photoshop-girls im visier

Seit heute läuft im Netz die „Keep it real Challenge“: mittels Twitter-Botschaften (#KeepItReal), Blogbeiträgen und Instagram-Bildern sollen – bisher vor allem US-amerikanische – (Mädchen- und Frauen-)Magazine massiv dazu aufgefordert werden, pro Ausgabe mindestens ein digital unbearbeitetes Foto abzudrucken, um die auf gefakten Bildern basierenden Schönheitsideale und den daraus resultierenden Druck auf junge Mädchen (und andere) etwas einzudämmen. Unterstützt werden soll damit auch die entsprechende Petition der 14-jährigen Julia Bluhm, „Give Girls Images of Real Girls!“.

Laut der KeepItReal-Kampagne haben 80 Prozent aller 10-jährigen Mädchen in den USA bereits mit Diäten experimentiert. Vanesa von Feministing kommentiert dazu:

The industry’s message that cis, white, thin and able-bodied women continue to be the “ideal” is a direct contribution to the dissolution of girls’ and women’s self worth, and it can’t be ignored anymore. And they hold the power to change it, but we need to hold them to it.

Bei den Photoshop-Techniken geht es nicht nur darum, die Models noch dünner, ihre Brüste noch runder und ihre Haut noch reiner darzustellen, sondern die vermeintliche Attraktivität wird auch durch („natürliches“ oder gephotoshoptes) Weißsein dargestellt. Das Video von dem Projekt Sisters Action Media stellt hier die Bildersprache des „Seventeen Magazine“ in Frage, welches sich selbst darauf beruft, „reale, authentische“ Mädchen und Diversity abzubilden:


9 Antworten auf “photoshop-girls im visier”


  1. 1 molassesinyourveins. 28. Juni 2012 um 23:56 Uhr

    ich muss sagen, dass ich das ganze für zu kurz gegriffen halte. photoshop allein ist nicht das problem. ich verstehe natürlich den feministischen ansatz: frauen* werden durch das in den medien präsentierte frauenbild definitiv unter druck gesetzt – aber: photoshop bearbeitet doch eigentlich immer nur menschen, die sowieso schon in den gesellschaftlichen standard von ’schön‘ passen. wenn ich die gephotoshoppten bilder von frauen in der glamour sehe, dann weiß ich: ja, es ist photoshop, aber sie passt sowieso schon ins gesellschaftliche schönheitsideal und wird durch photoshop nur noch mehr normiert. die präsentierten frauen sind ohnehin schon schlank, groß, able-bodied, haben reine haut und sind meist weiß. women of color (vor allem wenn sie offensichtlich nicht weiß sind), körperlich ergo sichtbar behinderte frauen, dicke frauen finden sich überhaupt nicht repräsentiert. – auch ohne photoshop würde immer noch ein gesellschaftliches schönheitsideal aufoktroyiert werden. uuund weitergehend: was ist denn mit der objektifizierung von frauen? die lässt sich doch auch nicht einfach mal lösen, in dem mensch fotos von frauen nicht mehr bearbeitet. frauen werden als objekte genutzt, um zu verkaufen – das würde sich auch ohne photoshop nicht ändern.

    tl;dr: photoshop abschaffen ist nicht die ultimative lösung.

  2. 2 pia 29. Juni 2012 um 8:47 Uhr

    du hast vollkommen recht, dass das nicht ausrecht und dass die schönheitsnormen viel, viel tiefer gehen. danke für deinen kommentar!

  3. 3 imion 29. Juni 2012 um 14:56 Uhr

    Wie kann eine Werbung oder ein Bild druck ausüben? Wird druck als mich auf Mann ausgeübt, wenn ich den Film Thor schaue? nein. Mädchen kleiden sich so, weil sie es möchten, nicht weil druck auf sie ausgeübt wird.

  4. 4 Vivien 30. Juni 2012 um 20:35 Uhr

    Die Frage wirkt auf mich sehr naiv. Werbung und jede andere Form der Bildproduktion prägt natürlich unsere Vorstellung davon, was in einer Gesellschaft angemessen oder erwünscht ist und was nicht. Das kannst dann gerne ‚Druck ausüben‘ genannt werden. Dass menschliche Darstellungen Effekte haben lässt sich jedenfalls nicht abstreiten.

    Um das bei sich selbst festzustelln, muss man keinen Kinofilm sehen, es reicht, in den Spiegel zu schauen und sich zu fragen, warum man sich wohl so kleidet/sich rasiert/sich frisiert (oder nicht…) wie man es macht. Wer da Bildern oder Vorbildern nicht einmal im geringsten nacheifert, kommt vielleicht tatsächlich vom Mars…

  5. 5 imion 02. Juli 2012 um 12:08 Uhr

    @vivien
    Nein, Werbung prägt nichts, im gegenteil, Werbung möchte bedürfnisse wecken, also etwas, was ohnehin schon da ist. So wird das Schönheitsideal eben nicht von der Werbung geprägt, denn das dort zu sehende, insbesondere von den Modells, ist definitiv nicht das, was der Mainstream hat.

    Ich rasiere mich, kleide micht, weil ich es so möchte, nicht weil eine Werbung es mir Zeigt, und natürlich wird nachgeeifert, aber nur das, was man selbst ohnehin als gut empfindet, es ist also nur ein Ideengeber. Es ist kein Zwang, kein druck, nichts.

    Natürlich muss man dieser Entscheidung dann leben können, und hier sehe ich das hauptproblem, das einigen Menschen das selbstbewusstsein fehlt, so zu leben, wie sie es gerne möchte. Dieses Problem lässt sich aber nicht dadurch beheben, das eine Minderheit der Mehrheit vorschreibt, wie sie zu leben haben oder was für ein Schönheitsideal die Mehrheit zu befolgen hat, nur damit sie sich selbst wohl fühlen, das ist blanker egoismus. Nein, diese Menschen müssen lernen, müssen so viel Selbstbewusstsein erlangen, das sie mit ihren Individuell getroffenen Entscheidungen leben und es vor anderen vertreten können. Dafür gibt es kurse.

  6. 6 Ianeira 02. Juli 2012 um 16:30 Uhr

    @imion:

    Ich verstehe was du meinst, aber die Mädchenzeitschriften sind mit Kinofilmen nicht zu vergleichen. Nirgends in Thor wurde gesagt, dass jeder so aussehehn sollte wie er. Aber die Bravo-Girl z.B. schrieb einmal, dass Mädchen keinen bunten Nagellack benutzen sollten, weil Jungs das tussihaft finden. Zwei Sätze später wird der Zielgruppe der 12-16 Jährigen empfohlen High Heels und enge Jeans zu tragen.
    Natürlich wäre es schön, wenn die Mädchen in dem Alter selbstbewusst genug wären, einfach das zu tun, was sie für richtig halten. Aber die Pubertät ist eine Selbstfindungsphase die vor Unsicherheit nur so strotzt. Daher legen viele Mädchen unglaublich viel Wert auf diese verantwortungslosen Zeitschriften.
    Ich habe in dem Alter viele Animes und Mangas konsumiert und meinte darum, nur in Miniröcken oder Hotpants feminim sein zu können. Nur um nochmal auf die Beeinflussbarkeit zurück zu kommen.
    Du schreibtst du bist ein Mann, also kein Teenager. Denk mal an die Zeit zurück und überlege, wir selbstsicher du warst und was du so alles kopiert hast, weil du dachstest so müsste man sein.

  7. 7 imion 03. Juli 2012 um 15:21 Uhr

    @ianeira
    Ja natürlich haben auch wir kopiert, aber das ging von uns aus, wir standen dazu und wir stehen immer noch dazu (wir jungs, jedenfalls, dich ich kenne) und sagen nicht, das das ein zwang war oder ist. Ich habe immer das gefühl, das mit dem „ich wurde gezwungen, der druck ist so hoch“ eine… hmmmm…. „Ausrede“ gesucht wird, um vor anderen keine Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu müssen. Damit ist es dann einfacher, hmmm „Flatterhaft“ zu sein, es macht alles wesentlich leichter, wenn man keien Verantwortung übernehmen muss.

  8. 8 Kameradist Wagner 28. August 2012 um 11:11 Uhr

    Ich glaube, die nachträgliche Verfälschung der Realität ist ein breites Problem in der Fotografie, breiter als die wichtige Frage, ob Zeitschriften ein falsches Schönheitsideal von Frauen verbreiten.
    Hier habe ich das versucht zum Ausdruck zu bringen: http://www.kameradist-wagner.de/formen-und-linien/

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Die Photoshopisierung von Frauen und Asiatinnen-Klischees im Feuilleton – die Blogschau Pingback am 30. Juni 2012 um 12:00 Uhr

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