Vergewaltigung – was‘n das?

An den Anfang am besten erstmal ne große, fette Triggerwarnung!

Beim aus Langeweile durchs Netz klicken bin ich auf ein noch nicht ganz eine Woche altes Interview mit Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert, Dozentin für Kriminologie und Kriminalistik an der FH für öffentliche Verwaltung NRW in Bielefeld, gestolpert. Darin vertritt sie die Meinung, daß das Gewaltschutzgesetz durchaus zu einer kleinen Besserung der Lage geführt habe, nämlich insofern, als daß nun mehr Frauen sich trauen, gegen häusliche Gewalt vorzugehen.
Dabei fällt auch die heißdiskutierte Frage, wie viele Falschanzeigen es denn wohl gebe – und was überhaupt dazu führe:

Bereitet manchen Schwierigkeiten, sie zu verlassen:
die Täterperspektive.
Psychedelic Photography, über Daily Art Press
.

Wie oft täuschen Frauen Gewalt oder Vergewaltigung vor?

Die Quote der Taten, die so eingestuft werden, liegt bei 7 Prozent. Erwachsene Frauen tun das also höchst selten. Wir haben aber bei einer Auswertung in Detmold festgestellt, dass junge Opfer bis 25 Jahre am häufigsten Vergewaltigungen vortäuschen.

Warum?

Viele geben die Anzeige nicht freiwillig auf, sondern werden von ihren Freundinnen oder anderen nahestehenden Personen massiv dazu gedrängt. Häufig ist es so, dass sich ein Mädchen mit einem Jungen trifft, von dem die Eltern nichts wissen dürfen. Beim Date will der Junge dann mehr als das Mädchen. Aber das wagt das Mädchen nicht zu sagen und erfindet später den Fremden im Park. Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben. Allerdings verändern sie unter dem psychischen Druck die „Rahmenhandlung“, weil sie Angst haben, aufgrund der Vorgeschichte mitschuldig zu werden.

Und wie immer bei Themen, die in irgendeiner Form frauen- oder genderspezifisch sind, hüpfen in der Kommentarspalte auch so gleich zahlreiche schrill keifende Maskulistentrolle von links und rechts ins Bild. Da schon der erste Kommentar von einem Menschen, der sich Maskulinistin (btw – müßte es eigentlich nicht „Maskulistin“ heißen, so wie „Feministin“ statt „Femininistin“? :-? ), stammt und gleich mal mit dem gerade sehr in Mode gekommenen „50% der häuslichen Gewalt wird von Frauen an Männern verübt“ um sich wirft, hatten die meisten der ähm, sagen wir mal ‚weniger desinformierten Personen‘, anscheinend schon keine Lust mehr, irgendeinen Kommentar zu verfassen, denn der Kommentarteil ist hier ganz klar in maskulistischer Hand.
Die Kommentatorin Ma Dalton wagt sich dennoch ins schon arg verwüstete Schlachtfeld und versucht, einiges klarzustellen (drittletzter Kommentar, von oben). Unter anderem weist sie darauf hin, daß die Mädchen in obig zitiertem Beispiel für Falschaussagen, beschränkt man sich auf die im Interview mitgeteilte Faktenlage, sehr wohl trotzdem Vergewaltigungsopfer sind, auch wenn sie bei der Vernehmung gelogen hatten – und nicht

(…) Lügnerinnen und Verbrecherinnen, Täterinnen eben, die mit langjährigen Gefängnisstrafen bestraft werden müssten.

, wie Kommentator Hans das sieht.
Hilft aber nix. Hilft gar nix.
Eigentlich steht schon in dem Interview:

Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.

Dennoch: zwei Kommentare weiter macht sich Kommentator Pit lächerlich, indem er auf Ma Daltons Vorschlag, das Interview nochmal genauer zu lesen, wie folgt reagiert:

Ließ du ihn nochmal. Da steht nichts von einer Vergewaltigung sondern jedeglich, dass der Junge mehr wollte als das Mädchen. ABer nicht ob sie das zugelassen hat oder sich gewehrt hat.

Man kann sich bei dem Ganzen nun immerhin damit trösten, daß dieser Erguß an Itentellekt und Empathie wenigstens der (wohl endgültig) letzte Kommentar zu diesem Interview ist und dadurch einen barmherzigen Schlußstrich unter dieses Trauerspiel zieht.
Ma Dalton hat offensichtlich aufgegeben und beschlossen, vorläufig einfach mal keine Perlen vor die Säue mehr zu werfen, und bei Gott, wer kann’s ihr verdenken!
Auch ich geb meinen Senf dazu lieber hier im Mädchenblog ab, wo der zu erwartende Maskulistenshitstorm wenigstens nicht durch den Moderationsfilter kommt und die Kommentarspalte vom Schlimmsten verschont bleibt, so daß zumindest die Chance für eine Diskussion besteht, die das Niveau eines sexistischen Brüllaffenstammtischs ein wenig übersteigt.

Und nachdem ich mich jetzt gefühlte 10 Minuten lang an meiner Schreibtischplatte festgekrallt habe, um dem starken Bedürfnis zu widerstehen , den Kopf gegen ebenselbe zu hauen, und zwar mehrmals, (schließlich will ich nicht noch mehr Gehirnzellen verlieren, hab ich doch schon das Gefühl, beim Lesen habe sich die ein oder andere vor Verzweiflung ins Nirvana verabschiedet) – da frage ich mich doch ganz ernsthaft: Kann man etwas wirklich so derartig hartnäckig nicht kapieren??? Schon die kleine Karin kapiert es, wenn Papa schimpft „Du darfst den Stefan nicht immer an den Haaren ziehen, das mag der nicht, auch, wenn er sich nicht wehrt!“ (habt Ihr gemerkt, wie brav maskulistisch-korrekt ich das Beispiel gewählt habe? Will mir ja schließlich nicht vorwerfen lassen, hier würden immer nur männliche Personen die Täter und immer nur weibliche die Opfer! :)>- )

Denn Widerstand hin oder her, das spielt überhaupt keine Rolle. Es bleibt dennoch Vergewaltigung, wenn nicht irgendwelche ausschlaggebenden Details von Frau Lütgert weggelassen wurden. Mangelnde Gegenwehr macht einen derartigen Übergriff nämlich nicht einfach – Abrakadabra! – zu einvernehmlichem Sex.

Das schlimme ist ja, daß mich eine derartige Reaktion (wenngleich der Kopf-auf-Tischplatte – Impuls noch immer als direkte Folge einsetzt) indes noch nicht mal mehr überrascht. Man kennt das ja inzwischen. Da reißt man sich doch immer und immer wieder den Arsch auf, um den Leuten einerseits das Konzept der Definitionsmacht näher zu bringen, fällt einem an anderer Stelle auf, daß noch nicht einmal die vergleichsweise weitaus simpler angelegte juristische Definition verstanden wurde oder gar gänzlich unbekannt ist!
Es stimmt, man kann es doch einfach wirklich nicht oft genug wiederholen!

Und falls da womöglich auch bei den hiesigen LeserInnen noch irgendwelche Zweifel oder Erinnerungslücken vorhanden sein sollten, vielleicht zur unser aller Sicherheit an dieser Stelle noch ein weiteres Mal die offizielle juristische Definition:

§ 177
Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“

Und da steht nirgendwo etwas, daß Wehrhaftigkeit in irgendeiner Weise zwingend notwendig ist, um den Vorfall als Vergewaltigung zu verbuchen.

Wie kann es sein, daß es scheinbar so vielen Leuten an Einsicht und/oder Empathie mangelt?

Ein Bekannter von mir – männlich, heterosexuell – hat mir mal gesagt, daß es für Männer (zumindest denen, die sich nicht mehr als der Durchschnitt mit feministischen Themen beschäftigen) manchmal gar nicht so einfach ist, sich auf Anhieb in die weibliche Lage der Dinge reinzudenken, ganz einfach, weil Sachen wie Vergewaltigtwerden sie nur in den seltensten Fällen als Opfer betrifft und weil die Angst vor sexuellen Übergriffen einfach nicht solchermaßen zur alltäglichen Gefühls- und Erfahrungswelt der meisten heterosexuellen Männer und Jungs gehört, wie das bei Frauen der Fall ist. Und daß es daher toll wäre, wenn wir ein bißchen geduldiger wären und ihnen manche Sachen vielleicht einfach noch ein zweites Mal erklären würden.
Nun bin ich zwar der Ansicht, daß sich besagter Mensch in diesem Fall weitaus weniger beratungsresistent gezeigt hätte als der taz-Kommentator Pit, aber dennoch entspreche ich seiner Bitte und erkläre es für die Pits und Hans‘ dieser Welt einfach noch einmal:

(Achtung – hier nochmal eine fette, große, blinkende Triggerwarnung!!!)
Versetzt Euch doch mal in das Opfer hinein, stellt Euch beispielsweise vor, ihr habt in Eurem Verein oder auf Eurem Arbeitsplatz einen Euch sympathischen Menschen kennengelernt und verabredet Euch auf ein Bier irgendwo. Und sämtliche Freunde haben Dich gewarnt, das lieber bleiben zu lassen, weil es ein schräger Typ ist und er nach Ärger riecht, und Du denkst Dir „Ach was, scheiß drauf. Die brauchen bloß nicht zu denken, ich wäre derart ängstlich – und überhaupt, was denken die eigentlich, daß ich kein harter Typ wäre! Mit dem könnt ich’s im Notfall schon aufnehmen! Ich geh da jetzt trotzdem hin.“ Tja, und genau wie die Mädels aus dem Beispiel, die statt einer Vergewaltigung eigentlich einen netten, romantischen Abend erwartet haben, verläuft Deine Nacht auch nicht so, wie Du es Dir vorgestellt hast: Statt Tischkicker, Bier und Männergespräche zu genießen, wirst Du überwältigt von ihm vergewaltigt.
Da Du allerhöchstens damit gerechnet hast, die Fresse poliert zu kriegen, stehst Du erstmal unter Schock, Du bringst keinen Ton raus und er überwältigt Dich mit Leichtigkeit. Vielleicht hast Du in dem Moment aber auch einfach zu viel Angst, um Dich zu wehren – wer weiß, womöglich macht ihn das nur noch wütender, veranlaßt ihn zu noch schlimmeren, schmerzhafteren Torturen, gar Mord? Du denkst: vielleicht ist es um so schneller vorbei, wenn ich einfach nur stillhalte, vielleicht vergeht ihm dann der Spaß an der Sache?
Hinterher ist Dir das peinlich, Du fühlst Dich schwach, schmutzig und gedemütigt, und in Deiner Not vertraust Du einem Freund oder Verwandten an, daß Du sexuell mißbraucht wurdest. Und der ist natürlich traurig und verflucht wütend und drängt Dich, die Polizei einzuschalten. Das willst aber Du wiederum eigentlich keinesfalls! Wäre es Dir doch am Liebsten, wenn Du die Sache schnell vergessen, aus Deinem Leben einfach wegstreichen könntest! Und stattdessen aufs Polizeirevier? Einem Fremden detailliert erzählen, daß Du von einem anderen Typen mißbraucht wurdest? Daß Du ihn nicht überwältigen, nicht daran hindern konntest, nicht mal geschafft hast, wegzulaufen?
Andererseits – was denkt denn dann besagter Freund oder Verwandte? Fast jeden Tag ruft er Dich an, fragt mitleidig, wie es Dir geht, verflucht den Kerl, der Dir das angetan hat, und drängt Dich immer wieder zur Anzeige. Und fast jeden Tag mußt Du aufs Neue Nein sagen und erklären, warum Du das nicht willst.
Und irgendwann bröckelt der Widerstand und Du denkst, der sieht mich sowieso schon als eine schwächliche Memme, und Du kannst das Mitleid in seiner Stimme echt nicht mehr hören, und fragst Dich, ob er Dich jetzt womöglich für einen noch viel größeren Waschlappen hält. Weil Du Angst hast, zur Polizei zu gehen. Weil Du, statt auf Rache zu sinnen (persönlich sowieso nicht, aber auch noch nicht mal ganz spießig via Behörden) Dich zu Haus wie ein verwundeter Hund ins Körbchen zurückziehst, eingeschüchtert wie ein kleines Kind, wahrscheinlich aus lauter Angst vor dem Täter.
Also gehst Du doch zur Polizei. Und mußt dort der Polizei – im schlimmsten Fall ist es eine Beamtin, ‚besten‘falls ein anderer Mann – en detail von Deinem schlimmsten Alptraum erzählen. Auch noch einer Person in Uniform, einer Uniform, die ihn oder sie als jemanden auszeichnet, von Berfus wegen mit solchen Schweinen souverän fertig zu werden. Und sich vielleicht noch viel weniger als Deine Vertrauensperson vorstellen kann, wie man in einer solchen Sitution noch nicht mal versucht, sich zu verteidigen. Oder wie man überhaupt so bescheuert sein kann, mit so einem berüchtigt gewalttätigen Psychopathen einen Saufen gehen zu wollen – noch dazu, wenn man sowieso ein Weichei ist, das sich nicht zu wehren weiß! Und hatten ihn seine Freunde/Kollegen nicht noch gewarnt? Wie blöd muß man eigentlich sein…
Niemals! denkst Du. Die Situation ist schon entwürdigend genug, das willst Du Dir nicht auch noch antun müssen!
Also erfindest Du einen Fremden im Park. Du warst auf dem Weg werweißwohin und da kam er aus dem Gebüsch, ein ganz muskulöser Kerl, mindestens 1,90. So mit Überraschungseffekt und enormer physischer Überlegenheit hört sich die Schilderung nicht mehr ganz so peinlich an, Du kommst nicht ganz so sehr als schwächlicher Depp rüber.
Und sie läßt sich auch leichter erzählen, Du kannst Dich vom Geschehenen ein bißchen distanzieren, hast Dich beim Erzählen vielleicht ein bißchen besser im Griff und heulst nicht auch noch los oder so. Denn während Du Dich dem Trauma, das von der wahren Begebenheit rührt, noch unkontrolliert ausgeliefert fühlst, ist dieser Hergang kontrollierbar, formbar, da von Dir geschaffen.
Kurzum: Du lügst.
Aber bist Du nicht dennoch vergewaltigt worden? Fühlst Du Dich dann weniger mißbraucht? Macht das den Vorgang damit in irgendeiner Weise zu einvernehmlichem Sex? Klar, Du bist in gewisser Weise durch die Lüge auch zu einem ‚Täter‘ geworden – doch auch wenn eine Falschaussage jeglicher Art Unrecht sein mag, so ist es doch bei weitem nicht mit sexuellem Mißbrauch zu vergleichen und die Folgen dürften in den meisten Fällen nicht halb so gravierend sein und in diesem Fall ist auch der ehrlichste, liebevollste Mensch (also nicht gerade jemand, vor dem die Gesellschaft normalerweise durch Freiheitsentzug seinerseits geschützt werden müßte) versucht zu lügen – während eine Vergewaltigung doch nochmal ganz andere Skrupellosigkeit verlangt.
Doch nur, weil Du Dich mit einer Lüge auch schuldig gemacht hast und zum ‚Täter‘ wirst, bist Du eben dennoch auch Opfer, eben Opfer einer Vergewaltigung. Und der Täter bleibt auch immer noch Täter, auch, wenn Du ihn nicht benennst oder gar absichtlich schützt. Seine Tat verliert damit nicht an Grausamkeit, es ist immer noch eine kriminelle Handlung, die vollzogen wurde. Oder hat der Täter es nun nicht mehr verdient, bestraft zu werden? Sollte er nun etwa nicht mehr aus dem Verkehr gezogen werden? Ist es ihm nun nicht mehr möglich, dasselbe womöglich auch anderen anzutun? Weil Du gelogen hast, ihn nicht benannt hast?
Bist Du nun, nach Deiner Falschaussage „kein ‚Opfer‘“, sondern ein „Lügner und Verbrecher“, eben „ein Täter, der mit einer langjährigen Gefängnisstrafe bestraft werden muß“?
Oder ganz einfach ausgedrückt: Hat nun etwa keine Vergewaltigung mehr stattgefunden?
Von dem her find ich die Antwort dieser Kommissarin doch recht eindeutig:

Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.


19 Antworten auf “Vergewaltigung – was‘n das?”


  1. 1 berit 04. Februar 2012 um 10:13 Uhr

    guter artikel. nur gehört er unbedingt (als kommentar, oder ist das zu lang?) unter/in solche maskulinistendiskussionen! ich weiß, es ist schwer, immer gegen anders denkende anzuschreiben. aber im mädchenblog musst du wohl diesbezüglich niemanden überzeugen. versteh mich nicht falsch, es ist gut, dass er hier steht. aber er sollte und muss unbedingt auch woanders stehen! wo kommen wir denn hin, wenn wir maskulistendiskussionen unkommentiert lassen und uns dann hier in unserer eigenen kleinen welt darüber auslassen (in der wir dann von denen keine kommentare zulassen)? vielleicht bin ich ja zu idealistisch. aber sich mit solchen themen in die sichere eigene welt zurück zu ziehen, fühlt sich für mich komisch an.

  2. 2 Flocke84 04. Februar 2012 um 11:35 Uhr

    Die Aussage ist eindeutig. Über die angeblich so häufige Situation „Frau bezichtigt Mann nach einvernehmlichen/nicht erfolgten sexuellen Handlungen“ enthält das Interview keine Aussagen- vermutlich weil diese so oft nicht vorkommen wird, ob es den Kommentierenden nun gefällt oder nicht.

    OB ein sexueller Kontakt einvernehmlich erfolgte oder nicht ist dann rein juristisch gesehen Tatfrage, mit allen Unwägbarkeiten, die bei der Beweisführung auftauchen können (und die Beweislage ist denkbar schlecht für das Opfer, wenn es sich nicht gerade um eine Vergewaltigung mit schweren körperlichen Verletzungen handelt oder zufällig Zeugen anwesend waren etc). Ich vermute aber, dass schon wegen des rechtsstaatlichen Grundsatzes „in dubio pro reo“ mehr Täter ungeschoren davonkommen als Unschuldige verurteilt werden (dass letzteres überhaupt vorkommt, lässt sich dem Interview ebenfalls nicht entnehmen). Ersteres muss man im Strafrecht – nicht nur bei Sexualdelikten, sondern generell – hinnehmen, so unbefriedigend (und ungerecht) es auch im Einzelfall ist.

    Vielen Dank für diesen Text. Er ist sehr eindrücklich.

  3. 3 Sabrina von Fersen 04. Februar 2012 um 12:07 Uhr

    Die Jungs schnallen es nicht, dass bei einer Vergewaltigung nicht nur einfach ein irrigierter Penis in eine trockene Vagina gesteckt wird, sondern, dass der Mensch bedroht wird, unter Schock steht, Haut zerrissen wird, Adern platzen, Prellungen entstehen und das, was der Seele angetan wird für immer bleibt.

    Niemand erwartet von einem S-Bahn-Überfall-Opfer, dass es sich wehrt, wenn es zusammengeschlagen wird, auch wenn der Täter nur halb so alt wie das Opfer ist. Warum also erwartet man es dann von einer vielleicht 60 kg Frau sich gegen einen 90 kg Mann zu wehren?

  4. 4 eike 04. Februar 2012 um 15:32 Uhr

    guter artikel, ich fänds super, wenn du den in die taz-kommentar-spalte reinkopieren würdest. ich hab die kommentare grade gelesen und mich mal wieder fürchterlich aufgeregt. wo kommen bloß diese vielen menschen her, die die armen, armen männer vor den bösenbösen lügenden und gewalttätigen frauen beschützen wollen? wie kommt mensch zu so einer verschobenen realitätswahrnehmung? eine frage, die sich mir grade recht oft (auch bei „harmloseren“ themen wie männer*, die sich vom feminismus ausgeschlossen fühlen oder auch einen feminismus für (cis-)männer fordern) stellt, ich versteh das einfach nicht….
    aber toll und bemerkenswert, wenn menschen dazu lange kommentare und artikel schreiben, ich beschränke mich vorerst aufs aufregen…

  5. 5 Samia 04. Februar 2012 um 15:49 Uhr

    Klar, Du bist in gewisser Weise durch die Lüge auch zu einem ‚Täter‘ geworden – doch auch wenn eine Falschaussage jeglicher Art Unrecht sein mag, […]

    Noch nicht mal – solange lediglich „unbekannt“ beschuldigt wird, schadet die Falschaussage ja niemandem.

  6. 6 dodo 06. Februar 2012 um 13:33 Uhr

    @berit: theoretisch hast Du ja recht – nur wenn ich dran denke, wie viele gruslige Kommentare wir aus dem Spamfilter entfernen (gerade wieder was gelöscht von wegen wie Frauen doch immer „östrogenbasiert“ argumentieren, also schon aufgrund ihrer Biologie nicht imstande seien, eine faire Diskussion zu führen etc.), die von genau der Sorte Leute stammen, die auch in den oben angesprochenen taz-Kommentaren zugegen sind, denk ich mir, daß sie das schon finden werden.
    Ich hab sowieso den Eindruck, daß diese maskulistischen Internetkrieger beträchtliche Zeit darauf verwenden, auf den einschlägigen Online-Medien (außer uns zum Beispiel auch die Mädchenmannschaft, die Emma natürlich, taz, usw.) alles ganz genau durchzulesen, um es dann
    a) in ihren Foren/Blogs/… zu posten, um sich darüber auszulassen, was „die Feminazis mal wieder für einen Müll produzieren, jaja, da sieht mans mal wieder blahblahmecker“, und dann
    b) dort zu einem Shitstorm aufrufen (keine Ahnung, ob sie das direkt tun oder nur indirekt durch Angeben des betreffenden Links).
    Denn bis auf die üblichen Verdächtigen wie „Alles Evolution“ und Konsorten kommen die meist immer alle auf einmal, und das dann zahlreich…
    Wer will, kann den Text ja in die Kommentarspalte dort (oder sonstwo, wenns paßt) reinkopieren. Ich selber hab dazu aber irgendwie grad keine Lust, denen das auch noch hinterherzutragen…

    Ansonsten Danke für die netten Kommentare – dann hat sich’s ja gelohnt – eigentlich wollt/sollt ich ja gerade nicht mehr so viel schreiben, weil ich an beiden Händen grad ein Karpaltunnelsyndrom hab, was die Tipperei von langen Texten ziemlich schmerzhaft macht… hab auch dann prompt später die Quittung dafür gekriegt – aua :((
    …aber immerhin scheint’s das wert gewesen zu sein.

  7. 7 blitzmerkerin 06. Februar 2012 um 23:33 Uhr

    Ja Definitionsmacht, da wo Gewalt ja schließlich zu GLEICHEN MAßEN von Frauen ausgeht…im Haushalt, usw. und natürlich in dem DIE immer nein sagen und ja meinen… (eigentlich sollte mensch diese Zeilen auch nicht sarkastisch wiederholen also ist es auch vollkommen ok, die wegzumoderieren)

    Vielen Dank für deinen Artikel, die Suche nach Aufklärung der Vergewaltigungs-Verschwörung ist eine zentrale Aufgabe der Maskulinisten und sie werden sie an jeder Stelle finden. So wie sie alles finden: einen gut bezahlten Job, körperliche Überlegenheit und ein offenes Ohr.

    Zu der Anzeige einer Vergewaltigung ist immer wieder zu betonen, dass diese Prozentzal mit 7% falsch berahmte Vergewaltigung (die ja wie dein Artikel sehr gut zeigt keine Vorgetäuschte ist) gedrückt wird, wenn wir die nicht zur Anzeige gebrachten berücksichtigt. Die Dunkelziffer. Denn wir köpnnen uns darüber streiten ob die erhöhte Anzeigequote einer besseren Akzeoptanz des Rechtssystemes der Betroffenen aussagt, oder eine zunahme sexueller Übergriffe.

  8. 8 imion 07. Februar 2012 um 14:10 Uhr

    „Beim Date will der Junge dann mehr als das Mädchen. Aber das wagt das Mädchen nicht zu sagen und erfindet später den Fremden im Park.“
    Nein, das war keine Vergewaltigung. Wenn das Mädchen es nicht will, soll es es sagen. Es kann von einem Jungen nicht verlangt werden, die Gedanken des Mädchens auf Mystische Art zu lesen.

  9. 9 Ein Mann 07. Februar 2012 um 19:40 Uhr

    “ manchmal gar nicht so einfach ist, sich auf Anhieb in die weibliche Lage der Dinge reinzudenken, ganz einfach, weil Sachen wie Vergewaltigtwerden sie nur in den seltensten Fällen als Opfer betrifft und weil die Angst vor sexuellen Übergriffen einfach nicht solchermaßen zur alltäglichen Gefühls- und Erfahrungswelt der meisten heterosexuellen Männer und Jungs gehört, wie das bei Frauen der Fall ist“

    Mag sein. Dafür müssen wir Männer uns halt mit gefährlicher Körperverletzung, versuchtem Totschlag, Raub auf der Straße usw rumschlagen.

    Also können Männer sich durchaus vorstellen wie es ist total machtlos zu sein.

    Und das Jungs (was hat das mit hetero oder nicht zu tun???, da hätte ich gerne mal ne Erklärung für was das soll!!) sehr wohl mit diesen Problemen auch zu kämpfen haben, wird nur unter den Tisch gekehrt.

    Denn wenn eine 40 Jährige einen 13 Jährigen „verführt“ dann ist das „Liebe“, da wird man sogar noch als Täterin zu einer Talkshow eingeladen. Bei einem 40 Jährigen Mann und einer 13 Jährigen ist es Vergewaltigung bei der Lynchphnatasien frei werden.

    Er wird ganz bestimmt nicht in eine Talksow eingeladen wo er sich noch auf Kosten des Opfers profilieren kann.

    Jungs sind da anscheinden „härter“ und nehmen es eher hin (auch die Gesellschaft), bei den Mädels wird dann ein riesen Fass aufgemacht.

    Im Übrigen: In den USA sind die meisten der Vergewaltigungsopfer männlich. Soviel zur „Rape“ Kultur

  10. 10 dodo 08. Februar 2012 um 0:57 Uhr

    @imion
    Doch, das war sehr wohl eine Vergewaltigung. Hast Du den Beitrag überhaupt zu Ende gelesen?
    „Es kann von einem Jungen nicht verlangt werden, die Gedanken des Mädchens auf Mystische Art zu lesen.
    Es kann aber sehr wohl verlangt werden, daß er – auf ganz unmystische, allgemein übliche Art – erstmal sicherstellt, daß sie damit einverstanden ist und im Zweifelsfall einfach fragt. Oder – wenn er sich dann immer noch nicht sicher sein kann – es vielleicht einfach sein läßt. Das ist nicht nur nicht zu viel verlangt, sondern sollte Standard sein. Sollte sich jede_r angewöhnen, schließlich gehe ich einfach mal davon aus, daß es dem Großteil wichtig ist, daß der/die andere sich dabei genauso wohlfühlt wie man selbst.

  11. 11 dodo 08. Februar 2012 um 1:46 Uhr

    @ein Mann
    Was in irgendwelchen Talkshows vor sich geht, dafür ist weder dieses Blog noch das Gros irgendwelcher anderer Feminist_innen verantwortlich, daher verstehe ich nicht ganz, weshalb Du Dich diesbezüglich gerade bei uns auskotzt?
    Falls Du meine Meinung wissen willst: ich finde es in beiden Fällen alles andere als angemessen, schnurz, in welcher Geschlechter/Gender-Konstellation. Kann aber auch nichts näheres darüber sagen, da ich die Fälle, auf die Du anspielst, nicht kenne – schließlich kommt es doch auch darauf an, was genau sich nun abgespielt hat.
    Beispielsweise ist es ein Unterschied, ob in dieser Beziehung nun sexuelle Handlungen im Spiel sind, oder ob es sich nur um Bussis und Händchenhalten dreht. Ich will mir nicht anmaßen, komplett auszuschließen, daß es sich trotz derart krassem Altersunterschied nicht doch um Liebe welcher Art auch immer handelt, bin allerdings der Meinung, daß man bei aufrichtiger Zuneigung halt auch einfach ein paar Jährchen Wartezeit auf sich nehmen kann.
    So, das war jetzt die persönliche Meinung der Feministin Dodo. Ich hoffe, das hat Dir irgendwie weitergeholfen? Denn damit würde ich im Sinne von Punkt 7 und 10 unserer Netiquette das Thema gerne vorerst beenden. Das eigentliche Thema dieses Beitrags + zugehöriger Kommentarspalte gibt schließlich genug Stoff zur Diskussion. Also nicht überrascht sein, wenn Kommentare, die dies weiter vertiefen, nicht freigeschaltet werden.

    „Mag sein. Dafür müssen wir Männer uns halt mit gefährlicher Körperverletzung, versuchtem Totschlag, Raub auf der Straße usw rumschlagen.
    Also können Männer sich durchaus vorstellen wie es ist total machtlos zu sein.“

    Stimmt. Allerdings gehört das nochmals in einen ganz anderen Kontext, meinst Du nicht auch? Ohne hier jetzt irgendeine Wertung abgeben zu wollen: gefährliche Körperverletzung, versuchter Totschlag, Raub auf der Straße usw. sind auch schlimme Dinge, aber eben nicht dasselbe wie eine Vergewaltigung.
    Da es sich hier aber um einen Text handelt, der sich spezifisch um sexuelle Gewalt dreht, sehe ich keinen Sinn darin, auch noch sämtliche andere Arten von Gewalt zu behandeln. Wenn Du einen Text schreibst, der sich den sicherlich behandelnswerten Problemen „Gewalt unter Männern“ oder „Hilflosigkeitsgefühle bei Raubüberfällen“ widmet, wäre es doch auch etwas seltsam, wenn dann ich daherkomme und mich beklage „Du erwähnst hier nirgendwo das Problem der Vergewaltigungen von Frauen! Damit kehrst Du total unter den Teppich, daß Frauen sich auch mit Gewaltproblemen rumschlagen müssen!!“ Verstehst Du, was ich meine? Das ist doch hier kein Wettbewerb, welchem Geschlecht es schlimmer geht. Von dem her finde ich diese Versuche, die Diskussion an sich zu reißen und auf einen anderen Fokus zu rücken, auch ziemlich taktlos.
    Denn daß sich ein Mädchenblog erstmal auf spezifisch weibliche Themen konzentriert, anstatt spezifisch männliche zu diskutieren, ist ja eigentlich nicht allzu verwunderlich. Impliziert aber nicht, daß automatisch alles andere unwichtig sei. Dem Greenpeace-Blog würde man ja wohl auch nicht vorwerfen, daß sie sich zwar mit Walfang, aber weniger mit dem Elend in Flüchtlingslagern beschäftigen.
    Und wenn Du jetzt einen Text verfaßt, in dem Du eben spezifisch männliche Probleme mit Gewalt thematisierst, dann werd ich Dich nicht davon abhalten wollen. Ich fänd es sogar prima! Nur ist es nicht unbedingt mein Job, und schon gar nicht meine Pflicht, das zu tun. Also los! Engagier Dich! Nicht nur verwendest Du dann Deine Zeit für etwas konstruktiveres und vor allem viel wichtigeres, als den Autor_innen des Mädchenblogs vorzuwerfen, sich nicht mit spezifisch männlichen Problemen zu beschäftigen, Du hast mir gegenüber dabei sogar noch den Vorteil, daß es eher unwahrscheinlich ist, daß ich oder großartig sonst welche Feminist_innen Deinen Blog stürmen und sich darüber beschweren, daß Du in Deinem Text nicht auch noch zusätzlich sexualisierte Gewalt an Frauen thematisierst!

    „was hat das mit hetero oder nicht zu tun???, da hätte ich gerne mal ne Erklärung für was das soll!!“
    Gerne!!
    Leider kenne ich keine diesbezüglichen Studien oder Statistiken (will das daher auch nicht als unumstößlichen Fakt darstellen), habe aber den Eindruck, daß nicht-heterosexuelle Männer öfters Vergewaltigungsopfer von anderen Männern werden, als Hetero-Männer. So nach dem Motto „Dir Schwuchtel gefällt das doch“ etc.
    Wie schon erwähnt, war das ein Zitat eines Freundes, der diesen Aspekt wohl auch deshalb mit erwähnt hat, weil kurz zuvor ein gemeinsamer schwuler Freund (Achtung, nochmal Triggerwarnung!) in einem Bierzelt von ein paar Arschlöchern ins Eck gestellt wurde, die ihn gezwungen haben, ihre Genitalien anzufassen und ihn letztendlich auch noch angepinkelt haben, alles mit der „Begründung“, einer „schwulen Sau“ wie ihm gefalle sowas doch. Ist übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, weshalb Vergewaltigung eigentlich nichts mit Sex zu tun hat, sondern viel eher mit Macht. Hier ging es auch nicht um Triebbefriedigung, sondern um Demütigung und Machtausübung. Nur mal so am Rande.

    „Im Übrigen: In den USA sind die meisten der Vergewaltigungsopfer männlich. Soviel zur „Rape“ Kultur „
    Also da hätte nun ich gerne eine Erklärung, will sagen, irgendeinen Link zu einer Studie oder Statistik, die das belegt (aber bittebitte einer, die auch ernst zu nehmen und auch wirklich repräsentativ ist), denn davon hab ich ganz ehrlich noch nie was gehört.
    Und da Du das Wort schon erwähnt hast: nirgends steht geschrieben, daß der Begriff „Rape Culture“ sich ausschließlich auf weibliche Opfer bezieht. Im Gegenteil, die Rape Culture bringt den männlichen Vergewaltigungsopfern ja offensichtlich genauso Nachteile. Wenn beispielsweise Vergewaltigungswitze in einer Barrunde ein Klima schaffen, in dem sexualisierte Gewalt verharmlost wird, dann wird z. B. ein am Tisch sitzendes männliches Vergewaltigungsopfer sich ja wohl genauso beschissen dabei fühlen wie ein weibliches!
    Kuck, wir Feminist_innen schließen Euch gar nicht so sehr aus, wie Du gedacht hattest. Ist das nicht fein? =)

  12. 12 Lucrezia 08. Februar 2012 um 10:14 Uhr

    Ich frage mich, wie viele Fälle, die zu dieser Quote der „Vortäuschung einer Straftat“ gehören, eher Opfer betreffen, die aus Druck von anderen oder aus Angst vor den Konsequenzen die wahre Aussage nachträglich als Lüge darstellen. Als ich das Delikt durch meinen Professor gemeldet habe, erhielt ich eine schriftliche Aufforderung seiner Verteidigerin, meine Aussagen zu widerrufen. Es gab auch Leute, die mir dazu geraten haben, weil ich aufgrund des Strafverfahrens noch mehr Probleme haben könnte. Auf keinen Fall hätte ich gesagt, dass die Wahrheit eine Lüge ist. Die Personen, die mir am wichtigsten sind, unterstützten diese Entscheidung. Ich kann mir jedoch sehr gut vorstellen, dass einige Opfer unter diesem Druck „zusammenbrechen“ oder denken, dass ein Strafverfahren mehr Konsequenzen nach sich ziehen könnte. In diesem Fall gehen sie lieber zur Polizei und sagen, alles sei gelogen, damit das Verfahren eingestellt wird.

  13. 13 Petra 28. Februar 2012 um 12:27 Uhr

    heftige Story, vor allem wenn es um einen Professor geht. Ich finde eben die Frage der Unterstützung und auf der anderen Seite die Angst vor gesellschaftlichen Druck sind immens. Hier muss man ansetzen.

  14. 14 gerry 28. Juli 2012 um 15:24 Uhr

    der punkt ist einfach dass er/sie klar machen muss dass er/sie es nicht will, wenn das nicht ersichtlich ist, was will man ihm/ihr vorwerfen? man könnte jetzt sagen dass ein mann/eine frau der/die „ehrbare“ absichten hat, nachfragt, aber auch das ist kein unbedingter kausaler zusammenhang. es gibt auch male wo man, ohne böse absicht, einfach übereinander herfällt. bleibt also dass der/die vergewaltigte klar machen muss dass er/sie es nicht will. wie das geschieht ist egal, aber es muss passiere, damit man jemandem vergewaltigung vorwerfen dürfen sollte.

  15. 15 Lily 09. August 2012 um 21:37 Uhr

    nachdem das hier so unkommentiert steht:

    @gerry:
    nein, der punkt ist nicht, dass jemand anderes einfach machen kann, was er will, und ich „Nein“ sagen muss. Der punkt ist, dass, BEVOR ich etwas mache, ich abklären muss, ob der bzw die andere das auch will.
    Nicht das „Nicht-einverstanden-sein“ muss geklärt werden, damit jemand aufhört, sondern das „Einverstanden-sein“ muss geklärt sein, bevor und während mensch weitermacht.

    WIE ich das im einzelnen kläre, ist die andere Frage, die variiert tatsächlich.

    Mal ein krasses Beispiel: würdest du Sex mit einer Person, die bewusstlos ist, als ok einstufen? ich hoffe mal nicht. auch wenn die Person dabei nicht „nein“ sagt, weil sie ja bewusstlos ist.
    Also das Ausbleiben eines Nein allein ist noch keine Einvernehmlichkeit. (übrigens auch juristisch nicht)

    Ansonsten empfehle ich dir, mal etwas zu Konsens und Einvernehmlichkeit zu lesen.

  16. 16 KUroro 21. August 2012 um 5:31 Uhr

    Die USA sind mal wieder Vorbbild wenns ums Thema Vergewaltigung geht.
    Denn, wusstet ihr schon, dass man von „legitimer Vergewaltigung“ nicht schwanger wird? http://2012.talkingpointsmemo.com/2012/08/todd-akin-legitimate-rape.php
    Das sagt zumindest der Senats-Kandidat der Republikaner für Missouri. Der glaubt, dass Frauen körpereigene Verteidigungsmechanismen haben, die Schwangerschaft verhindern bei Vergewaltigung. Was er eigentlich sagen wollte: Vergewaltigung ist keine gültige Ausrede für Abtreibung. Denn wenn das eine echte Vergewaltigung gewesen wäre, wäre die Frau jetzt nicht schwanger. Da weiß man, was man da hat.-.-

  17. 17 Gowan 29. März 2013 um 18:03 Uhr

    @Ein Mann:

    Frauen müssen sich auch mit Raubüberfällen herumschlagen, denk dir nur! Das kommt zu den Vergewaltigungen DAZU!

    Und man hört eher selten davon, dass ein Mann von seinem besten Kumpel ausgeraubt wurde, dafür kommt es aber sehr häufig vor, dass Frauen von ihrem Partner vergewaltigt werden – weil alle um sie herum das okay finden und mit dümmlichen Aussagen wie „Hätte sie halt Nein sagen müssen“, „Hätte sie halt LAUTER Nein sagen müssen“ und „Hätte sie sich gefälligst körperlich wehren müssen!“ ankommen.

    Wenn dir dein bester Kumpel eins über die Rübe haut und sich mit deinem Auto aus dem Staub macht, ist die Gefahr gering, dass der Kerl in deinem Freundeskreis weiterhin beliebt ist und alle dir sagen „Hättest du ihn halt nicht dauernd in deinem tollen Auto mitgenommen, ist doch klar, dass er das dann selber haben will“.

  18. 18 onyx 30. März 2013 um 19:34 Uhr

    @ ein Mann

    Denn wenn eine 40 Jährige einen 13 Jährigen „verführt“ dann ist das „Liebe“, da wird man sogar noch als Täterin zu einer Talkshow eingeladen.

    Da hätte ich gern mal ein Beispiel, wo das so gelaufen ist.

    Dazu kommt noch, dass Jungen oftmals anders mit dem Thema umgehen als Mädchen, und selbst dazu beitragen, dass Jungen und Männer weniger als Opfer wahrgenommen werden. Wie oft hat man schon den Satz gehört „höhö, von der würde ich mich auch gern mal vergewaltigen lassen, höhö!“, wenn die Täterin hübsch war. Das zeigt, dass bei manchen Männern einfach das Bewußtsein für die Schwere einer solchen Tat nicht existent ist.

    @ Lily

    nein, der punkt ist nicht, dass jemand anderes einfach machen kann, was er will, und ich „Nein“ sagen muss. Der punkt ist, dass, BEVOR ich etwas mache, ich abklären muss, ob der bzw die andere das auch will.
    Nicht das „Nicht-einverstanden-sein“ muss geklärt werden, damit jemand aufhört, sondern das „Einverstanden-sein“ muss geklärt sein, bevor und während mensch weitermacht.

    Richtiger und wichtiger Punkt, der aber oft untergeht, da allgemein die Illusion herrscht, Einvernehmlichkeit als gegeben vorauszusetzen. Und da wir in dieser Sozialisation aufwachsen, werden Frauen eben von klein auf mit Vergewaltigungsmythen erzogen.

  19. 19 MGTOW 22. Februar 2015 um 16:48 Uhr

    > wo kommen bloß diese vielen menschen her, die die armen, armen männer vor den bösenbösen lügenden und gewalttätigen frauen beschützen wollen? wie kommt mensch zu so einer verschobenen realitätswahrnehmung? eine frage, die sich mir grade recht oft (auch bei „harmloseren“ themen wie männer*, die sich vom feminismus ausgeschlossen fühlen oder auch einen feminismus für (cis-)männer fordern) stellt, ich versteh das einfach nicht….

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