Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen

LesMigraS hat erste Ergebnisse der bisher umfangreichsten Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen von lesbischen/bisexuellen Frauen und Trans* vorgestellt. Aus der Pressemitteilung:

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die relativ hohe Wahrnehmung an Diskriminierungen in den Bereichen Bildung und Arbeit. Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, mindestens einmal am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein. Weiterhin geben 72,6% der Studienteilnehmer_innen an, dass ihre Leistungen im Bildungsbereich aufgrund ihrer lesbischen/bisexuellen Lebensweise vergleichsweise schlechter bewertet wurden. „Die überwältigende Mehrheit hält es nach wie vor für notwendig, dass im Bildungsbereich mehr über vielfältige sexuelle Lebenseinen Auszugweisen aufgeklärt werden sollte“ sagte Saideh Saadat-Lendle, Projektleiterin von LesMigraS.

Interessant sind auch die Ergebnisse, die bezüglich Diskriminierungen im Bereich Ämter und Behörden sowie im Gesundheitswesen gemacht wurden. So geben mehr als ein Viertel der Studienteilnehmer_innen an, dass sich ihre lesbische oder bisexuelle Lebensweise negativ auf ihre Chancen auswirkt, von der Polizei geschützt zu werden. Des Weiteren haben etwa 20% respektlose Behandlung durch medizinisches Fachpersonal erfahren.

Eine relativ hohe Anzahl der Befragten hat den Bereich des Fragebogens ausgefüllt, der sich ausdrücklich an Trans* richtete. Die bisherige Auswertung zeigt hier, dass vornehmlich Diskriminierungserfahrungen bei Ärzt_innen und Ämtern gemacht wurden und damit strukturelle Diskriminierung deutlich wahrgenommen wird.

einen Auszug
Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist unter anderem auch die Erkenntnis, dass die scheinbare Nichtübereinstimmung des Ausdrucks einer Person (Kleidung, Gestik etc.) mit der gesellschaftlichen Vorstellung einer Frau oder eines Mannes in vielen Fällen als problematisch erfahren wird. „Diskriminierungen und Gewalt aufgrund von Abweichungen von normativen männlichen oder weiblichen Geschlechterrollen stellen uns weiterhin vor Herausforderungen, mit denen wir uns in der Beratungsarbeit konfrontiert sehen“, so Claudia Apfelbacher, Geschäftsführerin der Lesbenberatung Berlin. Auch Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sieht darin eine der zentralen Herausforderungen.

„Es ist die vermeintliche gesellschaftliche Vorstellung von Norm oder Normalität, die viele Menschen ausgrenzt“, sagte Lüders. Sexismus und Rassismus gehörten dabei zu den nach wie vor stärksten Ausgrenzungsmechanismen.

Sehr aufschlussreich sind auch erste Ergebnisse zum Thema Mehrfachdiskriminierung. Von denjenigen Teilnehmer_innen, die mehrfachzugehörig sind, geben 78,2% an, aufgrund von Mehrfachzugehörigkeiten in der Öffentlichkeit mindestens einmal diskriminiert worden zu sein. Mehr als die Hälfte von ihnen empfindet es als schwer, sich zu wehren, weil oft unklar ist, um welche Art der Diskriminierung es sich jeweils handelt, beispielsweise durch eine Beschimpfung wie „Sprich gefälligst Deutsch, du scheiß Lesbe“.


1 Antwort auf “Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen”


  1. 1 Fachtagung „… nicht so greifbar und doch real“ « mädchenblog Pingback am 17. September 2012 um 10:43 Uhr

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