Awareness- handicap

Awareness

Wir sind da. Wir sind mitten unter euch. Wenn es geht. Aber habt ihr uns schon gesehen? Wir sind nicht viele…

Wir sind die Subgruppe „Krank“. Queer und „krank“. Passt das? Es ist auf jeden Fall nicht das hot topic. Und wird auch nicht gern gesehen. Versteckt euch nicht mehr! Versteckt nicht mehr euer Anderssein. Versteckt nicht mehr eure Narben und Wunden, eure Glatzen, eure Mäkel, eure Ängste und Erfahrungen. Es kann so schnell gehen. Ein Unfall, eine Diagnose, ein Röntgenbild, ein Blutwert und Zack, du wirst in eine Welt aus Medizinern, Krankenhäusern, MRTs, Cts, OP- Tischen, Narkosen, Einwilligungen zum Risiko zu Sterben, Medikamenten, Nebenwirkungen, Reha und endlosen Wartezeiten katapultiert. Schwerbehindertenausweis. Ich? Vielleicht bist du schon immer hier. Gehörlos. Blind. Queer? Das spielt im Krankenhaus keine Rolle. Kämpfen für den Feminismus? Vielleicht, wenn die Chemo um ist. Demonstrieren gehen? Ja, wenn die Entzündungen weg sind. Hier wirst du nach deiner Konfession gefragt und ob dein Ehemann an deinem Bett sitzt.
Du wirst rausgezogen aus deiner queeren Welt, die du dir selbst gebastelt hast. Als Einsiedlerkrebs musst du gerade da weiterkämpfen, wo du dich sowieso schwach fühlst. Mit Glück findest du ein paar coolere Leute. Die dich so nehmen, wie du bist.

Wir reden über Mehrfachdiskrimnierung. Über Frauen, MigrantInnen, Alter, Klasse, Mütter, Queers… Wo sind die handicapped people? Wieso verstecken wir uns immer noch? Wieso werden regelmäßig Gehörlose, Blinde, körperbehinderte, geistig behinderte, psychisch vielfältige Personen ausgeschlossen? Wieso bedecken wir unsere Narben? Wieso verstecken wir unser Anderssein? Wieso müssen wir immer den nervigen Blicken stand halten…“Was hat DIE denn bloß?!“. Warum sprechen wir nicht über die Begegnung mit dem Tod? Weil es den anderen Angst macht? Was ist mit Diskriminierung und Ausschluss im „Schutzraum“?

Wir müssen öfter Nein sagen- das geht nicht, weil…, ich kann heute nicht, denn ich muss noch…, das schaffe ich nicht, weil….Ich muss aufpassen..Ich kann nicht kommen, es ist nicht barrierefrei,…Wir sagen es nicht gerne. Und schon gar nicht gerne den Grund.

Würde: Das ist etwas, das wir uns auf dem Gebiet der Homo/Trans*/Queerphobie erkämpfen. Aber wo ist die Würde, wenn dich auf einmal jeder Arzt anfassen darf, wenn dir jeder auf die Brust schauen darf, wenn deine Venen zerstochen werden, wenn du kotzt vor Beruhigungsmitteln oder dem ganzen anderen chemischen Scheiß. Wenn du nur noch eine Nummer bist, eine Akte oder noch besser: Kapital. Und vielleicht schon ein Leben lang.

Ihr seid schön!
Ihr seid schön mit euren raspelkurzen Haaren, mit den abgeschnittenen Brüsten. Mit den Narben, die sich an jeder Stelle des Körpers befinden können. Mit den Prothesen, mit der Gebärdensprache, mit den Rollstühlen und dein Einstichnarben an den Armen, am Bauch. Mit dem Gehstock, mit eurer ICD 10 Diagnose und mit eurem Tablettendöschen. Mit all euren Erfahrungen. Und all euren Kämpfen.


27 Antworten auf “Awareness- handicap”


  1. 1 Khaos.Kind 12. Oktober 2011 um 18:59 Uhr

    Sehr schöner Beitrag :)

    Auch wenn in der Conclusion vor allem auf (mehr oder weniger) sichtbare dis/abilities eingegangen wird.
    Ich würde die Awareness auf psychische/mentale Kategorien erweitern.

    (und ja, das wird im Text auch angesprochen, geht mE am Schluss aber etwas unter)

  2. 2 GwenDragon 12. Oktober 2011 um 19:10 Uhr

    Danke!!!!

  3. 3 Jan 12. Oktober 2011 um 21:49 Uhr

    Auschlüsse? Vielleicht! Aber sind diese auch wirklich mit halbwegs vernünftigem Aufwand vermeidbar? Zum Beispiel werden Blinde und Legastheniker (in schweren Formen->Analphabeten) aufgrund der visuellen Textform hier ausgeschlossen. Inklusion würde Tonaufnahmen vorraussetzen, sowie eine Seitenprogrammierung die von Hilfsprogrammen ausgelesen werden kann.

    Deine Darstellung von Menschen die im Krankenhaus arbeiten, angeblich die Patienten wie Maschinen behandeln und fast schon absichtlich quälen empfinde ich übrigens als RIESENSAUEREI !

  4. 4 dodo 13. Oktober 2011 um 2:46 Uhr

    Zumindest kann man doch versuchen, wenigstens stückweise und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sich Barrierefreiheit (das Wort benutze ich jetzt einfach mal allgemein und nicht nur auf Rollstuhl+Rampen beschränkt) anzunähern.
    Was ich beispielsweise cool finde, ist, daß auf feministing die meisten geposteten Videos zusammen mit einem rausgeschriebenen Text dahinter veröffentlicht werden. Das ist nicht nur für Gehörlose toll, sondern auch ganz praktisch für Leute, die am Arbeitsplatz auf feministing surfen ;)
    Persönlich kenne ich eine feminismusbegeisterte Legasthenikerin, die sich jeden Abend ihren Blog gönnt (das Piratenweib, glaub ich…). Sie übt damit lesen (Kommentare schreiben traut sie sich noch nicht), nimmt sich halt jeden Abend dafür die Zeit, die sie braucht. Es hilft ihr, weil es ihr Interesse anspricht und sie somit größere Motivation hat als bei irgendwelchen speziellen Lehrbüchern.
    Das kenn ich auch von mir – ich bin nach der Schule damals in Englisch wohl nur so flüssig und fit geblieben, weil ich mich aktiv auf einem englischsprachigen RiotGrrrl-Message Board rumgetrieben habe (gut, Verfassungen übersetzen wie im Englisch-LK geht nicht mehr so locker-flockig wie damals und mein Englisch ist ganz schön umgangssprachlich geworden… aber besser, als alles vergessen!)
    Von dem her seh ich da erstmal keinen Ausschluß.
    Was man diesbezüglich helfend tun kann und ich auch nicht unwichtig finde, ist, auf korrekte Rechtschreibung zu achten (auch, wenn der eine oder andere Fehler von allen gemacht wird und ja auch kein Weltuntergang ist). Okay, zugegeben, meinereiner hält sich noch an die alte Rechtschreibung, weil ich in der neuen zu viele Fehler mache – ist mir aber lieber als ein Kuddelmuddel aus beidem, bei dem dann oft Murks rauskommt wie „Fussball“ oder „Anja’s Blog“ oder so, die in beiden Varianten falsch sind.
    Bei einem Hamsterforum, in das ich gelegentlich schaue, wird sogar streng auf Rechtschreibung geachtet! Aus Rücksicht darauf, daß das Publikum eben auch aus vielen jungen SchülerInnen besteht. Natürlich wird da bei LegasthenikerInnen keine Perfektion verlangt, da wird schon drauf Rücksicht genommen. Und vom Feedback her sagen nicht nur die SchülerInnen, daß sie (zumindest die aktiveren Mitglieder) dank dieser Regel eben auch mehr drauf achten und ihre Rechtschreibung sich durch die Übung verbessert habe. Find ich ein ganz nettes Konzept. Wenn jetzt auch nicht Mädchenblog-geeignet.
    Das Visuelle ist natürlich schwieriger barrierefrei zu gestalten: die von Dir angesprochene Seitenprogrammierung, die von Hilfsprogrammen ausgelesen werden kann, sagt mir gerade gar nichts (was genau ist das? Gibt’s das bei Blogsport?) und ehrlich gesagt gebe ich zu, daß ich kaum Ahnung habe, wie das computertechnisch bei Sehbehinderten so genau läuft.
    Ich weiß, daß es für Menschen, die „so gut wie“ blind sind und auch eine Brille nimmer viel hilft, so trichterartige Aufsätze für Fernseher und Bildschirme gibt, mit so einer riesigen Vergrößerung. Und das es Tastaturen mit Braille gibt usw. – aber wie genau das dann in der Praxis alles funktioniert und was es da alles gibt und so… bin ich so gut wie gar nicht informiert.
    Kennt sich da wer aus? Würd mich ja schon sehr interessieren!!!
    Beispielsweise fänd ich’s auch cool, hier auf dem Blog eine Aktion zu starten zu, wasweißich, einer coolen Podcast-Liste, wo prima Podcasts gesammelt werden, ist ja auch für alle anderen toll gegen Langeweile; oder ein Podcast der Woche oder so, aus Vorschlägen, die Ihr uns schickt oder weiß der Geier… aber dann weiß ich wieder nicht, wie man als BlindeR überhaupt zu dieser Liste/Wochenpodcast kommt, wie schaut er aus, der Weg bis zur Nutzungsmöglichkeit? Inwiefern ist man da auf Freunde/andere Leute angewiesen, die einem den Link schicken oder sonst was?
    Kann da wer weiterhelfen?

  5. 5 dodo 13. Oktober 2011 um 2:47 Uhr

    Ach ja, und Jan:

    Deine Darstellung von Menschen die im Krankenhaus arbeiten, angeblich die Patienten wie Maschinen behandeln und fast schon absichtlich quälen empfinde ich übrigens als RIESENSAUEREI !

    Also das les ich hier nirgendwo…

  6. 6 Jan 13. Oktober 2011 um 9:20 Uhr

    @dodo:
    Zum Beispiel eine automatische Tonausgabe der Seiteninhalte ist möglich, das würde aber vorraussetzen das die relevanten Bereiche vorher gemarkert werden, also alle Texte, und anderes (wie html-Beschreibungen, Werbung, grafische Links) außen vor bleibt. Im Prinzip ne bessere Version der Windwos-Blechstimme, möglich, aber schwierig.
    -----------------------
    Zweiteres:
    „Aber wo ist die Würde, wenn dich auf einmal jeder Arzt anfassen darf, wenn dir jeder auf die Brust schauen darf, wenn deine Venen zerstochen werden, wenn du kotzt vor Beruhigungsmitteln oder dem ganzen anderen chemischen Scheiß. Wenn du nur noch eine Nummer bist, eine Akte oder noch besser: Kapital.“

    Was soll das bitte sonst heißen?

  7. 7 Khaos.Kind 13. Oktober 2011 um 13:54 Uhr

    Es gibt diverse Ansätze, bloggen so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Teilweise wird das echt schwierig bis unmöglich, da z.B. der Zugang über Text für Menschen mit mentalen Einschränkungen über eine vereinfachte Formulierung hergestellt werden könnte. Ich versuche zwar in meinem Blog nicht allzuviel Gender-Fachsprache zu verwenden aber 3-7 Wortsätze mit so wenig Fremdwörtern wie möglich schaffe ich einfach nicht.

    Dafür habe ich einen anderen schönen Blogbeitrag übers barrierefreie Bloggen gefunden. Der erzählt nämlich auch ein bisschen was darüber, welche Barrieren es überhaupt so gibt.
    Außerdem zu diesem Thema empfehlenswert:
    http://gendercamp.posterous.com/barrierefreie-internetseiten
    http://www.access-for-all.ch/ch/barrierefreiheit.html
    http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2011/05/10/online-workshop-%E2%80%98neue-website%E2%80%99-folge-8-barrierefreiheit-was-bedeutet-das/

    @Jan
    So wie du das beschreibst, lese ich das auch nicht raus. Aber es ist nun mal oft so, dass aus (zeit)ökonomischen Gründen in Kliniken oder auch Pflegeeinrichtungen nicht auf alle Patient_innen individuell eingegangen werden kann. Natürlich gibt es auch Ausnahmeärzt_innen oder anderes Personal, die ihr Bestes versuchen. Ich bin ja hin und wieder in Kliniken unterwegs. Und manchmal treffe ich auf Menschen, die werkeln an mir oder anderen herum ohne ihnen zu sagen, was und wieso und überhaupt. Und in solchen Momenten fühle ich mich mehr wie eine Maschine, denn wie ein Mensch behandelt. Kommt vor. Und weil ich das eben auch kenne, habe ich die Aussagen im Text auch so gelesen – als Phänomen und nicht die Regel. Und darüber darf mensch sich aufregen und beschweren, sonst wird es ja nicht anders!

  8. 8 dodo 13. Oktober 2011 um 15:58 Uhr

    Heyyyy, danke Dir! Werd mir die Links gegen später vorknöpfen!! *freu*

    Und mal ehrlich: wenn man solche beschissenen Erfahrungen durchmachen muß, wie im Text angesprochen, dann kommt einem manchmal einfach auch die beste Praxisroutine wie eine Hetzjagd vor, die freundlichsten ÄrztInnen wirken kalt,… und unter den teilweise auch sehr beschissenen Arbeitsbedingungen der MedizinerInnen ist eine fachgerechte und auch psychologische Betreuung nicht immer gewährleistet undundund… soll heißen: auch wenn man bei etwas genau weiß, es ist dringend notwendig und im Endeffekt von Vorteil, sich von DoktorIn und/oder PflegerIn abtasten zu lassen, evtl. an intimen Stellen sogar – und trotzdem, trotz aller Vernunft empfindet man es irgendwann als Belästigung, unangenehm, schmerzhaft, entwürdigend. Das wird ja dann trotzdem real so erlebt und muß ebenso real verarbeitet werden.
    Ein Bekannter von mir hat Hodenkrebs, den hat das lange auch sehr belastet, daß da ständig die verschiedensten Leute dran rumgrabbeln mußten und überhaupt, daß seine Eier ständig Hauptgegenstand der Betrachtung waren.
    Zudem die Medikamente, diese Hardcore-Pillen, für die es keine Alternative gibt, die aber auch fiese Nebenwirkungen wie allabendliche Kotzorgien, nächtliche Wadenkrämpfe, die einem die Tränen in die Augen treiben, Kreislaufschwächung und andere nette Sachen – ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die Psyche. Den Kram, den Krebskranke zum Teil bekommen, ließe sich bei Junkies wahrscheinlich noch zu gut Geld verticken…
    Dann auch das Gefühl des Ausgeliefertseins (was zahlt die Krankenkasse? Warum dachte ich nie dran, auf Privatpatient zu wechseln? Könnte nicht Cannabis einen Teil meiner Schmerzmittel ersetzen, wäre das nicht gesünder und schonender? Warum hab ich keinen Zugang zu genügend Spezialisten? usf.), hin- und hergeschoben zwischen 2-Klassenbehandlung, Kliniken, Ärzten, deutschem Gesundheitssystem, Politik, Pharmaindustrie und Krankenkassen. Da kann man sich schon als Nummer, als Akte – als Kapital fühlen.

    Jan, das ist so weit formuliert, da passen zig Interpretationen und Lebensrealitäten drauf (und deswegen hat Lisa Calisa wohl auch solche Worte gewählt!), und Du suchst Dir als (auch noch exklusive) Interpretation die polemischste aus, wow.
    Ich sag auch noch: Netiquette, Punkt 6, Zeile 6-10, lesen ;-)

  9. 9 LisaCalisa 13. Oktober 2011 um 17:19 Uhr

    @dodo, danke, ich glaube, wer eine ernsthafte Krankheit hat oder hatte, oder sich damit auseinandersetzt, hat mich auch verstanden. Und klar, nicht alle Ärzte sind scheiße.
    Ich fände einen PodCast auch nicht schlecht, oder auch was geschriebenes. Wenn du Lust hast, können wir das ja mal weiterdenken??! Fände es auch cool, wenn es mehr in die Öffentlichkeit geht, MM oder ähnliches.
    @Khaos.Kind, danke für die coolen Links.
    @Jan, ich spreche aus eigener Erfahrung und aus unzähligen Erfahrungsberichten anderer Krebskranker.
    Deine anderen Hinweise fand ich aber konstruktiv.

  10. 10 LisaCalisa 13. Oktober 2011 um 17:21 Uhr

    @dodo, ich glaube, wenn wir uns mit entsprechende leuten zusammen tun, wäre es kein problem, dass für alle barrierefrei in schrift und ton hinzukriegen!

  11. 11 Mera 13. Oktober 2011 um 18:35 Uhr

    Ein barrierefreies Internet ist möglich.
    Es gibt dafür Gesetze für deutsche Behörden.
    Und international gibt es auch Richtlinien.

    Gut gestaltet kann Text richtig zugeordnet werden.
    Für eine Blindeschriftlesegerät. Oder zum Vorlesen.
    Bei Wikipedia steht etwas dazu.
    Das Internetkonsortium unterstützt das.

    Einfache Sprache erleichtert allen das Verständnis.
    Auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache haben.
    Menschen die schlecht schreiben können fühlen sich oft ausgegrenzt.
    Das passiert seltener, wenn alle in einfacher Sprache schreiben.

  12. 12 Jan 13. Oktober 2011 um 19:02 Uhr

    @dodo:
    Da kommen wir der Sache schon näher, aber ich als Rettungssanitäter mag es eben nicht wenn mein Berufsstand (zähl ich vor allem Sanitäts+Pflegekräfte zu) so hingestellt wird, weil es „empfunden“ wird. Ne positive oder neutrale Aussage zum Krankenhauspersonal kann ich bei aller Liebe zur Netiquette nicht entdecken. Und das pisst mich nunmal an, zumal nichtengagierte Kräfte die Ausnahme bilden. Die allermeisten von uns Hängen da mit vollem Herzblut drin, das große Geld und die vielen wunderbaren Momente sinds sicher nicht.

  13. 13 dodo 13. Oktober 2011 um 19:51 Uhr

    Hey Jan;
    ich kenne auch einen Rettungssanitäter und hab mir da auch schon einige krasse Stories anhören dürfen von dem – daher weiß ich, daß man es Euch echt nicht gerade einfach macht im Beruf!
    Und daher verstehe ich auch, daß Du überempfindlich reagierst.
    Denn da wird Dein Berufsstand nun wirklich nicht fertiggemacht, noch nicht mal kritisiert. Der einzige Satz, in dem Personal überhaupt erwähnt wird, ist der
    wenn dich auf einmal jeder Arzt anfassen darf,
    hier und da ist nur von Ärzten die Rede und von denen auch nicht schlecht. Als negativ wird nur die Situation beschrieben, nicht der Arzt.
    wenn dich auf einmal jeder Arzt anfassen darf, , ich meine, ist doch klar, daß ein Arzt/eine Ärztin einen anfassen darf, will man ja auch, sonst wär man nicht zum Doktor gegangen, aber es kommt einem doch unangenehm vor,… also alles in allem ist doch sonnenklar, daß dieser Satz nicht darauf abzielt, die pflegenden Kräfte zu deskreditieren oder auch nur zu kritisieren.

    Kuck, und deswegen hab ich Dich auf die Netiquette aufmerksam gemacht: statt Dich unnötig aufzuregen und einfach Lisa Calisa eine Attacke auf das medizinische Personal unterschiebst hättest Du einfach, wie in der Netiquette so schön vorgeschlagen, mal kurz höflich nachfragen können „Ey Lisa, wie meinst Du denn das mit dem Würdeverlust etc. an der und der Stelle? Kommt mir nämlich etwas merkwürdig vor gerade, was Du da schreibst; das klingt für mich fast so, als würdest Du alle im Krankenhaus beschäftigte als kaltherzige Zyniker bezeichnen, unter denen die Patienten zu leiden hätten. Und das fänd ich nicht okay!“
    – dann hätte sie das Mißverständnis einfach schnell aufklären können (was wesentlich angenehmer ist, als gegen eine attackierende Unterstellung zu rechtfertigen) und Du hättest Dich dann auch gar nicht so lange ärgern müssen und wir hätten unsere Energie nicht auf die mehrfache Aufklärung eines Absatzes verwenden müssen, sondern darauf, hier konstruktiv an einer guten Idee weiterzubasteln.
    Also, immer dran denken: die Netiquette ist DeinE FreundIn und HelferIn ;-)

  14. 14 mettskillz 14. Oktober 2011 um 9:57 Uhr

    Hier werden auch Menschen mit einem sehr niedrigen Bildungsstand diskriminiert oder Menschen die kein oder nur sehr schlechtes Deutsch sprechen – stell soetwas dann kein Problem dar? Oder ist es nicht eher so, dass egal wie kommuniziert wird, immer Menschen bestimmter Gruppen ausgeschlossen werden – und das eigentlich auch kein Problem darstellt?

  15. 15 Jan 14. Oktober 2011 um 10:27 Uhr

    Ob erwähnt oder nicht. Hinter allem was im medizinischen so vorgeht stehen ja Menschen, im Zweifel eben wir, und wir sind es leider auch viel zu oft die den Frust abkriegen, weil es eben absolut unnatürlich wäre ein Medikament, die eigene Stammakte oder den Kernspin anzumaulen.
    In der psychologischen Sache ist es ohnehin schwierig für PatientInnen zwischen Krankenhaus und Personal (also auch dem psychatrischen Dienst) zu unterscheiden, da sich schwerkranke Menschen ja sozusagen in einer totalen Institution befinden und es kaum differnzieren können. Das ist so ein Punkt wo wir uns personell verdoppeln könnten und 5 Spezialisten pro Person vorhanden seien, es würde nichts ändern, da die psychologische Betreuung nur von Angehörigen oder FreundInnen gewährleistet werden kann.

  16. 16 GwenDragon 14. Oktober 2011 um 13:23 Uhr

    @Jan
    Wenn du schon die Diskussion aufmachst, ja es gibt Leute, die verantwortungs- und gefühllos sind.

    aber ich als Rettungssanitäter mag es eben nicht wenn mein Berufsstand (zähl ich vor allem Sanitäts+Pflegekräfte zu) so hingestellt wird, weil es „empfunden“ wird.

    Auch Rettungssanitäter sind inkompetent.
    Rettungssanitäter, die erst nach längerer Diskussion (20 Minuten!) mit einer halbseitig gelähmten 40 jährigen Patientin zum Hausarzt anstatt zur Neurologischen Klinik fahren, um sich erst vom Hausarzt den Notfalleinsatz bestätigen zu lassen, sind inkompetent und lebensgefährdend.

    @dodo

    wenn dich auf einmal jeder Arzt anfassen darf,

    Ich muss schon fast lachen. Anfassen? So manche Ärzte leisten sich auch Körperverletzungen und sexuelle Übergriffe inklusive Vergewaltigung, ohne Einverständnis der anwesenden und einwillingungsfähigen Patientin. Und das ohne Rechtsfolgen für die Täter_innen.

    Aber mit weiblichen Behinderten wird sowas gemacht. Nicht ernst nehmen, übergriffig sein, gefährden.
    Sowas sichtbar zu machen ist feministisch.

  17. 17 Mera 14. Oktober 2011 um 15:34 Uhr

    Ich der Mädchen-Blog barrierefrei?

    Texte müssen am Computer gut lesbar sein.
    Aber auch auf einem Smart-Phone.
    Das berücksichtigen viele Web-Seiten.
    Aber oft sind sie noch nicht barrierefrei.

    Schreibt der Mädchen-Blog auch in einfacher Sprache?

    Komplizierte Sprache muss nicht sein.
    Texte werden dadurch nicht besserer.
    Vielleicht sollen sie klüger wirken.
    Sie werden aber nur schlechter lesbar.
    Und sie grenzen Menschen aus.
    Viele Menschen die sich engagieren wollen.

  18. 18 dodo 15. Oktober 2011 um 18:27 Uhr

    @mera & mettskillz:
    Die Diskussion gibt es glaub ich schon, seit es das MBlog gibt. Und wir versuchen da auch unser Bestes. Leicht ist es nicht…
    Deswegen versuchen wir ja „alle unter einen Hut“ zu kriegen. Einerseits wäre es schade, wenn man alles künstlich einfach halten würde, dann könnte man manche Dinge, die eben auch viele interessieren, einfach nicht bringen:
    Rezension: ‚Geschlecht. Wider die Natürlichkeit.‘ von H.-J. Voß
    Disidentification means to transform the imperialist war into revolutionary civil war
    oder Evolution, Arbeit, Patriarchat zum Beispiel, die ich nicht hätt weglassen mögen.
    Trotzdem bin ich der Meinung, daß es auf dem Mädchenblog auch für Leute, die nicht superintellektuellgebildet sind oder Schwierigkeiten mit dem Deutschen haben, sowie auch jüngere LeserInnen auch viele interessante Sachen zu entdecken gibt, wie zum Beispiel:
    Chauvi-Sepp
    Was Hänschen nicht lernt…
    Gegen Gewalt an Frauen – Kampagne in Instanbul
    I like your hair
    Ägyptische Revolution – nicht ohne die Frauen.
    Aber klar, man könnte natürlich wieder mal mehr drauf achten.

  19. 19 LisaCalisa 16. Oktober 2011 um 23:15 Uhr

    ich finde auch, dass manchmal zu „kompliziert“ gesprochen wird, ber nicht immer.
    Und auch wichtig: Klassimus.
    Allein schon die Zeit zu haben hier zu bloggen ist ja ein Privileg.

    Um nochmal zurück zu kommen auf Krankheiten: Würde im Gesundheitssystem ist auf jeden Fall spannend. Auf beiden Seiten, ob man nun Ärzt_in ist oder Patient_in. Abgesehen von Missbrauch, der gerade auch im therapeutischen Bereich enorm oft vorkommt (so schrieb die Morgenpost mal, dass 90 % der männlichen PsychoTherapeuten mindenstens einmal intime Beziehungen zu ihren Patienten haben), kommt es eben oft zu Entwürdigungen. Es gibt bestimmt Ausnahmen, aber das kapitalistische Krankheitssystem (und das kann ich nur so nennen, denn jede Klinik arbeitet nach Zahlen und Bettenbelegungs-Orga geht um den Gewinn bzw. die Einsparung von Kosten) zwingt auch die Ärzt_innen zu abfertigendem Handeln. Die, die es schaffen unter all dem Druck noch empathisch zu sein, verdienen Respekt.
    Aber auch die Krankheit selber kann einen entwürdigen- oder die Reaktion der Gesellschaft drum herum. AIDS und dessen Stigmatisierung habe ich vergessen zu nennen. Auch hier gibt es Klüfte zwischen echter Akzeptanz, Unterstützung, und political correctness. Und auch hier wird verdammt oft weggesehen…

  20. 20 Mera 17. Oktober 2011 um 11:42 Uhr

    an dodo:
    Leichte Sprache ist nicht leicht.
    Das stimmt leider.
    Viele lernen zuerst kompliziert zu schreiben.
    In der Schule wird das besser bewertet.
    Und im Studium gilt das als gebildet.

    Politiker gebrauchen gerne komplizierte Sprache.
    Komplizierte Sprache versteckt vieles.
    Die eigene Unwissenheit zum Beispiel.
    Oder die Wahrheit.

    Viele Schriftsteller wollen keine komplizierte Sprache.
    Shakespeare hat sich über sie lustig gemacht.
    Und George Orwell hat sie kritisiert.
    Weil sie Lügen wie Wahrheit klingen lässt.
    Er plädierte für eine leichte Sprache.

    In den USA und in England ist man weiter.
    Dort wird leichte Sprache gewünscht.
    Dort heißt leichte Sprache Plain English.
    Es gibt Gesetze die sie fördern.
    Und sie gilt nicht als ungebildet.

    Wissenschaftlern hilf die leichte Sprache.
    Sie können auf Englisch Forschungs-Ergebnisse austauschen.
    Überall auf der Welt.
    Auch wenn sie nicht gut Englisch sprechen.
    Englisch ist Sprache der Wissenschaft geworden.

    Leichte Sprache kann erlernt werden.
    Man kann alles in leichter Sprache sagen.
    Schafft es der Mädchenblog?
    Wie würde eine Woche in leichter Sprache aussehen?

  21. 21 dodo 17. Oktober 2011 um 13:08 Uhr

    @ Mera:

    In der Schule wird das besser bewertet.
    Und im Studium gilt das als gebildet. (…) In den USA und in England ist man weiter.
    Dort wird leichte Sprache gewünscht.

    Hah! Ich hab das umgekehrte Problem… ich liiiiebe es, mich in schwülstig-verschachtelten Sätzen geradezu zu suhlen, mich zu verkünsteln!! (Hat vllt. schon der/die eineE oder Andere bemerkt ähem *husthust*) und an der Uni hieß es dann immer, das sei zu verschwurbelt, lieber kurz und prägnant – manchmal hab ich da aber auch fast schon das Gefühl, denen wäre eine Hausarbeit lieber gewesen, die sich vom sprachlichen Niveau eher an einem Sprechzettel für nen Politiker anzupassen scheinte, was ich immer schade fand. Ist ja auch jetzt ne vollkommen andere Situation – wollte eigentlich nur anmerken, daß meine Erfahrungen eher dahingehen, daß auch hier mehr, sagen wir mal, Schlichtheit gewünscht ist. Nicht nur an der Uni, auch bei diversen Praktika.
    Man kann alles in leichter Sprache sagen.
    Hier kann ich nicht 100% zustimmen. Um in ganz einfacher Sprache immer die entsprechende Genauigkeit, die ich oft für sehr wichtig halte – it’s the little things that kill! – muß man oft einige Details opfern.
    Okayokay, man KANN vllt alles in einfacher Sprache sagen, aber nicht immer so, daß dann dabei auch das Beabsichtigte rauskommt, oder besser gesagt: rüberkommt, auf das man eigentlich hinauswollte.
    Beispielsweise kann es hier gut möglich sein, daß in einem einzigen Artikel die Worte, sagen wir mal, „gender“, „Heteronormativität“, „Cis-Frauen“ und „Judith Butler“ drin vorkommen.
    Jetzt sind das für viele auf welche Art auch immer verbal gehandicappte Menschen trotz Feminismusinteresse aber dennoch in erster Linie spezielle Fremdwörter bzw. (noch) nicht unbedingt deutsches Durchschnitts-Allgemeinwissen.
    Bei Judith Butler oder so kann ich noch nen Wikipedia-link dahintersetzen, okay. Bei „gender“ wird das schon schwieriger: da mag oben in der Wiki-Zusammenfassung evtl. nicht unbedingt alles so erklärt sein, wie es im benutzten MBlog-Kontext leicht zu verbinden wäre und der restliche Wikitext bzw. auch manche andere Wikipedia-Definitionen sind auch nicht so leicht zu kapieren.
    Dennoch will ich nicht auf Kosten des eigentlichen Themas jedesmal nochmal von vorne die Begriffe alle kontexttreu im Fließtext erklären oder Fußnoten setzen (was auch nicht gerade ermutigend wirkt, wenn wir ehrlich sind…)
    Und da muß ich auch sagen, daß ich unseren LeserInnen nicht alles auf dem Silbertablett servieren muß, für so selbständig und intelligent halte ich nämlich alle: daß sie selber vielleicht etwas recherchieren und sich mit dem Thema/dem Begriff oder was auch immer nicht verstanden wird auseinandersetzen und ansonsten im Zweifelsfall einfach einen kurzen Comment verfassen und nachfragen, ob das nochmal erklärt werden kann. Eine Schande ist das nicht, das tut jedeR mal gut, auch ich muß manchmal nachfragen – und als TaP noch hier schrieb, mußten auch Gender Studies StudentInnen/AbsolventInnen öfter mal wegen Verständnisproblemen nachfragen, falls sich noch wer hier drin grad erinnert ;-)
    Und zum (Nach-) Denken, (Nach-) Fragen, selbständig agieren – dafür ist dieses Blog ja eigentlich auch da!
    Daß bei Nichtverstehen von etwas nachgefragt wird, wird ja ausdrücklich erwünscht, steht auch in der Netiquette.
    Aber eh, wie gesagt: in nächster Zeit werden wir wohl wieder besser drauf achten. :-)

  22. 22 Bäumchen 17. Oktober 2011 um 17:40 Uhr

    Können wir jedesmal vereinfachen? Wir müssten in jedem Beitrag aufs Neue erklären, was Heteronormativität ist. Andererseits wäre das vielleicht gar nicht so übel. Denn dann müssten alle Moderator*innen und die Leser*innen mit klaren Definitionen umgehen, was sich in mancher Diskussion als dankbar erweisen könnte (weil wir sie dann nicht führen müssten).

    In dem Buch ,,Deutsch für Profis“ von Stefan Wolf las ich mal das Zitat: ,,Man muss so schreiben, dass es die Marktfrau versteht und der Professor noch interessant findet.“ Und in meinem ersten Seminar übers Schreiben mussten wir erstmal stumpf lernen, Schachtelsätze auseinanderzunehmen.
    Ich finde, der Mädchenblog schreibt eigentlich recht einfach; nur in den Kommentaren wird es m.E. oftmals sehr schwurbelig. Aber ich finde es auch schwierig, die Grenzen zu setzen, wo ,,einfach“ liegt und wo ,,schwer verständlich“ anfängt. Der gesamte Genderdiskurs, gerade wenn es sich um queere Themen dreht, bewegt sich im elitären Rahmen.
    Hmm.

  23. 23 Khaos.Kind 18. Oktober 2011 um 16:07 Uhr

    @Mera
    Leichte Sprache ist nicht leicht.
    Und leichte englische Sprache ist einfacher als leichte deutsche Sprache. Viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen nutzen deutsche Sprache und spielen mit ihr. Zum Beispiel Elfriede Jelinek oder Walter Moers.

    Manche Konzepte lassen sich nur schwer mit wenigen einfachen Worten erklären. Dazu gehören Geschlechterverhältnisse oder Unterdrückungsmechanismen. Die viele Begriffe aus dem englischen oder französischen Sprachraum beinhalten. Das macht sie nicht leichter verständlich. Sie sind nicht leicht verständlich, denn sie agieren auf übergeordneten Wahrnehmungsebenen.

    Es kann und sollte der Versuch gemacht werden, diese Konzepte auch einfach verständlich zu formulieren. Ohne Inhalt einzubüßen.
    Denn sie betreffen auch Menschen, die sich nicht kompliziert ausdrücken können.
    Aber deswegen darf meiner Meinung nach nicht das Potential von Sprache vernachlässigt werden. Dafür ist sie mir zu lieb.

  24. 24 jehanne 21. Oktober 2011 um 10:50 Uhr

    Das ist Salbe auf meiner wunden Seele. Tief berührt, tausend Dank für diese Worte!

  25. 25 Seba 22. November 2011 um 10:40 Uhr

    Zur Diskussion über einfache Sprache möchte ich bemerken: Mensch muss nicht einmal (kognitiv) behindert/eingeschränkt sein, um sich in Formulierungen nicht zurechtzufinden. Die meisten Menschen, mit denen ich Kontakt habe, würden nur wenige der Texte verstehen, die ich lese und zu verstehen glaube. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die wenigsten von ihnen weniger intelligent sind als ich. Sie haben lediglich andere Schulen besucht. Ich verstehe auch keinen einzigen Satz von dem, was ein Slavoj Zizek schreibt. (Ich glaube allerdings, dass er selbst nicht so genau weiß, was er eigentlich sagen will und/oder kaum was davon ernst meint.) Ich neige aber auch gern zu viel zu kompliziertem Wortgebrauch oder Satzbild, weil ich glaube, so viel genauer auszudrücken, was ich ausdrücken will. Ich verwende viele Kommas. Von denen mögen die meisten zu viel sein, und manchmal merke ich, ein Mensch, der das liest, würde es missverstehen. Aus diesem Grund schreibe ich oft zu viel, nämlich um Missverständnisse auszuschließen.
    Sprache hat ein enormes Potential, und dieses Potential sollte mensch nutzen! Und wenn Dinge im Detail erklärt werden müssen, damit sie nicht missverstanden werden, wird die Sprache komplizierter. Aber dennoch darf sie nicht so erscheinen, dass sie ein_e zufällige_r Leser_In nicht verstehen kann, ohne nachzufragen. Und das ist etwas, das mensch selbst angehen kann, indem mensch z.B. Texte von Bekannten durchlesen lässt.

    @Topic:
    Ich bin männlich, 21 Jahre alt und wurde vor vielen Jahren psychiatrisch diagnostiziert, allerdings aufgrund von Symptomen, die ich damals unbewusst falsch angegeben habe. Ich glaube, die falsche Diagnose zu haben und jahrelang falsch behandelt worden zu sein. Leider waren vor allem Pflegeleute anscheinend davon überzeugt, durch diese Erkrankung sei ich nicht in der Lage, Konsequenzen meines Handelns absehen zu können bzw. dass ich in irgendeiner Form zurückgeblieben sei. Ich glaube, mit den Patienten zu reden, als wären sie Kleinkinder, gehört zum normalen Umgangston in der stationären Psychiatrie (wobei es, vor allem in der Jugendpsychiatrie, Ausnahmen gab). Da ich den meisten Kontakt zum Pflegepersonal in Momenten hatte, in denen ich keine Lust auf Kommunikation hatte, hatte ich auch wenig Gelegenheit, diesen Eindruck umzukehren. Und da mir niemand zutraute, selbst aktiv zu sein, wurde ich auch anderweitig immer passiver. Von den Ärzt_Innen habe ich dieses Verhalten nicht oder weniger ausgeprägt erfahren. Meine eigentliche Problematik – nämlich gerade diese Versuche, Konflikten aus dem Weg zu gehen, aber auch meine Unfähigkeit, morgens aufzustehen und genauso meine ständige Müdigkeit – wurde ignoriert und sogar verstärkt, indem ich zu monotoner Arbeits“therapie“ gezwungen wurde. Heute mache ich eine Reha-Ausbildung, ebenso monoton…
    Es ist nicht grundsätzlich so in der Psychiatrie, und auf Seite der Ärzt_Innen weitaus weniger ausgeprägt, und meine Erfahrungen sind ziemlich belanglos im Vergleich zu dem, was anderen passiert ist und passiert. Aber irgendjemand ist immer da, derdie dich nur als Diagnose wahrnimmt, dein Menschsein ignoriert und dann nach Fahrplan vorgeht. Meistens Sachbearbeiter im Arbeitsamt. Ich will hier auch nicht jammern. Ich wollte nur aus der Perspektive „psychiatrieerfahren“ kommentieren und darauf hinweisen, dass gerade hier noch enorm viel zu verbessern ist.

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