Archiv für Juli 2011

Neu Delhi Slutwalk

Slutwalk – jetzt auch in Neu-Delhi.

No Photoshop

Großbritanien macht vor, was sich auch hierzulande viele Menschen wünschen. Der Werberat verbot eine L`Oreal Werbung wegen Irreführung der Kund_innen.

In der Anzeige wird die Schauspielerin Julia Roberts deutlich verjüngt abgebildet, keine einzige Falte schmückt ihr Gesicht. Der Teint ist perfekt. Eine makellose Schönheit, so wie wir es von Hollywood gewöhnt sind. Oder sein wollen, den hinter der Fassade, steckt oft nur ein Computerprogramm: „Photoshop“. Und dieses kann nicht nur Gesichter glätten, sondern auch Popos und Beine. Kann Busen und Lippen hin machen wo keine sind. Kurz, ein Programm, das von Natürlichkeit wenig hält. Die Konsequenzen: vor allem der weibliche Körper wird zur Bastelstube, hier etwas hin, hier etwas weg, genau so wie es der patriarchale Blick wünscht.
Dass, dieses dadurch generierte Bild nicht ohne Folgen bleibt, weiß auch die Soziologin Waltraud Posch.

„Es ist absolut nicht egal, welche Bilder in den Medien präsentiert werden“, sagt Soziologin Waltraud Posch. Die Österreicherin befasst sich in ihren Forschungen mit Körpersoziologie und Schönheitsidealen – und hat einen beunruhigenden Trend festgestellt: „Das Ideal verengt sich immer weiter. Schlank, fit, jugendlich, strahlend – diese Kriterien werden immer wichtiger.“ Die Vorgaben, was sozial erlaubt und erwünscht ist, werden immer strenger. Dies gelte nicht nur für Jugendliche, sondern genauso für Erwachsene.

Dabei spielt es laut Posch keine Rolle, dass sich viele Betrachter der Nachbearbeitung von Bildern grundsätzlich bewusst sind. Die schiere Menge der Aufnahmen, die täglich auf einen Konsumenten einprasseln, hebele diese wichtige Einordnung aus. „Wir sehen so viele Bilder, dass wir die Manipulation irgendwann nicht mehr bemerken“, so Posch.

In Großbritanien sieht das dann so aus:

„Die Hälfte der britischen Mädchen zwischen 16 und 21 Jahren würde sich einer Schönheitsoperation unterziehen. Die Zahl der essgestörten Jugendlichen hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Das übertriebene Retuschieren trägt zu diesem Problem bei.“

Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

von Nadine (Mädchenmannschaft)

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.

Interviewpartner_innen gesucht..

Anne sucht nach Interviewpartner_innen für ihre Diplomarbeit über Psychotherapie‐Erfahrungen von Queers und Transgendern. So eine Studie gab es in Deutschland noch nicht, und ihr Ziel soll es sein, die Ergebnisse interessierten LSBT* Beratungseinrichtungen, Vereine und politische Gruppen zur Verfügung zu stellen.
Hier der ganze Aufruf:

Bezeichnest du dich selbst als Queer oder als Transgender? Oder passen die Kategorien „Männlich“ „Weiblich“ für dich nicht
und/oder du lebst und liebst nicht ausschließlich Heterosexuell? Empfindest du Geschlecht und/oder Sexualität nicht als starre
gegebene Kategorien, sondern als flexibel…?

Hast du persönlich Erfahrungen mit ambulanter Psychotherapie gemacht und kannst dir vorstellen in einem Gespräch darüber zu berichten?

Da es zu dem Thema (zumindest in Deutschland) noch keine Studien gibt, möchte ich mich in meiner Diplomarbeit mit den Psychotherapie‐Erfahrungen von Queers und Transgendern beschäftigen. Dabei interessiert mich vor allem, welche Erfahrungen ihr mit der Psychotherapeut_in und in der therapeutischen Situation gemacht habt – v.a. in Hinsicht auf euer sexuelles und/oder geschlechtliches Selbstverständnis.

* Teilnehmen können Menschen ….
o ….über 18, die sich selbst als Queer oder Transgender bezeichnen oder sich sonst von den oben gestellten Fragen angesprochen fühlen.
o Und eine oder mehrere ambulante Einzeltherapien gemacht haben und sich gut an diese erinnern können.

* Der Gesprächsort wird individuell vereinbart, das Gespräch wird von mir geführt und 1‐2 Stunden dauern.
* Das Gespräch wird auf Audioband aufgenommen und danach verschriftlicht. Die Daten werden streng vertraulich behandelt und anonymisiert.
Bei Interesse oder Fragen zu mir und dem Projekt meldet euch einfach bei: Anne Steinbrück, E‐Mail: AnneS.23(at)web.de

Über die deutsche Frauenlage

Ein interessanter Bericht der New York Times über die deutsche Frauenlage bzw. die großen Probleme Deutschlands:

Women Nudged Out of German Workforce

“…Germany is good at structural reforms, but not at cultural reforms,” said Thomas Sattelberger, human resource chief at Deutsche Telekom.
[…]
Despite a battery of government measures and ever more passionate debate about gender roles, only about 14 percent of German mothers with one child resume full-time work, and only 6 percent of those with two. All 30 DAX companies are run by men. Nationwide, a single woman presides on a supervisory board: Simone Bagel-Trah at Henkel.
[…]
For the developed world, Germany’s situation suggests that puzzling out how to skirt or remove enduring barriers to women’s further progress is one of the hardest questions to solve.
Yet if Swedish executive suites boast 17 percent women and the United States and Britain 14 percent, in Germany it is 2 percent — as in India, according to McKinsey’s 2010 Women Matter report.
One of the countries in most need of female talent — at 1.39 the German birthrate is among the lowest in Europe and labor shortages in skilled technical professions are already 150,000 — Germany is a place where gender stereotypes remain engrained in the mind, and in key institutions across society.
[…]

Marokko: Wunsch und Wirklichkeit

Während die Bevölkerung Marokkos über eine neue Verfassung abstimmen soll, in der Mann und Frau Gleichberechtigung zugesprochen wird, sieht sich die Realität noch meilenweit von so einem Selbstverständnis entfernt.
Die taz im Gespräch mit Aicha und Suleika, Prostituierten aus Marokko:

„Wer eine Schwester hat, hat einen Pickel im Arsch“ – so sprechen Männer in Marokko, wenn sie unter sich sind. Frauen bedeuten ihnen häufig einen Last, denn wenn die Frau ihrer Ehre verliert – entjungfert wird – verliert die ganze Familie die Ehre, insbesondere die männlichen Familienmitglieder.
(…)
Manche ihrer Freier, erzählen die Frauen, sind Geistliche. „Die beschimpfen dich als Huren und belehren dich, dann vögeln sie dich“, sagt Suleika. „Früher“, sagt Aicha, „waren unsere Kunden Dealer oder ältere erfolgreiche Männer.“ Die hätten einfach bezahlt. Jetzt seien es viele soziale Aufsteiger. Und die, sagt Aicha, „sind aggressiv, wollen ihr Geld zurück, wollen verhandeln.“

Nochmal sexistische Werbung

In Berlin sieht man schon überall die neue Werbekampagne von dem italienischen Jeans Hersteller Liu-Jo . Die halbnackte Kate Moss zwinkert den Vorbeikommenden zu und erinnert uns daran, dass Frauen ständig sexy und lüstern wirken müssen, auch wenn sie nur zu Hause liegen und ein paar alltägliche Jeans tragen wollen.

foto2

Die Werbekampagne finde ich irgendwie lächerlich, es ist nach dem Macho-Standard stark übertrieben und gezwungen, man sieht nicht mal die Jeans die sie verkaufen, die weibliche Nacktheit nimmt den meisten Platz des Bildes. Wie kann eine Frau sich dafür entscheiden was zu kaufen, das sie nicht mal gut sehen kann?
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Fleisch und Sex

Neulich an der Bushaltestelle: Ein Lieferwagen fuhr vorbei; ich stutzte. Auf dem Dach des Lieferwagens ragte das Modell eines gebratenen Hähnchens hervor, den Hintern weit in die Luft gestreckt. Auf dem Lieferwagen selber stand drauf: ,,Nimm mich!“
Und kleiner: Der Lieferservice/Metzger/Tiermörder Ihres Vertrauens bla bla …

huhn
… sexy? …

Ich wusste nicht, was mich mehr anekelte: Der Text, der aus dem Mund eines getöteten Tieres stammen soll, das eine_n auffordert, es doch zu konsumieren – oder die kaum verhohlene Sexualisierung, die in dem Satz ,,Nimm mich!“ mitschwingt. Das Tier, hier nicht allein zur Ware gemacht, sondern zur Sexualware, die nicht nur passiv auf das Verbrauchtwerden wartet, sondern sich dabei noch anbietet. ,,Nimm mich!“ als Statement, dass es dem Tier letztendlich gefällt … – (mehr…)

In 127 Ländern ist Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat.

Bundestag läßt PID begrenzt zu

Der Bundestag hat entschieden: PID wird in begrenztem Maße legal in Deutschland.