Archiv für Juli 2011

Gentrifizierung und Sexarbeit

Das Thema „Recht auf Stadt“ hat in den letzten Jahren insbesondere in Hamburg eine große Verbreitung erfahren, zahlreiche Initiativen – von bedrohten Kleingärten bis zum besetzen Haus – versammeln sich unter diesem Slogan, um sich bestimmten Stadtentwicklungsprozessen, die oft mit Vertreibungen einhergehen, entgegen zu setzen. Geschlechterfragen waren in diesem Zusammenhang bisher kaum Thema, so sind denn auch die Schnittstellen feministischer Politik mit Gentrifizierungskritik bisher kaum sichtbar. Das soll sich jetzt ändern: Unter dem Slogan „Recht auf Straße – gegen Repression und Kriminalisierung in St. Georg“ rufen die Gruppen purl & diss_ zu einer Kundgebung am Samstag, dem 9. Juli auf, die die Forderungen nach der Abschaffung von Sperr- und Gefahrengebieten, nach gesichertem Aufenthaltsstatus und Entkriminalisierung von Sexarbeit und Drogen mit dem Aufruf zur Dekonstruktion von Geschlechterverhältnissen verbinden will.

recht auf straße

Hintergrund ist, dass sich in dem Hamburger Bahnhofsviertel St. Georg, das quasi traditionell ein Ort der Prostitution ist, eine Koalition aus Anlieger_innen und Politik gebildet hat, die die Sexarbeit aus dem Viertel vertreiben möchte, um stattdessen eine so genannte Aufwertung des Stadtteils voranzutreiben. (mehr…)

Debatte Pro/Kontra PID

Streitgespräch über PID mit Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Karl Lauterbach (SPD).
Wenn man sich das so durchliest, findet man erstaunlich viele Argumente Kontra PID, die auch gern genauso in der Abtreibungsdebatte verwendet werden (nur normalerweise von religiösen Hardlinern statt von den Grünen).
Um so enttäuschender, das es anscheinend immer noch notwendig ist, Sätze wie diesen gebetsmühlenartig zu wiederholen (hervorgehoben von mir):

Herr Lauterbach, Sie sind Arzt. Ist es die Aufgabe Ihres Berufsstands, Kinder mit Defekt auszusortieren?

Lauterbach: Das tut erstens kein Arzt und hat zweitens mit der Debatte nichts zu tun.

    Bei der PID geht es nicht um die Selektion von Kindern. Sondern es geht um die Selektion von Embryonen.

Göring-Eckardt: Die Frage ist, wann Leben anfängt.

Lauterbach: Glaubt denn hier wirklich jemand, dass ein Embryo bereits ein Kind oder ein Mensch ist?

Göring-Eckardt: Ja. Das ist Leben, in dem alles angelegt ist, was es zum Menschen machen wird.