Das scheue Reh und der böse Wolf

Dass Kleinkinder-Kleidung je billiger desto gegenderter ist, finde ich zwar schlimm, aber ist nun leider auch nichts Neues. Lidl setzt in seinem neuem Wochen-Angebot „Kitz & Wolf“ jedoch neue Maßstäbe in Sachen subtiler Rollenzuweisung: Nicht mehr nur das klassische Pink-vs.-Blau-Schema, gerne angereichert durch Prinzessinnen und Autos, markiert hier das Geschlecht der Kinder, sondern es ist das scheue, niedliche, beschützenswerte (Reh-)Kitz, das ausnahmslos auf den für „Mädchen“ ausgewiesenen Kleidungsstücken prangt und der böse, angsteinflößende und draufgängerische Wolf „für Jungen“.

Die Text-Aufdrucke lösen zumindest bei mir weiteres Kopfkino in Sachen Doing Gender aus: „I love nature“ sagt das „Mädchen“-Shirt – die „Frau“ ist eben Natur (im Gegensatz zur Kultur des „Mannes“). Auf den „Jungen“-Hemden heißt es neben „Big Wolf“ oder „Super Wolf“ in einer Sprechblase „Hey, how are YOU?“ – schließlich wird von den „Jungs“ ja später auch erwartet, dass sie das „Anbaggern“ übernehmen.
Abgesehen davon, dass das Tierreich ja durchaus auch männliche Rehkitze und weibliche Wölfe kennt, rege ich mich über diesen Fall deshalb so auf, weil hier mit so scheinbar „neutralen“ Tierbildern Geschlecht gemacht wird, und einem als aggressiv und aktiv geltenden Tier ein als verletzlich und passiv geltendes gegenüber gestellt wird. Der Wolf jagt das Rehkitz, Opfer und Täter, ganz natürlich, oder?


19 Antworten auf “Das scheue Reh und der böse Wolf”


  1. 1 alede 27. September 2011 um 8:30 Uhr

    alder und dann guck dir ma die NASE von dem wolf an… sieht doch echt aus wie ein… was kann mensch DAzu noch sagen???

  2. 2 jali 27. September 2011 um 9:41 Uhr

    Und dass wo jeder weiß, dass in Wirklichkeit Rose Tyler der böse Wolf ist. ;-)

  3. 3 ralph 27. September 2011 um 10:19 Uhr

    @jali ymmd!

  4. 4 Dora 27. September 2011 um 11:19 Uhr

    Tja das ist halt das suptile Denken der Massenhersteller, soviel Gedanken, wie du dir darüber machst, sind die gar nicht fähig in ihrem Kopf zu formulieren! Ich glaube die kämen die darauf, dass Kunden sich darüber aufregen konnten wie leicht man es sich hier mal wieder mit der Geschlechterzuteilung gemacht hat.

  5. 5 kompa 27. September 2011 um 17:04 Uhr

    Hineininterpretieren ohne wenn und aber.

  6. 6 saso 27. September 2011 um 19:14 Uhr

    In Frankreich regen sich die Gemüter momentan zu einem ganz ähnlichen Thema auf. Petit bateau, eine bekannte Marke für Kinderkleidung, hat eine neue Kollektion rausgebracht die unter anderem zwei besondere T-Shirts enthält. Eines blau eines rosa, wie sollte es anders sein, aber dazu sind sie mit netten Schlagwörtern versehen, die uns doch bitte direkt klar machen sollen wie Mädchen und Jungen nun mal so sind. Jungs sind natürlich: Mutig, stark, stolz, rüstig, tapfer, entschlossen, schelmig, etc. und ihrer natürlich Rolle folgend sind Mädchen: Nett, lustig, süß, kokett, lieben, stur, goldig, etc. (verzeiht die Ironie)
    http://bigbrowser.blog.lemonde.fr/2011/06/16/sexisme-petit-bateau-voit-les-garcons-en-bleu-et-les-filles-en-rose/

  7. 7 onyx 27. September 2011 um 23:01 Uhr

    @ Dora

    Tja das ist halt das suptile Denken der Massenhersteller, soviel Gedanken, wie du dir darüber machst, sind die gar nicht fähig in ihrem Kopf zu formulieren!

    Das ist ja das Schlimme daran. Diese Gedanken sind manifestiert und unbewußt im Hirn verankert. Ich warte nur darauf, dass auch Anifeministen auffällt, wie sehr damit die Opfer-Täter-Schublade suggeriert wird, wie von Pia verdeutlicht wurde („Der Wolf jagt das Rehkitz, Opfer und Täter, ganz natürlich, oder?“). Ist doch schließlich eine Denke, die sie Feministinnen anlasten.

  8. 8 mysa 28. September 2011 um 12:46 Uhr

    Kultur des Mannes?

    Warum haben wir dann den Naturburschen?

    Es wird übrigens auch zwischen Ricken und Bockkitzen unterschieden.

    Aber hier liegt eine anachronistische Wahrnehmung deinerseits vor.

    Der Wolf, der wird schon lange nicht mehr als aggressiv dargestellt, sondern als scheues und zurückgedrängtes Tier.

    Oder lese ich generell andere Artikel?

    Wenn ich den großen bösen Wolf lesen will, dann muss ich schon zu den Gebrüdern Grimm gehen, ansonsten ist die Darstellung des Wolfes heute eine ganz andere.

    Aber Onyx schreibt das ja sehr schön, anscheinend sind da bestimmte Wunschbilder im Kopf sehr feste manifestiert.

    pS. Die Kinderkleidung da finde ich auch scheiße, wenngleich – Aufgrund offfensichtilich anderer Sozialisierung (Ich weiß anscheinend viel mehr über Tiere ;-p ) aus anderen Gründen.

  9. 9 ach 28. September 2011 um 15:45 Uhr

    ja mysa,
    ganz genau, mit den t-shirts werden schon die kleinen jungs ganz schlimm unterdrückt und auf ihre rolle als „scheue und zurückgedrängte“, von frauen unterdrückte männer festgelegt. die stehen da, wie das kitz mit hocherhobenen kopf, werden mit „i love nature“ schon darauf geeicht mit ihrem menstruationsblut in der gegend herum zu spritzen, während sie von männern bedient und umsorgt („hey, how are you?“) werden.

  10. 10 mysa 28. September 2011 um 19:19 Uhr

    Ich habe nicht behauptet da würden die Jungs unterdrückt.
    Aber damit sind wir wieder bei meiner eigentlichen Behauptung, das Pipilangstrumpsyndrom, ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt und so.

    Und ganz ehrlich, dank den Naturschützern, ist unser Bild des Wolfes nicht mehr das, welches Pia benutzt.

    Und auf einem falschen Bild eine Argumentation aufzubauen, das find ich persönlich nicht so gut.

    Positiv wäre an dem Angebot imho beispielsweise das Shirt für Mädchen im starken rot hervorzuheben.
    Die Farbe Rot ist eine ganz klar männliche Farbe.
    Ich denke da als erstes an die Mythologie und den Kriegsgott Mars, eindeutig rot, eindeutig männlich.

    Finde ich gut die Farbe in der Stärke als Mädchenbekleidung zu verkaufen.

    Stören würden mich eher die blassen und schwachen Farben, die das Kind direkt in die Ecke „ausgewaschene Kleidung“ stellen.

    Damit ist das soziale Stigma perfekt, und dann (ich weiß, ich weiß, es gibt für euch keine stärkere Diskriminierung als das Geschlecht) ist der Zug für die kleinen doch eh abgefahren, ob Junge oder Mädchen spielt dann gar keine Rolle mehr.

    Aber vielleicht liegt ja eine große Geschäftsidee begraben, Gendergerechte Kindermode, das könnte das nächste große Ding sein! Kann auch teuer verkauft werden, es handelt sich ja durchaus um ein Luxusproblem.

  11. 11 kinky 29. September 2011 um 3:14 Uhr

    Als privilegierter Typ ist die patriachale Zurichtung von Kindern sicher ein Luxusproblem.
    Liebe Mädchenblogautor_innen, wenn ihr die Scheiße von mysa freischaltet, dann schreibt doch auch mal selber was dazu.
    Und mysa, erst pia eine „anachronistische Wahrnehmung“ vorwerfen, aber hier was von Rot als „ganz klar männliche Farbe“ schreiben! Stimmt ja sogar, aber nur wenn mensch die Zeit um ein paar Jahrhunderte zurückdreht. :-w

  12. 12 pia 29. September 2011 um 9:37 Uhr

    @kinky du hast ja recht, ich hatte bisher allerdings nicht die muße, darauf einzugehen und gehofft, dass sich vielleicht sonst noch jemand dafür findet. daher jetzt nur kurz

    @mysa: das bild, welches kinder vom wolf haben, dürfte ja vielleicht doch noch durch märchen wie rotkäppchen bestimmt sein als durch nachrichten vom naturschutz.
    und dass der mann der sphäre der kultur zugeordnet wird und die frau der natur ist schon seit 40 jahren basiswissen in sachen geschlechterforschung, siehe z.. hier http://de.wikipedia.org/wiki/Sherry_B._Ortner#Is_Female_to_Male_as_Nature_is_to_Culture_.281974.29

    @saso: danke für die ergänzung, ich kann zwar leider nur schlecht französisch, aber das wesentliche glaube ich da verstanden zu haben …

  13. 13 onyx 29. September 2011 um 13:22 Uhr

    Aber Onyx schreibt das ja sehr schön, anscheinend sind da bestimmte Wunschbilder im Kopf sehr feste manifestiert.

    Die Frage ist, bei wem sind das Wunschbilder und bei wem indoktrinierte Bilder, die nichts mit Wünschen zu tun haben?

  14. 14 mysa 30. September 2011 um 11:01 Uhr

    @ Kinky, ich denk da einfach mal nen feuerroten Ferrari.

    Das lässt sich noch weit ergänzen.

    @ Pia, ob Kinder heute wirklich noch so stark von Rotkäpchen und Co beeinflusst werden? Insbesondere die, welche die Kleidung aus dem Lidl tragen? Meine Schwester berichtet mir aus dem Brendpunktkindergarten in dem sie arbeitete dann doch mehr von dreijährigen denen Spiderman ein Begriff ist, das Rotkäpchen kommt da selterner ins Gespräch.

    Ihr könnt natürlich euch gerne gegenseitig einreden, ich habe hier alleinig Scheuklappen auf und natürlich darf auch gerne Kinky anmerken, dass es eure Moderatorenpflicht ist den Blog von so einer Scheiße wie meiner frei zu halten.

    Aber ob das dann der Diskussion hilft, das steht wohl auf einem anderen Blatt.

    Aber mal wieder erstaunlich, was hier dann den Geschmack von Getrolle bekommt.

  15. 15 Elaria 30. September 2011 um 14:10 Uhr

    Interessanterweise galt die Farbe Rot und Rosa bis zum 19. Jahrhundert als die Farbe für kleine Jungs.

    Mädchen – Blau – Junfgrau Maria
    Jungs – rot/ rosa – trug der männliche Erstgeborene, Herrscher

    Das tröstet mich immer bei dem Ganzen ‚rosa für Mädchen und blau fürs Jungs Gedöns‘ ein bißchen. Schematas können sich auch wieder ändern. Ich mag grün!

  16. 16 lacyuu 01. Oktober 2011 um 14:49 Uhr

    Mir fällt spontan dazu nur ein, dass Wolfsrudel matriarchaisch organisiert sind und die Rudelfüherin weiblich, die außerdem die Paarung der anderen Tiere im Rudel kontrolliert. Dementsprechend ist auch das Bild des lone wolf und des wilden Tieres überholt, denn Wölfe sind eher soziale Tiere und für Jäger eher wenig aggressiv.

  17. 17 illith 12. Oktober 2011 um 13:57 Uhr

    also wikipedia sagt, dass ein olles heterowolfspärchen das rudel anführt (das btw nur aus eigenen nachkommen besteht) ;)

  18. 18 Sebamax 13. November 2011 um 12:37 Uhr

    @ lacyuu

    Falsch. An der Spitze des Rudels steht ein Alpha-Wolfs-Paar.

    Ansonsten ist das wohl auch feminitisches Wunschdenken.

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Feminism lesen und gucken: Die Blogschau Pingback am 01. Oktober 2011 um 13:43 Uhr

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