Ein neues Gesetz in den USA: ,,Lasst Frauen sterben“

Die Abtreibungsgegner in den Vereinigten Staaten haben ein großes Ziel erreicht: Unter dem Euphemismus ,,Protect Life Act“ (Lebensschutz-Gesetz) wurde nun ein Gesetz verabschiedet, das Krankenhäusern und Ärzten erlaubt, Frauen ,,vor ihrer Tür“ sterben zu lassen. Das bisher in Kraft gewesene Emergency Medical Treatment and Active Labor Act (EMTALA) darf jetzt im Falle eines Abtreibungsbedarf, das die Mutter rettet, ignoriert werden. EMTALA fordert, dass den Patienten in Notfallsituationen angemessene medizinische Hilfe erwiesen wird, was eine Abtreibung bisher mit einschloss, falls diese nötig wurde. Die Stimme der Minderheit, Nancy Pelosi, nennt das neue Gesetz einen ,,grausamen Angriff auf die Gesundheit von Frauen“. Fast alle Republikaner und 15 Demokraten wählten für den ,,Protect Life Act“.
Die Befürworter argumentieren u.a, dieses Gesetz diene zum Schutz der Krankenhäuser, die an religiöse Institutionen gebunden sind, wie auch, dass es soetwas wie eine Notfall-Abtreibung nicht geben kann.

Hier ein Bericht aus einem katholischen Krankenhaus (Übersetzung unten):

,,A woman with a condition that prevented her blood from clotting was in the process of miscarrying at a Catholic-owned hospital. According to her doctor, she was dying before his eyes, her eyes filling with blood. But even though her life was in danger, and the fetus had no chance of survival, the hospital wouldn‘t let the doctor treat her by terminating the pregnancy until the fetal heartbeat ceased of its own accord. She ended up in the I.C.U.“1

Unterstützt und mit wohlwollender Anerkennung bedacht wurde das Gesetz von der US-amerikanischen Bischofskonferenz
und fundamentalistisch christlichen Lobbyorganisationen wie dem Family Research Council.

Berichtigung (thanks to Mädchenblog-User ,,Liv“): Das Gesetz ist noch nicht durch, es ist bisher ,,nur“ durch das Repräsentantenhaus genehmigt worden; wird aber vermutlich nicht durch den Senat kommen, der von den Demokraten dominiert wird. Und Präsident Obama ließ bereits mitteilen, dass er sein Veto dagegen einlegen wird. [eingefügt am 21.Oktober 2011)

  1. ,,Eine Frau, deren Blut nicht mehr gerinnen konnte, war dabei, eine Fehlgeburt zu erleiden. Das Krankenhaus war katholisch. Ihr Arzt erzählte, sie starb quasi vor seinen Augen, ihre eigenen Augen voller Blut. Aber obwohl ihr Leben in Gefahr war und der Fötus nicht überleben konnte, ließ das Krankenhaus nicht zu, dass der Arzt ihre Schwangerschaft beendete, bis der Herzschlag des Fötus endlich erlosch. Die Frau landete auf der Intensivstation.“ [zurück]

20 Antworten auf “Ein neues Gesetz in den USA: ,,Lasst Frauen sterben“”


  1. 1 gtz 18. Oktober 2011 um 15:47 Uhr

    dass dieser PLA ein barbarischer wahnsinn is, is klar, aber entscheidend wird ja sein, ob sich die ärzte den zunutze machen. gibts da irgendwelche erhebungen zu?

  2. 2 Bäumchen 18. Oktober 2011 um 16:44 Uhr

    Es geht weniger darum, ob die Ärzte das machen wollen; die müssen darauf horchen, was die Krankenhausleitung sagt. Der einzelne Arzt hat nicht die Entscheidungsfreiheit, wie es im Bericht über das katholische Krankenhaus ja auch herauskam.

  3. 3 Raine 18. Oktober 2011 um 17:20 Uhr

    Was ist das bitte für ein Verständnis von Christentum? Man erwartet von den Ärzten, dass sie weder ihren logischen Verstand gebrauchen, noch Mitleid mit einem leidenden Lebewesen haben. Abtreibung hin oder her. Wenn das Kind sowieso nicht überleben wird, dann sollte doch klar sein, dass man mit allen Mitteln versucht, die Mutter zu retten.

  4. 4 gtz 18. Oktober 2011 um 17:27 Uhr

    ja, ok, von mir aus betriebsleitung der krankenhäuser. das ändert aber ja nich grundsätzlich was.

  5. 5 Franz 18. Oktober 2011 um 19:27 Uhr

    Keine eigene Recherche/nur Hörensagen, trotzdem:
    (Auch) bei uns ist Arzt/Ärztin rechtlich auf der sicheren Seite, wenn die Geburt Vorrang gegenüber dem Leben der Mutter hat, wenn ich es richtig verstand; ich weiß auch nicht ob das nur herrschende Lehre ist oder irgendwo im Gesetz auftaucht.

    Das ist zwar glaub ich nicht 1:1 die USA-Fragestellung, aber bevor sich hier ein Eindruck verfestigt …

  6. 6 Luna 18. Oktober 2011 um 21:28 Uhr

    Ich kenns bloß von Österreich; und da wird der Mutter das Vorrecht aufs Leben gegeben.
    Gibt halt keine ausdrücklich katholisch-geprägten Krankenhäuser. Glaub, nicht mal die Privatkliniken sind so… unmenschlich.

  7. 7 Perforated 19. Oktober 2011 um 11:16 Uhr

    Auch in Deutschland hat das Leben der Mutter Vorrang, § 218a Abs. 2 StGB. Wenn der Arzt die entsprechende Indikation feststellt, die Mutter einwilligt oder ihre Einwilligung mutmaßlich oder zumindest hypothetisch vorliegt und er NICHT abtreibt- dann dürfte er wegen Totschlags durch Unterlassen an der Mutter dran sein, falls sie stirbt. Ist ja auch völlig richtig so. Ich bin entsetzt über dieses US-Gesetz.

  8. 8 mysa 19. Oktober 2011 um 15:28 Uhr

    Super gelaufen, keine Ahnung ob Absicht oder nicht, aber die Wahl eines katholischen Krankenhauses als Beispiel ist irreführend.
    Ginge es nur um katholische Träger, dann gäbe es in den USA kaum ein Problem, Katholiken stellen kaum einen nennenswerten Teil der Christen in den USA.

    Darauf sollte man hier zu Lande bei der – berechtigten – Kritik vielleicht achten.

    Aber die Religionsflüchtlinge, die Europa in die USA verlassen haben, waren mehrheitlich keine Katholiken.

    Bei Problemen in Südamerika sind Katholiken die richtige Adresse, in den USA nicht.

    Ganz im Gegenteil, wie ja hier schon kommentiert wurde, immerhin in Ländern katholischer Prägung, also zB Österreich oder eben die BRD, scheint’s ja im Gegensatz zu den protestantischen USA dann doch – vielleicht zähneknirschend – zu klappen.

  9. 9 hnk 19. Oktober 2011 um 18:31 Uhr

    Katholiken stellen kaum einen nennenswerten Teil der Christen in den USA.

    With more than 68.5 registered million members, it is the largest single religious denomination in the United States, comprising about 22 percent of the population – http://en.wikipedia.org/wiki/Catholic_Church_in_the_United_States

  10. 10 Bäumchen 19. Oktober 2011 um 23:38 Uhr

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich auch wundere, warum zuallererst die Katholische Kirche so an den Pranger gestellt wird. Mehr und Schlimmeres befürchte ich in den USA eigentlich von den Evangelikalen. Aber d.h. nicht, dass sich nicht auch im katholischen Milieu vor allem rechtsaußen weniger schöne Dinge abspielen, und ich finde es wichtig, dass auch die dokumentiert werden.

  11. 11 mysa 20. Oktober 2011 um 11:57 Uhr

    @ hnk

    Gelesen hast Du es aber?
    22 % vor allem dank der Hispanics.

    Das ist ja in etwa so, als würde ich hier behaupten, Frauen sind die Unterdrücker in Deutschland, weil sie ja die Mehrheit der Wählerstimmen stellen. (Wage ich mich natürlich aufgrund der Nettiquette nicht. :) ).

    Ausgehend von der politischen Macht, würde ich weiterhin behaupten, in den USA steht es um die Katholiken nicht so gut.
    Da reicht es ja schon etwas US-Serien affin zu sein, um auf den Trichter zu kommen.

  12. 12 Liv 20. Oktober 2011 um 21:37 Uhr

    It only passed in the House, at least. I doubt it makes it through the Senate, so it’s not likely to be passed into law. President Obama has also said that he will not sign it.

  13. 13 Bäumchen 20. Oktober 2011 um 21:45 Uhr

    @ Liv
    So there’s a chance :-)

  14. 14 Bäumchen 21. Oktober 2011 um 15:14 Uhr

    Ich habe den Artikel berichtigt, dass es sich bisher nur um eine Genehmigung des Gesetzes durch das Repräsentantenhaus handelt.

  15. 15 Lin 24. Oktober 2011 um 19:59 Uhr

    Unglaublich! Soweit zum Thema christliche Nächstenliebe – wo bleibt denn da der hypokratische Eid?

  16. 16 Luisa 02. November 2011 um 16:50 Uhr

    Krass. Da fehlen mir die Worte.

  17. 17 Luisa 02. November 2011 um 16:52 Uhr

    Krass, da fehlen mir die Worte.

  1. 1 Lasst die Frauen doch sterben… « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 18. Oktober 2011 um 15:28 Uhr
  2. 2 USA: Das neue Gesetz „Protect Life Act“ lässt schwangere Frauen im Notfall sterben « Gegen Abtreibungsverbot und christlichen Fundamentalismus! Pingback am 21. Oktober 2011 um 12:00 Uhr
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