Archiv für September 2011

Schoßgebete

Ja, ja, auch hier in diesem Blog kommen wir nicht drumrum: Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“…hat ja jetzt ne Weile gedauert, bis hier was zu dem Buch geschrieben wird, nachdem an anderen Stellen schon die Wellen hochschlagen.
Aber im Gegensatz zu vielen anderen lese ich das Buch gern vorher (damit meine ich nicht Schwarzer).
Nett zum Beispiel ein Zitat aus dem Spiegel-Online-Forum, das über Roche als die personifizierte Übersexualisierung der Gesellschaft herzieht:

Hauptsache Spaß und jeden Tag ganz viel Sex mit möglichst vielen Partnern, weil das noch mehr Spaß macht.

Klingt zwar gar nicht so schlecht an sich, hab ich in dem Buch aber nicht gelesen. Zudem ein Kommentar vom 09. 08. – erschienen ist das Buch erst am 10.
Trotzdem ein nettes Beispiel dafür, wie die Persona Roche nicht nur ein Mischgebilde aus Romanfigur und echtem Menschen ist, sondern offensichtlich auch prima Projektionsfläche für sämtliche Erwartungshaltungen.
Die Erwartung obigen Kommentators war wohl ein schmutziges Schweinigelsexbuch. Ist es das? Waren eigentlich schon die Feuchtgebiete nicht. Noch viel weniger sind drastische Sexbeschreibungen das eigentliche Thema bei Schoßgebete. (mehr…)

Sexismus und Tiere essen, die Zweite.

Operation Beautiful


Eines Tages, als Floridian Caitlin Boyle an einem stressigen Tag in einer öffentlichen Toilette stand, hatte sie das Bedürfnis, jemandem irgendwas gutes zu tun – und zog kurzerhand einen Zettelblock raus, schrieb „You are beautiful“ drauf und klebte ihn an die Klowand.
Daraus wurde zunächst ein Aufruf, dann ein Blog: sie stellte ein Bild davon online und rief dazu auf, es ihr nachzutun und ein Foto davon an sie zu schicken. Die Mission:

The goal of the Operation Beautiful website is to end negative self-talk or “Fat Talk.” If this little blog only does one productive thing, I hope it helps readers realize how truly toxic negative self-talk is — it hurts you emotionally, spiritually, and physically.
Through my own experiences fighting Fat Talk, I’ve realized the power behind an anonymous act such as Operation Beautiful. When I post a note, I’m saying, “I CHOOSE to be positive!”

Auf die Frage, welche Reaktion für sie am eindrucksvollsten war, sagt sie in „Bust“ Oct./Nov 2010:

It was an E-Mail from a bulimic teen.“She was goinge to purge,“ says Boyle. „She had closed the bathroom stall, and then saw this Operation Beautiful note that someone had left there and that told her that she was good enough and that she was beautiful just the way she was. She said that it really felt like it was a message from the universe that she needed to change her behavior. It wish it was more sociall acceptable to talk about how awesome we all are!“

Femizid in Mexiko jetzt ein Verbrechen

Femizid ist nun illegal in Mexiko City.

(Danke an Sandra)

Trisomie 21-Bluttest

Annette Schavan hat risikoarme Gentests für Schwangere gefordert –
und dafür Anschiss kassiert.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, warf ihr im Tagesspiegel vor, ihr Haus habe „Behinderten-Diskriminierung in der schlimmsten Form“ unterstützt.

Konkret geht es um die Entwicklung eines Schwangerentests mit dem ohne Risiko für die werdende Mutter mit hoher Treffersicherheit festgestellt werden kann, ob das heranreifende Kind ein Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt, hat.(…)
Schätzungen gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Föten, bei denen eine Trisomie 21 diagnostiziert wurde, abgetrieben werden.

Daß hier Kritik angebracht ist, versteht sich von selbst. Allerdings weniger an der Mutter, die Trismoie 21 als Abtreibungsgrund sieht, sondern an einer Gesellschaft und Politik, die es Menschen mit Down-Syndrom alles andere als leicht macht im Leben. Und deren Eltern natürlich genausowenig.
Würde sich hier etwas ändern, dann wahrscheinlich auch bei den zitierten 90%.
Und die verbliebenen 10% können sich so immerhin auf die Ankunft eines Kindes vorbereiten, das nicht nur mehr an Fürsorge braucht, sondern viele andere Dinge müssen auch noch organisiert werden.
Ganz zu schweigen davon, daß den Frauen ohne risikoarme Schnelltests noch ganz andere Probleme begegnen können:

Die bisher eingesetzten Trisomie-21-Tests sind entweder sehr ungenau oder sind mit dem Risiko verbunden, dass ein Schwangerschaftsabbruch ausgelöst wird.

Und wenn das nicht sein muß, warum sie dann so einem Risiko aussetzen? Um sie von dem Test abzuschrecken und ihnen dann sozusagen doch das ein oder andere Kind mit Down-Syndrom „unterzuschieben“, sie werden schon damit klarkommen, wenn’s mal da ist? Diese Einstellung fördert nun aber auch nicht gerade das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Trisomie 21.
Letztendlich ist doch auch hier sinnvoll, was bei Abtreibungen allgemein gelten sollte: es ist die informierte Entscheidung der betroffenen Schwangeren und alles sollte so risikoarm und professionell wie möglich ablaufen. Denn auch in diesem Fall sehe ich hier keinen Grund, davon abzuweichen.

(Bild von Markus Keuler, auf www.21hoch3.de)