Archiv für Mai 2012

#ichhabnichtangezeigt

Noch bis zum 15. Juni sammelt die Kampagne #ichhabnichtangezeigt (Triggerwarnung) Statements von Opfern von Vergewaltigung und sexueller Nötigung darüber, warum sie nicht angezeigt haben. Die gesammelten Posts sollen danach Staatsanwaltschaft und Polizei übergeben werden.

Alltagsantworten auf sexistische Sprüche

Drei Menschen, die keine Lust auf sexistische Sprüche haben, haben sich schlagfertige Antworten ausgedacht. Die gibt es als kleine Kärtchen zum Verteilen.
Alltagsalternativen
(auch bei Facebook) informieren über Sexismus und stellen die Sprüchekärtchen runterladen bereit.
ich als mensch (auch bei Facebook)

Sexismuskritisches power sharing und empowerment 15.-17.6.2012

Mein Raum ist dein Raum ist unser Raum?!

Sexismuskritisches power sharing und empowerment
15.-17.6.2012

All-gender Räume, die sich als sexismuskritisch verstehen, werden oft ihren Ansprüchen nicht gerecht. Zu deutlich sind verschiedene männliche Privilegierungen spürbar. Auch wenn dies nicht gewollt ist, erscheinen männliche Privilegien unangreifbar. Dies löst Schweigen, Wut und Ohnmacht aus. In der Folge verschiebt das den Fokus sexismuskritischer Arbeit und stellt diese manchmal vor scheinbar unlösbare Herausforderungen. Queer_feministisches empowerment für Menschen, die von Sexismus betroffen sind*waren, wird dabei eingeschränkt. Power sharing als Hinterfragung männlicher Dominanz erscheint nur verschwommen am Horizont.

In diesem Seminar wollten wir uns dem Spannungsfeld von empowerment und power sharing annähern und zu Möglichkeiten und Grenzen von all-gender Räumen arbeiten. Deshalb wird es gemeinsame und getrennte Arbeits- und Entspannungsphasen geben, in denen uns eine achtsame und offene Atmosphäre und Umgang miteinander wichtig sind. In der Frauen_Lesben_Trans*-Kleingruppe wollen wir uns mit unseren Erfahrungen mit Sexismus/Heterosexismus beschäftigen und gemeinsam stärkende Möglichkeiten entwickeln, um aus Ohnmachtsgefühlen/
-situationen auszubrechen. Die Kleingruppe der männlich Privilegierten wird nicht abstrakt, sondern möglichst konkret an den ›eigenen‹
Privilegierungen sowie Denk-, Gefühls- und Handlungsmustern arbeiten, die sexismuskritischer Verbündetenarbeit im Weg stehen.

Nebenher soll es aber auch Raum für Entspannung und Zeit für uns geben. Das große und ruhige Gelände liegt fast direkt an einem Badestrand (Havel) und ist rundherum von Wald umgeben. Das große Seminarhaus werden wir aller Voraussicht nach für uns haben.

Wir wünschen uns für die den Zeitraum des Seminars eine feste Gruppe. beginn ist am Freitag um 14h und ende am Sonntag um 16h. Bitte versucht euch so zu organisieren das ihr auch wirklich die Zeit dafür habt.

Kosten: Wir werden von der Naturfreunde Jugend Berlin finanziert, weshalb es lediglich eine einmalige Eigenbeteiligung von 15 Euro gibt, die im Bedarfsall aber auch kein muss ist.

Das Seminar findet ganz im norden Berlins in Heiligensee statt.
http://www.zev-berlin.de/cms/cms/front_content.php?idcat=6
http://www.zev-berlin.de/cms/cms/upload/pdf/luft_gelaende.pdf

Mehr Infos und Anmeldung unter: unser_raum@gmx.de
Bitte schreibt in ein paar Sätzen in welcher Kleingruppe ihr euch
verorten und arbeiten wollt. Wir freuen uns auf euch!

austragen: mail an antisexistische-praxen-unsubscribe@lists.so36.net

Sexuelle Belästigung – in Frankreich gerade straffrei

Wer momentan in Frankreich sexuell belästigt wird, hat jetzt keine rechtlichen Mittel mehr, dies so anzuzeigen:

Das französische Verfassungsgericht (Conseil constitutionnel, Verfassungsrat) hat am Freitag das 1992 erlassene Gesetz gegen sexuelle Belästigung als verfassungswidrig aufgehoben. Als Begründung für die Entscheidung, die von französischen Frauenrechtsgruppen teils heftig kritisiert wurde, nannten die neun RichterInnen („neun Weisen“, darunter zwei Frauen) die Unschärfe des Gesetzestextes.

Zwar will Hollande nun so schnell wie möglich eine neue, verbesserte Gesetzeslage schaffen, doch bis dahin wären die Täter_innen straffrei.

Die Aufhebung bedeutet, dass alle nach dem Gesetz anhängigen Verfahren eingestellt werden müssen und nicht vor Erlass neuer Rechtsvorschriften fortgesetzt werden können. Die neue Nationalversammlung, die die Gesetzestexte ausarbeitet, wird erst im Juni gewählt. Es wird mit Monaten ohne entsprechendes Gesetz gerechnet.

Das so geschaffene rechtliche Vakuum bringt die Feministinnen im Land auf die Barrikaden. Vor dem Verfassungsgericht fanden sich nach einem Aufruf am Samstag spontan rund 200 DemonstrantInnen ein. „Die Botschaft der Straffreiheit für Belästiger ist abstoßend“, formulierten sie in einem Statement. Von einer „skandalösen“ Entscheidung und einem „historischen Rückschritt“ für die Frauenrechte war die Rede. Kritisiert wurde vor allem, dass die Opfer von der Justiz allein gelassen würden.

Hamlet, nicht Ophelia

Interview mit Oksana Sabuschko, ukrainische Feministin und Autorin, über Femen, Escortservice und Postkolonialismus.

Fuck Gender, versiòn argentina

Auch wenn das Ganze noch ausbaufähig wäre: in Argentinien scheinen ein paar Leute begriffen haben, wie unnötig dieser ganze Mann-Frau-Geschlechterzirkus meist ist. Daher sollen künftig alle ihr eigenes Geschlecht bestimmen können!

In Argentinien darf künftig jede und jeder selbst das eigene Geschlecht bestimmen – ganz ohne Hormonbehandlung oder Chirurgie. Es ist ein weltweit einmaliges Gesetz.


Bemerkenswert finde ich auch folgendes:

Am Mittwochabend votierte der Senat mit 55 Stimmen dafür, 17 SenatorInnen enthielten sich, Gegenstimmen gab es keine. Da das Abgeordnetenhaus bereits vergangenen November zugestimmt hatte, brandete vor dem Kongress der Jubel auf.

Zwar ließe sich anmerken, daß die Bezeichnung an sich irrelevant ist und somit unnötig, aber immerhin würden in Argentinien Gendergrenzen in einem Maß gesprengt, wie es hier kaum vorstellbar ist.
Denn während in Deutschland die Behörden schon den Untergang des Abendlandes prophezeien, wenn ein Kind lieber Mädel statt Kerl sein will, soll es dort noch ganz andere Möglichkeiten geben:

Minderjährigen garantiert das Gesetz ebenfalls die freie Geschlechterwahl. Sollten Eltern oder andere Erziehungsberechtigten die notwendige Zustimmung verweigern, kann die minderjährige Person einen sogenannten Kinderanwalt anrufen. Zudem wurden die öffentlichen und privaten Krankenversicherungen zur Kostenübernahme von geschlechtsverändernden Behandlungen und Eingriffen verpflichtet. Damit werden auch hier jahrelange Wartezeiten und bisher notwendige richterliche Genehmigungen abgeschafft.

Inwieweit dieses Gesetz in der Praxis dann für einzelne funktioniert, wird sich zeigen.
Dennoch: davon könnte man sich hierzulande eine dicke fette Scheibe abschneiden. Sieht man auch ganz gut an den Kommentaren zum taz-Artikel – es gibt noch massig zu tun!