Annette Schavan hat risikoarme Gentests für Schwangere gefordert –
und dafür Anschiss kassiert. 
Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, warf ihr im Tagesspiegel vor, ihr Haus habe „Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form“ unterstützt.
Konkret geht es um die Entwicklung eines Schwangerentests mit dem ohne Risiko für die werdende Mutter mit hoher Treffersicherheit festgestellt werden kann, ob das heranreifende Kind ein Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt, hat.(…)
Schätzungen gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Föten, bei denen eine Trisomie 21 diagnostiziert wurde, abgetrieben werden.
Daß hier Kritik angebracht ist, versteht sich von selbst. Allerdings weniger an der Mutter, die Trismoie 21 als Abtreibungsgrund sieht, sondern an einer Gesellschaft und Politik, die es Menschen mit Down-Syndrom alles andere als leicht macht im Leben. Und deren Eltern natürlich genausowenig.
Würde sich hier etwas ändern, dann wahrscheinlich auch bei den zitierten 90%.
Und die verbliebenen 10% können sich so immerhin auf die Ankunft eines Kindes vorbereiten, das nicht nur mehr an Fürsorge braucht, sondern viele andere Dinge müssen auch noch organisiert werden.
Ganz zu schweigen davon, daß den Frauen ohne risikoarme Schnelltests noch ganz andere Probleme begegnen können:
Die bisher eingesetzten Trisomie-21-Tests sind entweder sehr ungenau oder sind mit dem Risiko verbunden, dass ein Schwangerschaftsabbruch ausgelöst wird.
Und wenn das nicht sein muß, warum sie dann so einem Risiko aussetzen? Um sie von dem Test abzuschrecken und ihnen dann sozusagen doch das ein oder andere Kind mit Down-Syndrom „unterzuschieben“, sie werden schon damit klarkommen, wenn’s mal da ist? Diese Einstellung fördert nun aber auch nicht gerade das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Trisomie 21.
Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Schwangeren und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen. Denn auch in diesem Fall sehe ich hier keinen Grund, davon abzuweichen.
(Bild von Markus Keuler, auf www.21hoch3.de)
m.E. fußt diese Einstellung, Müttern müssten zu ihrem Glück gezwungen werden, auf diffus-christlichen „Kinder als Gottesgeschenk“-Gedanken. Weshalb Tests (und Abtreibungen sowieso) so vehement besonders von Eltern behinderter Kinder bekämft werden scheint mir aus der gleichen Richtung wie Homoehe-Gegner zu kommen: warum sollen die sich anders entscheiden dürfen als wir? Wir lieben unser Kind, und die unerträgliche „(Name) ist unser größtes Geschenk!“-Kampagne. Indem sämtliche (real existierenden, und nicht komplett gesellschaftlich verursachten) Probleme, die behinderte Kinder mit sich bringen verklärt werden, lösen die sich doch nicht in Luft auf? Und anderen unbedingt die gleichen Probleme aufzwingen zu wollen hilft vielleicht der Akzeptanz, aber davon können diese Eltern doch auch nicht besser schlafen, wenn sie Jahrzehntelang z.B. fürchten müssen das Kind ersticke nachts?
„Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Frau und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen. Denn auch in diesem Fall sehe ich hier keinen Grund, davon abzuweichen.“
Da gibt es einfach einen Punkt, der stört mich ungemein.
Es sollte die Entscheidung der Eltern sein.
Im Idealfall schon. Aber oft ist das nicht unbedingt der Fall, daß beide Eltern gemeinsam entscheiden (können/wollen). Die Mutter aber kommt aus der Sache nicht raus, da all dies ja in ihrem Körper geschieht – sie muß letztendlich entscheiden.
„Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Frau und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen.“
Jep! Dem ist nichts hinzuzufügen.
„‚Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Frau und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen.‘
Jep! Dem ist nichts hinzuzufügen.“
Außer vielleicht noch, dass nicht nur Frauen schwanger werden, sondern auch noch ein paar andere Gender.
gender werden überhaupt nicht schwanger. schwangerschaft ist in erster linie keine soziale rolle, sondern eine biologische tatsache. sofern es keinen medizinsichen durchbruch in zukunft gibt, ist es erstmal schlicht analytisch wahr, dass überhaupt nur frauen (in der bedeutung v biologischem geschlecht) schwanger werden können
Einfach alle Menschen die schwanger werden (können) dem „biologischen Geschlecht“ ‚Frau‘ zuordnen kannst du aber auch nur, wenn du daran glaubst, dass diese Prämisse reicht um eben jenem „biologischen Geschlecht“ anzugehören. Das es noch zig andere Dinge gibt, die gerne zu Hilfe genommen werden um „biologisches Geschlecht“ zu bestimmen, haben wir ja spätestens bei dem Fall der Sportlerin Semenya gesehen.
Warum es biologisches Geschlecht de facto nicht gibt führt übrigens Heinz Jürgen Voss ganz gut in seinen zwei aktuellen Büchern aus.
Abgesehen davon macht man mit einer solch einfachen Aussage (wenn schwanger dann bio. Frau)/Fremdzuschreibung (alle schwangeren Menschen sind Frauen) eine Menge Menschen unsichtbar und Geschlecht mal wieder binärer. U.a. auch weil eben oben im Text nicht zwischen „biologischem Geschlecht“ und gelebtem Gender unterschieden wird.
@jay:
De Facto? Das was du da verbreitest ist wohl mehr ein Glaubensdogma. Akzeptiere es doch bitte: Wenn ein Mensch funktionsfähige Keimzellen hat, so sind diese männlich oder weiblich, nichts, aber auch wirklich nichts anderes ist möglich und schon gar nicht existent.
Ich verstehe schon, was Jay meint – ein Mensch, der biologisch „weblich“ ist, kann gendermäßig dennoch „Mann“ oder sonstwas sein.
Und auch, wer nicht schwanger werden kann, ist keineswegs automatisch Nicht-Frau, egal ob Gender- oder Biologiebegriff.
Ich ändere den letzten Satz auf *Schwangere.
ohje, ohje…
nach über 20 jahren butler (und co.) ist mensch immer noch nicht soweit anzuerkennen, dass schwangerschaft – genau wie alle anderen attribute – keine natürliche/biologische zugehörigkeit zu irgendeinem gender haben…
thomas beatie (hatte mittlerweile schon 3 schwangerschaften…), intersexualität, transgender, hermaphroditismus und die stets schon vergesellschaftete gender-performance samt all ihrer instabilität – als ob es das alles nicht gäbe und nie darüber diskutiert worden wäre! was ist denn mit der (sogenannten) pille für die frau und der pille für den mann? was ist mit sterilisation, hormonbehandlungen, bezeichnungspraxen, ernährungsweisen, de/medikalisierungen, de/subjektivierungsprozessen, de/pathologisierungen?…
solange die gesamte welt von (möchtegern-)cisgendern und ihrer heteronormativität (bzw. auch homonormativität) beherrscht wird, scheint sich an solchen naturalisierungsritualen zwecks eigener privilegiensicherung wohl nie was zu ändern und unzählbar viele singuläre geschlechtlichkeiten werden weiterhin in soziale isolation und tod getrieben…
was ich aber betonen möchte: schwangerschaft ist eben keine soziale performanz, wie etwa stöckelschuhe tragen oder so. es werden leute nicht in ihrem gender schwanger, sondern als biologisches wesen in ihrem biologischen geschlecht frau.
bei dem hype um das voss-buch finde ich es beunruhigend, dass von den rezensionen unter http://dasendedessex.blogsport.de/2011/01/05/uebersicht-ueber-die-rezensionen-zu-geschlecht-wider-die-natuerlichkeit/ offenbar keine von jemanden stammt, der sich auf biologie, medizin oder wissenschaftstheorie spezialisiert hätte. da finde ich es etwas voreilig, das buch als die neue autorität abzufeiern. auch wurde Voss damit von einem Soziologen promoviert
bigmouth, du widersprichst dir doch selber. was, wenn intersexuelle menschen schwanger werden – dann presst du sie automatisch in die kategorie „frau“, nur um dein binäres geschlechtermodell aufrecht erhalten zu können?… wenn das keine fremddefinition ist, was ist es dann?
nochmal: das biologische geschlecht ist kein aus „mann“ und „frau“ bestehendes gegensatzpaar, es ist ein kontinuum an dessen einem ende die biologische frau und an dessen anderem ende der biologische mann steht. individuen verorten sich dann irgendwo dazwischen. ganz davon abgesehen wird das biologische geschlecht durch viele verschiedene faktoren bestimmt; das hormonelle geschlecht, das chromosomale geschlecht, das genitale geschlecht und letzendlich auch das keimdrüsengeschlecht. du nimmst aber allein aufgrund des keimdrüsengeschlechts zuschreibungen fest und reduzierst frauen* somit einmal mehr auf ihre reproduktionsfähigkeit…
ich behaupte, dass leute, die auf natürlichem wege schwanger werden, offenbar nicht intersexuell sind. denn dazu müssen die funktionsfähige geschlechtliche vollausstattung haben – vagina, gebärmutter, eileiter, eizellen, und die müssen alle einsatzbereit sein. und da müssen „das hormonelle geschlecht, das chromosomale geschlecht, das genitale geschlecht und letzendlich auch das keimdrüsengeschlecht“ so zusammen spielen, das eine schangerschaft vonstatten gehen kann. und dann ist diese person biologisch eine frau.
und da auf selbstdefinition zu pochen ist etwa so sinnvoll, wie das bei körpergröße oder anzahl der finger zu tun.
was vielmehr not tut, ist die die verknüpfung zwischen sex und gender aufzubrechen. deswegen finde ich nach etwas nachdenken die kritik daran, dass dodo hier von frauen gesprochen hat, grundsätzlich korrekt, weil hier eben auch das gender gemeint sein kann, und dann tatsächlich ewine fremdbestimmung vorliegt. nicht alle schwnageren menschen sehen sich als frauen in ihrer geschlechtlichen identität
wogegen ich mich ausgesprochen habe, was evt auf einem mißverständnis beruht hat, war, dass jay davon sprach, dass andere gender schwnager werden können. ich halte das für einen kategorienfehler. das ist ungefähr so sinnvoll wie zu sagen, dass sowohl christdemokraten wie sozialisten, bvb-fans oder bayern münchen-anhänger, rot- und schwarzhaarige schwanger werden können. stimmt zwar alles, verfehlt aber trotzdem den gegenstand, weil das alles kontingente tatsachen für die fähigkeit, schwanger werden zu können, sind. dass gender einer person hat mit ihrer biologischen ausstattung eben keinen notwendigen zusammenhang
dann wäre thomas beatie eine frau. und sein chrosomales geschlecht ist nochmal welches?
spielen die geschlechter bei intersexuellen also „so zusammen […], das eine schangerschaft vonstatten gehen kann“ – sind es plötzlich frauen. verblüffend bigmouth, aber du hast gerade eben mal wieder demonstriert, daß geschlecht nur konstruiert ist.
wie kommst du darauf, dass Beatie intersexuell ist? und wie definierst du intersexuell, tee?
huch, schlecht geraten
ach ja – ich definiere intersexuell durch das aufeinandertreffen unterschiedlicher geschlechtsmerkmale. aber nicht durch die unfähigkeit, schwanger zu werden. was aber der umkehrschluss wäre. wozu das pferd denn so von hinten aufzäumen?!
dein „biologisches geschlecht“ ist nämlich konstruiert aus geschlechtsmerkmalen und dem eifer, es auch in das dort verwendete binäre modell zu pressen. nur wozu? „gebärfähig“ wäre in dem kontext doch viel angebrachter.