Von „Bitch-Appeal“ und Mädchenbier

Ich habe keine Lust mehr feiern zu gehen! Ich gehe gerne zu meinen Freund_innen oder lade sie ein. Ich gehe auch gerne etwas mit ihnen trinken. Aber „Feiern“ = durch die Nachtclubs ziehen, frustriert mich. Zu dieser Erkenntnis komme ich interessanterweise nicht beim Feiern, sondern als ich mit ein paar Freundinnen zusammensitze. Wir sinnieren darüber, wie beschissen es ist, Single zu sein. Denn entgegen der Vorurteile, man habe als Singlefrau doch alle Möglichkeiten sich mal so richtig auszutoben und zu „feiern“, haben wir, die Singles sind, festgestellt: Singledasein = viel zu wenig bis gar kein Sex = Frust.
Eine aus der Runde will uns das nicht glauben – ist übrigens die einzige in einer Beziehung. Das wäre doch sooo einfach! Wir sähen doch gut aus. Da bräuchten wir doch nur auszugehen und dann ginge das alles von selbst. Ist das so? Ich bin beim „Feiern“ wirklich noch NIE auch nur ansatzweise ernsthaft angegraben worden.
Eine Freundin sagt, das wundere sie überhaupt nicht. Ich hätte nämlich diesen „Bitch-Appeal“, wenn ich feiern ginge. Ich verstehe den Ausdruck nicht. „Bitch-Appeal“ – sollte man da nicht erst recht in Sachen Abschleppen erfolgreich sein? Nun breitet sie eine ganze Palette an sexistischen Denkweisen vor mir aus, die sich zusammenfassen lassen mit: „Männer interessieren sich nur für kleine, niedliche Mädchen.“
Aber klein bin ich doch und ich ziehe gelegentlich auch gerne kurze Kleider oder Röcke an. Eben genau das sei ja der „Bitch-Appeal“. Ich würde mich mädchenhaft anziehen, aber mich nicht so benehmen. „Männer“ könnten mich dann nicht zuordnen und wüssten nicht, wie sie mit mir umzugehen haben. Deswegen mieden sie ernsthaften Umgang.
Aha. Und was ist an mir nicht „mädchenhaft“ genug?
Das ganze finge schon damit an, dass ich nüchtern tanzen würde. Vor allem die Art und Weise wie ich tanze, würde zu viel Selbstsicherheit zeigen. Ich würde signalisieren, dass mir „bewusst“ sei, dass es aufreizend wirken könne bzw. (noch schlimmer!) ich würde zeigen, dass es mir gleichgültig sei, wie ich beim Tanzen aussehe, obwohl nüchtern. Das wirke arrogant. Solche Frauen seien Männern zu anstrengend.
Ich sinniere über meine letzte Tour, die recht lange zurück liegt, denn s.o.. Schon bei den Getränken wird zwischen „Mädchenbier“ und „normalem“ Bier unterschieden. „Mädchenbier“ sind süße Mixbiere. Ah! Klein und „süß“, da war doch was. Ich mag süßen Alkohol nicht. Ich trinke lieber normales Bier. Der Ausdruck „Mädchenbier“ scheint mir übrigens von den „Mädchen“ selbst erfunden worden zu sein. Zumindest lassen sie keine Gelegenheit offen damit zu kokettieren. Ich dagegen fange mir jedes Mal einen blöden Kommentar, wenn ich einfach nur Kölsch trinken will. Sei es von den „richtigen Mädchen“, die ihre „Jungs“ unaufhörlich kichernd zum Mädchenbier-Kaufen losschicken oder eben von Männern, die mich merkwürdig zu finden scheinen. Ich darf mir dann gefallen lassen, dass einer der Typen mir eine Flasche Korn aus dem Kiosk mitbringt und mir in die Hand drückt: „Die Claudia ist halt eine ganz Harte. Die bekommt was Hartes!“ Ich kaufe mir dann mein „hartes“ Bier selbst. Ist er das wieder, der Bitch-Appeal?! Nachdem sich die „Mädchen“ nach ihrem zweiten Mädchenbier schon so richtig „betrunken“ gemacht haben –wer’s glaubt, wird selig – dürfen sie jetzt auch tanzen und lustig sein. Ab in die Disko. Dort werden die Getränke natürlich nur von „Männern“ geholt. Das gehört sich ja so. Dafür wird sich dann auch übertrieben bedankt. Ist ja auch echt schwer, den Weg zur Theke zu finden. Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Weg zur Toilette dem Klischee entsprechend auch nur in Begleitung gefunden werden kann. Ich hab schon keine Lust mehr auch nur irgendetwas zu trinken. Ich sehe mich um und sehe nur noch Potenzgehabe und gackernde Hühner und frage mich: Bin ich zu anspruchsvoll? Mich ödet alles an und ich merke: Ich bin tatsächlich eine arrogante, frustrierte Spaßbremse, die kein „Mädchenbier“ trinkt.
Als es endlich vorbei ist, lassen sich die „Mädchen“ von ihren Typen nach Hause bringen und ich nehme mir ein Taxi. Auch das kann ich dank meines „Bitch-Appeals“ – allein.


27 Antworten auf “Von „Bitch-Appeal“ und Mädchenbier”


  1. 1 imion 03. Februar 2012 um 9:51 Uhr

    Vielleicht solltest du mal auf die Männer zugehen, dann klappts auch. Und nein, Männer stehen nicht auf Mädchen, es ist anstrengend, immer auf die kleinen aufpassen zu müssen :)>- da ist es mit einer Frau einfacher.

  2. 2 azak 03. Februar 2012 um 11:40 Uhr

    Hört sich eher so an als wären deine Freundinnen / Freunde anstrengend ^^

  3. 3 Eule 03. Februar 2012 um 11:55 Uhr

    Ich bin jetzt 35 und meine „heiße“ Ausgehphase lag so zwischen 16 und 22. Schade, dass sich in den letzten Jahren da offenbar nicht viel geändert hat.
    Ich glaube, dass viele Männer (oder eher Jungs) tatsächlich massiv verunsichert sind. Mit machohaften Anmachsprüchen blamiert Mann sich schnell bis auf die Knochen. Abgesehen davon finden (zum Glück) viele Männer solche Formen der Annäherung selbst nicht angemessen. Neue Formen des „Anbaggerns“ sind aber offenbar noch nicht gefunden.
    Was in dieser Gemengelage aber sicher auch nicht weiterhilft, ist das gespaltene Selbstvertrauen vieler Frauen.
    Wenn Du so selbstbewusst bist, nüchtern frei zu tanzen (wie lange habe ich gebraucht, bis ich das konnte!), wieso sprichst Du dann nicht selbst die Männer an, die Dir gefallen?
    Ich habe erst Jahre später erfahren, dass ich früher auf einige Männer so selbstbewusst gewirkt habe, dass sie sich schlicht nicht trauten, mich anzusprechen. Das hätte ich mir damals nicht träumen lassen! Ich dachte nur, mich will keiner. Ich finde es übrigens auch nicht abwegig, dass viele Männer denken, wenn eine Frau viel Selbstbewusstsein ausstrahlt, könnte doch auch sie mal die Initiative ergreifen.

    Ich bin übrigens seit 13 Jahren in einer glücklichen Beziehung mit einem Mann, den ich seinerzeit in meiner Stammdisko selbst angesprochen habe. Er hätte damals seine Zähne nicht auseinander gekriegt (was heute sicher anders wäre).
    Edit: Habe beim laienhaften Umgang mit Tags aus Versehen alles fett gemacht und das wieder entfernt, keine inhaltliche Änderung.

  4. 4 Nicolai 03. Februar 2012 um 12:04 Uhr

    Schöner Rant, danke dafür!

    Ist mir auch völlig unverständlich, wie jemand Selbstbewusstsein nicht begehrenswert finden kann. :-?

    Hoffentlich findest du ein paar nette Läden, wo das nicht so furchtbar läuft.

  5. 5 ClaudiaS 03. Februar 2012 um 14:17 Uhr

    Vielen Dank für die Kommentare! Es ist auf jedenfall ermunternd zu merken, dass diese These „Frau darf nicht zu selbstbewusst sein“ scheinbar doch nicht von allen Menschen befürwortend hingenommen wird.
    Meine Motivation, das hier zu schreiben liegt auch weniger darin begründet, dass ich Angst habe, keine_n abzubekommen. Ich höre diese Kommentare „Mädchen, sei bloß nicht zu selbstbewusst, das kommt nicht an!“ nur einfach immer wieder und sehe dieses Spiel, was daraus entsteht. Das demotiviert irgendwie… und plötzlich merkt man, oder ich, dass man sich davon „verunsichern“ lässt.

  6. 6 Samia 03. Februar 2012 um 14:21 Uhr

    Ich check nich so ganz, worauf der Artikel hinauswill. Ja, okay, Sexist_innen wohin man schaut. Klar. Das Ding mit den „gackernden Hühnern“ ist übrigens auch sexistisch.
    Und geht das Toiletten-Klischee nicht eigentlich so, dass da Frauen ständig zusammen hingehen würden? Aber auch das kenn ich aus meinem Umfeld nicht. Da trinken auch alle normales Bier (nicht dass an den Mixdingern was auszusetzen wäre). Und vor allem würde da keine_r auf die Idee kommen, mich in irgend einer Form als B-Wort zu bezeichnen.
    Auf Partys „angegraben“ werden klappt bei mir ganz gut und ist die Hölle – einer der Gründe, warum ich kaum mehr feiern gehe. Sex aka erstmal interessante Menschen treffen gibts tatsächlich auch woanders. Z.B. im Café, oder auf ner politischen Veranstaltung, oder in der Straßenbahn. Bonus: Da erleb ich auch weniger Übergriffe.

  7. 7 Samia 03. Februar 2012 um 14:27 Uhr

    Uh, das liest sich ja wie ein Plädoyer gegen das Feiern. So wars natürlich nicht gemeint, wir holen uns bald alle Partys und die ganze Welt! 

    @mädchenblog Ich hoffe, ihr habt ein Auge auf den imion-Troll. Ich für meinen Teil will den hier nicht haben.

  8. 8 Samia 03. Februar 2012 um 14:29 Uhr

    @ClaudiaS Okay, meine Frage nach dem Zweck erübrigt sich nach deinem letzten Kommentar. Sorry.

  9. 9 eva 03. Februar 2012 um 16:23 Uhr

    clauda, mach dir keine sorgen. es gibt sie, die männer (und frauen) da draußen, die auf selbstbewußte frauen stehen. leider geht das hin und wieder mit einer „bitte sei meine mami“ haltung einher (besonders beliebt in peter-pan-komplexigen menschen). das, muß ich ehrlich sagen, stört mich eher. das spiel, von dem du redest, ist zwar das football unter den flirtsportarten, aber wenn man genügend andere beispiele erlebt/beobachtet hat, wird es eher zu einem veralteten kuriosum. viel spannender ist ja die frage, auf welcher straßenseite die frau gehen soll, wenn sie die hosen und das degengehänge anhat, und der mann die high heels? und wo zum geier finden bisexuelle frauen eine parnerin, die sie ernst nimmt?

  10. 10 Sina 03. Februar 2012 um 18:26 Uhr

    Wieso erwartest du, die Männer müssten dich angraben, anstatt umgekehrt? Diese Anspruchshaltung sehe ich auch bei meinen Single-Freundinnen, und ich finde sie absolut daneben. Männer die auf selbstbewusste, emanzipierte Frauen stehen finden es doch umso toller, wenn diese nicht darauf wartet wie ein passives Blümchen gepflückt zu werden, sondern auch selbst aktiv sind.

  11. 11 dodo 04. Februar 2012 um 1:14 Uhr

    Kann den anderen nur zustimmen, nämlich, daß die von Dir zitierte Freundin unrecht hat.
    Naja, außer die Aussage, daß es als Single leichter ist, wen aufzureißen, was eigentlich schon meiner Erfahrung entspricht… als Single hatte ich mehr Sex als in einer festen Beziehung haha. Aber das kommt wohl ganz individuell auf die beteiligten Personen an.
    Wer Lokalitäten besucht, die als Aufreißbude gelten (=Großraumdisse u. äh.) und dort auf Leuts wartet, die einen angraben, trifft dann halt auch dummerweise oft auf die Sorte, die wahllos alles weibliche angraben, was genug danach aussieht, ihr „One Night Stand Opfer“ zu werden (von dem her kannst Du es sehr wohl als Kompliment verstehen, wenn Du scheints nicht in deren Raster fällst!) – und meist auch zu genau dem Zweck überhaupt abends aus dem Haus gegangen sind..
    Also: lieber Läden und Veranstaltungen besuchen, auf denen Du Dich wohlfühlst, da hängen dann auch Leute rum, die wohl eher auf Deiner Wellenlänge sind.
    Irgendwann so Mitte zwanzig hatt ich dann auch die Schanuze voll, immer darauf zu warten, daß mich wer anspricht (denn die, die das taten, waren meistens die gerade eben schon erwähnte Kategorie; heute würden die sich wahrscheinlich zu diesen grausig lächerlichen Pickup-“Artists“ zählen, brrrr…). Und wenn man wen anspricht, muß sich ja auch nicht unbedingt was romantisch/sexuelles draus ergeben – aber vielleicht lernt man so einen zukünftigen guten Kumpel kennen oder es ergibt sich zumindest nen Abend lang ein interessantes Gespräch oder Empfehlungen für coole Bars oder wasweißich… einfach den Druck, es müsse sich was romantisch/sexuelles ergeben, nur weil die sich kennenlernenden in Weiblein und Männlein aufgeteilt werden können, weglassen, das erleichtert schon vieles.
    Und wenn man selbst die Initiative ergreift, kann man sich auch die Menschen raussuchen, die einem selbst erstmal sympathisch oder irgendwie interessant sind – anstatt zu hoffen, daß die, die einen ansprechen, einem was taugen.
    Und gerade, daß die, die einen neugierig machen, einen von sich aus erstmal nicht ansprechen, hat auch den Vorteil, daß sie dann scheints nicht nur zum Aufreißen hergekommen sind. Vielleicht sogar solche, die kapiert haben, daß frau nicht unbedingt zum Abgeschlepptwerden aufgebrezelt und ausgegangen ist! Ui! :x
    Ist auch gar nicht so schlimm… Du erwartest ja von den anderen auch nicht, daß sie jetzt mit nem mords Killer-Anbaggerspruch aufwarten (geht doch sowieso nur peinlich in die Hose). Ein „Hey, ich bin die Claudia und mir ist grad langweilig – magst Du was trinken?“ oder so tut’s auch und ist auch ehrlicher.
    Und ausm Nähkästchen geplaudert: Meinen jetzigen Freund hab ich übrigens so kennengelernt, daß er an der Bar saß und den ganzen Abend hartnäckigst meine Hardcore-Flirtversuche einfach nicht bemerkt hat (sogar ein ganz und gar „unbeabsichtigtes“ *ähem* anrempeln: „uuuups, ‚tschuldigung!“ hat nur ein freundliches Lächeln und „Kein Problem, macht doch nix!“ gebracht, dann hat er wieder nachdenklich-verträumt in ein Eck geguckt!!! Also es war echt zum Verzweifeln…), bis es mir irgendwann einfach zu blöd war und ich ihm nen Zettel vor die Nase gelegt hab, auf dem irgendwas stand von wegen er solle sich jetzt doch bitte nicht so anstellen, draußen sei eh so ein schöner warmer Abend und er soll doch bitte zum Knutschen rauskommen. Und…naja, hat ja dann auch ganz gut funktioniert.:d

  12. 12 elaria 04. Februar 2012 um 10:14 Uhr

    Kann Dodo nur zustimmen. Öfter mal selbst die Initaive ergreifen und dir einfach selbst aussuchen mit wem du plaudern möchtest. Dieses Klischeedenken „Aber er muss doch der Jäger sein!“ kenne ich von ein paar Freundinnen leider auch . Das Ergebnis ist das sie sich erst geduldig mit Vollhorsten/Aufreißertypen unterhalten und später genervt sind weil schon wieder kein netter Mann dabei war.

    Ich weiß ja nicht wie alt deine Freundinnen sind, aber das man nur betrunken tanzen darf und normales Bier nicht für Mädchen ist, naja das klingt schon etwas pubertär und regelt sich bestimmt bald von selbst. Ansonsten sind es vielleicht einfach nicht Mädels auf deiner Wellenlänge?

  13. 13 Samia 04. Februar 2012 um 15:37 Uhr

    Wer Lokalitäten besucht, die als Aufreißbude gelten (=Großraumdisse u. äh.) und dort auf Leuts wartet, die einen angraben, trifft dann halt auch dummerweise oft auf die Sorte, die wahllos alles weibliche angraben, was genug danach aussieht, ihr „One Night Stand Opfer“ zu werden (von dem her kannst Du es sehr wohl als Kompliment verstehen, wenn Du scheints nicht in deren Raster fällst!)

    Wow, wie beleidigend. Dankeschön. Victim Blaming im Wortsinn („ONS-Opfer“.. Und Agency seitens der S-Words gibts bei dir wohl auch nicht?)

  14. 14 fiona 04. Februar 2012 um 16:23 Uhr

    Also das man nur bertunken tanzen darf hab ich ja noch nie gehört. In meinem Umfeld ist eigendlich immer einer dabei der nüchter bleibt. (Fahrer, muss morgen arbeiten, oder fühlt sich einfach nicht danach) Wie soll das gehen? Dürfen die dann keinen Spaß haben?
    Und was das „Mädchenbier“ angeht kenne ich sowohl Jungs die dieses gerne mal trinken, als auch Mädchen die es nicht anrühren, das ist nicht so geschlechtsspezifisch. Ich kann den anderen nur zustimmen, das du als Mädchen genauso aktiv flirten daftst und sollst. :)

  15. 15 Luna 04. Februar 2012 um 18:52 Uhr

    @ClaudiaS
    Weißt du was ich mir beim Lesen gedacht hab? Dass du eine verdammt coole, interessante Person bist!!
    Und ja- mach du den Anfang. Auch wenn es mal daneben geht- kein Drama. Passiert Männern ständig ;)
    Ich mein…wenn du es schon geschafft hast, du zu sein und nüchtern zu tanzen (mein Respekt!) dann dürfte das doch kein großes Problem sein?

  16. 16 lalilu 04. Februar 2012 um 21:07 Uhr

    also ich glaube, dass mit dem umfeld klärt sich, wenn du in clubs gehst, die so ein verhalten nicht dulden. guck doch mal nach antisexistischen räumen in deiner stadt oder nach queerfeministischen kneipen…viel glück!

  17. 17 frankytown 05. Februar 2012 um 0:06 Uhr

    Ist doch eigentlich ganz einfach. Wenn du selbstbewusst wirkst, gehen die Leute davon aus, dass du sie ansprichst, wenn du sie kennenlernen willst. Machst du das nicht, denken sie, dass du kein Interesse an ihnen hast. Da ich nur mäßig selbstbewusst bin, ist das dann auch genau mein Umgang mit hübschen, selbstbewussten Frauen in Clubs. Ich spreche sie selten von mir aus an, weil ich es eher so empfinde, dass ich die Beute sein sollte.

  18. 18 männlicher Nickname 05. Februar 2012 um 0:40 Uhr

    Ich habe mit Interesse deinen Beitrag gelesen. Deine Erfahrungen kommen mir bekannt vor. Ich bin genervt, wie es scheinbar notwendig ist, sich erfolgreich als „richtiges“ Mädchen bzw. „richtiger“ Junge zu inszenieren, um auf Hetero-Parties die gewünschte Anerkennung zu erhalten. Deine Beispiele (Tanzstil, Trinkverhalten, aktives/passives Flirten) machen für mich deutlich, dass insbesondere bei Parties auf die Einhaltung der Geschlechter-Codes geachtet wird.

  19. 19 Nenya 06. Februar 2012 um 8:51 Uhr

    Also ein Kölsch als Bier zu bezeichnen halte ich für sehr gewagt! :d

  20. 20 dodo 06. Februar 2012 um 14:11 Uhr

    @Samia: Nein, ich betreibe hier kein Victimblaming. Ich schrieb NICHT „Selber schuld, wenn Du an solche Orte gehst“, sondern benenne lediglich eine Tatsache. Ich sag auch nirgendwo, daß Claudia da überhaupt nicht mehr hingehen soll. Sondern schlage lediglich vor, ihre „Flirtzone“ zu erweitern und nicht nur auf die typischen Aufreißerbuden zu beschränken. So ziemlich dasselbe hast Du ja auch vorgeschlagen, von dem her kapiere ich echt nicht, wo da jetzt das Problem liegen soll.
    Und ja, das Wort „One Night Stand Opfer“ habe ich bewußt so gewählt, weil man für diese Aufreiß-Sportler und Pick-Up-“Artists“ genau das ist. Ein Opfer. Steht ja auch nicht umsonst in Anführungszeichen!
    Weißt Du, es ist echt nicht einfach, gemeinschaftlich und solidarisch effektiv gegen Sexismus und Co. zu kämpfen, wenn man sich immer erst, auch beim allerkleinsten und allerunwahrscheinlichsten Verdacht, vorm eigenen Lager rechtfertigen muß. Statt unsere Energie zu verschwenden, um uns ständig untereinander zu verdächtigen und Negatives vorzuwerfen wäre es weitaus produktiver, diese kritische Energie da einzusetzen, wo sie offensichtlich notwendiger ist.
    Denn weshalb immer erstmal die schlechteste Absicht annehmen und erstmal alle unter Generalverdacht stellen (von einer MBlog-Autorin/Kommentatorin könnte man ja auch erstmal annehmen, daß sie nicht dermaßen auf der falschen Seite steht, daß sie hier mit Victimblaming anfängt… vor allem, wenn diejenige schon zig Sachen geschrieben hat, die sich explizit GEGEN Victimblaming richten), wenn man bei Zweifeln oder Unsicherheiten doch einfach erstmal schlichtweg fragen könnte, wie das denn gemeint war. Statt gleich mal eine Anklage ranzuklatschen.
    Ich bin es nämlich leid, meine Nerven, meine Energie und meine Zeit zu so großen Teilen immer wieder damit zu verbringen, mich gegen undurchdachte und meist unbegründete Vorwürfe aus den eigenen Reihen zu wehren und mich vor Leuten, die eigentlich auf derselben Seite sind, wieder und wieder rechtfertigen zu müssen, immer wieder bei Null anzufangen und immer wieder erstmal „beweisen“ zu müssen, daß nicht bei jedem meiner Worte, das mit viel Phantasie interpretiert eveeeentuellvielleichtmöglicherweise sexistisch gemeint sein könnte, die schlimmste Annahme zutrifft. Die Zeit/Energie/Nerven, die ich damit verbringe, mich immer und immer wieder rechtfertigen zu dürfen, würde ich lieber damit verbringen, sie wo anzuwenden, wo es wirklich Sinn macht. Und Du könntest das auch.
    Immer erstmal das übelste zu verdächtigen ist nämlich ziemlich kontraproduktiv beim Versuch, eine solidarische Atmosphäre, in der man mit- statt gegeneinander arbeitet zu etablieren. Und da hab ich auch gar keine Lust mehr drauf.

    Das nächste Mal also vielleicht einfach nachfragen („Moment mal – Du willst damit doch nicht etwa sagen, sie sei selber schuld, wenn sie solche Locations besucht?“) statt gleich mit vollem Rohr auf jemanden loszuballern, bei dem es doch eigentlich wahrscheinlicher ist, daß er KEIN Victim Blaming betreibt. Danke.

  21. 21 Karlotta 07. Februar 2012 um 18:41 Uhr

    Ich hab die anderen Kommentare nur überflogen und will jetzt gar nicht näher drauf eingehen. Ich kann deine Situation nur zu gut nachempfinden. Völlig egal, ob man auch woanders Menschen kennen lernen kann, man fragt sich doch schon, was eigentlich schief läuft, wenn auf jeder Party alle um einen herum in Pärchen nach Hause gehen und man selbst nichtmal „ernsthaft angemacht“ wird. Und dann darauf zu kommen, dass es an einem Verhalten liegt, das man überhaupt nicht ändern sollte und möchte, ist für mich eher aufmunternd. An guten Abenden verlege ich mich auch einfach darauf, das Geschehen um mich herum amüsiert zu beobachten, weil ich das Gefühl habe, hier in einer Welt gelandet zu sein, die ich gar nicht verstehe und die einfach nicht meine ist.

  22. 22 utrumque 07. Februar 2012 um 19:39 Uhr

    liebe samia,
    könntest du mir -gesternt!- erklären, was das s-wort sein soll und was agency bedeutet? mir wird das aus einer einfachen wort-für-wort übersetzung nicht ganz klar..
    danke! :)

  23. 23 Samia 09. Februar 2012 um 1:32 Uhr

    @dodo Du hast mich falsch verstanden. Ich finde es wichtig, kritisiert zu werden. Ich will wissen, wenn ich Victim Blaming betreibe. Du scheinst das anders zu sehen.

    Ich erklärs nochmal. Du sagtest:

    von dem her kannst Du es sehr wohl als Kompliment verstehen, wenn Du scheints nicht in deren Raster fällst!

    Da steckt drin, dass es umgekehrt eine Beleidigung ist, von solchen Typen belästigt zu werden, „in deren Raster“ zu fallen. Man hat sich halt Dem Täglichen Prozedere unterworfen, und das ist die Quittung.

    @uturumque S-Wort = „Schlampe“ oder „Slut“. (Ich mag die reclaimimg-Strategie nicht.)
    Agency: http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Agency
    Damit wollte ich damit den Gebrauch von „Opfer“ kritisieren. Wenn es ein Opfer gibt, war es eine Vergewaltigung. Ich will nicht ständig mit Tätersprache konfrontiert werden, wo sie nicht nötig ist.

  24. 24 dodo 11. Februar 2012 um 16:41 Uhr

    Nein, würde ich wirklich Victim Blaming betreiben (doch ich bin mir hier sicher, daß ich das eben nicht tue), würde ich es sicher schätzen, darauf hingewiesen zu werden. Aber dann bitte nicht mit der Holzhammer-Methode… das ist doch gar nicht nötig. Wie gesagt, einfach mal nachfragen, wie’s gemeint ist, erfüllt diesen Zweck auch.
    Persönlich habe ich es immer eher als Kompliment denn als Beleidigung verstanden, wenn Menschen, deren diesbezügliches Verhalten mir zutiefst unsympathisch war/ist, mich nicht für „angrabenswert“ halten.
    Daraus den Umkehrschluß zu ziehen, Frauen, die von diesen Leuten doch als „angrabenswert“ gesehen werden, seien selbst schuld, halte ich für dermaßen weit hergeholt, daß ich mit einer Interpretation wie Deiner nun wirklich nicht gerechnet habe. Das würde ja sonst bedeuten, ich würde fordern, daß Mädels/Frauen die „Pflicht“ hätten, sich extra so anzuziehen/zu verhalten/…, daß sie auf keinen Fall ins „Beuteschema“ passen – statt einfach die zu sein, die sie sind und sein wollen. Und das willst Du mir doch nun bestimmt nicht wirklich zutrauen, oder?
    Und wie bereits gesagt, habe ich den Begriff „Opfer“ (extra noch in Anführungszeichen, damit klar wird – hat ja leider nicht funktioniert –, daß sich das nicht auf meine Meinung, sondern die Einstellung dieser Aufreißer bezieht!) bewußt gewählt, weil die angemachten Frauen und Mädchen genau so, als ihre „Opfer“, gesehen und behandelt werden. Tätersprache, ja. Tätersprache, die von mir „zitiert“ wurde, um deutlich zu machen, daß es eben diese Idioten sind, die einen von vorneherein als „Opfer“ abstempeln. Die damit ihren Machtanspruch ausleben wollen, da sie sich als diejenigen sehen, die die Autorität haben, diese Rollenverteilung zu bestimmen.
    Das hielt ich hier eben sehr whl für nötig, weil es vielen gar nicht klar ist, daß hinter einer simplen Anmache allzuoft ein Gedankengut steckt, das bereits in „Opfer“ und „Täter“ aufteilt, bevor überhaupt irgendetwas geschehen ist. Sich das klar zu machen, finde ich wichtig. Deshalb fand ich es auch notwendig und angemessen, durch Verwendung dieser „Tätersprache“ das Kind beim Namen zu nennen, statt es – wie sonst so oft in den Medien – mit Begriffen wie „begehrt werden“ oder so schönzureden.

  25. 25 anyway 18. März 2012 um 16:02 Uhr

    Seit vielen vielen Jahren bewege ich mich nunmehr in linksradikalen Kreisen, bin mal mehr, mal weniger aktiv, allerdings doch mit einer gewissen Kontinuität. Doch um „Party machen“ oder „Feiern gehen“ – da hab ick keine Lust mich in linken ach so schönen, emanzipierten Räumen zu bewegen, in Szenelokalen oder sonst irgendwo im Kiez. Denn ick hab keine Lust auf die Szenepolizei die mich den ganzen Abend beobachtet ob ich mich ja auch politisch korrekt verhalte – wer definiert das? Ich? Der andere Mensch den ich (erstmal) ohne Körperkontakt antanze? (und es dabei auch bleibt). Oder doch irgendwelche Anderen, die dann wenn Mensch angetanzt wird, auch ja darauf achten dass alles korrekt abläuft, ohne das beiden beteiligten Menschen zu überlassen.
    Zudem kommt dazu, dass in diesen Kreisen sowieso meistens flirttechnisch nichts geht, weil vermeidliche Antisexisten (geschlechtneutral!) eben mit ihrer postfeministischen Ideologie so ungefähr alles zu nichte gemacht haben was mal ging, und die Heteronomität reproduzieren. Scheiss auf Frauenrechte, ick will Menschenrechte!

    Was nicht heissen soll, ick sei nich emanzipiert – im Gegenteil, diese Geschlechterscheisse kotzt mich massiv an, ich bin Mensch, und alle anderen sind Menschen. Sex mit ner Frau (im Sinne von Biologie) kann was geiles sein, muss aba nich und mit nem Mann (dito, Bio) ebenso. Ist halt was anderes, klar, aber det muss die Gefühle in keinster Form abmildern, ist evtl. sogar wertvoller.
    Und wenn ich Feiern gehe, dann geh ich Feiern, allerdings nicht mit primären Motivation was „zum ficken abzugreifen“ – ergo: vielleicht ergibt sich was, vielleicht nicht, ist auch nicht tragisch, vorallem wichtig ist der schöne Abend.
    Für mich gehört zum „Ficken“ auch eine gewisse Wellenlänge dazu, und die muss ich eben im Gespräch herausfinden, das Aussehen/Erscheinungsbild ist da eher nebensächlich – wobei natürlich auch ich gewisse Stereotypen (oder eben auch nicht stereo) bevorzuge. Was aber für mich einzig und allein heißt dass ich noch Verbesserungsbedarf hab – über das Erscheiungsbild hinausblicken.

    Geht tanzen, nüchtern oder auf Drogen (sei es Alk, Kiffe, Koffein, Pep, Koks, E’s, Keta oder sonstwas), nüchtern ist natürlich besser, traut euch was, beachtet aber die unsichtbaren Grenzen, lernt vielleicht erstma flirten bevor ihr hoffnungsvoll in Clubs, Bars oder auf Openairs geht.
    Besonders in ner Großstadt seht ihr die andere Person möglicherweise nie wieder – und wenn schon, steht darüber, einen Korb bekommen hat schon jeder, wer auf faire und liebevolle Art einen Korb verteilt wird euch nicht nachtragend sein, euch auslachen oder so. Und wer auf miese, unfreundliche, pissige Art Körbe verteilt, der ist ein Arschloch, und über dämliche Idioten solltet ihr euch nicht ärgern, einfach drüber stehen, reden lassen, ignorieren.

  26. 26 Bella Berlin 22. März 2012 um 20:51 Uhr

    Die gleich Gülle musste ich mir schon im letzten Jahrhundert anhören. Eine Frau, die es erschütternderweise wirklich gut mit mir meinte, erklärte mir in einer Single-Phase, ich müsse leiser, zurückhaltender und weniger schlagfertig sein, um die Typen beim kennenlernen nicht zu verschrecken. Köstlich.
    Was soll ich sagen? Bin ich zu stark, bist du zu schwach.
    Und ja, es gibt Männer, deren Ego groß genug ist für ausgewachsene Frauen, und die trotzdem keine Arschlöcher sind. Nur nicht aufgeben.

  1. 1 Steh deinen Mann! (Sexismusfalle Umzug) « .HummingBored. Pingback am 11. Juni 2012 um 0:18 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


zwei × = acht