Bravo verherrlicht Vergewaltigungen

von Nadine (Mädchenmannschaft)

Über den Gehalt der Foto-Lovestorys im Jugendmagazin Bravo lässt sich streiten: Geschlechterklischees und Heternormativität sind immer wieder gern gesehene Zugaben für die Redaktion, um die Geschichten der Jugendlichen mit Inhalt zu füllen.

Uns erreichte gestern ein Hinweis auf diese Geschmacklosigkeit in einer Foto-Lovestory namens “Der One-Night-Stand” (Triggerwarnung!): Neben den üb­li­chen langweiligen sexistischen Implikationen (Jungs wollen unter sich sein und Fuß­ball gucken, Mädchen nerven dabei nur – Mädchen wollen lieber kuscheln, sind emotional und engen ihren Partner ein), wird in diesem Fotostrip nicht-kon­sen­sualer Sex dargestellt, ohne diesen zu problematisieren.

Sie betrinkt sich, weil sie sauer auf ihren Partner ist, ein anderer Junge bringt sie nach Hause. Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt. Die Situation wird im Anschluss nicht problematisiert, sondern als “harm­loser” One-Night-Stand und “Fremdgehen” verkauft. Als ob das nicht schon un­er­träg­lich genug wäre, erfährt sie im Anschluss, dass der Junge, der gegen ihr Ein­ver­ständnis und ohne Kondom Geschlechts­verkehr mit ihr hatte, ein HIV-Infizierter ist. Zu den Vergewaltigungs­verharmlosungen, -mythen und Victim Blaming in dieser Foto­serie gesellen sich also auch noch Vorurteile gegen HIV-Erkrankte, die – pathologisiert und sozial isoliert – rücksichtlos Menschen “an­stecken”, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Besonders widerlich in dieser Bravo Foto-Lovestory ist das Gegeneinander-Ausspielen von diskriminierenden Klischees gegenüber Frauen, die vergewaltigt wurden, und HIV-Infizierten. Wer_welche sich beschweren möchte, kann dies beim Presserat tun oder eine Email an die Bravo-Redaktion schreiben.


12 Antworten auf “Bravo verherrlicht Vergewaltigungen”


  1. 1 Klopfzeichen 27. Juli 2011 um 15:46 Uhr

    „Stürmer“ Tshirt…

    das schlimmste daran ist aber eigentlich das es wahrscheinlich sogar noch gut gemeint ist und die macher_innen sich einreden sie würden aufklären, vorurteile bloßstellen und mit diesem basti positive vorbilder schaffen *kotz*

  2. 2 sarah 27. Juli 2011 um 19:11 Uhr

    hab da vor ein paar tagen direkt eine beschwerde an den presserat geschickt. ich hoffe, dass es da grad einen beschwerdeansturm gibt:)

  3. 3 dodo 28. Juli 2011 um 4:32 Uhr

    jungejunge, die ist ja mal wirklich krass, die story, durchgehend übel!:o

  4. 4 Alfi 28. Juli 2011 um 10:27 Uhr

    Ich will die „Story“ keinesfalls verharmlosen, meine aber, gerade bei etwas derartig Heiklem sollte man versuchen, möglichst genau zu formulieren. Ich finde der Satz: „Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt“, suggeriert etwas Falsches, nämlich eine Vergewaltigung während das Opfer schläft wie etwa im Film Kids. Dies kommt in der „Story“ so aber nicht vor.
    Gerade bei einer Beschwerde beim Presserar könnte Bravo solche Ungenauigkeiten nutzen, um sich herauszureden. Besser wäre es darzulegen, dass es auch so noch eine Vergewaltigung darstellt.

  5. 5 GlamourClique 28. Juli 2011 um 21:05 Uhr

    oO oha. das ist echt schlimm. das ist ja, als würde das vergewaltigte Mädchen zur Polizei gehen und die Polizisten würden ihr sagen: „Ach wir können nichts für dich machen. Bei einem harmlosen One-Night-Stand …“ …

  6. 6 dodo 29. Juli 2011 um 2:23 Uhr

    „„Dort schläft sie betrunken ein, während er ihre Lage schamlos ausnutzt“, suggeriert etwas Falsches, nämlich eine Vergewaltigung während das Opfer schläft wie etwa im Film Kids. Dies kommt in der „Story“ so aber nicht vor.“

    nö, aber sie verliert doch das Bewußtsein, oder zumindest suggeriert das ihre Denkblase.

  7. 7 Männlich 29. Juli 2011 um 5:29 Uhr

    Bääh, ich hab mir den Comic garnicht durchgelesen, so sehr wie das schon bei den ersten 3 Bildern von Stereotypen trieft

    Danke übrigens für den Artikel! Ich finde es wichtig sowas zu kritisieren!

  8. 8 Paulinchen81 30. Juli 2011 um 8:48 Uhr

    das geht echt gar nicht..boah…

  9. 9 tee 30. Juli 2011 um 11:08 Uhr

    Von einem Witz ist in der Reaktion des Bauer-Verlags nicht die Rede. „Wir können die tendenziös formulierte Kritik des Blogs an ‚Bravo‘ und dem Konzept des Fotoromans nicht nachvollziehen und weisen dieselbe nachdrücklich zurück“, heißt es in einem Statement des Verlags. Ziel der Fotoromane sei es immer, „genau zu zeigen, was passieren kann, mit plakativen, für die Jugendlichen nachvollziehbaren Geschichten“.

    (spon)

  10. 10 Angelika 02. August 2011 um 1:03 Uhr

    danke @Leonie
    sorry, ich kann die story nicht original lesen – mir reicht das, was ich im webz dazu lese (hier, MM u.a. blogs) – und da bin ich bereits „jenseits von worten“.
    (ausserdem lese ich seit x+jahren mainstream-medien wie sp0n etc. sowieso nicht)

    danke auch @tee von wg. „tendenzioes formulierte kritik“ – schlimmer geht immer ?!

    methinks : es hackt !
    (bitte in grossbuchstaben lesen/denken)

    und meine „naive“ frage : wieso gibt es sowas wie Bravo überhaupt noch ?!
    denn : ich will (endlich) in einer sog. sex-positiven gesellschaft leben.
    DAS ist das perpetuum von sex-negativ (inkl. aller denkbaren ant-ismen) für mich.

  11. 11 ri. 02. August 2011 um 22:13 Uhr

    Die Story ist so plump und doof, die kann man nicht ernst nehmen. Habe den Inhalt schon wieder halb verdrängt und ärgere mich für die 10 Minuten, die ich für das Durchklicken gebraucht habe. Irgendwelche künstlerischen oder nichtkünstlerischen Aussagen für oder gegen irgendwas kann ich nicht erkennen.

  12. 12 maria 24. März 2012 um 10:05 Uhr

    ich hab die story leider nicht gelesen kann mir jemand sagen weche numer das heft hat
    ps. juristisch ist das nicht mal nee vergewaltigun sondern sex mit einer hilflosen person was es nicht beser macht

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