„Look good in all you do“

Der obige Titel findet sich seit einiger Zeit als Überschrift zu einem Foto der Werbekampagne eines Friseur_innensalons in Canada. Auf dem Bild ist eine „perfekt“ frisierte und gekleidete Frau zu sehen (wobei perfekt, als den heteronormativen Vorstellungen folgend gemeint ist). Doch eins stört: unsere schöne weiße ZisFrau hat ein blaues Auge. Hinter ihr steht ihr Mann in patriarchaler Pose. Wir befinden uns offensichtlich in einer Szenerie häuslicher Gewalt. Doch wen stört dass solange Frau „schön“ ist? Wen interessieren die Schläge und Erniedrigungen, solange die Frisur sitzt? Der Glamour hält Einzug in den Kontext gewalttätiger Beziehungen. Statt sich gegen Gewalt zu wehren, sollte Frau von heute lieber den schönen Schein wahren. Würde erhält Frau durch Styling, nicht durch Selbstbestimmung. Die Fotografin Sarah Cameron sieht ihr Bild als einen Akt der Kunst, der Grenzen verschiebt. Die Frage ist in welche Richtung? Aus einem kapitalistischen Blickwinkel betrachtet hat sie ein Ziel erreicht: Der Friseur_innensalon ist in aller Munde.
Einige Stimmen in Kanada verstehen die Aufregung von feministischer Seite nicht. Es könnte genauso gut das Bild einer Aufklärungskampagne sein, sagen sie. Nur dann wäre die Message eine andere. Vielleicht, dass auch eine vermeintlich „perfekte“ Frau mit einem genauso „perfekten“ Leben das Opfer häuslicher Gewalt werden kann und es wichtig ist Augen und Ohren diesbezüglich offen zu halten.

Look good in all you do


16 Antworten auf “„Look good in all you do“”


  1. 1 onyx 28. September 2011 um 22:52 Uhr

    Als Werbung für einen Friseursalon ist es absurd, ich dachte auch erst, es wäre eine Anti-Gewalt-Kampagne, weil durch diese absurde Darstellung das Thema Schönheitswahn so überspitzt wird, dass ich es nur als Parodie sehen kann, die genau auf diese Absurdität (Achte auf deine Schönheit, auch wenn du verprügelt wirst!) abzielt.
    Mit anderen Worten, es ist in meinen Augen viel zu pointiert und polarisierend, um nur eine harmlose Friseurwerbung zu sein. Selbst wenn es als solche gemeint ist, so wird man doch zwangsläufig mit dem Thema Gewalt konfrontiert und setzt sich gedanklich automatisch damit auseinander. So ging es mir jedenfalls.

  2. 2 Grübel 29. September 2011 um 0:16 Uhr

    Ich weiss nicht, wie die eigentliche Idee hinter der Werbekampagne aussieht. Mich verstört sie allerdings gehörig und ich kann mir vorstellen, dass das auch Menschen so geht, die für das Thema »häusliche Gewalt« nicht so sensibilisiert sind. Kurzum, ich bin etwas ambivalent in der Bewertung der Werbung.

  3. 3 ... 29. September 2011 um 0:26 Uhr

    Mir fällt nichts anderes ein als: Ist ja hart. Krass …

  4. 4 blauebirke 29. September 2011 um 6:13 Uhr

    Während die Frau „perfekt“ gestylt und posiert, sieht sie nicht glücklich aus. Kein Mensch sieht diese Anzeige und denkt „genau so möchte ich sein“. Wenn die Botschaft mit dem Text übereinstimmen würden, müsste die Wohnungseinrichtung auch gestylt sein (hier ist ein klarer Bruch erkennbar) und das immer-“fröhliche“ Lächeln àla Model aufgesetzt sein.

    Wegen diesen feinen und wichtigen Unterschieden halte ich die Anzeige für selbstironisch (Botschaft: wir können nicht alle Ihre Probleme lösen, aber die Dienstleistung anbieten). Sie bringt das Problem häusliche Gewalt sehr gut auf den Punkt, weshalb die Empörung auch nicht ausbleibt. Beides ist sicherlich dem Thema förderlich.

  5. 5 nom 29. September 2011 um 13:18 Uhr

    @ blauebirke:

    Kein Mensch sieht diese Anzeige und denkt „genau so möchte ich sein“.

    woher weißt du, was andere – alle – menschen denken?

    unterschätz mal nicht, die wirkmächtigkeit des schönheitsideals. da einer_ immer suggeriert wird, schönheit (im sinne des herrschenden ideals) sei voraussetzung für glücklichsein, ist es nicht abwegig, dass (weiblich sozialisierte) menschen ein“perfektes“ aussehen wie das ihre anstreben. abgesehen von dem blauen auge natürlich, aber auf das hast du dich ja auch nicht bezogen (?).

  6. 6 Bäumchen 29. September 2011 um 13:57 Uhr

    Ich kapier das nicht … ist der Mann gefesselt oder was hat er da in den Händen? Soll das auf SM-Spielchen anspielen?

  7. 7 hn 29. September 2011 um 15:28 Uhr

    Eigentlich ist es doch unnötig, darüber überhaupt zu diskutieren. Werbung ist das Gegenteil von Kunst, wennimmer behauptet wird, hinter dem Motiv sei eine künstlerische Aussage, dann ist es immer ein Schockmotiv, das Aufsehen erregen soll, nicht durch das Motiv selbst, sondern die Diskussion darüber. Blogeinträge wie dieser sind der eigentliche Kern der Kampagne, nicht die (wie sich heraussstellen wird: bemerkenswert wenigen, eine billige Zeitschrift, oder mittlerweile sogar nur noch die Behauptung, ein bestimmtes Motiv sei eine Anzeige…) Flächen auf denen das Original zu sehen sein wird.

  8. 8 1_SaSo 29. September 2011 um 18:09 Uhr

    @Bäumchen: Nein er hält ein Collier in den Händen, dass er wohl gleich seiner Frau anlegen wird. Wir wissen ja alle „Diamond are a girls best friend“ Das macht das Foto für mich persönlich eigentlich noch schlimmer. Der Täter kauft sich seine Vergebung mit einem netten Kettchen….

  9. 9 Weatherwax 29. September 2011 um 19:54 Uhr

    Die Anzeige erinnert mich an die früheren Werbekampagnen von Benetton: für einige schockierend um der Aufmerksamkeit wegen, für anderen diskussionsanregend, für viele irgendwas dazwischen. Ich halte es für legitim, wenn Firmen mit Werbung auch Probleme und deren Wahrnehmung thematisieren – z.B. Bäcker, die bei „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ mitmachen, machen ja auch nichts anderes. Aber hierüber ließe sich zweifellos trefflich streiten – und das hatte man bei Benetton zu Genüge getan, es dürfte wohl jedes denkbare Argument gewechselt sein.

  10. 10 blauebirke 29. September 2011 um 22:26 Uhr

    @nom:

    Ich gebe dir vollkommen recht: Es gibt viele die ein/das Schönheitsideal anstreben und es gibt viele Beispiele in den Medien und noch mehr in der Werbung, die suggerieren, dass diese Schönheit einem Glück gibt. Auch wenn der Verstand einem das Gegenteil sagt, entsteht das Gefühl: „wäre es nicht schön auch dort zu sein“.

    Dieses Bild tut das aber eben nicht, denn die Frau wirkt sehr unglücklich. Die Farben sind nicht strahlend/fröhlich. Ich stelle die These auf, das ein 4-jähriger (=> keine Ahnung von Styling und versteht nicht das Gewalt hier dargestellt wird) erkennt, dass dies kein glückliches Bild ist.

  11. 11 Berna 30. September 2011 um 11:55 Uhr

    Das ist es doch was sie wollen… In aller Munde sein! Und erinnert ihr euch noch an die HIV Kampagne von Benetton? War das nicht etwa auch provokant? ABER alle haben drüber gesprochen und vielleicht auch mal vorbeigeschaut…

  12. 12 mysa 30. September 2011 um 20:37 Uhr

    Benetton? Gibt’s die heute noch?
    Mal so auf den Nutzen einer Schockkampagne abzielend gefragt.

  13. 13 E. 01. Oktober 2011 um 17:06 Uhr

    @blauebirke Es geht doch gar nicht um glücklich, sondern um gut aussehen.
    Und im ersten Augenblick sagt mir das Bild dass gut auszusehen oberste Priorität hat, dann kommen Diamanten und das blaue Auge fällt unter wer schön sein will muss leiden.
    Da hast du schon mal eine Ausnahme von allen Menschen.

  14. 14 Carmen Sandiego 02. Oktober 2011 um 11:25 Uhr

    Es gibt noch mehr Plakate in der Kampagne.

    Ganz andere! Alle haben gemeinsam das sie „ungewöhnliche Situationen“ darstellen.

    Irgendwas mit Leichenwagen,
    irgendwas mit auf der Straße schlafen,
    irgendwas mit Motorradunfall,
    irgendwas mit Frau im Männerjob und
    irgendwas mit altem leuten Tee einschenken (die Versteh ich gar nicht).

    Ich würd’ sagen sie machen das selbe wie das was man Benetton unterstellte.

  15. 15 delilah 05. Oktober 2011 um 12:29 Uhr

    Mysa, na klar gibts die noch. Aber die haben neben dummer Werbung halt auch gute Klamotten.

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Feminism lesen und gucken: Die Blogschau Pingback am 01. Oktober 2011 um 16:54 Uhr

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