Die Frau in der Drogenstatistik

So richtig erforscht hat es noch niemand, weshalb es stets gerade die Männer sind, die bei den Drogenstatistiken mit Abstand in Führung liegen.
Aber eine mögliche Erklärung, die meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient, versucht Shelley Masters bei der taz:

Mädchen haben, auch wenn sie ohne liebende Familie aufwachsen, meist eine ältere weibliche Bezugsperson. Egal ob diese eine durch russische Soldaten vergewaltigte Urgroßmutter ist, die Hippie-Oma, die Biologielehrerin oder die Mädchen-Gang-Leaderin: mindestens eine von diesen Frauen macht jeder Heranwachsenden klar, dass Bewusstlosigkeit in der Öffentlichkeit, nachts, das Schlimmste ist, was ihr passieren kann.


Vergleicht man das nun mit dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, scheint da auch was dran zu sein:

Von den 26.400 Kids und Teens, die 2009 aufgrund von Alkoholkonsum ins Krankenhaus kamen, waren Mädchen nur bei den Zehn- bis Fünfzehnjährigen mit 52 Prozent stärker vertreten als Jungs. Es scheint, als müssten Mädchen einmal an die Grenze gehen, um für den Rest ihres Lebens zu lernen. Denn schon ab der nächsten Altersgruppe führen die Herren die Drogenstatistiken an.

Dazu dann noch eher unbekannte, aber nicht minder wichtige Infos:

(..) E-Konsum ist für Frauen gefährlicher: Östrogen und Ecstasy vertragen sich nicht, der Mix kann bei Frauen mit einem hohen Spiegel des Hormons tödlich wirken.
Viel häufiger aber ist das Aussetzen der Periode, (…) es bringt die Vierzehn- bis Vierundzwanzigjährigen auch dazu, es ohne Gummi zu tun – in der trügerischen Sicherheit, ohne Periode nicht schwanger werden zu können.
(…) Frauen seien, so hieß es Unisono, stärker von Bewusstlosigkeit und Atemstillstand bei Ketaminkonsum bedroht, denn die Dosierung der Droge in Tröpfchenform müsse exakt und auf das Körpergewicht bezogen sein – im dunklen Club ist das schwer abmessbar.
(…)Sicher ist, dass eine Frau sich nicht während ihrer Periode in höhere Sphären der Psychedelik begeben sollte.

Die teilsynthetischen Derivate des im LSD befindlichen Mutterkornalkaloides wirken wehenverstärkend, was während der Menstruation die Kontraktionen des Uterus verstärkt und Schmerzen potenzieren kann.

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    Bild:

„Psychedelic Dream 2″ von *dog-girl


8 Antworten auf “Die Frau in der Drogenstatistik”


  1. 1 choooo 01. Januar 2012 um 15:18 Uhr

    Egal ob diese eine durch russische Soldaten vergewaltigte Urgroßmutter ist, die Hippie-Oma, die Biologielehrerin oder die Mädchen-Gang-Leaderin

    inb4 hollywood.

  2. 2 Neo.R. 03. Januar 2012 um 17:32 Uhr

    Finde ich jetzt nicht so pralle mit disen Stereotypen aufzuwarten. Zudem: Wann war denn dieser deutsch-russische Krieg?

  3. 3 dodo 03. Januar 2012 um 22:14 Uhr

    Welchen Stereotypen denn? Vielleicht nicht gerade supi gewählte Beispiele, klar, aber Stereotype? Ich wußte nicht, daß die „durch russische Soldaten vergewaltigte Urgroßmutter , die Hippie-Oma, die Biologielehrerin oder die Mädchen-Gang-Leaderin“ jetzt so das gängige Klischee ist, das einem einfällt, wenn man sich überlegt, woher diese zum Teil eben schon anerzogene Ängstlichkeit/Panik/Vorsicht herkommt… das Vergewaltigungsproblem in Kriegen (egal welchem) ist ja bekannt, wird aber meistens nicht gerade ausgiebig thematisiert.
    und im Endeffekt isses doch auch wurscht – denn worauf die Autorin rauswill, nämlich, daß eben Generationen von Frauen „vor unserer Zeit“ Gewalt erfahren haben und es daher wenn möglich zu vermeiden suchten (und diesen Rat eben auch an ihre Töchter/Enkelinnen weitergeben/gaben), Dinge zu sich zu nehmen, die ihnen die sowieso schon kaum zugestandene Kontrolle über sich und den eigenen Körper noch weiter reduziert – das ist doch eigentlich der springende Punkt, der mir plausibel genug und zu wichtig erscheint, als daß man ihn weiterhin außer Acht lassen könnte.
    Denn auch wenn ich im Vergleich zu anderen Mädchen/Frauen relativ unängstlich bin, so habe auch ich von meiner Mutter mitgegeben bekommen, daß es gerade für Frauen/Mädchen gefährlich ist, nachts auf der Straße oder auch bei irgendeiner Party bewußtlos zu werden oder nicht mehr nüchtern genug zu sein, um im Notfall wegrennen oder sich wehren zu können.
    Und sollte ich wider Erwarten doch jemals eine Tochter großziehen, würde ich zwar auch nicht wollen, daß sie sich in so einer potentiell gefährlichen Situation wiederfindet – andererseits würde ich mir aber auch wünschen, daß sie nicht unnötigerweise meine eigenen Ängste „vererbt“ bekommt.
    Und auch unter dem Aspekt, daß es bei Vergewaltigungen/sexueller Belästigung/Mißbrauch immer noch allzuoft heißt „die war ja selbst schuld, so besoffen, wie die war!“ und ähnliche Scherze. Somit hätten wir dann sonst einerseits wieder eine Mädchen-/Frauengeneration mit den uns selbst von (weiblichen) Bezugspersonen eingeimpften (und teilweise auch berechtigten, aus eigenen schlimmen Erfahrungen stammenden) Ängsten eine Art „Grundparanoia“ weitergegeben. Und andererseits verfestigt sich so dann auch die gesellschaftliche Vorstellung, Frauen/Mädchen seien selbst dafür verantwortlich, nicht vergewaltigt zu werden, sich nicht in Situationen/Zustände zu begeben, die dem Täter „die Arbeit erleichtern“ (oder „es geradezu provozieren“, wie manche Deppen das dann so schön nennen). So à la „Mama hat Dich doch gewarnt, Dir wär nix passiert, wenn Du nur auf sie gehört hättest und nüchtern geblieben wärst!!!“, das eben unterschwellig auch vermittelt werden kann, wenn man vor möglichen Gefahren warnt.
    Das ist ein ganz schöner Balanceakt, und da den Mittelweg zu finden (nämlich, daß der Nachwuchs einerseits vorsichtig und vernünftig genug ist, sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen, und andererseits aber auch angstfrei Drogen konsumieren oder sich mal einen hinter die Binde kippen kann) ist nicht einfach. Wird ja auch kaum diskutiert, das Thema.
    Und deswegen fand ich den Artikel gut. Denn auch, wenn es einerseits ja ne tolle Sache sein mag, nicht gerade Spitzenreiter in Sachen Drogenkonsum zu sein, isses eben doch keine gute Nachricht, wenn Angst der Grund dafür ist, daß die Frauen nüchtern bleiben, und nicht der eigens gefaßte Entschluß!
    Und um ehrlich zu sein hätt ich mir darüber gern eine Diskussion gewünscht.

    Und bin auch etwas enttäuscht.Ich hab nicht damit gerechnet, daß die vielleicht etwas seltsam anmutenden gewählten Beispiele für ältere weibliche Bezugspersonen hier anscheinend als das Diskussionswürdigste in diesem Text gesehen wird : – /

  4. 4 Neo.R. 04. Januar 2012 um 2:25 Uhr

    Ja, das kann ich verstehen. Ich kann meine Reaktion aber ebenfalls verstehen. Mein Informationen, mein Leseerlebnis wird dadurch getrübt dass wieder das Schauermärchen vom bösen „Russen“ aufgefahren wird. Das trifft mich, als jemandem der den BefreierInnen Deutschlands vom Faschismus viel zu verdanken hat nämlich. Und dann kommentiere ich das auch.

  5. 5 Ein Mann 05. Januar 2012 um 16:29 Uhr

    @ NeoR

    Du vergeisst aber, dass diese sog. Befreier ca 3 Millionen Frauen UND Mädchen (teilweise 8 jährig) brutal vergewaltigt haben…20-30 Mal….

    Stell dir vor die würden das mit deinem Kind machen. Und du müsstest dabei noch zusehen.

    Und das betraf eben auch nicht nur Deutsche, sondern sogar aus dem KZ entlassene Jüdinnen, Polinnen und Ungarinnen.

    Frag doch mal Überlebende danach…das sind keine Schauermärchen, sondern Tatsachen. Natürlich gab es das auch bei anderen Armeen, bei Deutschen, Amerikaner usw, aber nicht in diesem Ausmaß und dieser Brutalität.

    Das Schicksaal von Hanelore Kohl z.B.

    Und hier von Russen zu reden ist sowieo nicht richtig. Die Sowjetunion war mehr als nur Russland.

  6. 6 Neo R. 07. Januar 2012 um 16:37 Uhr

    Na klar „vergesse“ ich das, weil mir diese Zahl die du nennst nicht bekannt ist. 2 Mio habe ich einmal gelesen. Vorstellen möchte ich mir sowas gar nicht, was ist denn das für ein merkwürdiger Vorschlag?!

  7. 7 mitternacht 04. März 2012 um 0:57 Uhr

    Also, die Argumentation in dem Text ist nciht so prickelnd, zum einen wird gesagt, junge Frauen wüssten besser, dass umnachtung nichts tolles ist, zum anderen führen gerade junge Frauen in ihrer Altersstufe die Drogenstatistik an. (Widerspruch)
    Zum anderen wird auf Partys immerwieder deutlich: ja, junge Frauen wissen, dass es doof ist nachts in der öffentlcihkeit betrunken zu sein, nein, es intressiert sie nicht.

  8. 8 LW 08. Mai 2013 um 20:28 Uhr

    Ich muss mich mitternacht anschließen und leider auch widersprechen… Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, wo es von vornherein ein großes Drogenproblem gab und habe mich jahrelang (im Alter von 15 bis 22) in diesen Kreisen bewegt.

    Nur, weil Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren stärker von Alkoholkonsum betroffen sind, heißt das nicht, dass sie danach aufgehört haben, sondern nur, dass die Jungen danach aufgeholt haben. Warum bleibt unklar. Vielleicht sind sie – ganz plump gesagt – einfach später „erst soweit“. (Das ist natürlich Humbug, aber wie gesagt: Das Warum bleibt unklar.) Dass Mädchen aus dem „ersten Absturz eine Lehre ziehen“, halte ich für Unsinn – zugegeben aus subjektiver Erfahrung. Ich bin einmal körperlich ohnmächtig geworden (war aber im Geiste anwesend – also bei Bewusstsein und habe alles mitbekommen, konnte mich nur nicht mehr bewegen/sehen/artikulieren). Ich war mir sicher in diesem Moment, dass ich sterbe. Kurz: Ich bin nicht gestorben und diese grausame Erfahrung hat mich dennoch nicht von weiteren Exzessen abgehalten. Ähnliche und schlimmere Geschichten habe ich in meinem damaligen Umfeld gesehen… Ich halte die Schlussfolgerung also für nichtig. (Btw., dass meine Menstruation durch die Exzesse ausblieb, fand ich in meinem jugendlichen Leichtsinn zudem noch eher positiv als negativ – man war halt nie eingeschränkt, verhindert oder unwohl. Verhütet hab ich dennoch, obwohl ich damals einen festen Freund hatte und nur mit ihm verkehrte.)

    Zum anderen hatte/habe ich eine sehr starke und mich über alles liebende Mutter, die immer für mich da war und mir als alleinerziehende Frau tagtäglich vorgelebt hat, wie man sich selbstbewusst und würdevoll durch’s Leben kämpft. Eine beeindruckende Frau, die mich dennoch nicht vor der Drogensucht bewahren konnte. Also sage ich auch hier, dass die Schlussfolgerung Nonsens ist, dass es nur einer weiblichen Bezugsperson bedarf. Im gleichen Atemzug könnte ich genau so behaupten, dass es an dem mir fehlenden Vater lag. Aber das wäre genau das gleiche wie die Aussagen im Artikel: eine bloße Behauptung!

    So sehr ich diesen Blog schätze, aber die Folgerungen in diesem Beitrag sind nicht haltbar – zum einen nicht (mittels Studien) belegt und zum anderen habe ich in meinen subjektiven Erlebnissen andere Erfahrungen gemacht. Es ist ja schön und gut und rechtschaffen für Feminismus einzutreten – ich stehe da gern und jederzeit mit viel Leidenschaft dahinter – aber alles auf „eine weibliche Bezugsperson“ zu münzen aus dem – meines Erachtens nach – Blauen heraus, ist eher hinderlich als förderlich, weil nicht (gemeingültig) wahr oder belegt.

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