Big heart

Wer kennt das nicht ? Man kann noch so emanzipiert und selbstbewußt sein, vor Bodylove nur so strotzen und mit sich selbst und seinem Körper im Reinen sein – es löst eben doch nicht alle Probleme. Es mag die eigene Lebensqualität zwar enorm steigern, aber die zwangsläufige Interaktion mit einer eben nicht so emanzipierten Welt erlaubt uns oft nicht, diese gewonnene Lebensqualität so aufrecht zu erhalten, wie wir das eigentlich möchten.
Und gerade Übergewicht, speziell in unserer von starren Schönheitsnormen sozialisierten Gesellschaft, läßt uns immer wieder an Grenzen stoßen, die uns daran erinnern, daß die meisten Leute bei Sexappeal eben doch eher an Heidi Klum und Rihanna denken als an Roseanne Barr und Beth Ditto. Egal, wie intelligent sie auch sein mögen.

Crunktastic stellt das am eigenen Leib fest. Als schwarze, dicke Feministin trifft sie immer wieder auf Situationen wie diese:

Several months ago I was in a bar/lounge type spot, with a group of 7 or 8 homegirls. We ranged in size and skin tone, from short and petite, to tall and lanky, from light-skinned to dark-skinned, from skinny to fat (me being the fat one), and everything in between. The homeboy of one of my homegirls happened to be in the club. Now in many ways, he was my type. Mid-height, stocky, dark-skinned, bald-headed. My girl gave us his vital statistics and it turns out the brother is highly intelligent and very accomplished. He was also a natural flirt. This I discovered, as I watched him at different points during the evening, strike up a conversation and flirt with every single girl in the crew—except me. My homegirl indicated to me at some point that I should make sure to meet him, because she thought we’d have similar interests. Not one to be shy, I did at some point attempt to strike up a conversation. He barely acknowledged me! I mean he literally didn’t look me in the eye, made no real attempt at conversation, and pretty much gave me the brush off. And starting talking to another one of my homegirls!

It was clear to me that he wasn’t really that interested in a serious thing with any of the girls at the bar that night. He was just doing the bar/lounge thing, as was I. But why the cold shoulder, from a brother I’d never met? Why the unique snub reserved for the one fat girl in the crew? I wish I could say that this experience was isolated, but it’s been more the rule rather than the exception for me.

Was tun?
Einerseits schreit da der Stolz: „Wenn ich mich erst mit Diäten etc. anbiedern muß, damit wer mit mir ins Bett geht, kann ich auch getrost darauf verzichten!“ Andererseits: die Libido schreit halt auch!
Abgesehen davon will man ja auch nicht unbedingt ums Verrecken den/die ideale_n Partner_in finden, der/die einen in seiner körperlichen Gesamtheit großartig findet. Manchmal will man auch einfach nur vögeln, sich austoben, Körper erforschen, whatever. Und dann ist es ja auch scheißegal, ob der One Night Stand sich an den einen oder anderen körperlichen Attributen stört, der Sex kann ja trotzdem gut sein.
Nun fallen aber manche körperlichen Attribute von vorneherein mehr auf als andere. Gewicht und Hautfarbe sieht man. Pickel am Hintern, unrasierte Muschi oder andere als unattraktiv geltende Merkmale fallen da nicht so schnell durchs Raster.
Und es geht ja auch nicht immer um Sex.
Klar könnte man auch argumentieren: Wer wirklich verliebt ist, findet diese Person ganz automatisch in ihrer Gesamtheit schön und sexy! Das halte ich auch nicht für falsch, aber auf (gegenseitige) Liebe auf den ersten Blick zu hoffen ist nicht unbedingt erfolgversprechender als der vielzitierte Märchenprinz auf dem weißen Roß.
Oft entwickelt sich erstmal eine Dynamik diffuserer Anziehung, die nicht selten überhaupt erst von Sex Appeal angeschubst wurde. Wer optisch aber von vorneherein aussortiert wird, dem wird diese Dynamik aber schnell verwehrt. Es kommt noch nicht mal zum Flirt – geschweige denn zu irgendwas darüber hinaus.
Denn Sex Appeal hat viel mit spontaner, unbewußter Anziehungskraft zu tun. Mit Überzeugung und Logik nicht ganz so viel. Und wo setzen sich Schönheitsnormen fest, wenn nicht zumindest im Unterbewußtsein?

Ich selbst wiege 15 kg weniger als letzten Sommer (was nicht bewußt durch Diäten oder Sport bewirkt wurde, sondern eher unfreiwillig durch beschissene Lebensumstände).
Ich selbst fand mich zuvor kein bißchen weniger sexy, hatte ich doch auch sexuelle Beziehungen der ein oder anderen Art mit Menschen der allerunterschiedlichsten Gewichtsklassen, auch wenn sie mal doppelt so viel wogen wie ich. Probleme? Hatte ich nicht. Sah ich nicht. Auch nicht um mich herum, in meinem Freundeskreis werden Menschen ja gottseidank nicht wegen Gewicht diskriminiert. Die böse Welt ist halt da draußen irgendwo, dachte ich.
Deswegen hat mich die Reaktion auf meine Gewichtsreduzierung auch ziemlich umgehauen! Während ich am Motzen war, daß mir nix mehr paßt und ich erstmal teuer neue Hosen kaufen gehen muß, hörte ich überall auf einmal doppelt so viele Komplimente wie früher – und alle auf mein Gewicht bezogen. „Du siehst ja soooo gut aus!“, „Was bin ich neidisch!“, „Das paßt viel besser zu Dir, das entspricht auch viel mehr Deinem Typ!“ Andere Kommentare wie „Paß aber auf, daß Du nicht zu viel abnimmst, das kann ja auch schnell passieren“ waren eigenartigerweise wiederum selten.
Wtf? Irritation ist gar kein Ausdruck… abgesehen davon, daß die allerbeschissensten Umstände Grund für den Gewichtsverlust waren (neidisch brauch da echt niemand sein!) und das unfreiwillig geschah, ich gern darauf verzichtet hätte – was sollen das für Komplimente sein? Ich krieg ja eigentlich gern Komplimente, aber in diesen schwang stets eine Beleidigung mit, gewollt oder nicht. Sah ich mit 15 kg mehr etwa weniger gut, weniger sexy aus, daß sich (gerade jetzt) alles mit Komplimenten überschlägt? Das sehe ich eigentlich nicht so! Der Witz ist: der Rest ja auch nicht. Eigentlich.
Man ist ja aufgeklärt, scheißt auf die faschistischen Schönheitsnormen, diskriminiert eigentlich niemanden und ist selbst auch alles andere als „perfekt“ oder hat selbst eine_n Partner_in mit Übergewicht. Es herrscht(e) immer eine Atmosphäre, in der sich jede_r mit dem eigenen Gewicht wohl fühlen konnte und kann.
Und dennoch: jetzt werde ich auf zweifelhafte Art als attraktivER wahrgenommen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt: das „dick=unattraktiv“-Dogma steckt tiefer in uns drin, als wir es selbst wahrhaben wollen, auch wenn wir es kaum nach außen zeigen, es von uns vielleicht gar nicht wahrgenommen wird. Und das mit zwangsläufigen Konsequenzen, gerade für diejenigen, die eher auf der „falschen“ Seite der Skala zu verorten sind.

Crunktastic hat für sich beschlossen, in die unangenehme Offensive zu gehen:

As un-feminist as I’m sure it is, and as much my Sagittarian self wants to say f**k the world and embrace my life of singleness in a blaze of principled feminist big girl glory, the #truestory is that I’m seriously trying to figure out how I can get my J.Hud on. (Well, maybe not to that extreme!) In my thirties, I’m prioritizing self-care and that includes being loved on and getting my groove on. Regularly. And I know for sure that those things are feminist. I also know being thinner won’t guarantee me a date, but I’m willing to bet it’ll improve my chances.

Diese Entscheidung kann ich gut verstehen und respektieren. Vor allem, weil sie klar macht, daß sie das nicht tut, um irgendeinem Ignoranten zu gefallen, sondern weil sie den Wunsch hat, dadurch ihre Lebensqualität zu verbessern und sie es sich wert ist, ihre Libido nicht brach liegen zu lassen.
Aber applaudieren möchte ich nicht. Es mag ein Ausweg sein, für den sich sicher auch jede_r entscheiden soll, wenn er als der individuell für einen richtige empfunden wird.
Als Rollenmodell, gar Lösung, taugt er aber nicht. Trotz allem ist es eben doch ein gewisses Zugeständnis an Normen, die nicht nur die direkt darunter leidenden betreffen, sondern uns alle krank machen.
Zugegebenermaßen bin auch ich selbst nicht vollkommen frei von Schönheitsidealen – aber im Vergleich zu meinem unsicheren Teenagerselbst oder der Mainstreamgesellschaft habe ich doch einigen lookistischen Schrott hinter mir gelassen. Das ging nicht leicht und schnell – aber es war so ungemein lohnend!!
Nicht nur, was die von Feminismus so viel gepriesene Self-Love zum eigenen Körper angeht, die mich mein Leben um vieles positiver leben läßt. Aber auch auf andere hat sich mein Blickwinkel verändert. Erweitert. Denn wenn Gewicht (ganz zu schweigen von den anderen blödsinnigen „Kriterien“) auf einmal kein Maßstab mehr ist, der pro oder contra bestimmt, dann ist die Welt, die wir erfahren, auf einmal von viel, viel mehr Ästhetik, SexAppeal und Faszination erfüllt. DAS ist auch Lebensqualität, ganz fraglos! Die Welt wird „schöner“ – nicht nur, was physisches Erscheinungsbild angeht. Wer sich nicht mehr auf die von der Gesellschaft diktierten „Knackpunkte“ wie Gewicht, reine Haut, Muskeln, blahblah konzentriert, dem fällt nach einer Weile auf, daß die Menschheit eine viel größere Fülle von Sexappeal bietet – Stimmen, Bewegungen, Gerüche, Blicke, Gesten,… die Liste ist unendlich. Man entdeckt auch eher „schräge“ Vorlieben an „Augenzucker“, die man sich zuvor nicht eingestanden hätte, deren Anblick man jetzt aber richtiggehend genießen kann. Und je weniger verklemmt man mit physischen Merkmalen bei sich und anderen umgehen kann, desto mehr Spaß macht der Sex. Hat der ja nicht unwesentlich mit Körpern und dem Genuß derselben zu tun!
Und für diesen Gewinn bin ich dankbar und strebe an, ihn zu vermehren, das ganze auszubauen.

Das täte dem Herrn aus Crunktastics Beispiel (und nicht nur ihm) vielleicht auch ganz gut. Vielleicht hätte er einen Flirt mit dieser Frau ja dann sehr genossen, vielleicht erkannt, daß sie vor Sexappeal nur so strotzt! Und sich nebenbei eine ganz neue Welt erschlossen.
Dieses „Gewichtshindernis“ abzubauen, wäre für ihn wohl ebenso gewinnbringend gewesen wie für sie.
Wenn er eines Tages auf eine dünne Crunktastic trifft und die beiden mordsmäßigen Spaß miteinander haben – prima Sache. Aber vielleicht nicht so prima, wie wenn dies gewichtsunabhängig geschenen wäre.
Nun liegt aber sicher nicht die Verantwortung bei Crunktastic, dick zu bleiben, um ihm (und anderen) zu beweisen, daß Flirt/Beziehung/Sex mit ihr trotzdem großartig wäre und ihn vor seinen beschränkenden Auswahkriterien zu erretten. Vor allem, weil sie dann auch einen ungerechten Preis zu zahlen hätte.
Die Verantwortung liegt viel mehr bei uns allen (ob dick oder dünn oder sonstwas!), weiter um den Abbau dieser Schönheitsvorschriften zu kämpfen. Und zwar nicht, damit die „armen, dicken Opfer auch mal wen abkriegen“. Sondern, damit wir vielleicht eines Tages erkennen, wie unendlich schön die ganze Menschheit in ihrer jeweiligen Individualität ist. Und die Menschen, die wir ganz für uns persönlich als besonders sexy empfinden (würden), nicht mehr durch einen Topmodelfilter in der Chancenlosigkeit verschwinden.

Crunktastics Beitrag gefunden über Mädchenmannschaft.


16 Antworten auf “Big heart”


  1. 1 Skye 18. April 2012 um 21:21 Uhr

    Das trifft sich mit einer interessanten Beobachtung, die ich gemacht habe. Als ich „jünger“ war (Nagut, etwa 18), relativ übergewichtig und vor allem ohne nennenswertes Selbstbewusstsein wurde ich in der örtlichen Dorfdisko enorm oft angemacht. Ich bin wenig später in eine Essstörung gerutscht, habe 25 Kilo abgenommen – zack, ich wurde noch mehr angemacht. Jetzt…Naja, solche Orte besuche ich kaum noch, aber jetzt, 3 Jahre und 40 Kilo später., mit gewaltigem Selbstbewusstsein und gutem Körpergefuhl…Nix. Nicht, dass ich ein Problem hätte, weniger…Avancen von der Dorfjugend zu bekommen. Meine vorsichtige Analyse lautet ja, dass viel mit dem Selbstgefühl zu tun hat, als dem Gewicht, und manche Personen nicht damit umgehen können, wenn eine Frau sagt oder zeigt, was sie will – und vor allem was sie nicht will.

  2. 2 Bäumchen 19. April 2012 um 12:58 Uhr

    Hey Dodo, danke dass du das geschrieben hast. Hab den Post auch schon zuvor gelesen und überlegt, ob ich was längeres dazu schreiben soll. Meine Kritik richtet sich dabei eher (schon wieder) an die linke Szene, die Freiheit vorgibt von sovielen -ismen, wo dann aber doch in den Cliquen üblich ist, Dickenwitze zu machen (oder Kurzenwitze, auch sehr beliebt).
    Ich stecke mitten im gedanklichen Prozess der Wirkung von Selbst- und Außenbild und ich weiß nicht, ob ich jemals zu einem Punkt kommen werde. Für mich reicht das Body-Love/-Acceptance- Konzept nicht aus, da es m.E. individualistisch ist und von den ,,Betroffenen“ zuviel persönliche Energie und Aufwand benötigt, um sich das Selbstbewusstsein anzuarbeiten, das ihnen durch die fehlende Anerkennung schief geraten ist. Wer sich nicht selbst liebt, ist heutzutage quasi ,,selbst Schuld“ und hat nicht genügend Self-Coaching betrieben. Ich glaube, es ist wichtig in dieser Zeit, sich ständig neu erfinden, seine Seele coachen und heilen zu müssen, immer ein ganzes perfektes Selbst zu sein, in sich ruhend, harmonisch. Denn jemand, der nicht in sich ruht, kann eine gewaltige Zerstörungskraft entwickeln. Ich sage das nicht, damit Leute ihre Therapien beenden und Brückenpfeiler zermalmen. Aber ich habe es satt, mir einreden zu müssen, schön zu sein. Ich bin nicht klassisch schön und an manchen Tagen sogar hässlich, wenn es mir nicht gut geht. Und ich will das sein dürfen. Die Anforderung schön zu sein, wird von Menschen gestellt, die nicht wollen, dass irgendetwas aus dem harmonierenden Gesamtbild heraussticht. Zum Beispiel eine Frau, die sich nicht anstrengt, schön zu sein. Zum Beispiel eine Frau, die redet statt zuzuhören und dabei gut auszusehen. Ich halte das für eine Form von Macht, mich den Schönheitsanforderungen zu entziehen, soweit es geht, nichts schönzureden oder mich selbst zu belügen. Genauso wie ich es als Macht empfinde, wenn Menschen sich als schön empfinden und das ausstrahlen. (Antje Schrupp hat dazumal was geschrieben, das nmlich beides eine Form von Macht ist: bewusst hässlich zu sein oder bewusst Wert auf sein Äußeres zu legen). Für mich ist der Gedankengang nicht erträglich, soviel Arbeit auf mein Äußeres zu verwenden, damit Menschen sich auch sexuell für mich interessieren; ich könnte den Austausch mit ihnen nicht schätzen. Dennoch respektiere ich Menschen, die so einen Weg für sich wählen, um Liebe und Anerkennung zu bekommen, ich finde keinen Weg ,,besser“ oder ,gesünder“; schließlich muss ich dann auch mit der Tatsache leben, weit weniger für einen Flirt interessant zu sein als andere in meiner Umgebung. Subjektive Wahrnehmung mag konstruiert sein, aber dennoch können wir keinem Menschen vorwerfen, dass er oder sie nur die oder jenes attraktiv findet; Attraktivität entzieht sich in vielen Dingen logischer Argumentation. Wie du sagst, kann man neue Wege versuchen aufzuzeigen, neue Formen von Schönheit erschließen, ,,Inseln einer neuen Wahrnehmung“ schaffen und dafür auch von anderen respektiert, geschätzt, geliebt werden. Aber ob es dann ,,erfolgreich“ in dem Sinne wird, dass mensch öfters mal jemanden zum Kuscheln, Liebhaben oder auch für die Nacht findet, ist fraglich.
    Ich will nichts verschleiern. Nur weil etwas konstruiert ist, bedeutet es nicht, dass es nicht real ist. Die Konsequenzen des Schönheitswahns sind sehr real für mich. Ich sehe immernoch den Kapitalismus als Verursacher dieser Überschwemmung an Schönheitsbildern, die unrealistisch und in jeder Hinsicht problematisch sind. Für mich persönlich gibt es also einen Angriffspunkt, wo ich die in mir entwickelte Zerstörungskraft freisetzen kann, die sich sonst gegen mich selbst richten würde. Ich wäre gespannt zu erfahren, wie andere Menschen damit umgehen.

  3. 3 Krinsch 20. April 2012 um 11:41 Uhr

    Danke, Bäumchen, für deine Ausführungen… ich habe vorher noch nicht darüber nachgedacht, dass sich selber zu akzeptieren, wie man ist, nicht bedeuten muss, sich auch gleich schön zu finden, sondern eben einfach zu akzeptieren.
    Auch ich bin in einem ständigen Kampf darum, zu versuchen, sich gegen die von der Gesellschaft vorgegebenen Schönheitsideale zu stellen und gleichzeitig dem Wunsch ausgesetzt zu sein, von anderen als sexy empfunden zu werden. Zu einem Schluss bin ich noch nicht gekommen. Ich schwanke ständig zwischen „Ich scheiss einfach drauf und mach mein Ding.“ und „Vielleicht nehm ich ja doch mal ab.“
    Da ich nicht sehe, dass sich irgendwo etwas ändert, was das Schönheitsideal und den Lookismus angeht, denke ich, dass das ein immerwährender Konflikt sein wird und ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll…

  4. 4 farnpflanze 20. April 2012 um 22:01 Uhr

    Erstmal vielen Dank liebe_r Dodo für den sehr langen, sehr tollen Artikel.
    Meine (normalgewichtiger Cismann mit einer Vorliebe für dicke Frauen) Erfahrung ist, dass einen überraschend häufig überraschend deutlich überraschend viele Menschen abstrafen, wenn man mit dicken Frauen flirtet, tanzt oder schläft.
    Nur als kleine Ergänzung. Das wurde oben nicht angesprochen, ist aber auch eine Baustelle, um die Diskriminierung dicker Menschen zu beenden.

  5. 5 Männlich 21. April 2012 um 11:53 Uhr

    hey dodo,
    hab ich das richtig verstanden, mit „zwangsläufige Interaktion mit einer eben nicht so emanzipierten Welt“ meinst du in dem bsp. (1.zitat) dass sich eben die betroffene person durch ne diät anbiedern müsste?
    (wenn ja: wieso gehört für dich der mann der die frau wg. entspr. körperl. attributen ablehnt zur „nicht so emanzipierten Welt“ ?

    Grüße.

  6. 6 dodo 21. April 2012 um 14:59 Uhr

    Nein, ich meinte, daß man bei noch so großer Emanzipation etc. trotzdem nicht drumrum kommt, in einer von Schönheitsnormen stark beeinflußten Welt zu agieren.
    Den Mann aus Crunktastics Beispiel kenne ich ja nun nicht wirklich, kann also natürlich nicht beurteilen, ob er jetzt mehr oder weniger „emanzipiert“ ist. Sollte er aber sonst halt wirklich gern mit so ziemlich allen erstmal aus Spaß an der Freude flirten und trotzdem dicke Frauen automatisch und von vorne herein lediglich wegen ihres Gewichts durchs Raster fallen lassen, würde ich das tatsächlich nicht unbedingt als sehr emanzipiert bezeichnen.

  7. 7 zaungaestin 22. April 2012 um 1:43 Uhr

    Der Artikel spricht mir aus dem Herzen.
    Anfang des Jahres habe ich beschlossen abzunehmen, inzwischen 7 Kilo. Und zwar wirklich ganz einfach aus dem Grund, dass ich nicht mehr unsichtbar sein möchte, ich möchte wissen wie das ist, wenn man nicht von Anfang an übersehen wird, weil man übergewichtig ist.

    Ich wäre wirklich gern unempfindlich den Erwartungen der Gesellschaft gegenüber, aber ich bin es leider nicht.

  8. 8 n. 24. April 2012 um 21:06 Uhr

    Danke dodo, danke Bäumchen!

  9. 9 bärbel 03. Mai 2012 um 8:56 Uhr

    leider hinterlässt der artikel und die kommentare bei mir den eindruck, dass es keine handlungsmöglichkeiten in dieser gesellschaft gibt, als sich der norm anzupassen oder sich mit der miesen situation abzufinden. kann sein, dass ich das zu negativ sehe. fände es aber echt furchtbar toll, wenn es doch ein paar andere alternativen gäbe… fällt euch was ein?

  10. 10 Oro 05. Mai 2012 um 11:29 Uhr

    Mich würde ja mal gern interessieren in welchen Kategorien ihr als Feministinnen dann Germanys Next Top Model und ihre Teilnehmerinnen bewertet. Sind die Mädels da nicht grade dieser Typ Mensch, die diese Ideologie von weniger Gewicht = Mehr Wert hinaus tragen ?

    Und mal eine Frage generell an euch Mädels, habt ihr es schonmal erlebt, dass wenn eine Freundin von euch einen sichtlich übergewichtigen Kerl hatte, das nicht auch in Gesprächen unter euch negativ reflektiert wurde? Klischees behaupten ja, dass euer gender gerne viel über die lebenspartner von untereinander bereden :D

    Ich hab als Kerl jedenfalls nicht nur einmal die Erfahrung gemacht, dass wenn man eine übergewichtige Partnerin hat, darüber unter den Jungs aus der Clique immer mind. 2,3 helle Typen dabei sind, die das negativ bemerken oder das sogar als Instrument nehmen Interpretationen über einen selbst anstellen zu müssen (z.b. bist du zu feige ein „hübsches“ mädchen anzusprechen , hast du irgendwelche obskuren fetische etc.). Find ich echt zum kotzen.

    Allerdings behaupte ich auch, dass die Medien uns als Teenies grade zu zu dieser Ideologie zu züchten. Ich hab zumindest noch nie von übergewichten Next Top Model oder Next superstar Spinnern gehört oder „fette“ Teens in der bravo abgelichtet gesehen.
    Da steckt ernormer Druck dahinter uns werdenden Menschen das schön zu finden was der Mainstream auch so sieht. Und das führt noch zudem bei vielen Teens dazu ihren Partner als eine Art Statussymbol zu sehn – je geiler mein Freund/in, desto angesater bin ich quasi. Das ist meiner Meinung nach auch ein Gedanke, der in vielen Geistern sich eingenistet hat.
    Von Hauptschülern den ich Nachhilfe Unterricht gegeben habe, habe ich sogar mehrmals den Satz gehört, och der Typ sieht aber so gut in seinen ‚Marken‘klamotten aus. Also es wird noch immer extremer ^^

  11. 11 Damenwahl 15. Juni 2012 um 10:07 Uhr

    „Dick = unattraktiv“-Dogma? Darf Mann/Frau nicht mehr selbst entscheiden, wen man attraktiv findet und wen nicht? Ein mancher steht vielleicht wirklich auf Hungerhaken á la Kate Moss, ein anderer findet Kugelbäuche á la Dirk Bach vielleicht ungemein anziehend. Man kann „der Gesellschaft“ ja an vielem die Schuld geben, aber wen ich attraktiv finde und wen nicht, da kann „die Gesellschaft“ herzlich wenig für.

    Abgesehen von der Attraktivität ist Übergewicht aber natürlich vor allem ein medizinisches Problem (erhöhtes Herzinfarktrisiko, etc).

  12. 12 Alex 08. Januar 2013 um 14:28 Uhr

    Moin!

    Ich mag den Artikel, auch wenn ich nicht weiß, warum und wie Schönheitsideale über Menschen „faschistisch“ sein können, denn das ginge maximal bei Architektur und da auch nur als Motivation hinter der Gestaltung.
    Daß Du deine Einstellung zum eigenen und zum Gewicht anderer überdacht hast, finde ich toll. Das kostet mit Sicherheit viel Kraft und Überzeug – mir selbst fällt das sehr schwer, ich habe es nicht geschafft.
    Jedoch auf „reine Haut“ nicht zu achten, ist nicht so einfach. Eine reine Haut signalisiert Gesundheit, da sich Krankheiten oft in der Haut niederschlagen, auch wenn sie nicht direkt dort stattfinden. Es war und ist also ein Signal für Fortpflanzungswillige dafür, ob der/die anvisierte PartnerIn gesund ist oder eher nicht. Es ist tief in unserem Verhalten verwurzelt und hat gegenüber anderen, oberflächlichen Schönheitsidealen auch einen realen, biologischen Hintergerund. Es wird sich nicht einfach wegdenken lassen.

    Grüße
    Alex

  13. 13 Herr* Dummkopp 09. Januar 2013 um 3:01 Uhr

    „Es war und ist also ein Signal für Fortpflanzungswillige dafür, ob[…]“

    Dein Kommentar erscheint mir, von Mitte bis Ende als – gelinde gesagt – biologistischer Unsinn. Nur wie soll ich das erklären? Kann mir jemand helfen?

    1. Nein, reine Haut signalisiert nicht automatisch Gesundheit. Ich glaube, das tut sie nicht einmal unterbewusst. Oder kommen uns Sommersprossen, Muttermale, epilierte/rasierte Körperteile (vgl. Haarausfall), Tätowierungen kränklich vor?

    2. Signal ist ein Wort, das hier sehr stark von subjektiv menschlicher Perspektive geprägt ist. Wer oder was signalisiert denn hier? Die Natur? Hat die ein Bewusstsein? Der Mensch? Tut er das mit Absicht? Sprich lieber von „Hinweis“ oder „Anzeichen“, doch selbst dann widerspreche ich deiner Aussage (siehe Punkt 1.).

    3. Ach, ich habe schon keine Lust mehr das weiter aufzudröseln.

  14. 14 Alex 11. Januar 2013 um 12:28 Uhr

    „3. Ach, ich habe schon keine Lust mehr das weiter aufzudröseln. “

    … ich auch nicht. Stimmen wir eben nicht überein.

    Alex

  1. 1 Schöner Artikel – Das undogmatische Anarchoblog 2.0 Pingback am 22. April 2012 um 5:03 Uhr
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