir gehn mit unserer Sexualität hausieren, kuckt alle her wie geil wir sind!“, sondern um Vergewaltigung, Mißbrauch und sexuelle Belästigung. Das ist KEINE Privatsache. Das ist kriminell.
    -“Von der sexuellen Revolution haben doch de facto fast nur Frauen profitiert: Sie bekamen Zugang zu sicherer Verhütung, die Möglichkeit zur Abtreibung, Sex ohne Ehe wurde ihnen möglich, Pornografie und Prostitution sind nicht mehr strafbar, die Sexualität von Frauen wurde überhaupt erst thematisiert, Vergewaltgung in der Ehe wurde strafbar usw.“
    Nur die Frauen profitiert? LOL, ich sag dir mal, wie die Männer auch davon profitiert haben: die Pille für die Frau ermöglichte Männern sichereren Schutz davor, ungebeten Papa zu werden und lebenslang Alimente zu zahlen (bzw damals noch oft, heiraten zu müssen), dasselbe bei der Abtreibung (übrigens: sooo einfach ist das bis heute noch nicht!!). Pornographie und Prostitution sind nicht mehr strafbar (oh und sag jetzt NICHT, das wäre kein Vorteil für Männer). Vergewaltigung in der Ehe ist nun strafbar, so daß sich ein Mann weniger Sorgen um seine Schwester/Mutter/Tante/whatever beloved female machen muß, da sie nun die Chance hat, das Schwein anzuzeigen. Die weibliche Sexualität wurde erstmals echt untersucht, was Frauen mehr Spaß im Bett ermöglichte, und die (hetero-)Männer profitieren, indem sie eine aufgeklärte, sexuell selbstbestimmte Frau im Bett haben, die ihren Körper kennt und Spaß am Sex hat, statt für die „eheliche Pflicht“ einfach da liegt und wartet, bis es vorbei ist.
    Einfach mal „Danke, Frauenbewegung!“ sagen wär angbracht.
    Oh, die Vorteile für die Männer hattest du schon aufgezählt? Huch. Wär mir doch fast entgangen…

  42. 42 halteverbot 23. Juli 2011 um 12:58 Uhr

    Und ist es nicht auch scheißegal, WIESO sie sich so anzieht?

    Kleidung ist Kommunikation. Mit Kleidung stellt man dar, wie man sich selbst sieht und gesehen werden möchte. Du gehst sicher nicht im Schlafanzug zum Bewerbungsgespräch. Warum nicht? Weil das ein falsches Signal sein könnte.
    Daher ist das „WIESO“ uninteressant, denn das teilt die Kleidung nicht mit. Nicht egal ist hingegen das „DASS“… sich jemand aufreizend (oder wie auch immer) anzieht. Wer das tut und damit der Umwelt etwas über seine Sexuslität mitteilt, dann aber fordert, diese Mitteilung möge doch bitte ignoriert werden, widerspricht sich selbst: „Denken Sie jetzt nicht an eine Zitrone!“ das geht nicht.

    Mal ehrlich, was geht es den Außenstehenden überhaupt an?

    Eben. Die Sexualität von Anderen geht mich z.b. nicht an. Ich will darüber nicht mittels Kleidung informiert werden.

    Du machst dir die Sache zu einfach.

    Nein, die Sache IST einfach. Seit der Mensch sich kleidet, vermittelt er mit der Kleidung Botschaften. Diese Form nonverbaler Kommunikation kann man nicht einfach kontrafaktisch leugnen. DAS ist zu einfach.

    Warum werden enge Shirts/Hosen… bei Männern nicht als sexueller Code gesehen?

    Deine Prämisse ist falsch: Sie werden durchaus als sexueller Code gesehen.

    Hat sie dann das Recht, einfach mal ranzugrabschen?

    Das „Recht“ dazu hat ein Mann, der eine Frau angrapscht, auch nicht. Oder hab ich da was übersehen? Gibts ein Gesetz, dass Angrapschen erlaubt? Nicht? na dann …

    Es gibt auch Kindergartenmädels in bauchfreien Tops – auch ein sexuelles Signal?

    Leider ja, denn wenn kleine Mädchen ähnlich wie Frauen gekleidet sind, dann soll das zwar nicht bedeuten, dass dieses Kind sexuelle Ambitionen hat, verweist aber sehr wohl auf die zukünftige Rolle, die die Gesellschaft einem Mädchen bzw. einer Frau zuweist. Der Unterschied liegt übrigens darin, dass kleine Jungs nicht in bauchfreien Tops rumlaufen. Wäre das der Fall, würde es sich um geschlechtsneutrale Kinderkleidung handeln.

    Oder um in einen Club reinzukommen, kannste als Frau eben auch nicht – sexuelles Interesse oder nicht – in Jeans und Schlabbershirt am Türsteher vorbei.

    Eben. Und warum nicht? Weil Kleidung in jedem Fall eine Botschaft aussendet. Dieses Beispiel zeigt besonders drastisch, wie sehr Frauen eben nicht selbstbestimmt Kleidung wählen können, sondern sich dem Code „sexy“ zu unterwerfen haben, und das bereits so verinnerlicht haben, dass sie meinen, es freiwillig und selbstbestimmt zu tun. Dazu kannst du gern mal das hier lesen:
    http://www.amazon.de/Living-Dolls-Frauen-lieber-schlau/dp/3810523771/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1311417868&sr=8-2

    über das Buch:
    „Zwar glauben die meisten Frauen, sie hätten ihr Leben und ihre Sexualität selbstbestimmt im Griff, in Wirklichkeit aber reduzieren sie sich immer mehr auf ihr Äußeres und sehen allein ihre Attraktivität als Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Auf dieses Lolita-Schema werden die Mädchen schon in frühen Jahren festgelegt. Es gibt fast nur noch rosa Spielzeug für kleine Mädchen, süße „Prinzessinnen“ tragen Miniröcke, hochhackige Schuhe und Lippenstift. Junge intelligente Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten lassen sich in Casting Shows öffentlich demütigen. Natasha Walters kritische Bestandsaufnahme schockiert, rüttelt wach und macht eine Auseinandersetzung mit diesem wieder erstarkenden aggressiven Sexismus unabdingbar.“

    Und Sexualität ist Privatsache??

    Durchaus. Die meisten Menschen praktizieren ihre Sexualität nicht in der Öffentlichkeit. Oder ist das dort, wo du lebst, anders?

    abgesehen davon geht es bei den Slutwalks ja nicht um „Juhu, wir gehn mit unserer Sexualität hausieren, kuckt alle her wie geil wir sind!“,

    … so sieht aber aus. Leider!

    sondern um Vergewaltigung, Mißbrauch und sexuelle Belästigung.

    Richtig. Nur wird das eben durch die Kleidung so nicht vermittelt. Das Anliegen ist völig richtig, die Form ist falsch focussiert.

  43. 43 Dr. Seitz 26. Juli 2011 um 19:25 Uhr

    Nunja, wenn man sich in Großraumdiscos die Frauen so ansieht beziehungsweise die anziehende Bekleidungen ansieht, könnte man meinen, dass „Slut Walks“ längst ein Bestandteil unserer Partygesellschaft geworden sind.

  44. 44 dodo 28. Juli 2011 um 6:43 Uhr

    „Kleidung ist Kommunikation. Mit Kleidung stellt man dar, wie man sich selbst sieht und gesehen werden möchte. Du gehst sicher nicht im Schlafanzug zum Bewerbungsgespräch. Warum nicht? Weil das ein falsches Signal sein könnte.“
    Aber warum sollten wir unsere Kommunikation so einschränken? Im Bewerbungsgespräch ist das eine Zwangssituation, aber weshalb eine Zwangssituation forcieren, wo keine bestehen müßte (Freizeit,…)?
    „Wer das tut und damit der Umwelt etwas über seine Sexuslität mitteilt, dann aber fordert, diese Mitteilung möge doch bitte ignoriert werden, widerspricht sich selbst: „Denken Sie jetzt nicht an eine Zitrone!“ das geht nicht. “
    Nur ist eine Frau keine Zitrone.
    Du sagst, ein (gezeigter) weiblicher Körper kommuniziere automatisch „SEX“.
    Tut er das? Ein weiblicher Körper, weibliche Haut, Brüste,… sind alle nämlich zu viel mehr gut als nur zu (Hetero)sex, pralle weibliche Brüste symbolisieren unter anderem auch Baby’s Milchbar, Haut zeigen bedeutet auch „Ich fühl mich unverletzbar, muß mich nicht mit Stoff schützen“, undundund! Warum sollten wir die patriarchale Botschaft weiblicher Körper sichtbar = Heterosex denn so akzeptieren?
    Wer gesagt kriegt „denk nicht an eine Zitrone“, denkt an eine Zitrone. Wer gesagt kriegt „denk nicht an einen Frauenkörper“ und das einzige, was ihm einfällt, ist Sex – zu bedauernswert, um auch noch unterstützt zu werden.
    „Eben. Die Sexualität von Anderen geht mich z.b. nicht an. Ich will darüber nicht mittels Kleidung informiert werden. “
    Ähm… wenn jetzt nicht auf dem T-Shirt steht „Ich hab heut nacht transsexuellen Blümchensex mit 4 Orgasmen geplant“, wie wirst du denn informiert? Nicht jeder, der sexy angezogen ist, hat oder will Sex. Und welche Art und mit wem sie’s tun oder tun wollen oder überhaupt wem anders, das sagt die Kleidung auch eher selten aus. Die einzige halbwegs treffsichere Aussage wäre: diese Person hat/will gelegentlich Sex. Was wohl auch auf die unsexy gekleideten Menschen zutreffen würde.
    “ Warum werden enge Shirts/Hosen… bei Männern nicht als sexueller Code gesehen?

    Deine Prämisse ist falsch: Sie werden durchaus als sexueller Code gesehen.“
    Okay.
    Warum sieht man ständig Bauarbeiter oben ohne – aber nie Bauarbeiterinnen? Oder sonst Frauen?
    Woher der Unterschied? Einfach akzeptieren, nach der Regel spielen, sie nie hinterfragen?
    „Das „Recht“ dazu hat ein Mann, der eine Frau angrapscht, auch nicht. Oder hab ich da was übersehen? Gibts ein Gesetz, dass Angrapschen erlaubt? Nicht? na dann …“
    Tja, und sie tun’s trotzdem. Weil sie meinen, die Kleidung gäbe ihnen das Recht dazu. Tut sie aber nicht. Daher die Slutwalks.
    „Die meisten Menschen praktizieren ihre Sexualität nicht in der Öffentlichkeit. Oder ist das dort, wo du lebst, anders?“
    In der Tat. Sie tanzen eng miteinander, sie küssen sich, halten Händchen, knutschen rum, flirten,… echt unfaßbar, sowas.

    Daß die weibliche Rolle stark sexualisiert wird, da stimme ich dir ja zu. Nur warum als hingegeben nehmen, statt das zu ändern?

  45. 45 halteverbot 28. Juli 2011 um 18:14 Uhr

    Aber warum sollten wir unsere Kommunikation so einschränken?

    weil es üblich ist, nicht alles zu kommunizieren (siehe oben: codex). du informierst z.b. deine umwelt auch nicht jedesmal, wenn du stuhlgang oder eine ejakulation gehabt hast.

    Im Bewerbungsgespräch ist das eine Zwangssituation, aber weshalb eine Zwangssituation forcieren, wo keine bestehen müßte (Freizeit,…)?

    nö. niemand wird zum bewerbungsgespräch gezwungen und du läufst sicher auch nicht in deiner freizeit draußem im schlafanzug rum.
    sofern du mit relativ fremden personen zu tun hast, gebietet es die höflichkeit, bestimmte dinge nicht, auch nicht mittels kleidung, zu kommunizieren und allgemein übliche regeln zu respektieren.

    weißt du, dodo, es ist nicht besonders zielführend, wenn du einfach nur jedes argument in frage stellst. so kann man nicht diskutieren. es führt vom hölzchen auf stöckchen und ist letztlich nur eine form von derailing.

    also beantworte dir doch deine fragen einfach selbst.

  46. 46 lafu 29. Juli 2011 um 16:59 Uhr

    „niemand wird zum bewerbungsgespräch gezwungen“

    Ah, die Freiheit stattdessen auf Hartz IV Niveau dahinzuvegetieren, die sollte echt geschätzt werden!

    „und allgemein übliche regeln zu respektieren.“

    Und wenn mir deine bzw. die allgemein üblichen Regeln und Höflichkeit vollkommen wurscht sind?

  47. 47 delilah 29. Juli 2011 um 19:46 Uhr

    oh mann halteverbot, darum gehts hier doch grade: diese verhaltensregeln, dieser „kodex“, verändert sich ständig. das ist doch grade das anliegen, den zu verändern.

  48. 48 halteverbot 30. Juli 2011 um 20:21 Uhr

    oh mann halteverbot, darum gehts hier doch grade: diese verhaltensregeln, dieser „kodex“, verändert sich ständig. das ist doch grade das anliegen, den zu verändern.

    stimmt. es geht darum:
    „Die Bewegung, welche ihren Ursprung in Toronto fand, will mit einer Sache endgültig aufräumen – eine Frau ist niemals Schuld an einer Vergewaltigung, egal ob sie einen Kartoffelsack oder einen Minirock trägt.“

    es geht aber nicht darum, in unterwäsche rumzulaufen.

    Und wenn mir deine bzw. die allgemein üblichen Regeln und Höflichkeit vollkommen wurscht sind?

    tja, lafu, zunächst mal sind das nicht „meine“ regeln, das hast du im zweiten teil des satzes ja dann doch noch richtig erkannt. für die regeln in der gesellschaft brauchst du dich bei mir nicht zu beschweren. und wenn du dich nicht im übichen rahmen des zivilisierten umganges miteinander bewegst, dann bekommst du den job nicht, wirst nicht ernst genommen, ausgelacht, ausgegrenzt usw. usf. deine sache, du bist für dein handeln selbst verantwortlich.

  49. 49 fallu 31. Juli 2011 um 9:54 Uhr

    @halteverbot:
    das wort gesellschaftskritik hörst du auch zum ersten mal, oder?
    „dann bekommst du den job nicht, wirst nicht ernst genommen, ausgelacht, ausgegrenzt usw.“
    - das kann dir auch passieren, wenn du schwul/lesbisch/trans bist, du die „falsche hautfarbe“ hast, usw usw. würdest du da auch sagen: „hey, deine sache, beweg dich mal im üblichen rahmen“?

  50. 50 lafu 31. Juli 2011 um 10:27 Uhr

    Tja… das kürzt sich darauf zusammen, dass jeder hier nunmal die Pflicht hat genau das zu tun was von ihm erwartet wird, ansonsten braucht er „sicht nicht zu beschweren“

    Die Leute müssen sich auch noch hermachen zum Bewerbungsgespräch beim frei ausgesuchten Ausbeuter, beides eine Zumutung. Aber wenns nunmal die üblichen Regeln sind, hat wohl keiner von ihnen Grund dagegen zu sein, ne?

  51. 51 halteverbot 31. Juli 2011 um 17:16 Uhr

    das wort gesellschaftskritik hörst du auch zum ersten mal, oder?

    fallu, wir reden hier übrigens nicht darüber OB diese protest sinnvoll sind, sondern über form. wen du oben mal nachliest, kannst du das scher auch feststellen. es steht beeits in der überschrift (hochscrollen! hast du sicher schon gehört).

    @lafu
    „das kürzt sich darauf zusammen, dass jeder hier nunmal die Pflicht hat genau das zu tun was von ihm erwartet wird, ansonsten braucht er „sicht nicht zu beschweren““

    natürlich nicht. es gibt unzählige möglichkeiten, sich frei in der gesellschaft zu bewegen und die umgangsformen individuell zu interpretieren ohne anderen zu nah zu treten.

    lafu, du kannst es aber gern mal probieren im schlafanzug zu einem wichtigen termin zu gehen, und dann hier darüber berichten.

    aber darum geht hier gar nicht.

  52. 52 tee 01. August 2011 um 16:28 Uhr

    fallu, wir reden hier übrigens nicht darüber OB diese protest sinnvoll sind, sondern über form. wen du oben mal nachliest, kannst du das scher auch feststellen. es steht beeits in der überschrift (hochscrollen! hast du sicher schon gehört).

    OB dieser protest sinnvoll ist, ist die formfrage, oder wie?! drück dich klar aus bitte, dann gibt’s keine missverständnisse.

  53. 53 lafu 01. August 2011 um 18:22 Uhr

    „lafu, du kannst es aber gern mal probieren…“

    Du peilst es nicht… ich weiss, dass es so Leute wie du zur allgemeinen Regel gemacht haben, dass man frei zur Arbeit, immer schön gepflegt zum Termin mit der Bank und mit gediegenen Klamotten statt Minirock zum Gerichtstermin zu gehen hat.

    Jetzt kommts: Es ist mir aber egal und sobald möglich mach ich dagegen Revolution.

    Ob ich dem Kapitalisten „zu nahe“ trete (statt traurig zu sein wenn ich den Job nicht bekomme) wenn ich ihn enteigne, nichts könnte mir egaler sein. Kapiert?

  54. 54 halteverbot 04. August 2011 um 19:03 Uhr

    Ob ich dem Kapitalisten „zu nahe“ trete … wenn ich ihn enteigne …

    auf dich hat die welt gewartet.

  55. 55 Delsee 11. August 2011 um 22:24 Uhr

    diese diskussion ist wirklich sehr interessant. nur schade, dass sie langsam zu einem streit entartet.

    natürlich vermittelt man ständig über die kleidung signale, die von anderen menschen interpretiert werden. aber diese signale
    - dürfen nicht als grund/entschuldigung/aufruf für gewalt jeglicher art dienen.
    - stehen oftmals in einem kontext.
    z.b. tragen frauen bikinis oftmals nicht um zu zeigen „hey, schaut mich an, ich bin ein geiles luder!“, sondern weil es bequemer beim schwimmen ist oder sie sich gleichmäßig bräunen wollen.
    in diesem fall tragen viele frauen schilder mit entsprechenden unmissverständlichen botschafen wie etwa „nein heißt nein. immer!“ die kleidung ist dabei teil der botschaft.

    und noch etwas, das mir bei den meisten contra-argumenten auffällt: knappe kleidung und betonung der weiblichen figur führe dazu, dass sich die frau selbst als sexobjekt darbiete.
    woher kommen nur diese schönheitsideale? aus der werbung.
    und wer sitzt ganz oben in der werbebranche? männer.
    hinzukommt, dass sich die meisten menschen ideale aus den medien unbewusst und teils ungefiltert übernehmen und sich quasi nicht unbedingt immer dagegen wehren können.

    somit finde ich es ok, wenn sich frauen attraktiv kleiden, um begehrende und bewundernde blicke zu ernten. das baut das selbstwertgefühl auf und tut gut (nein, das heißt nicht, dass das selbstwertgefühl ausschließlich auf der meinung anderer begründet wird).
    mich stört nur dabei, dass diese blicke oft denen eines hungrigen wolfes zum wehrlosen schaf oder den eines käufers an der fleischtheke gleichen. und das auch, wenn man sich normal kleidet, aber z.b. eine recht große oberweite hat. frau wird dann einfach zum objekt deklariert. oder gibt es kleidung, die aussagt „schau nicht auf meine brüste, sondern auf meinen charakter“?

    daher stimme ich zu, dass das eingerostete interpretationsschema verbessert werden muss und die leider allzu verbreitete reduzierung der frau auf ihren körper durch normen und werte für die achtung der fau ersetzt werden muss.

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