Twitter und ich sag dir welches geschlecht du hast

Ein us-amerikanisches Forscherteam, meint anhand des Inhaltes von Twittermeldungen, das Geschlecht der/des Verfasser_in bestimmen zu können. Dabei wird, oh Wunder, ganz tief in die Stereotypenkiste gegriffen.

Unter dem Titel Discriminating Gender on Twitter beschreiben die Forscher, wie es ihnen gelungen ist, in 76 Prozent aller Fälle das richtige Geschlecht von Tweet-Schreiben zu ermitteln, selbst wenn es neben dem eigentlichen Text keinerlei weitere Information über den Autor gab.(…)
Am Ende spuckte die Software eine lange Reihe von Worten und Wortbestandteilen aus, die statistisch am meisten bei Männern oder Frauen vorkommen. Entlarvend ist demzufolge zum Beispiel die Verwendung des persönlichen Fürworts my. Logisch ist noch, dass ein Mann eher „my wife“ schreibt und eine Frau eher „my husband“. Aber in weiblichen Tweets tauchen offensichtlich auch deutlich häufiger die Kombination „my yoghurt“ und „my yoga“ auf, während bei Männern hinter my eher „zipper“ oder „beer“ folgen. Außerdem verwenden Frauen deutlich häufiger Smileys oder Ausrufezeichen als Männer. Frauen tippen „haha“ und „love“ und „feeling“ in die Statusleiste. Männer hingegen deutlich öfter „http“ und „google“.


13 Antworten auf “Twitter und ich sag dir welches geschlecht du hast”


  1. 1 Nils 03. August 2011 um 12:38 Uhr

    Fairerweise sollte man dazu sagen, dass die Merkmale, anhand derer das Geschlecht erkannt wird, keineswegs vorgegeben waren. Der Algorithmus hat – anhand von Daten, bei denen das Geschlecht markiert ist – die Merkmale ausgewählt, die gut funktionieren. Und das waren eben „my Yoghurt“/“Beer“. Insofern geht der Vorwurf mit der Stereotypenkiste etwas fehl.

    Die spannendere Beobachtung scheint mir dabei zu sein, dass die twitterer, deren tweets in dem Datenset drin sind sich offenbar geschlechtsstereotypisch verhalten, also vielleicht twittern, was man von ihnen erwartet.

  2. 2 Neo. R. 03. August 2011 um 14:10 Uhr

    Okay, und wo ist die Kritik? Wenn das Programm entsprechend zuverlaessig arbeitet und mit hoher Wahrscheinlichkeit das korrekte „Geschlecht“ ausspuckt, dann sind nicht die Forscher zu kritisieren sondern dann steht erstmal fest, dass Twitteruser beider Geschlechter Rollenkonform twittern.

  3. 3 hn 03. August 2011 um 14:20 Uhr

    Vorsicht: das sind keine Stereotypen, die sich Menschen ausgedacht haben, die Software hat hunderttausende Tweets analysiert, zu denen das Geschlecht bekannt war, und diese statistisch signifikante Liste generiert. Das unterscheidet sich schon arg von Mario Barths Vorgehensweise.

    Wobei, im Twitterprofil lässt sich gar kein Geschlecht angeben. Entweder haben sie dann nur Accounts ausgewählt, deren User ihr Geschlecht verraten haben, oder erstmal selbst geraten…

  4. 4 rather_ripped 03. August 2011 um 22:03 Uhr

    hmm, ich finde das schwierig.

    zum einen bilden diese ergebnisse unsere binär strukturierte alltagsrealität ab, zum anderen tragen sie natürlich auch zu ihrem fortbestand bei. twitter ist ja nur ein selektiver auszug aus dem leben zahlreicher menschen. ich weiß nicht, ob „männer“ tatsächlich so viel öfter bier trinken als „frauen“ und ob „frauen“ wirklich so viel mehr joghurt essen. aber anscheinend halten sie es – ja nach geschlechtsidentität – für wichtiger, ihren followern das ein oder das andere mitzuteilen. wir dürfen nicht vergessen, dass es fernab unserer linken, queerfeministischen „zuckerwattewelt“ sehr wohl als erstrebenswert gilt, eine klar erkennbare geschlechtsidentität zu besitzen. wenn also durch die ergebnisse dieser studie erneut vermittelt wird, frauen würden mehr über emotionale dinge (gemütszustände) twittern und männer mehr über rationale (www-adressen), dann kann sich das auch auf die tweets zukünftiger twitter*innen auswirken. gerade im virtuellen raum, wo das biologische geschlecht so sehr in den hintergrund rückt, ist es für viele menschen vermutlich umso wichtiger, ihr soziales geschlecht klar und deutlich auszudrücken. studien wie diese geben ihnen dann einen leitfaden an die hand, wie „ein richtiger mann“ oder „eine richtige frau“ zu twittern hat…

  5. 5 bigmouth 04. August 2011 um 10:13 Uhr

    ich zitiere mal einen tweet von Annalee Newitz von vor 3 tagen:

    http://twitter.com/#!/Annaleen/status/98273729708167168

    It drives me insane when people write articles about press releases about scientific articles. Read the scientific article or shut up.

  6. 6 bigmouth 04. August 2011 um 11:55 Uhr

    @rather: ich denke, das kann kein einwand gegen studien sein – sonst dürfte man ja überhaupt keien soziologischen untersuchungen über geschlecht anstellen

  7. 7 rather_ripped 04. August 2011 um 12:17 Uhr

    ääh ja, bigmouth, und was willst du uns damit jetzt sagen?

  8. 8 My Beer 04. August 2011 um 12:40 Uhr

    Ein Einwand gegen JEDE wissenschaftliche Studie kann es sein, dass sie gesellschaftlich eine beschissene Wirkung entfalten könnte…
    Ich möchte dabei an die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts und auch der 1990er erinnern: Geschlechtscharaktere, das Mona-Lisa-Gen, Rassenlehrer usw.

  9. 9 GwenDragon 04. August 2011 um 14:38 Uhr

    Anhand der paar Zeichen lässt sich das Geschlecht bestimmen?
    Na ja. 63% sind ziemlich ungenau.
    Die Streuung ist ziemlich z. B. stärker je mehr Tweets eine_r schreibt.
    Lest doch selbst das Paper: http://www.mitre.org/work/tech_papers/2011/11_0170/11_0170.pdf

  10. 10 rather_ripped 04. August 2011 um 21:15 Uhr

    also sollte auch nicht außen vor gelassen werden, dass wissenschaft niemals komplett objektiv sein kann.

  11. 11 lafu 05. August 2011 um 19:12 Uhr

    „Ein Einwand gegen JEDE wissenschaftliche Studie kann es sein, dass sie gesellschaftlich eine beschissene Wirkung entfalten könnte…“

    Damit ist die Wissenschaft über Bord zu werfen. Wissenschaftliche Gedanken sind richtig oder falsch, aber nicht zu ignorieren, weil unangenehm.

    „Ich möchte dabei an die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts und auch der 1990er erinnern: Geschlechtscharaktere, das Mona-Lisa-Gen, Rassenlehrer usw.“

    Gegen diese Theorien ist der Einwand, dass sie falsch sind.

    rr zieht am gleichen Strang:
    „dass wissenschaft niemals komplett objektiv sein kann.“

    Ist dieser Gedanke eigentlich komplett objektiv?

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