Hollaback! Pöbel zurück!

Die Planung für den SlutWalk-Aktionstag ist nun vorerst vorüber und somit ist Zeit für neue Projekte frei geworden. Die SlutWalk-Bewegung hat ein überraschend großes und positives Echo erhalten und breite Teile unserer sonst so ignoranten Gesellschaft sind zumindest ein Stück weit wach gerüttelt worden. Wir sollten diesen immensen Erfolg nicht einfach so in der Luft verpuffen lassen und daran anknüpfen, solange die Botschaften noch in den Köpfen der Menschen präsent sind.

Anna von der Mädchenmannschaft hat heute etwas über den „täglichen Slutwalk“ geschrieben – und innerhalb weniger Stunden haben daraufhin zahlreiche Menschen über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt berichtet. Ich weiß nicht, ob ihr schon von der Hollaback!-Bewegung gehört habt, aber diese hat sich genau das zum Ziel gesetzt; Erfahrungen mit sexualisierten Übergriffen öffentlich zu machen, zurück zu pöbeln (das bedeutet Hollaback! übersetzt) und den alltäglichen Sexismus zur Sprache zu bringen. Die Hollaback!-Bewegung kommt aus New York und hat in Deutschland bisher erst zwei Ablegerinnen; eine in Berlin und eine in Dortmund.

Hollaback! wurde 2005 in New York gegründet und sucht permanent nach weiteren Mitstreiter*innen. Mit der Plattform ihollaback.org wird eine weltweite Vernetzung angestrebt. Die Seite ist dazu gedacht, lokale Hollaback!s zu starten, zu planen und sich mit Mitstreiter*innen auf der ganzen Welt auszutauschen. Auf ihrer Webseite beschreiben die Hollaback!-Initiator*innen auf englisch, wie das Ganze funktioniert. Ich habe versucht hier mal eine Zusammenfassung auf deutsch zu liefern:

Hollaback! ist in sogenannten Klassen (ähnlich wie Schulklassen) organisiert, von denen es drei pro Jahr geben wird. Bisher hat es bereits zwei Klassen gegeben und die dritte ist gerade in der Entstehung. Wenn du Teil der vierten Klasse werden willst, dann schreibe bis zum 29. August eine E-Mail an: holla@ihollaback.org, in der du ein bisschen was zu deiner Person, deiner Motivation, an Hollaback! teilzuhaben, dem Ort, an dem du eine Hollaback!-Bewegung starten willst, und dem Grund, wieso du glaubst, dass genau dieser Ort eine Hollaback!-Bewegung braucht, erzählst. Die 4. Klasse wird im September 2011 beginnen.

Die Organisation eines Hollaback!s ist kostenlos, allerding solltest du bedenken, dass es um sehr viel mehr geht als nur darum, eine Webseite auf dem Laufenden zu halten – es geht darum, eine Bewegung auf dem Laufenden zu halten. Bevor du ein Hollaback! startest, solltest du deswegen nach Mitstreiter*innen suchen. Hollaback! kann eine Menge Arbeit bedeuten, wenn du alleine dafür verantwortlich bist und jede*r braucht einmal eine Auszeit. Erfahrungsgemäß ist eine Gruppe von 2-4 Personen ideal. Während der Anfangsphase solltest du etwa fünf Stunden pro Woche für die Arbeit an Hollaback! einplanen. Diese Zeit kannst du entweder alleine aufbringen, oder unter den Aktivist*innen deiner Ortsgruppe aufteilen. Die Anfangsphase wird etwa 3 Monate dauern und eine Menge Deadlines beinhalten. Das liegt daran, dass jede Hollaback!-Ablegerin die Intiator*innen Geld kostet; die Seite muss erstellt werden, Logos entworfen, Webseminare abgehalten und die Organisator*innen betreut werden. Um sicherzugehen, dass diese Arbeit nicht im Sand verläuft, werden Deadlines gesetzt.

Das wird es alles zu tun geben:

- Ein Mitglied deines Teams wird während der Anfangsphase an 4 Webseminaren teilnehmen, in denen es darum gehen wird, die Webseite erfolgreich zu verwalten. Nach der Einführungsphase wird von euch erwartet werden, regelmäßig an Fortbildungswebseminaren teilzunehmen. Die Webseminare werden jeweils am Wochenende gegen 1pm EST (in Deutschland etwa 19 Uhr) stattfinden.

- Du wirst auf den Hollaback!-Verteiler aufgenommen werden, der dir die Chance gibt, dich zu vernetzen, etwas über sexuelle Belästigung in anderen Kulturen zu erfahren und internationale Kampagnen mit anderen Hollaback!-Aktivist*innen zu planen.

- Du wirst dafür verantwortlich sein, die Hollaback!-Bewegung in deiner Region bekannt zu machen, dich mit anderen Gruppen zu vernetzen, Materialen zu übersetzen, Veranstaltungen zu organisieren (um die Menschen auch offline zu erreichen) und dich mit Gesetzesgeber*innen auseinanderzusetzen. (Wenn du nicht weißt, wie mensch diese Dinge tut, keine Angst – die Menschen von Hollaback!-NY werden es dir beibringen.)

- Du wirst dir jährliche Ziele setzen und mit den Urheber*innen der Hollaback!-Bewegung regelmäßig überprüfen, ob du diesen Zielen näher gekommen bist.

Das klingt alles furchbar strikt, doch keine Angst, so schlimm ist es nicht! ;) Hollaback! geht davon aus, dass du deine regionalen Strukturen am besten kennst und deshalb kannst du in der Regel auch komplett frei und selbstständig agieren. Es wird allerdings von dir erwartet, dass du deine Ideen und Erfahrungen mit der internationalen Hollaback!-Community teilst um zu inspirieren und dich inspirieren zu lassen.

Hollaback! richtet sich übrigens nicht nur gegen Sexismus, sondern genauso gegen Rassismus, Homo- und Transphobie sowie andere Unterdrückungsmechanismen. Wenn du diese Grundsätze nicht mit dir vereinbaren kannst, bist du bei Hollaback! falsch.

Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Post dazu beitragen würde, dass weitere lokale Hollaback!s zustande kommen. Ihr könnt gerne die Kommentarfunktion nutzen, um nach Mitstreiter*innen zu suchen. Ich selbst würde gerne an einer Hollaback!-Ablegerin für das Ruhrgebiet arbeiten. Wenn irgendwer von euch ebenfalls Interesse daran hat: schreibt mir! :)


9 Antworten auf “Hollaback! Pöbel zurück!”


  1. 1 viruletta 16. August 2011 um 19:18 Uhr

    Noch etwas zu der Aktionsform; ich bin selber normalerweise eher in autonomen Zusammenhängen organisiert und war von der Organisationform der Hollaback!-Bewegung zu Beginn etwas abgeschreckt. Allerdings denke ich, dass Erfahrungen mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt etwas sehr intimes sind und der Umgang damit schon einigermaßen professionell ablaufen muss, damit die Betroffenen nicht noch mehr getriggert werden. Ich halte es deswegen schon für sinnvoll, diesbezüglich geschult zu werden.

    Ebenso sinnig erscheint es mir, dass ein*e Grafikdesigner*in für jede Ortsgruppe dieselben Logos entwirft – denn ein Projekt wie Hollaback! kann nur mit einem Wiedererkennungswert bestehen. Immerhin lebt es davon, dass Menschen sich an diesem Projekt beteiligen und die eigenen Erfahrungen öffentlich machen – setzt somit zum einen auf Bekanntheit, zum anderen auf Vertrauen.

    Hollaback! ist ein fortlaufender Prozess und die Bewegung ist momentan so organisiert, wie es nach den Erfahrungswerten der Urheber*innen am besten funktioniert (hat). Ich denke nicht, dass Hollaback! autonome Antisexismusarbeit ersetzen kann – aber sie kann sie ergänzen. Nicht zuletzt weil sie – ähnlich wie die SlutWalk-Bewegung – auch Menschen anspricht, die bisher eher Angst vor dem Label „Feminismus“ hatten. Ich sehe die Hollaback!-Bewegung als Chance, flächendeckend zu sensibilisieren und sexualisierte Gewalt gesamtgesellschaftlich stärker zur Sprache zu bringen. :)

  2. 2 Luna 17. August 2011 um 14:52 Uhr

    Die Seite für Österreich funktioniert überhaupt nicht- wo kann ich mich da hinwenden?

  3. 3 viruletta 18. August 2011 um 13:39 Uhr

    Hallo Luna! Was meinst du denn mit der Seite für Österreich? Um ein Hollaback! in deiner Region zu starten, musst du dich an: holla@ihollaback.org wenden :)

  4. 4 Oro 23. August 2011 um 7:56 Uhr

    Ich find auch das eine tolle aktion ist, obwohl ich die Zombie Walks noch viel cooler find und die Leute lieber an seh als einfach nur sexy gekleidete girls :D
    Vielleicht kann man das ja mal kombinieren hihi.

    Ich frage mich aber nur ob das wirklich was bringt, denn die Kerle die wirklich so denken, dass eine Frau die sich sexy anzieht weil sie gef**** werden will, ich nicht das Maß an Intelligenz zu spreche überhaupt die Botschaft dieser Aktion zu verstehn. Die denken sich doch sicher, hey ist hier Prostituierten Aufmarsch oder was?

    naja jede form von friedlichen Aktivismus für Menschrenrechte ist im endeffekt ne tolle Sache,also ruhig weiter machen :)

  5. 5 Simone 28. August 2011 um 19:28 Uhr

    Hallo,
    schade, dass hier noch keine Resonanz ist. Ich selber bin auch an einem Ableger interessiert. Leider ist morgen schon Bewerbungsfrist für die nächste Schulung. Alle Unterlagen habe ich schon, aber nur eine Mitmachfrau, und laut Papieren sind minimal drei Frauen notwendig. Ist auch klar bei dem Arbeitsaufwand.
    Hallo Frauen!!! Meldet euch!!!
    Viruletta, in welcher Stadt würdest du denn gern agieren mit einem Ableger?8-|
    simone-setter@web.de

  6. 6 viruletta 24. September 2011 um 12:09 Uhr

    Ein ähnliches Projekt hat jetzt in Ägypten den internationalen UN-Wettbewerb „Word Summit Youth Award“ gewonnen: „Ägypterinnen machen Schluss mit sexueller Belästigung“.

  7. 7 ClaraRosa 05. Juli 2012 um 10:13 Uhr

    …warum werden sich Leute, die Diskriminierungen ausüben immer als „der Pöbel“ (= die „einfachen“ Leute) vorgestellt?
    Als würden Bürgerliche sich nie diskriminierend äußern…

  1. 1 Hollaback! Pöbel zurück! » By Nele Tabler Pingback am 19. August 2011 um 16:54 Uhr
  2. 2 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Schlampen und Schützinnen – die Blogschau Pingback am 21. August 2011 um 17:02 Uhr

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