Männerbewegung versus Maskulismus – Zum Buch „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“

So genannte „Maskulisten“ / „Männerrechtler“ scheuen sich nicht vor Kooperationen mit ganz rechts außen. So lassen sich auf entsprechenden Blogs z.B. Abbildungen mit Hakenkreuz und Reichsadler finden, Gewaltdrohungen und Mordphantasien können auf Blogs und Foren unwidersprochen geäußert werden. Unter dem vorgeschobenen Deckmantel vermeintlicher Meinungsfreiheit werden so explizit Aufrufe zu Gewalt und Hass befördert. Auf einem der Blogs heißt es beispielsweise schon in den Verhaltenshinweisen zur Nutzung der Kommentarfunktion, dass „antisemitische, frauenfeindliche, rassistische, sexistische, homophobe, transphobe, rechtsradikale, islamophobe und gender- ungerechte Meinungsäußerungen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht“(1) sind.

Buchcover [r]echte Kerle

Der Autor von „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“ wurde nach dem Erscheinen des Buches sogleich mit Gewalt bedroht. Er hatte für seine Recherchen einige Wochen und Monate den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Positionierungen auf Blogs und in Foren der Männerrechtler nachgespürt. Er arbeitet heraus, wie Rassismus und Antisemitismus, die Abgrenzung gegenüber Schwulen, gegenüber Armen, der Hass auf Frauen auf Blogs und in Foren der Männerrechtler zu den akzeptierten Positionen gehören. Er zeigt, wie diese Positionen mit einem simplen ideologischen Biologismus und einer Verharmlosung der Nazi-Verbrechen einhergehen. Dies führt er jeweils anschaulich an Beispielen aus.

Die Männerrechtler grenzt er von der Männerbewegung ab, die seit den 1970er Jahren für eine Reflektion von Männlichkeit eingetreten war und damit feministische Positionen erweitern wollte. Diese Männerbewegung wandte sich der männlichen Sozialisation und der patriarchalen Organisation der Gesellschaft zu. Sie stellte fest, dass gesellschaftlich auch die Rechte und Möglichkeiten von Jungen und Männern beschränkt wurden. So bedeutete Sozialisation als Mann auch, zur Armee zu müssen und bestimmten charakterlichen und körperlichen Merkmalen entsprechen zu sollen. Feminismus und diese Männerbewegung waren offenbar so erfolgreich, dass sich auch Männlichkeiten zunehmend ausdifferenzieren. So ergeben sich mittlerweile auch viele Möglichkeiten, „Männlichkeiten“ zu leben und „männlich“ zu sein.

Aus der Wahlmöglichkeit können Unsicherheiten resultieren. Diese werden in einem Zusammenhang mit den sich zunehmend ungünstig gestaltenden finanziellen Bedingungen erlebt. Immer mehr Männer müssen so in immer schlechter entlohnten, prekären, „flexiblen“ – also ungesicherten – Beschäftigungsverhältnissen tätig sein. Das trifft sie um so mehr, da gerade die „Männlichkeit der weißen Mittelklasse“ mit „finanziellem Erfolg verbunden, ja sogar identifiziert“ wurde (S.11/12). Während Frauen ohnehin oft schlecht entlohnte Tätigkeiten ausüben mussten, kaum in lukrative und prestigeträchtige gesellschaftliche Positionen eindringen konnten sowie Doppel- und Dreifachbelastungen ausgesetzt waren (und sind), waren Männer der „weißen Mittelklasse“ auf Erfolg gebürstet. Doch anstatt etwas gegen die zunehmende Prekarisierung der Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse zu machen, suchen einige dieser Männer am rechten Rand nach Antworten und machen andere – Frauen, Schwule, Juden, Muslime, Behinderte – für ihre Situation verantwortlich.

Mit dem Buch „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“ liegt nun eine Ausarbeitung vor, die dieses Problem exakt und klar benennt. Daran sind nun weitere Arbeiten und insbesondere praktische politische Veränderungen anzuschließen, die für alle Menschen ökonomisch sichere Verhältnisse herstellen und es ermöglichen, dass jeder Mensch so leben kann, wie er selbst es möchte. Akzeptanz der Vielfältigkeit der Biographien und Lebensweisen von Menschen ist eine Grundbedingung für das Zusammenleben – und sie ist dem Syndrom gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, also der Abwertung anderer Menschen, entgegenzusetzen.

[r]echte Kerle. Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung
Andreas Kemper
Unrast-Verlag, Münster
ISBN-10: 3897711044
72 Seiten / broschiert / 7,80 EUR

(1) Um keine rechtsextremen Blogs zu promoten, wird an dieser Stelle auf eine direkte Verlinkung verzichtet. Die Quelle liegt der Autor_in vor.


7 Antworten auf “Männerbewegung versus Maskulismus – Zum Buch „[r]echte Kerle – Zur Kumpanei der MännerRECHTSbewegung“”


  1. 1 Curt 05. August 2011 um 10:23 Uhr

    Wenn man sich ansieht, wie konservative Medien emanzipative Projekte, die demokratische Grundwerte vermitteln, diffamieren und sich ohne mit der Wimper zu zucken in die Mannerrechtsbewegung einreihen, wird einer/m schon schwindelig!

    So z.B. die FAZ online, die das Projekt
    „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“ (ISV)(http://www.berlin.de/lb/ads/gglw/isv/index.html oder
    http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/sexuelle_vielfalt.html)
    jenseits jeglicher journalistischer Standards verzerrt darstellt.(Der Link zum Artikel:
    http://www.faz.net/artikel/C30190/sexualerziehung-fuer-ein-anderes-bild-von-familie-30468479.html)
    Auch die Darstellung von Gleichstellungspolitik in den Medien wie FAZ, Spiegel und Focus stimmt mit der einseitigen und ignoranten Perspektive der Maksulinisten überein.
    Da kommt schon nicht mehr ein Lüftchen auf, da kommt ein ordentlicher Wind auf uns zu…

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