Belästigung am Arbeitsplatz

Belästigung am Arbeitsplatz hat Konsequenzen – auch für den Täter, bis hin zur Kündigung:

Im konkreten Fall ging es um einen Einkäufer und Produktmanager eines Möbelhauses, der seit 30 Jahren bei dem Unternehmen im Raum Paderborn angestellt war. Der 58-Jährige hatte zunächst im Oktober 2007 einer Kollegin einen Schlag auf ihren Hintern gegeben und wurde dafür vom Arbeitgeber wegen sexueller Belästigung abgemahnt.

Der Mann lernte daraus allerdings nichts: Ein halbes Jahr später bedrängte er eine 26-jährige Einkaufsassistentin zwei Tage lang mit zahlreichen Bemerkungen. So forderte er die junge Kollegin auf, für ihn ihre körperlichen Reize zur Schau zu stellen; ein anderes Mal griff der Einkäufer zu einem anzüglichen Vergleich in Bezug auf einen Zollstock. Beim Mittagessen wollte er alles über das Sexualleben der Frau wissen und machte ihr schließlich ein eindeutiges Angebot.
(…)
Die Verbalattacken im Möbelhaus werteten die Richter – anders als zuvor das Landesarbeitsgericht Hamm – als erhebliche Grenzüberschreitung und als Erniedrigung der Kolleginnen.


20 Antworten auf “Belästigung am Arbeitsplatz”


  1. 1 mysa 10. November 2011 um 20:44 Uhr

    Da sollte noch ein Schmerzensgeld hinterher, muss nicht viel sein, aber vielleicht nochmal so 10 Tagessätze als „Entschuldigung“.

    Der Meinung bin ich jedoch in dem Falle nur, weil es eben sehr eindeutig ist.

    Würde es nur um einen blöden und anzüglichen Zollstock Witz gehen fände ich es unangemessen.

  2. 2 Sandra 10. November 2011 um 21:29 Uhr

    Endlich mal eine gute Nachricht!

  3. 3 Jan 11. November 2011 um 8:56 Uhr

    @mysa:
    Der Typ war der Kläger gegen sein Unternehmen, da kann der nicht zur Zahlung verdonnert werden, es sei denn die Frauen zeigen ihn an, wobei dann aber das Gericht auf bereits erfolgte Bestrafung durch das Unternehmen erkennen wird. Außerdem: Schmerzensgeld setzt eine „erwiesene Schuld“ bei einem Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung vorraus, wobei hier die Strafsätze weit höher sind als bloße 10 Tagessätze.
    Das so wie es jetzt ist is schon die eleganteste Lösung, da das Unternehmen hier die Mitarbeiterinnen geschützt hat ohne das sie selbst vor Gericht alles mögliche durchexerzieren müssen.

  4. 4 onyx 11. November 2011 um 10:21 Uhr

    Solche Schritte können natürlich nur dann folgen, wenn der Belästigten auch geglaubt und sie ernstgenommen wird. Wie oft kommt es vor, dass das nicht der Fall ist? Dass kleingeredet, verharmlost, die Betroffene als überempfindlich abgestempelt wird?

  5. 5 GwenDragon 11. November 2011 um 10:53 Uhr

    Würde es nur um einen blöden und anzüglichen Zollstock Witz gehen fände ich es unangemessen.

    Ab wann findest ist für dich die Strafe für eine Beleidigung angemessen?

  6. 6 mysa 11. November 2011 um 13:21 Uhr

    @ GwenDragon

    Ab dem zweiten blöden Witz.
    Und nach dem ersten Hinweis darauf, dass der Witz unangemessen ist.

    Es gibt ja sehr wohl Menschen, die untereinander ein derbes Arbeitsklima bevorzugen, ich würde so einen Witz also nicht per se als ständiges Tabu sehen.

  7. 7 delilah 11. November 2011 um 18:33 Uhr

    mysa: in meiner firma kenn ich nur männer, die ein solches arbeitsklima bevorzugen, und frauen, die davon genervt sind. is aber bestimmt n krasser zufall. rolleyes.

  8. 8 dodo 12. November 2011 um 22:31 Uhr

    Ich kenn aber auch einige Frauen, die so kack wie zollstockwitze etc. nicht als beleidigung empfinden, sondern als kompliment. so nach dem motto ui toll, der findet mich geil/attraktiv, sonst würd er ja keine anzüglichen witze machen.
    und die dann auch noch einen eigenartigen stolz entwickeln, daß sie darüber lachen und sich nicht beleidigt fühlen – anders als so feministische zicken usw. …
    verstehen tu ich das zwar nicht und ich halt’s auch nicht gerade für eine effektive quelle für selbstbewußtsein, aber geben tut’s das schon.
    eigentlich recht viele, die dann eben allen möglichen scheiß mitmachen/sich gefallen lassen/lachen, damit sie von den coolen jungs sozusagen anerkennenend den kopf getätschelt kriegen. und so das image pflegen, daß sie eben die vermeintlich zu den jungs gehörende, coole braut ist oder sowas und sich dann den sensiblen feministInnen-pflänzchen überlegen fühlen.
    Sowas kommt öfters vor, als man denkt…

  9. 9 mysa 12. November 2011 um 23:38 Uhr

    Schade, meine Antwort hat es nicht durch die Moderation geschafft.

    Ich würde mich freuen, ihn doch noch hier lesen zu dürfen, am liebsten mit der genauen Stelle der Netiquette, welcher der Beitrag verletzt hat, aber das wäre wohl zuviel verlangt.

    Aber das anzügliche Witze auf niederer Schiene eine Männerdomäne im Arbeitsleben sind, das kann man wohl getrost zu den Mythen packen.

    Wen man dies glaubt, dann muss da imho ein erstaunliches (eindimensionales?) Frauenbild der Grund für sein.

    @ Dodo

    Ebenso scheint mir dies bei deinem Kommentar durch zu scheinen.
    Ist es so unvorstellbar, dass Frauen derlei Witze einfach witzig finden können, ohne sich gleich anbiedern zu müssen?

    Ich kann auch manchmal über dämliche Witze über Männer lachen, damit unterwerfe ich mich doch nicht direkt den Kolleginnen.

    Oder ist das, wenn ich dann darüber lache, ich bin ja nunmal so XY, dann ein gönnerhaftes Hinwerfen eines Brockens?

    pS. Das BinnenI unter Auslassung der Groß- und Kleinschreibung hat nochmal eine ganz eigene Wirkung.

  10. 10 dodo 12. November 2011 um 23:57 Uhr

    mysa, ich habe von „einigen frauen“ gesprochen, nicht von allen.

  11. 11 mysa 13. November 2011 um 1:33 Uhr

    Also es gibt Frauen für die die Witze ein NoGo sind, es gibt solche wie du beschrieben hast und welche noch?

  12. 12 norona 13. November 2011 um 16:09 Uhr

    @delilah:
    in meiem beruflichen Umfeld exisiteren ca. 5% Männer, die sowas toll finden und in etwa genauso viele Frauen.

    @dodo:
    offensiver umgang mit sexualität muss nicht immer sch**ße sein und auch in Form von Witzen kann Kommunikation darüber vonstatten gehen. Das spricht ja eher davon, dass der Witzaussprecher (n-geschlechtlich) nicht genau weiß, wie er mit seiner eigenen Sexualität umgehen kann. Ohne sagen zu wollen: das ist alles garnicht schlimm
    es ist aber so, dass auch hier nach Ursachen gesucht werden darf….

  13. 13 Elaria 14. November 2011 um 9:12 Uhr

    Hier werden wieder mal 2 verschiedene Paar Schuhe zusammen geworfen.

    Wer Mitarbeiterinnen nach Ihrem Sexleben ausfragt und bedrängt und anfasst, überschreitet glasklar ein Grenze. Dazu kommt noch das die Mitarbeiterin neu war und sehr viel jünger. Ordinäre Witze die immer auf Kosten einer bestimmten Person gehen ist Mobbing. Obwohl die Übergänge bestimmt auch fließend sein können.

    Ich arbeite bis auf eine Frau, nur mit Männern ( Bauhandwerk!) zusammen. Es gibt öfter derbe Witze, die aber niemals mich thematisieren ( Aussehen, Rocklänge etc.) und auch nicht Frauen im allgemeinen verunglimpfen. Wenn es mir zu doof wird, gibst nen kurzen Hinweis und dann ist Ruhe im Karton.

    Frauen die sich allerdings nicht getrauen dagegen anzugehen, muss man schützen. Denen kann man nicht die Verantwortung zu schieben, in dem man sagt „behaupte dich halt“. Vor der Abmahnung gibt es ja noch die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Gespräch mit einem weiteren Mitarbeiter/ Betriesbrat/ Chef.

  14. 14 Jonas 14. November 2011 um 14:09 Uhr

    @norona

    Offensiver Umgang schön und gut, hat trotzdem nichts am Arbeitsplatz zu suchen. Manchmal muss man halt auch mal strikt trennen, wo man sich gerade befindet.

    Obwohl es hier wohl auch immer auf die Branche ankommt. ;)

  15. 15 norona 14. November 2011 um 18:38 Uhr

    @jonas:
    warum sollte soetwas am arbeitsplatz nichts zu suchen haben? Für viele Menschen ist der Arbeitsplatz der geselligste Ort und der Ort mit den freundschaftlichsten Umgangstönen (abgesehen von familie = lebensgemeinscahft), warum sollte kostruktive kommunikation pber sexualität vom arbeitsplatz getrennt sein?

  16. 16 Katja 15. November 2011 um 13:52 Uhr

    Boah was war das denn für ein perverses Sch****?! Ich hätt dem eine geklatscht. Sowas muss definitv bestaft werden. Der ist mehr als über das Ziel hinausgeschossen. Solche Bemerkungen haben am Arbeitsplatz einfach nix zu suchen! Lg Katja

  17. 17 Ann-Sophie 16. November 2011 um 17:16 Uhr

    In meiner jetzigen Firma arbeiten so gut wie nur Frauen. In der Firma, in der ich früher war, waren hauptsächlich Männer gearbeitet. Klar, ist da ein anderer Umgangston, und es werden auch andere Witze gemacht. Ich glaube, man sollte nicht zu verklemmt sein. Allerdings hat das rein gar nichts mit dem Fall zu tun. So was geht einfach überhaupt gar nicht. Manches geht einfach zu weit. Zum Glück waren meine Kollegen nie so drauf genauso wie bei Elaria. Es gab schon teilweise derbe Witze, aber die waren nie persönlich gemeint. Und manchmal muss man als Frau auch „erwähnen“, dass sich gerade Frauen im Raum befinden und, dass sie ihre Witze lieber woanders reißen sollen.

  18. 18 norona 17. November 2011 um 16:50 Uhr

    @all:
    ich les hier dauernd etwas wie:
    „manchmal muss man erwähnen, dass frauen im raum sind“
    tschuldigung, ich will euch ja nicht gleich sexistisch nennen, aber irgendwo wird da auch ein wenig übers ziel hinaus geschossen. Das klingt ein wenig nach „Frauen brauchen Schutz und Männer reißen derbe Witze“-Klischees ich geb ja gerne zu, dass das ein Klischee ist, zu dem ich auch hi und da tendiere, aber irgendwo reicht es auch mit den Schubladen. Als ob Frauen keine derben Witze reißen würden.

  19. 19 Emely 22. November 2011 um 16:08 Uhr

    Das finde ich mal gut so. Auch solche Sachen gehen deutlich zu weit!!! Hoffentlich gehen weitere Urteile ähnlich aus.

  20. 20 Nick 26. November 2011 um 12:50 Uhr

    Ich finde rumflachsen ist eine Sache aber jemanden verbal bedrängen, der Wahrscheinlich deutlich gemacht hat, dass sie es nicht als witzig bzw. als unhöflich empfindet, kann und sollte man als sexuelle Belästigung werten.
    Gerade, wenn es häufiger vorkommt, kann das psychische Folgen haben.

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