Archiv für Oktober 2012

Gruselmaskulisten in Büchern

„Die Werbung“ von Ruth Rendell – ein an und für sich belangloser Krimi/Psycho/Unterhaltungsroman über einen Exfreund, der nicht kapieren will, daß es vorbei ist. Noch nicht mal, als die Begehrte bereits mit einem andern verlobt ist. Stattdessen bildet er sich ein, die Liebe zwischen ihm und seiner Ex sei nach wie vor ungebrochen und überhaupt glaubt er an eine Verschwörung in ihrer Familie gegen ihn. Also stalkt er fröhlich vor sich hin usw.
Aber was diese gruslige Hauptfigur auf eine zähneknirschende Weise interessant macht, das sind ihre http://www.flickr.com/photos/glans/2449390199/Gedankengänge, ihr Frauenbild. Die ähneln nämlich verflixt dem, was in so manchem Maskulisten- /Biologistenkopf so vor sich geht. Und auch noch so tyisch! So oft kann man gar nicht Bingo rufen…

Er hatte Rachel gleich am Anfang als Bedrohung erkannt und war dagegen gewesen, daß seine Freundin mit ihr Umgang hatte. Mädchen sollten unbeschwert und leichtsinnig, manchmal auch ein bißchen albern sein, verrückt aufs Einkaufen, auf Kleider und Parfums versessen, sich in jedem Spiegel begucken, sollten es gern haben, wenn Männer sie anstarrten und ihnen nachpfiffen. Sie sollten eitel und launisch und eine Spur gehässig gegenüber anderen Frauen sein. Rachel dagegen war Feministin. Sie trug nie Make-Up. Sie aß, was ihr schmeckte, und wurde fett. Sie pflegte zu sagen, daß ihr die Gesellschaft von Frauen lieber als die von Männern sei. Sie redete hochgestochen und für ihn oft unverständlich daher. Die Hälfte der Zeit wußte er buchstäblich nicht, worüber sie sich ausließ.

S. 66, Ruth Rendell: Die Werbung, Goldmann 1993

Aufbruch und Wegbegleitung

Auf der Seite unterstuetzer_inneninfo finden sich die beiden neuen Hefte „Aufbruch – Informationen für Betroffene von sexualisierter Gewalt“ und „Wegbegleitung – Informationen zur Unterstützung von Betroffenen von sexualisierter Gewalt“ kostenfrei zum downloaden.

Wolverette #5 ist draußen

Wolverette Zine Issue #5

Die fünfte Ausgabe des Wolverette Grrrlzines ist nun endlich available. Thematisiert werden Eßstörungen.

Perspektiven der Selbsthilfe

die wildwasser selbsthilfe lädt ein zum austausch

2.-4. November 2012, in der werkstatt der kulturen

Perspektiven

Austausch und Vernetzung politischer Selbsthilfe gegen Gewalt

30 Jahre Wildwasser Selbsthilfe Berlin

drei tage lang wollen wir mit euch erfahrungen austauschen und wissen erweitern. das veranstaltungsprogramm bietet euch die möglichkeit für theoretischen input und aktive teilnahme. in podiumsdiskussionen, workshops und an offenen thementischen habt ihr raum für eigene fragen und austausch mit den referent_innen.

eingeladen haben wir dazu unter anderem clare shaw (uk) und projekte wie agisra (köln), aguas bravas (nicaragua), ak mob (berlin), tauwetter (berlin). alle verbindet, dass ihre erfahrungen als betroffene von gewalt und diskriminierung sowie als politische aktivist_innen grundlegend für ihre arbeit sind.

aus verschiedenen perspektiven wollen wir aufzeigen wie wichtig es ist, dass die deutungshoheit über diese themen auf der seite der betroffenen bleibt.

programm und infos unter:

www.perspektiven-selbsthilfe.de

und auf facebook

all gender welcome, orgatechnisch wäre es toll, wenn ihr euch anmelden würdet, nicht zuletzt wegen der getränke und dem (veganen) essen. die werkstatt der kulturen ist barrierefrei, simultandolmetschung zwischen deutsch-englisch-spanisch.

Kritische Tage zum herrschenden Geschlechterverhältnis

Uns erreichte folgender interessanter Veranstaltungshinweis:

Vom 30.11.2012 -02.12-2012 findet in Hannover nun zum zweiten Mal der Kongress »Kritische Tage zum herrschenden Geschlechterverhältnis« statt.

Dort wird sich gemeinsam- praktisch wie theoretisch – auf die Spuren der herrschenden Geschlechterverhältnisse begeben und sie kritisiert. Außerdem sollen ihre Verschränkungen und Koppelungen mit anderen Herrschaftsmechanismen herausgearbeitet werden.

In verschiedenen Veranstaltungen wird sich zum einen die Entstehung von queeren, feministisch-materialistischen sowie differenzfeministischen Ansätzen angeschaut, versucht diese zu verstehen und sie zusammenzudenken. Dabei entstehen im besten Fall Spannungen, die zu Bereicherungen in Analysen und Praxen führen.

Zum anderen wird in einigen Veranstaltungen und Workshops versucht, diese Analyse auf die Praxis zu übertragen und auf verschiedene Art und Weise anzuwenden. Hierbei soll auch die selbstkritische Analyse der eigenen Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse, sowie unsere individuelle Selbst- und Fremdwahrnehmung als politisch Handelnde, einen Raum bekommen.

mehr Infos unter: http://kritischetage.blogsport.de/

Lieber Sprachdschungel als Betonphrasen

http://www.flickr.com/photos/glans/2449390199/ Leider ist nicht alles so schön leicht verständlich

In der taz wird berichtigte Kritik am feministischen Diskurs geübt, der leider viel zu oft durch unnötig „akademische“ Ausdrucksweise diejenigen ausschließt, deren Alltagssprache eben nicht von Haus aus nach Simone de Beauvoir klingt:

Allzu oft fielen in der Debatte Sätze wie „bildet euch doch“ oder „lies doch mal dieses oder jenes Buch“. In feministischen Onlineforen würden Neulinge auf diese Weise schnell mundtot gemacht (…).

Aber zwischen „Feminism rocks“ und Judith Butler liegt eine riesige Bandbreite an Ausdrucksweisen, aus denen wir wählen können (eigentlich so viele Ausdrucks- und Verständnisformen wie Menschen) – die Menschheit ist unglaublich vielfältig, und je vielfältiger unsere Kommunikation wird, desto besser erreichen wir alle einander.
Oder einfacher gesagt: Man sollte möglichst so reden, daß alle Leute, die es angeht, es auch verstehen können. Sicher ist das nicht immer möglich – wenn sich beispielsweise irgendwelche Computernerdgrrrls untereinander in „ihrer Sprache“ unterhalten, versteh ich auch nicht so viel, als daß ich groß mitkommen würde. Trotzdem sind deren Diskussionen untereinander deswegen nicht weniger wichtig, müssen trotzdem geführt werden. Auch das ist Vielfalt.
Aber sollte die gesamtgesellschaftliche feministische Diskussion dann nicht in einer „Mainstreamsprache“ geführt werden, oder anders ausgedrückt:

„Die Leute, die gegen den Feminismus ‚bashen‘, haben wohl die richtigen Worte gefunden“, sagt eine Teilnehmerin. Eine Andere pflichtet ihr bei: „Wir müssen unsere feministischen Anliegen mehr an die Menschen herantragen“.

Und weiter oben wird von der taz als Beispiel für die falsche Vorgehensweise angeführt:

Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus – solch platten Weltsichten überzeugen offenbar viele Menschen. Der gleichnamige Beziehungsratgeber von Therapeut John Gray erreichte eine Millionenauflage. (…)
„Das Unbehagen der Geschlechter“ der US-amerikanischen Theoretikerin Judith Butler findet demgegenüber ein eher kleines Publikum.

Mal abgesehen davon, daß der Vergleich sowieso etwas gewagt ist, aber – soll das heißen, der Feminismus solle jetzt auf dieses MarsVenus-Niveau runter, damit das dumme (Weibs-)Volk auch kapiert, um was es geht? Ach nööö… (mehr…)